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Recherchen belegen: Die Beamten trugen Kameras, als sie in Maine einen Mann erschossen, nur einschalten dürfen sie die Kameras nicht

VonTEAM KAIZEN BLOG

20. Juli 2026

Es begann mit einer Auskunft, die sich als unwahr erwies. Nachdem ein Beamter der Einwanderungsbehörde ICE in Biddeford in Maine den 25-jährigen Kolumbianer Johan Sebastián Durán Guerrero erschossen hatte, teilte der Minister für innere Sicherheit, Markwayne Mullin, dem Senator Angus King mit, die beteiligten Beamten hätten keine Körperkameras getragen. Es klang nach einer jener Erklärungen, mit denen sich Behörden aus der Verantwortung ziehen, und es war falsch.

Joan Sebastian Guerrero, Karolina Rojas (Ehefrau) und Tochter

4 Beamte der ICE, die Bilder vom Tatort prüften und ihren Namen aus Sorge um ihre Stellung nicht nennen wollten, erkannten an der Ausrüstung zweier Kollegen in unmittelbarer Nähe des Toten sehr wohl Kameras. Es sind Geräte des Herstellers Motorola, das Modell SVX, ein drahtloses Funkmikrofon mit einer zusätzlichen Eigenschaft, die niemand nutzt. Es trägt eine Kamera. Man verwende die Geräte derzeit nur als Mikrofone, sagte einer der Beamten, wegen des Vertrags mit Axon.

David Michael Brouillette – Er erschoss Johan Sebastián Durán Guerrero

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Damit ist der wunde Punkt benannt, und er hat die Gestalt eines Widerspruchs. Die Geräte am Körper der Beamten können filmen, sie speichern intern über 100 Stunden Video, doch die Aufnahmefunktion verlangt ein Abonnement, das nicht gebucht ist. Ein zweiter Beamter zeigte, wo sich auf seinem eigenen Gerät eine Kappe über die Linse klemmen lässt. Da die Kameras nicht liefen, habe man die Kappe einfach draufgelassen. Man muss sich das Bild vor Augen führen. Ein Beamter des Staates trägt eine Kamera auf der Brust, deren Auge mit einem Deckel verschlossen ist, während seine Waffe funktioniert.

Der Grund für den verschlossenen Deckel liegt in einem zweiten Vertrag. Das Heimatschutzministerium bezieht seine Körperkameras nicht von Motorola, sondern über eine Vereinbarung mit der Firma Axon, einem Anbieter von Polizeitechnik. So besitzen die Beamten ein Gerät, das filmen könnte, dürfen es aber nicht als Kamera verwenden, weil die Kamera von einem anderen Zulieferer kommen soll. Ein Mann ist tot, ohne dass es ein Bild davon gibt.

Ludwig Wittgenstein hat den Satz geprägt, wovon man nicht sprechen könne, darüber müsse man schweigen. Der Apparat der ICE hat daraus eine Verwaltungspraxis gemacht. Wovon kein Bild existiert, darüber lässt sich streiten, und wer das Bild verhindert, verhindert den Streit. Das Schweigen der Kamera ist kein Zufall des Vertragswesens, es ist dessen bequemste Folge.

Der Fall steht nicht allein. Der Tod von Durán Guerrero fiel zusammen mit der tödlichen Erschießung des mexikanischen Einwanderers Lorenzo Salgado Araujo in Houston. Keiner der beiden Männer war laut Berichten das eigentliche Ziel der Festnahmeteams, und der Tod keines der beiden wurde von einer Körperkamera festgehalten. 2 Menschen, 2 Städte, kein einziges Bild.

Donald Trump kaufte Aktien von Axon im Wert von bis zu 5 Millionen Dollar

Nun tritt die Firma Axon aus dem Hintergrund ins Licht, und mit ihr eine Spur, die bis ins Weiße Haus führt. Axon hieß früher Taser, benannt nach jener Elektroschockwaffe, die den Ruf des Unternehmens begründete und die es bis heute verkauft. Im vergangenen Monat sorgten die Finanzangaben des Präsidenten für Aufsehen. Die ICE hatte öffentlich einen Auftrag für Elektroschockwaffen im Wert von 220 Millionen Dollar ausgeschrieben, der wie zugeschnitten auf die Produkte von Axon wirkte. Nur 2 Wochen bevor diese Anfrage hinausging, hatte Donald Trump Aktien von Axon im Wert von bis zu 5 Millionen Dollar gekauft.

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So schließt sich ein Kreis, dessen einzelne Glieder für sich harmlos wirken und der als Ganzes den Atem stocken lässt. Ein Präsident kauft Aktien eines Rüstungsausstatters. Dessen Vertrag über Körperkameras sorgt dafür, dass die Kameras eines anderen Herstellers verschlossen bleiben. Und in dieser Lücke stirbt ein Mensch, ohne Zeugen aus Metall.

Die Verantwortlichen reagierten, wie sie stets reagieren. Kurz nach der Tat in Maine wies die ICE ihre Beamten an, fast alle Verkehrskontrollen einzustellen, ruderte aber zurück, kaum dass Trump sich beschwerte. Die Kameras seien bestellt, sagte der Grenzbeauftragte Tom Homan, es gebe einen Plan zur Verteilung. Die Hälfte der Außenstellen habe bereits Geräte, der Rest folge in den nächsten 2 Monaten, finanziert durch 20 Millionen Dollar, die der Kongress bewilligt habe, natürlich über Verträge mit Axon. Man hat, mit anderen Worten, die Kappe noch immer nicht abgenommen.

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