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Das Verbrechen, das noch nicht geschah: Unsere Recherche: In Amerika wirst du für Gedanken verhaftet, auch als Tourist

VonTEAM KAIZEN BLOG

30. Juli 2026

Es beginnt mit einem Klopfen. Der Wagen des Sheriffs steht in der Auffahrt, und der Mann an der Tür will nichts von einer Tat wissen, denn eine Tat gibt es nicht. Er hat einen Beitrag gelesen, spätabends abgesetzt, ein Wort zu viel über die Regierung, den Kapitalismus, die Grenze. Irgendwo, in einem Zentrum, das man nie betreten wird, hat ein geschulter Beamter darin ein Anzeichen erkannt, die Möglichkeit einer Tat, die nie geschah und vielleicht nie geschehen wird. Von da an existiert eine Akte, und in ihr existiert man als der, der man werden könnte. Bis vor Kurzem hätte der Sheriff für so etwas keinen Auftrag und kein Geld gehabt. Jetzt hat er beides.

Lesen Sie auch unseren Artikel: Recherchen decken auf: Kopfgeldliste – Wie ICE lokale Polizei für Verhaftungen bezahlt, selbst bei Kindern

Beides stammt aus einem internen Schreiben der Katastrophenschutzbehörde FEMA. Wir sind im Besitz des vollständigen Schreiben. Es ist ein Papier über Fördergelder, und es stellt den ältesten Satz des Rechtsstaats auf den Kopf, jenen Satz, der bislang jede freie Ordnung des Westens trug, wonach der Tat die Strafe folgt und niemals umgekehrt.

Was der Staat kaufen möchte

FEMA, jahrelang für ihr Versagen bei Waldbränden, Fluten, Hurrikanen und Tornados gescholten, hat eine neue Aufgabe. Sie heißt inländischer Terrorismus. Eine uns vorliegende Direktive mit der Nummer 566, datiert auf den 9. Juli 2026 und gezeichnet vom kommissarischen Vize-Verwalter der Förderdirektion, weist die Länder und Kommunen an, ihn in ihren Anträgen vorrangig zu behandeln. Der Titel beruft sich auf die Umsetzung des Nationalen Sicherheitsmemorandums Nummer 7. Der Inhalt nimmt Trumps Verlangen auf, mutmaßliche Terroristen im Inneren auszuheben, ehe sie zuschlagen.

Das Schreiben, das alles auslöst. Datiert auf den 9. Juli 2026, gezeichnet von einem kommissarischen Beamten, weist es die Länder an, den inländischen Terrorismus zur Vorgabe zu machen.

Das Papier, das uns vollständig vorliegt, ist von entwaffnender Offenheit darin, was die Staaten kaufen sollen. Schulungen, um Anzeichen in den sozialen Medien zu erkennen. Analysten, die Verhalten im Netz und digitale Spuren überwachen. Teams für den Umgang mit Personen von Belang, deren Verhalten eine mögliche Entwicklung hin zum Terrorismus verrate.

Der Kern in Kurzform. Das Papier erklärt die neue Priorität, erinnert an die Mindestquote und öffnet die Tür, damit die örtliche Polizei sie erfüllt.

Hier bindet FEMA die Fördergelder an das Memorandum des Präsidenten. Was als Terrorismus zählt, verweist das Papier an eine Bestimmung, deren Weite sich nach Bedarf dehnen lässt.

Auf 8 Seiten fällt das Wort Anzeichen in seinen Beugungen 10 Mal. Es ist das Lieblingswort der Sicherheitsbehörden, weil es verhüllt, worum es geht. Ein Anzeichen ist etwas, das jemand sagte oder tat und das ein darauf abgerichteter Beamter als Vorboten eines Verbrechens lesen soll. Wo früher der Beweis am Anfang jeder Ermittlung stand, steht nun die Vorhersage. Es ist Polizeiarbeit nach Ahnung, Wahrsagerei im Anzug der nationalen Sicherheit. Was man gegen wirkliche Terrororganisationen wie al-Qaida oder den Islamischen Staat ersann, richtet sich nun gegen die eigenen Bürger.

