Der Waffenstillstand läuft am 22. April ab. Beide Seiten haben dem Vernehmen nach prinzipiell zugestimmt, ihn zu verlängern – um mindestens zwei Wochen, sagen regionale Unterhändler und Recherchen, die anonym bleiben. Drei Streitpunkte liegen noch auf dem Tisch: das Atomprogramm, die Straße von Hormus, Kriegsentschädigungen. Und während Diplomaten an diesen Fragen arbeiten, schafft das Militär auf See täglich neue Realitäten.

Das US-Zentralkommando hat die Blockade iranischer Häfen seit Montag in Kraft. Mehr als zwölf amerikanische Kriegsschiffe stehen im Golf von Oman. Sechs Handelsschiffe haben bereits die Anweisung erhalten, umzukehren – und sind umgekehrt. Iran reagierte mit einer Drohung. Ali Abdollahi, Kommandeur des iranischen Generalstabs, sagte, sollte die Blockade nicht aufgehoben werden, werde der Iran den gesamten Handel im Persischen Golf, im Arabischen Meer und im Roten Meer blockieren. Er nannte die amerikanische Blockade einen Vorläufer zur Verletzung des Waffenstillstands.

Währenddessen schreibt Trump auf seiner Social-Media-Plattform, China habe zugesagt, keine Waffen an den Iran zu liefern. Er sagt, er habe Xi Jinping einen Brief geschrieben – und Xi habe geantwortet, er tue das nicht. Chinas Außenministerium dementiert seit Tagen jede militärische Unterstützung für Teheran. Dass Trump den Deal öffentlich mit der Öffnung der Straße von Hormus verknüpft, zeigt, wie eng diese Fragen ineinandergreifen. Peking lobt seinerseits Pakistan für seine Vermittlerrolle und begrüßt eine zweite Verhandlungsrunde zwischen Washington und Teheran.

Pakistan arbeitet auf Hochtouren. Premierminister Shehbaz Sharif reist diese Woche nach Saudi-Arabien, Katar und in die Türkei – eine Diplomatiereise, die eine zweite Gesprächsrunde sichern soll, bevor der Waffenstillstand ausläuft. Saudi-Arabien überweist gleichzeitig drei Milliarden Dollar in die pakistanische Zentralbank, als Zeichen der Stabilität in einer Region, die wirtschaftlich unter dem Krieg ächzt. Finanzminister Muhammad Aurangzeb ist in Washington, bei den Treffen der Weltbank und des Internationalen Währungsfonds.
Russlands Außenminister Sergej Lawrow ist in Peking. Er sagt, der Iran habe das unveräußerliche Recht, Uran für zivile Zwecke anzureichern. Russland sei bereit, angereichertes Uran aus dem Iran zu übernehmen – zur Weiterverarbeitung oder zur Lagerung, in welcher Form auch immer Teheran es akzeptiere. Lawrow betont, Moskau und Peking stünden fest hinter den Verhandlungen. Rafael Grossi, Generaldirektor der Internationalen Atomenergiebehörde, sagt in Seoul, jedes Abkommen müsse sehr detaillierte Kontrollmechanismen enthalten. Der Iran habe ein breites, ehrgeiziges Atomprogramm – das erfordere IAEA-Inspektoren vor Ort.
Der Iran selbst signalisiert eine begrenzte Gesprächsbereitschaft. Sprecher Esmail Baghaei sagt, Teheran sei offen, über Art und Grad der Urananreicherung zu sprechen – aber das Land müsse auf der Grundlage seiner Bedürfnisse weiter anreichern dürfen. Das ist kein Nein. Es ist auch kein Ja. Es ist die Sprache eines Landes, das verhandelt, während es beschossen wird.

