Der Präsident flog nach Wisconsin, um mit Bauern über die Landwirtschaft zu sprechen, und redete dann über weite Strecken seiner Rede über etwas ganz anderes, über seine jüngsten Bemühungen, Washington zu verschönern. Ausführlich legte er dar, wie er das Wasserbecken vor dem Lincoln-Denkmal und die Springbrunnen der Hauptstadt herrichten lasse, und zeigte dabei Schaubilder, die nicht alle im Saal sehen konnten. Es ist eine eigene Kunst, Menschen etwas vorzuführen, das sie nicht sehen, und über das zu sprechen, weswegen man nicht gekommen ist.
Als er endlich zu den Bauern zurückfand, sagte er den Satz, der die ganze Reise erklärt. „Ich stehe heute hier oben. Ich brauche das nicht. Ich bin gewählt worden.“ Und gleich darauf: „Was zum Teufel habe ich hier zu suchen? Ich könnte jetzt zu Hause im schönen Weißen Haus sein und genießen, wie ein anderer im Fernsehen redet.“ Man halte sich das vor Augen.
Ein Mann reist zu jenen, deren Stimmen er sucht, und teilt ihnen mit, er säße lieber daheim und sähe einem anderen beim Reden zu. Dazwischen fielen die gewohnten Sätze. „Wir lieben die Farmer, wir lieben alles an eurem Staat“, sagte er der Versammlung in einer Scheune in Chippewa Falls, seine Partei sei die einzige Wahl für die Landwirte, die Politik der Demokraten „einfach herausragend schlecht“ und „wirklich schlecht für den Farmer“. Auch versicherte er wieder, der Krieg im Iran werde bald enden und die Benzinpreise sinken. Vor den Zwischenwahlen im November, ließ das Weiße Haus wissen, werde er für republikanische Bewerber durchs Land ziehen. „Wie man im Geschäft der Landwirtschaft sagt, wir mussten uns um das Geschäft kümmern“, schloss er. Es bleibt die Frage, wer hier wessen Geschäft besorgt, denn ein Gewählter, der den Wählern sagt, er brauche sie nicht, hat über sein Verhältnis zu ihnen bereits alles gesagt.

Hinter diesem Auftritt steht eine Wirklichkeit, die der Präsident nicht mehr zu sehen scheint, denn er hat die Verbindung zu ihr verloren. Unter seiner Regierung fahren die Farmer Verluste in Milliardenhöhe ein, und während er in Wisconsin von Fontänen sprach, haben wir aus unserer eigenen Dokumentation noch die Bilder aus Brookland in Arkansas vor Augen. Sie sind bedrückend, auch für uns, und entlarvend zugleich.
Hunderte Farmer, viele mit tiefen Falten von Sonne und Sorge, drängen sich schon 2025 in einer Turnhalle. Sie treten ans Mikrofon, sie klagen und beten. „Ich habe noch nie so große Angst gehabt, dass meine Kinder und Enkelkinder den Hof nicht mehr übernehmen können“, sagt einer. Ein anderer beschreibt Trumps Zölle als das i-Tüpfelchen des perfekten Sturms. Was sich in der Halle zeigt, ist Zorn und Furcht, getragen von der verzweifelten Hoffnung, in Washington endlich gehört zu werden, und es schwankt zwischen Andacht und Anklage. „Lieber Gott, wir sind dir so nah, weil wir jeden Tag mit deiner Erde arbeiten. Wir brauchen Hilfe“, fleht ein Farmer.
Und es bleibt nicht beim Verlust der Höfe. Agrarhändler aus der Region berichten von siebenundzwanzig Selbsttötungen innerhalb von zweiundzwanzig Monaten, zwölf davon allein in den letzten zehn Wochen. So groß ist die Verzweiflung. Vielleicht kommt das versprochene Geld, vielleicht kommt es nicht. Die Farmer glauben dem Präsidenten nicht mehr, und aus der Verzweiflung wächst Zorn, auch um der Toten willen. Bis dahin bleibt ihnen das Gebet.
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Was sich in Arkansas zeigte, zeigt sich im ganzen Land. In Iowa sitzen Familien beim Abendessen und fragen sich, wie lange sie noch durchhalten. Aus Kansas werden Maschinen zum Verkauf angeboten, die niemand mehr kaufen kann. Und in Arkansas treffen mehrere Nöte zugleich zusammen, der Handelskrieg und die Inflation, dazu die Naturkatastrophen mit überfluteten Feldern und zerstörten Wegen und mit Dieselpreisen, die in die Höhe geschossen sind. Über all dem steht ein Präsident, der behauptet, die Landwirtschaft sei „stärker als je zuvor“. Die Ironie ist kaum zu übersehen, und sie ist von der bittersten Art, weil sie auf Kosten von Menschen geht, die den ganzen Tag im Boden arbeiten und am Abend nicht wissen, wie es weitergeht.

Am Ende kehrt das Bild zurück, das die Bauern jeden Tag leben. Wer sät, der erntet, und was in Washington gesät wurde, der Zoll und das nicht eingelöste Versprechen, das ernten nun die Höfe, und sie ernten es in Verlust und in Tod. Der Mann, der nach Wisconsin flog und fragte, was er dort überhaupt solle, hat die Antwort vor sich, ohne sie zu sehen. Er soll dort sein, weil dort die Menschen sind, die seine Politik zugrunde richtet. Ein Präsident, der das nicht mehr erkennt, hat die Verbindung zu der Wirklichkeit verloren, über die er regiert, und redet von Springbrunnen, während draußen die Ernte verdirbt und die Höfe sterben.
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Warum, zum Teufel, haben sie ihn nicht in die Wüste gejagt. Das wäre DIE Gelegenheit gewesen möglichst laut und vehement ihren Frust und ihre Not zu beklagen! Warum lässt man diesen Menschen wieder gehen ohne seinen Frust mal herauszuschreien?
…das ist leider die sache mit der tradition, man wählt dort republikanisch, selbst so eine pfeife
Aber irgendwann muss man doch mal anfangen zu denken…!!!!! Wenn man natürlich glaubt, dieser Sektenführer ist eine gottgesandte Prüfung, dann hilft natürlich nur weitermachen und beten … Man möchte sie alle schütteln, damit sie endlich aufwachen. Ob sich die Demokraten als Problemlöser und Menschen erweisen, die den Trümmerhaufen Amerika aufräumen und das US-System modernisieren können – oder ob sie nur unter neuem Namen alte Politik in einem toten System betreiben werden, so sie die Regierung übernehmen sollten,muss sich zeigen. Sie werden heftigen Widerstand von rechts bekommen und der wird sicher maximal unfair sein.
…denkt man sich immer, aber jetzt… bei denen ist eine Revolution, wenn die die trump fahne abhängen, haben wir mal in indiana eine reportage drüber gemacht, es ist einfach irre …