Wie tief die Vorbeugung sitzt, verraten die Vorhaben, zu denen die Direktive drängt. Man solle die neuesten Taktiken der inländischen Terroristen lernen, um deren Anzeichen vor einem Angriff zu erkennen. Man solle Gemeinden schulen, bedrohliches oder auffälliges Verhalten zu melden. Und man solle das Ausspähen üben, das Beobachten und das Gegenbeobachten, um das vorbereitende Auskundschaften inländischer Ziele aufzudecken. Ausgenommen bleibt allein, was keinen Bezug zur Terrorabwehr hat. Sozialarbeit, Gesundheitsprogramme, alles, was hilft und nicht verdächtigt, zählt ausdrücklich nicht.

Die Liste des Förderwürdigen liest sich wie der Bauplan eines Apparats. Gefördert werden Teams zur Verhaltensbewertung, die Personen von Belang einstufen und ihre Betreuung aktenkundig machen. Gefördert werden Verbindungsbeamte, die zwischen Streife, Spezialeinheit und Fusionszentrum vermitteln und sich eigens auf die Anzeichen richten. Gefördert werden Meldesysteme, angebunden an eine zentrale Datenbank des Bundes, dazu Überstunden für Analysten in Zeiten erhöhter Bedrohung, damit die Überwachung niemals ruht. Selbst die Ausrüstung ist bedacht, bis hin zu Spezialoptiken zur Früherkennung an belebten Orten, den Kirchen und Schulen, den Regierungsgebäuden und Verkehrsknoten, den Wahllokalen und Menschenansammlungen.

Was FEMA und das Ministerium als besonders wertvoll ansehen. Die Beispiele sind ausdrücklich nicht abschließend, der Spielraum bleibt bewusst offen.

Der Zwang im Kleingedruckten

Warum eine Kommune sich auf ein derart heikles Feld begibt, erklärt ein zweites, uns ebenfalls vorliegendes Dokument, eine Förderausschreibung des übergeordneten Heimatschutzministeriums. Es ist eine Einkaufsliste über 1 Milliarde Dollar, und sie hat einen Haken. 35 Prozent müssen in die Terrorabwehr fließen, ein weiterer Anteil in 5 Vorgaben des Ministeriums, unter ihnen die Wahlsicherheit mit mindestens 3 Prozent und die Bewältigung der Grenzkrise mit mindestens 10. Wer die Vorgaben verfehle, heißt es kühl, dem würden die betroffenen Mittel gesperrt, bis der Verstoß behoben sei. Das ist keine Bitte. Das ist die Drohung mit dem Geldhahn.

Zahlen oder zahlen lassen. Wer die Quoten nicht erfüllt, verliert die Mittel. Und die Grenzkrise führt schnurstracks zu 287(g), zur bezahlten Jagd der örtlichen Polizei auf Migranten.

Die Schwellen sind beweglich, und sie bewegen sich nur nach oben. Das Gesetz von 2002 verlangt, dass mindestens 25 Prozent bestimmter Mittel in die Terrorabwehr durch die Polizei gehen. Für das Haushaltsjahr 2026 hat das Ministerium die Grenze per eigener Weisung auf 35 Prozent gehoben. Was der Gesetzgeber als Boden setzte, treibt die Verwaltung nach Belieben in die Höhe. Und was überhaupt als Terrorismus gilt, ist so weit gefasst, dass es sich nach Bedarf dehnt. Die Direktive verweist auf die Bestimmung, wonach jede Handlung darunterfällt, die menschliches Leben gefährdet, gegen Strafgesetze verstößt und darauf zielt, eine Zivilbevölkerung einzuschüchtern oder die Politik einer Regierung zu beeinflussen. Wer festlegt, was einschüchtert, bestimmt die Reichweite des Verdachts, und dieser Wer sitzt in Washington.

Aus mindestens 25 Prozent macht die Verwaltung per eigener Weisung 35. Was der Gesetzgeber als Untergrenze setzte, treibt das Ministerium nach eigenem Gutdünken nach oben.

Die Vorgaben folgen den Zwangsvorstellungen des Präsidenten wie der Schatten dem Mann. Erst in diesem Monat behauptete Trump zur besten Sendezeit, China habe die Wahl von 2020 manipuliert, und schon steht die Wahlsicherheit auf der Liste. Die Grenzkrise führt die Staaten geradewegs zum Programm mit der Kennung 287(g), das die örtliche Polizei zu Kopfgeldjägern macht, indem es sie für die Einwanderungskontrolle bezahlt, mit Prämien nach der Zahl der Aufgegriffenen. Das Ministerium schreibt es offen in die Tabelle, mindestens 10 Prozent für die Zusammenarbeit der örtlichen Kräfte mit den Ermittlern des Heimatschutzes, um jene zu ergreifen und zu entfernen, die als Gefahr gälten. Eine weitere Vorgabe nennt die neuen Einsatzgruppen aus Bund und Ländern, die Trump am ersten Tag seiner Rückkehr per Verordnung schuf. Und die letzte, der Schutz belebter Orte, trägt ihr eigenes Gespenst.

