Der Achtzigjährige, der rückwärts altert

VonRainer Hofmann

Mai 24, 2026

Es gibt eine Art Foto, die niemand von sich selbst macht, weil das Ergebnis vorher feststeht. Man stellt sich neben einen anderen Menschen, ein Stativ surrt, und für den Rest der Woche weiß man, woran man ist. Donald Trump hat ein solches Foto heute nicht nur gemacht. Er hat es ins Internet gestellt, es mit Großbuchstaben überschrieben und der Welt mitgeteilt, was darauf zu sehen sei: dass er jünger werde.

„Präsident Trump wird JÜNGER“, stand über dem Bild. Darunter, von ihm selbst: „Präsident Xi und Präsident Trump sind FANTASTISCH!“

Man sollte hier kurz innehalten, so wie man innehält, wenn jemand auf einer Familienfeier das Mikrofon nimmt und etwas sagt, das nicht mehr zurückzuholen ist.

In wenigen Wochen wird dieser Mann achtzig. Achtzig ist ein Alter, in dem andere Menschen ihre Brille suchen, ihre Enkel verwechseln und sich heimlich freuen, wenn der Aufzug funktioniert. Trump dagegen sitzt im Oval Office, umgeben von Kriegen, einem zerstrittenen Kongress, Gerichten, die ihm nicht gehorchen, und einem Iran, der nicht aufhört, ein Problem zu sein – und in diesem Moment, ausgerechnet in diesem Moment, beschließt er, der Nachwelt eine Eigenschaft mitzuteilen, die kein Mensch und kein Mediziner je an einem Achtzigjährigen festgestellt hat.

Die Sache hatte einen Vorlauf. Das Foto stammt von seiner China-Reise Anfang des Monats, und schon damals, im Interview mit Sean Hannity, redete Trump auffällig lange über den falschen Mann. Nicht über Handelsbilanzen, nicht über Taiwan. Über Xi Jinpings Körpergröße. Xi sei groß, sagte er, sehr groß. Xi misst etwa einen Meter achtzig. Trump beansprucht seit Jahren einen Meter neunzig. Wer beide nebeneinander gesehen hat, ahnt, warum die zehn Zentimeter dem Präsidenten so wichtig waren, dass er sie in einem Fernsehinterview unterbrachte.

Dann kam die Rückkehr nach Washington, und mit ihr der vielleicht aufschlussreichste Auftritt der ganzen Geschichte. Trump trat vor die Presse mit einem großen Schild vor dem Bauch, auf dem der von ihm geplante Ballsaal des Weißen Hauses abgebildet war. Architektur, könnte man meinen. Staatsangelegenheit. Trump erklärte den Journalisten jedoch in aller Offenheit, worum es ihm bei dieser Bildtafel eigentlich ging:

„Ich sehe so dünn aus. Sie werden sagen: Oh, er ist so dünn geworden. Ihr müsst nicht auf meine Taille schauen. Ihr könnt darauf schauen. Ihr habt genug von meiner Taille zusammen mit Präsident Xi in China gesehen.“

Das ist der Punkt, an dem die Szene kippt. Ein Staatsoberhaupt hält ein Schild vor den eigenen Körper und sagt den anwesenden Reportern, sie sollten bitte das Schild ansehen und nicht ihn. Es ist eine Geste aus dem Schulhof, vorgetragen mit der Autorität des mächtigsten Amtes der Erde, und niemand im Raum lachte, weil niemand sich sicher war, ob er gerade durfte.

Die Zahlen, vor denen das Schild schützen soll, sind nicht geheim. Bei der Untersuchung im Walter Reed Medical Center wog Trump im vergangenen Jahr 224 Pfund, gut hunderteinhalb Kilogramm, bei einem Body-Mass-Index von 28. Medizinisch heißt das: Übergewicht. Es ist kein dramatischer Wert. Es ist der Wert eines durchschnittlichen Mannes seines Alters, und genau das scheint das Problem zu sein. Durchschnitt ist in Trumps Welt eine Diagnose.

Den BMI ignoriert er ohnehin. Was schwerer zu ignorieren ist, sieht man auf den jüngeren Aufnahmen an seiner Hand. Beobachter haben mehrfach Verfärbungen und Blutergüsse beschrieben, die auf den Bildern später wie überschminkt wirken – eine Hand, über die jemand Make-up gelegt hat, in der Hoffnung, dass es niemandem auffällt, was natürlich der sicherste Weg ist, dass es allen auffällt. Der frühere Johns-Hopkins-Professor John Gartner formulierte es so, dass man kein Spezialist sein müsse, um die Veränderungen zu erkennen.