In Teheran explodierten früh am Mittwochmorgen zwei ferngesteuerte Sprengsätze. Drei Menschen wurden leicht verletzt, darunter ein Mitglied der Basij-Miliz. Ein drittes Gerät wurde entschärft. Revolutionsgarden-Kommandeur Mohammad Balideh sagte, die Lage sei normal und unter Kontrolle. Nichts Außergewöhnliches, sagte er. Nur eine begrenzte Explosion auf der Straße.
Im Libanon treffen sich israelische und libanesische Unterhändler zum ersten direkten Gespräch seit Jahrzehnten. Israel führt gleichzeitig Luftangriffe auf mehr als 200 Hisbollah-Ziele im Süden des Landes durch. Die libanesische Bevölkerung ist gespalten. Mustafa Alaa Al-Din, aus einem Grenzdorf vertrieben und jetzt in Beirut, sagt, diese Verhandlungen repräsentierten ihn nicht. Mohamed Saad, ebenfalls in Beirut, sagt, die Verhandlungen lägen mehr im Interesse des Libanon als im Interesse Israels – weil es der Libanon sei, dessen Land zerstört werde. Der Hisbollah-Abgeordnete Hassan Fadlallah nennt die Gespräche beschämend und fordert ein Volksreferendum über die Zukunft der Hisbollah-Waffen. Die Außenpolitik seines Landes, sagt er, werde gerade von Israel bestimmt.
In Kiryat Shmona, der israelischen Grenzstadt im Norden, ist das Vertrauen in die Verhandlungen gering. Eli Mizrahi sagt, die Hisbollah sei stärker als die libanesische Armee. Nichts werde dabei herauskommen. Bruria Danino sagt, sie werde sich erst ruhig fühlen, wenn die Hisbollah beseitigt sei. Im Hintergrund heulen Sirenen.
Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan warnt vor einem israelischen Sabotageakt am Waffenstillstand. Verhandlungen könnten nicht mit geballten Fäusten geführt werden, sagt er. Waffen dürften nicht wieder das Wort übernehmen.
Großbritannien hält stand. Premierminister Keir Starmer sagt im Unterhaus, er werde seinen Kurs nicht ändern. Er werde nicht nachgeben. Es liege nicht im nationalen Interesse, diesem Krieg beizutreten. Trump hatte dem Vereinigten Königreich zuvor gedroht, den Handelsvertrag aufzukündigen – weil London sich geweigert hatte, an seinem Krieg teilzunehmen. Liberal-Democrats-Chef Ed Davey fragte Starmer im Parlament, wie er den König in die USA schicken könne zu einem Mann, der sich wie ein Mafiaboss aufführe. Starmer antwortete, der Besuch von König Charles III. markiere den 250. Jahrestag der Vereinigten Staaten – und die Bindung zwischen den Ländern sei wichtiger als jeder Einzelne, der gerade ein Amt bekleide.
Norwegen verdient. Die Exporterlöse aus Öl und Gas stiegen im März auf knapp 200 Milliarden Kronen – rund 21 Milliarden Dollar, ein Plus von 28 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Jan Olav Rørhus von Statistics Norway sagt, die Schließung der Straße von Hormus habe einen erheblichen Angebotsschock ausgelöst. Südkorea hat sich 273 Millionen Barrel Rohöl und 2,1 Millionen Tonnen Naphtha aus Golfstaaten und Kasachstan gesichert. Ein Teil der Lieferungen wird über das Rote Meer umgeleitet, um die Straße von Hormus zu umgehen. Naphtha-Engpässe bedrohen die Produktion von Kunststoffen und medizinischen Produkten wie Infusionsbeuteln und Spritzen. Japan stellt zehn Milliarden Dollar für Südostasien bereit, um die Region bei der Sicherung von Öllieferungen zu unterstützen. Das Programm heißt Power Asia.

Trump sagt, die Benzinpreise werden stark fallen, sobald der Krieg vorbei ist. Er sagt, er sei mit einem Ölpreis von 92 Dollar pro Barrel zufrieden. Er sagt, der Krieg könne sehr bald enden. Der Waffenstillstand läuft am 22. April ab. Heute ist der 15. April.
Sieben Tage.
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