Lesen Sie auch unseren Artikel: Unsere Recherche und geheime Dokumente belegen: Wie Unterstaatssekretärin Rogers erst Deutschland, dann halb Europa zum Feind erklärt

Ein Mord als Geburtsstunde

Das Gespenst hat einen Namen. Charlie Kirk, der konservative Aktivist, im vergangenen September vor einer Menge bei einer Universitätsveranstaltung erschossen. Aus diesem Mord ging alles Weitere hervor. 3 Tage nachdem er die Antifa per Verordnung zur inländischen Terrororganisation erklärt hatte, unterzeichnete Trump am 25. September 2025 das Memorandum Nummer 7. Es beginnt mit einem Verweis auf Kirks Tod, und es errichtet ein Programm, das den nächsten solchen Tod verhindern soll, indem es die Ursache dort sucht, wo sie bequem zu finden ist, in der Gesinnung.

Hier gelangen Sie zu unserem Charlie-Kirk-Dossier

Denn das Memorandum behauptet, politische Gewalt in Amerika entstehe nicht von selbst, sie sei das Werk ausgeklügelter, organisierter Kampagnen. Und es benennt seine eigenen Anzeichen des Terrorismus. Man muss die Aufzählung in ganzer Länge lesen, um ihre Kühnheit zu ermessen. Anti-Amerikanismus und Anti-Kapitalismus, dazu das Anti-Christentum, die Befürwortung eines Umsturzes, ein Übermaß an Haltung in Fragen von Migration, Rasse und Geschlecht, schließlich die Feindseligkeit gegen jene, die am herkömmlichen Verständnis von Familie, Religion und Sittlichkeit festhalten.

Zu den beiden Artikel:

Recherchen decken auf: Anti-Kapitalismus. Anti-Christentum. Anti-Amerika. Das FBI führt jetzt Listen.

Das FBI führt jetzt Listen Teil 2: Angeklagt für ein Passwort – Trumps Justiz macht das Verschlüsseln zum Verbrechen

Ein Mann klatschte während der Bürgerfragestunde bei einer Anhörung zur Ausweisung eines Rechenzentrums in Emporia, Kansas, ein einziges Mal.

Er wurde festgenommen

Hier fällt die Maske. Keine Tat wird mehr verlangt, es genügt eine Überzeugung. Der Katalog beschreibt keine Bombenbauer, er beschreibt eine Haltung und stellt sie unter Aufsicht. Wohin das führt, haben wir bereits gezeigt, in unserer Recherche Recherchen decken auf: Anti-Kapitalismus. Anti-Christentum. Anti-Amerika. Das FBI führt jetzt Listen. und in ihrer Fortsetzung Das FBI führt jetzt Listen Teil 2: Angeklagt für ein Passwort – Trumps Justiz macht das Verschlüsseln zum Verbrechen. Offen gesagt hatten wir mehr Widerspruch erwartet. Doch die Folgen dieser Politik finden in weiten Teilen der Bevölkerung Zustimmung, und nichts fürchtet die Freiheit mehr als den Beifall derer, die glauben, es treffe immer nur die anderen.

Die Nachbarn als Meldestelle

Am weitesten reicht das Programm dort, wo es den Bürger selbst in Dienst nimmt. Ausdrücklich ermuntert die Direktive zu Kampagnen, die Gemeinden darauf abrichten, bedrohliches oder auffälliges Verhalten zu melden, und die das Publikum lehren, die Anzeichen zu erkennen und weiterzureichen. Der alte Ruf, etwas zu sagen, wenn man etwas sehe, wird nach innen gedreht und auf die Gesinnung des Nachbarn gerichtet. Eine Gemeinschaft, die sich selbst überwacht, braucht am Ende die wenigsten Beamten, denn sie hat jeden Einzelnen zum Beamten gemacht. Es ist die leiseste Form der Herrschaft, weil sie nicht von oben kommt, sondern durch die Wohnzimmer geht. Und wo das Misstrauen zur Bürgerpflicht erhoben wird, stirbt das Vertrauen, das eine Gesellschaft überhaupt trägt. Zurück bleibt eine Nachbarschaft, in der jeder den anderen mit den Augen der Behörde mustert.

