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Niemand wollte die Wildnis kaufen

VonRainer Hofmann

Juni 6, 2026

Trumps Versteigerung von Bohrrechten im arktischen Naturschutzgebiet zog keinen einzigen großen Ölkonzern an, und doch ist sie ein Schritt zur Förderung in einem Land, das den Karibus und den Eisbären gehört!

Am Freitag hat die Regierung Bohrrechte im arktischen Naturschutzgebiet versteigert, einer unberührten Weite, so groß wie der Bundesstaat South Carolina, Heimat von Karibus, Eisbären und Millionen ziehender Vögel. Das Ergebnis war ein Misserfolg, den man kaum verbergen kann. Kein einziger großer Konzern bot mit, nur zwei Teilnehmer beteiligten sich und zahlten zusammen 3,7 Millionen Dollar für fünf Parzellen. Diese Pachten umfassen rund 29.000 Hektar, von etwa 279.000 Hektar, die innerhalb des knapp acht Millionen Hektar großen Gebiets angeboten waren. Der für Alaska zuständige Leiter der Bundesbehörde für Landverwaltung, Kevin Pendergast, dessen Behörde die Auktion durchführte, sagte bei der Bekanntgabe des Ergebnisses dennoch: „Das Interesse war solide.“ Und weiter: „Wir freuen uns darauf, mehr über den Untergrund des Gebiets zu erfahren, während die Pächter die Erkundung vorantreiben.“ Es ist eine eigene Sprache, in der das Ausbleiben der Bieter solides Interesse heißt.

Ein Jahr zuvor waren Innenminister Doug Burgum, Energieminister Chris Wright und der Leiter der Umweltbehörde, Lee Zeldin, in die Tundra des North Slope am Arktischen Ozean geflogen, nach Utqiagvik, mit dem Auftrag, das außergewöhnliche Ressourcenpotenzial Alaskas „zu entfesseln“. Am Freitag, gut ein Jahr später, wurde dieses Versprechen geprüft, und es bestand die Prüfung nicht. Die beiden Bieter waren das in Alaska ansässige Erdgasunternehmen Hex Energy und die Alaska Industrial Development and Export Authority, eine dem Bundesstaat gehörende Körperschaft, die kein Ölunternehmen ist und Bohrungen wohl an Dritte vergeben müsste. Beide äußerten sich auf Anfrage nicht. Das Gwich’in Steering Committee, eine Gruppe der Ureinwohner Alaskas, deren Mitglieder seit Langem mit der das Gebiet durchziehenden Karibuherde vom Porcupine verbunden sind, nannte die Versteigerung „gescheitert“. „Wieder einmal ist kein großer Öl- und Gaskonzern erschienen, um zu bieten, weil sie wissen, dass Bohrungen im arktischen Schutzgebiet ein Verlustgeschäft sind“, sagte die Geschäftsführerin Kristen Moreland. „Wir werden gegen das Pachtprogramm der Trump-Regierung weiter ankämpfen und mit unseren Freunden und Verbündeten daran arbeiten, diese heilige und unersetzliche Landschaft vor jeder Art von Erschließung zu schützen.“ Das Urteil hat hier der Markt selbst gesprochen, und es lautet, dass die großen Förderer fernblieben.

Der Verband der großen Ölkonzerne, das American Petroleum Institute, ließ durch seine Vizepräsidentin Holly Hopkins erklären, das Innenministerium habe sich um „Bemühungen, der bundesstaatlichen Pachtpolitik wieder Verlässlichkeit zu geben“ verdient gemacht, die den Unternehmen „den Spielraum“ ließen, „gezielt in jene Parzellen zu investieren, die das größte Erschließungspotenzial bieten“. Auf das Ergebnis ging sie nicht ein, fügte aber hinzu: „Wir erwarten weiterhin Investitionen im ganzen Bundesstaat.“ Die Versteigerung gehört zu einem breiten Vorstoß, Alaska der Erschließung zu öffnen. Die Regierung weitet die Förderung auf öffentlichem Land und in Bundesgewässern aus, hat eine 340 Kilometer lange Bergbaustraße nördlich des Polarkreises bewilligt und treibt eine neue Erdgasleitung durch den Bundesstaat voran. Einige dieser Vorhaben setzen Projekte in Gang, die seit Jahrzehnten festsaßen, und sie haben Umweltschützer entsetzt und die Gemeinden der Ureinwohner gespalten. Vertreter der Regierung sagen, Bohrung und Bergbau in Alaska würden den Energie- und Rohstoffbedarf decken, die nationale Sicherheit stärken und der Wirtschaft Alaskas wie des ganzen Landes nützen.

Dass nur wenige Gebote eingingen, gleicht der Auktion, die Trumps erste Regierung im Januar 2021 abhielt und die ebenfalls wenig Zuspruch fand, mit der Alaska Industrial Development and Export Authority als wichtigster Käuferin. Jene Pachten gerieten in Rechtsstreitigkeiten, und die Regierung von Joe Biden hob sie später auf. Eine weitere Versteigerung kurz vor Bidens Abschied fand überhaupt keine Bieter. „Dieser Pachtverkauf fügt sich klar in die größere Linie ein, die Interessen an Bohrung, Erschließung und Förderung über den Naturschutz, den öffentlichen Zugang und die langfristige Bewahrung zu stellen“, sagte Gregg DeBie, leitender Anwalt der Wilderness Society, die gegen die Erschließung des Gebiets klagt. „Diese Regierung behandelt dieses Land wie etwas, das man als Vermögenswert verschenken sollte, während wir finden, dass es für künftige Generationen geschützt gehört.“