Trump sieht das anders. Oder, was wahrscheinlicher ist, Trump interessiert etwas ganz anderes.

Denn wer ihm länger zuhört, merkt, dass er über Jugend, Körper und Aussehen so beiläufig und so dauernd spricht wie andere Menschen über das Wetter. Bei der Abschlussfeier der Küstenwache lobte er die Absolventen nicht für Disziplin oder Leistung, jedenfalls nicht zuerst. Er sprach über ihre Fitness und ihr Aussehen. Als ein besonders erfolgreicher junger Mann zu ihm trat, sagte der Präsident der Vereinigten Staaten in ein offenes Mikrofon: „Ich hasse gut aussehende Männer.“

„Ich hasse gut aussehende Männer. Wir haben außerdem den einzigen Kadetten, der bei jedem einzelnen Fitnesstest eine perfekte Punktzahl erreicht hat. Ich will ihn mir mal genauer ansehen. Schaut euch die Muskeln dieses Typen an.“

Es war ein Witz. Es war auch keiner. Es war einer dieser Sätze, die in Trumps Mund zwischen Scherz, Bewunderung und einer fast schmerzhaften Ehrlichkeit hängen bleiben, und der junge Mann lächelte höflich, so wie man lächelt, wenn man gerade in etwas hineingeraten ist, das größer ist als man selbst.

Am 14. Juni nun wird Trump achtzig. Gefeiert werden soll, dem Vernehmen nach, mit UFC-Kämpfen auf dem Gelände des Weißen Hauses – Männer, die sich in einem Käfig schlagen, als Geburtstagsunterhaltung des Präsidenten. „Das wird die größte Show der Welt“, sagte er. Man stellt sich den Rasen vor, das Flutlicht, den Käfig, und dahinter das weiße Haus mit den Säulen, in dem einmal über Sklaverei, Krieg und Mondlandung entschieden wurde. Und vielleicht liegt hier der der Punkt, an dem das Make-up nicht mehr hilft. Frühere Präsidenten versuchten, Stärke durch das zu beweisen, was sie taten – durch Gesetze, durch Verträge, durch das Aushalten von Krisen. Trump beweist sie durch das, was man sieht. Über die Größe. Über das Gewicht. Über die Hand. Über das Gesicht.

Während also der Rest der Menschheit irgendwann vor dem Spiegel steht und leise zur Kenntnis nimmt, dass ein Jahr vergangen ist, sitzt Donald Trump an seinem Telefon und stellt eine Rechnung auf, die in keiner Schule der Welt durchginge. Neunundsiebzig plus eins. Das Ergebnis, verkündet in Großbuchstaben, lautet: jünger.

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Ela Gatto
15 Tage vor

Ein Narzisdt und Soziopath kann nicht altern.
Nicht in seiner Welt.
Altern bedeutet Schwåche.

Und da klafft die eigene Vision weit, weit von der Realität auf.

Er sieht, wenn man kein KI oder Photoshop verwendet, definitiv deutliche älter aus.
Falten, Tränensäcke, blaue Flecken, schütteres Haar.
Aber immerhin das rechte Ohr ist so perfekt geheilt, dass man bicht die Narbe vom Streufschuss sieht.

Selbstverständlich hasst er gut aussehende Männer.
Sie haben auf jeden 2 Attribute, die er nicht hat.
Jung sein und gut aussehend (das hatte er auch nie… Frauen haben sich nur wegen des Geldes mit ihm eingelassen)

Nach gut aussehenden Männern drehen sich die Frauen um.
Nach Trump vielleicht, wenn er in jeder Hand mit einem dicken Bündel 100$ Scheinen wedelt.

Da er ja immer präsent sein muss,fallen Facelifting und andere Schönheits-OP weg.
Botox alleine reicht da nicht mehr.

Vielleicht sollte er sich mal den Film „Die unglaubliche Geschichte des Benjamin Button“ ansehen.
Aber das übersteigt wahrscheinlich seinen IQ

Zuletzt bearbeitet am 15 Tage vor von Ela Gatto
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