Bis hinunter zum Sheriff

Lange zielte das Memorandum vor allem auf den Bundesapparat, auf die Bundespolizei und die Steuerbehörde. Doch ein knapper Abschnitt am Ende greift hinab bis zum Sheriff des Landkreises. Er trägt dem Heimatschutzminister auf, Förderprogramme zu schaffen, die die örtliche Polizei dafür bezahlen, den Terrorismus im Inneren zu jagen. Die FEMA-Direktive ist die Ausführung dieses Befehls. Sie macht aus den Fusionszentren, jenen nach den Anschlägen vom 11. September 2001 errichteten Knoten, in denen Polizei, Bundesagenten und Analysten ihre Daten bündeln, Werkzeuge gegen die inländische Bedrohung. Sie finanziert die Teams, die Personen von Belang einstufen. Und sie bezahlt die Überwachung digitaler Spuren, die auf eine Mobilisierung hindeuten sollen.

Wie weit die Abrichtung reicht, zeigt der Katalog der Schulungen. Kurse über die Geschichte des Terrorismus und die Verhältnisse, die ihn nähren, sollen ausdrücklich den inländischen Extremismus und die organisierte politische Gewalt behandeln. Übungen am Tisch und im Ernstfall sollen prüfen, ob die Meldungen fließen und das Verdächtige erkannt wird, andere sollen die Abwehr digitaler Angriffe inländischer Akteure proben. Alles läuft am Ende in ein zentrales Meldesystem des Bundes, sodass die Beobachtung eines einzigen Landkreises der ganzen Nation zur Verfügung steht. So wächst, Stück für Stück, ein Nervensystem, das bis in die kleinste Wache reicht und dessen Reizschwelle nicht mehr die Tat kennt, sondern nur noch den Verdacht.

Eine Behörde, die man ausbluten ließ

Dass daraus nichts Gutes erwächst, wusste Washington längst. FEMA entstand 1979 als unabhängige Behörde. Nach den Anschlägen von 2001 aber wurde sie 2003 in das neue, auf Terrorabwehr getrimmte Heimatschutzministerium eingegliedert, und ihre Aufgaben der Vorsorge wurden herausgebrochen und über das Ministerium verstreut. Noch im selben September warnte der zuständige Staatssekretär den damaligen Minister Tom Ridge in einem 7-seitigen Vermerk, der Umbau werde Amerikas Fähigkeit zur Katastrophenhilfe lähmen. Man überging ihn. 2 Jahre später kam Katrina.

Der Ursprung des Ganzen. Hier befiehlt das Weiße Haus, den inländischen Terrorismus zur nationalen Priorität zu erklären und die örtlichen Sicherheitskräfte dafür zu bezahlen.

Auch die Fusionszentren haben ihre Bilanz. Im Oktober 2012 hielt eine überparteiliche Untersuchung des Kongresses fest, dass das Heimatschutzministerium nicht einmal sagen konnte, wie viel es für sie ausgegeben hatte. Die eigenen Schätzungen schwankten zwischen 289 Millionen und 1,4 Milliarden Dollar. Die dort erzeugten Erkenntnisse seien von ungleicher Güte, befand der Senat, oft dürftig, selten rechtzeitig, mitunter die Bürgerrechte gefährdend. In 13 Monaten ihrer Berichte fand sich nichts, das eine Bedrohung aufgedeckt oder einen laufenden Anschlag vereitelt hätte. Von 610 Berichten wurden 188 nie veröffentlicht, viele, weil sie nichts Brauchbares enthielten oder Rechte verletzt hätten. Unter den beanstandeten Meldungen fanden sich die Buchempfehlungen einer muslimischen Gemeindegruppe, ein Ratgeber zur Kindererziehung und das Flugblatt eines Motorradclubs, das seinen Mitgliedern riet, bei Verkehrskontrollen höflich zur Polizei zu sein. 14 Jahre später erhält eben diese Maschine den Auftrag, digitale Spuren nach Anzeichen unamerikanischer Gesinnung abzusuchen.