Es wäre zu einfach, die Sache als einen Streit zwischen Förderern und Bewahrern zu erzählen, denn die Ureinwohner selbst sind geteilt, und das gehört zur Wahrheit dieses Vorgangs. Die Voice of the Arctic Iñupiat, ein Bündnis von zweiundzwanzig indigenen Gruppen am North Slope, befürwortet Bohrungen im Gebiet, wenn sie richtig geschehen und der Gemeinschaft wirtschaftlich nützen, sagte ihr Präsident Nagruk Harcharek. Ein Teil der Erlöse aus der Förderung im Gebiet würde unter diesen Gemeinden verteilt. „Aus Sicht des North Slope wollen wir es, weil es für uns wirtschaftlich sinnvoll ist“, sagte Harcharek. „Wir profitieren von dieser Entwicklung. Wir investieren dieses Geld in unsere Gemeinden.“ Der 1985 Geborene erinnert sich, dass er als Kind bis in die frühen neunziger Jahre keine Wasserspülung hatte, bis Steuereinnahmen aus der Förderung halfen, in Utqiagvik moderne Abwassersysteme zu bauen. Es ist ein Argument, das man nicht beiseitewischen darf, denn es geht um Armut und um das Nötigste des Lebens. Demgegenüber lehnt die Gruppe Sovereign Iñupiat for a Living Arctic die Bohrungen ab und verurteilte die Entscheidung des Innenministeriums vom Oktober, die Schutzbestimmungen aus der Zeit Bidens für das Gebiet zurückzunehmen, ebenso wie die frühere Entscheidung, die 2021 erworbenen Pachten wieder einzusetzen.

Gerade weil die Lage günstig schien, fällt das Ergebnis schwer ins Gewicht. Mit den durch den Krieg im Iran steigenden Ölpreisen und einer wohlgesinnten Regierung hätte die Auktion anders ausgehen können, sagte ein Vertreter der Ölbranche, der anonym blieb, weil er vor der Versteigerung nicht öffentlich sprechen durfte. Das Gebiet liegt nicht weit vom Beginn der Trans-Alaska-Pipeline bei Prudhoe Bay, die genügend freie Kapazität hat, um das Öl leicht auf den Markt zu bringen. Die Wirtschaftlichkeit ähnele jener der Erkundung östlich davon, in der Nationalen Erdölreserve Alaskas, die Förderung im Schutzgebiet koste je Fass wohl nur wenige Dollar mehr. Eine Versteigerung in der Erdölreserve im März hatte erhebliches Interesse gefunden, 187 Pachtgebiete wurden für 163 Millionen Dollar verkauft, über rund 526.000 Hektar in einer Reserve von gut neun Millionen Hektar. Im Schutzgebiet aber sei das Risiko höher, sagte der Branchenvertreter, auch weil die Umweltverbände dort härter kämpfen würden, und weil die Förderung dort, anders als in der Reserve, noch nicht erprobt ist. Bevor die Verpachtung des Schutzgebiets in Trumps erster Amtszeit in ein Steuer- und Ausgabengesetz geschrieben wurde, war es etwa ein halbes Jahrhundert lang der Erschließung entzogen. Öl aus dem Gebiet könnte vor dem Ende dieser Regierung gar nicht auf den Markt gelangen, was die Gefahr birgt, dass eine künftige demokratische Regierung die Förderung erneut stoppt. So betrachtet hat die Versteigerung selbst nach der Rechnung der Ölbranche keinen Sinn ergeben, und es bleibt der Verdacht, dass es nie um das Öl ging, sondern um den Grundsatz, dass nichts unverkauft bleiben soll.

Was auf dem Spiel steht, ist die Landschaft selbst. Umweltverbände, darunter die Wilderness Society, fechten die Schritte zur Öffnung des Gebiets an und machen geltend, sie verstießen gegen das Gesetz zum Schutz bedrohter Arten und gegen die Gesetze über die Schutzgebiete. Straßen und Förderanlagen würden den Lebensraum der Tiere zerschneiden und die Wanderung der Karibuherde vom Porcupine stören, die Tausende Kilometer zur Küstenebene ziehen, um dort zu kalben, sagte DeBie. Auch für die Eisbären, die als bedroht gelten, stehe viel auf dem Spiel, denn sie graben in dem Gebiet ihre Höhlen, in denen sie ihre Jungen aufziehen. „Sie bringen diese riesigen Stampflastwagen herein und beginnen im Winter, den Boden zu bearbeiten, genau dort, wo die Eisbären ihre Höhlen haben“, sagte DeBie. „Das zerquetscht die Jungen. Die Mütter geben die Höhlen auf.“ Und weiter: „Diese Landschaft ist unberührt und zu empfindlich, um große industrielle Tätigkeit zu tragen.“

Am Ende bleibt eine schlichte Frage, die unter dem Geschäft liegt. Was bedeutet es, eine unberührte Erde zu versteigern, die nicht uns allein gehört, sondern den Karibus, den Eisbären, den Vögeln und den Menschen, deren Leben seit jeher an die Herde gebunden ist? Man hat einen Preis auf etwas gelegt, das über Jahrtausende geworden ist, und ihn in Dollar je Fass gerechnet. Selbst die, die kaufen sollten, sind in der großen Mehrheit ferngeblieben, und das Land wurde dennoch ausgeboten. Darin liegt das eigentlich Bezeichnende. Eine Versteigerung, die als Geschäft scheiterte, gelingt allein als Bekenntnis, und das Bekenntnis lautet, dass nichts heilig genug ist, um nicht doch unter das Angebot zu fallen, nicht einmal ein Ort, an dem im Winter die Jungen der Eisbären unter dem Gewicht der Maschinen sterben.

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Patricia
Patricia
10 Tage vor

Mögen sich alle verfügbaren Kräfte weiter dagegen wehren 🙏🙏🙏

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