Was FEMA und das Ministerium als besonders wertvoll ansehen. Die Beispiele sind ausdrücklich nicht abschließend, der Spielraum bleibt bewusst offen.

Und während sie diesen Auftrag bekommt, bricht man ihr das Rückgrat. Seit Januar 2025 hat FEMA etwa 14 Prozent ihrer Belegschaft verloren, während sie mehr als 300.000 Vorhaben in über 600 offenen Katastrophenfällen verwaltet. Was das heißt, führte die Wirklichkeit gerade vor. Ein Tornado fegte durch das Fox Valley in Wisconsin, der Wetterdienst gab die Warnung aus, die er den schlimmsten Ereignissen vorbehält, und zurück blieben aufgerissene Häuser, deren Inneres verschwunden war. Die Menschen, die dort ihr Zuhause verloren, dürfen sich damit trösten, dass sie vor dem inländischen Terrorismus sicher sind.

Der bürokratische Kniff, der alles verbindet. Wer den inländischen Terrorismus verfolgt, kann damit zugleich seine Pflichtquote erfüllen.

Warum das jeden Reisenden angeht

Wer dieses Dokument für sich liest, übersieht den eigentlichen Zusammenhang. Parallel zu den neuen Förderprogrammen sind die Ermittlungsstrukturen gewachsen und die Grenzkontrollen schärfer geworden. Zugleich wurden Fälle bekannt, in denen selbst Touristen oder US-Bürger ohne nachvollziehbaren Grund festgesetzt wurden. Nicht der Wortlaut des Papiers ist das Beunruhigende, sondern das Umfeld, in dem es erscheint. Ein Verwaltungsschreiben wird so zum Fenster, durch das sich die Richtung einer ganzen Politik erkennen lässt.

Daraus folgt eine Warnung, die wir nicht leichtfertig aussprechen. Wer heute in die Vereinigten Staaten reist, sollte wissen, dass ein Apparat entsteht, der digitale Spuren, Beiträge in sozialen Medien und Haltungen als Anzeichen liest. Eine kritische Meinung zum Kapitalismus, zur Regierung oder zur Grenzpolitik, ein Satz, der gestern harmlos war, kann einen zur Person von Belang machen. Die Grenze ist längst der Ort, an dem sich das entscheidet, denn dort werden Telefone durchsucht und Konten geöffnet, und was einmal geschrieben wurde, nimmt niemand mehr zurück. Dass das Verschlüsseln des eigenen Telefons bereits als Straftatbestand behandelt wurde, haben wir belegt. Man reist in ein Land, das seine Gastfreundschaft unter Vorbehalt stellt, und der Vorbehalt heißt Gesinnung.

Der Preis eines Verdachts

Am Ende bleibt eine Frage, die tiefer reicht als jede Haushaltszeile. Eine Ordnung, die den Menschen für das belangt, was er tat, hält ihn für frei, das Rechte zu wählen. Eine Ordnung, die ihn für das aufgreift, was er werden könnte, hat diese Freiheit schon aufgegeben, denn sie behandelt den Gedanken wie die Tat und die Möglichkeit wie das Verbrechen. Die Unschuldsvermutung war nie ein bloßer Kniff der Juristen. Sie war das Versprechen, dass der Staat den Bürger als frei ansieht, solange dieser ihm keinen Grund zum Gegenteil gibt. Ein Programm, das nach Anzeichen fahndet, kehrt das Versprechen um, es sieht im Bürger den möglichen Täter und wartet, dass er das Gegenteil beweise. Wo der Verdacht genügt, ist am Ende jeder verdächtig, und wer sich sicher wähnt, hat nur noch nicht bemerkt, dass die Liste, auf der sein Name fehlt, sich jederzeit verlängern lässt. Eine klimaleugnende, vom inländischen Terror besessene Regierung erschafft so ihre eigene Katastrophe. Und ein Kongress, der nichts tut, sieht ihr dabei zu, als ginge ihn der Sturm nichts an, der sich bereits über den Wohnzimmern zusammenzieht.

Das FEMA-Papier ist kein Einzelfall. Ob in Washington, Berlin oder Brüssel, Sicherheitsbehörden erhalten mehr Geld, mehr Daten und mehr Befugnisse. Migration, Extremismus und innere Sicherheit beherrschen die Agenda, und die Instrumente mögen sich von Land zu Land unterscheiden, die Richtung tut es nicht. Auf Krisen antwortet der Staat nicht mit weniger, sondern mit mehr Überwachung, dichterer Vernetzung der Behörden und weiteren Eingriffen.

Am gefährlichsten ist daran nicht das einzelne Gesetz, sondern die Gewöhnung, mit der es hingenommen wird. Jede dieser Befugnisse klingt für sich vernünftig, erst in der Summe ergeben sie ein Bild, das man nicht mehr zurückzeichnen kann. Wer das früh benennt, wer prüft, dokumentiert und mitunter unter erheblichem Risiko recherchiert, steht damit oft allein, nicht weil die anderen gleichgültig wären, sondern weil die Tragweite sich im Alltag schwer fassen lässt. Sie zeigt sich selten in einem großen Moment, sie sammelt sich in vielen kleinen. Genau deshalb braucht es diese Recherchen, die hinsehen, ehe aus der Summe eine Ordnung geworden ist, in der das Hinsehen selbst schon verdächtig macht.

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Esther Portmann
Esther Portmann
1 Tag vor

Das erinnert mich an die Stasi oder oder Nordkorea usw.
Es ist erschreckend wie weit der Wahnsinn schon ist.

Anja
Anja
1 Tag vor
Antwort auf  Esther Portmann

Nur dass man heute durch die Digitalisierung viel schneller und effizienter ist 😖

Rainer Hofmann
Administrator
1 Tag vor
Antwort auf  Anja

… da haben sie recht

Rainer Hofmann
Administrator
1 Tag vor
Antwort auf  Esther Portmann

… das kommt der Sache mittlerweile sehr nahe, leider

Benitomo
Benitomo
1 Tag vor

Erinnert mich irgendwie an „Minority Report“!  😥 

Rainer Hofmann
Administrator
1 Tag vor
Antwort auf  Benitomo

…ein sehr guter Vergleich

Ela Gatto
3 Stunden vor

Diesen Bericht musste ich mehrfach lesen.

Das, was jetzt gefördert wird ist die totale Überwachung und Elimination eventueller (!) Kritiker.

Wie soll da Widerstand wachsen?
Ohne Hilfe von Außen, hat es quasi keine Resistance geschafft das zu beenden.
Jedenfalls nicht in der Neuzeit.

Das ganze ist eine Mischung aus 1984, Minority Report, Person of Interest, die Hexenverbrennungen, die Blockwarte zur Nazi Zeit und die informellen Stasi Informanten in der DDR.

Nachbar gegen Nachbar. Mensch gegen Mensch.
Ich mag Jemanden nicht, also wird er angeschwärzt. Ob die Behauptung stimmt ider nicht, die Maschinerie setzt sich in Gang.

NIEMAND ist sicher.
Das muss einfach klar sein.

Es ist mehr wie dringend, dass es eine Reisewarnung für die USA gibt.
Oder müssen auch erst Touristen (Mehrzahl, sonst ist es nur ein bedauerlicher Einzelfall) sterben?

Je mehr die USA in den autokratischen Faschismus abdriften,desto mehr ploppen bei FB profile auf, von Menschen die in die USA ausgewandert sind.
Wie sicher es ist.
Wieviel freier man lebt
Wie freundlich Alle sind.
Welch hervorragende Gesundheitsversorgung man hat und dafür viel weniger zahlt als in Deutschland.
Blablabla.

Ihre Wohnsitze haben sie seltsamerweise in Ohio, Oklahoma, Florida… in all den roten Staaten.
Die „es ist so toll in den USA“ Kommentare klungen auch sehr ähnlich.
Sie reden Alle nieder, die etwas Kritik üben, mit der Behauptung, man muss in einem Land leben um sich eine echte Meinung bilden zu können.
Und es wird viel zu negativ und mit Fake news berichtet.
Ich bin mir sicher, dass die meisten Profile bicht echt sind.
Einige schon, es gibt auch unter Auswanderern MAGA .

Das Gleiche auch mit deutschsprachigen USA Reiseseiten.
USA wird hoch gelobt. Kritik nicht geduldet.

Würde mich, im Hinblick auf Eure Recherche, nicht wundern, wenn genau solch Seiten dazu dienen, kritische Menschen zu erfassen.
Eben nicht nur in den USA.

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