In den vergangenen Tagen sind 3 amerikanische Soldaten gefallen, 2 in Jordanien und einer im Irak, und mit ihnen ist die Gesamtzahl der Toten dieses Krieges auf 17 gestiegen. Das Pentagon nannte bislang 2 Namen, und schon das war mehr, als es zuletzt gewohnt war. Leutnant Tyler James Feehan, 25 Jahre alt, aus Hawaii, und die Gefreite Isabella Gonzales, 19 Jahre alt, aus Texas, starben am Freitag, als iranische Raketen die Luftwaffenbasis Muwaffaq Salti in Jordanien trafen. Ein dritter Soldat aus Jordanien galt zunächst als vermisst, dann fand man Überreste, die man ihm zuordnete. Der Tote im Nordirak starb am Samstag, getroffen von Splittern bei der kontrollierten Sprengung einer abgeschossenen iranischen Drohne. Es sind die ersten amerikanischen Gefechtstoten seit März, und sie fallen in einen Krieg, der seit dem 28. Februar währt, seit die Vereinigten Staaten und Israel ihre Angriffe auf den Iran begannen.

Die Zahl 17 ist genau, und gerade ihre Genauigkeit lenkt vom Ungenauen ab. Denn während das Pentagon seine Toten nach festen Regeln benennt, erst 24 Stunden nachdem die Angehörigen verständigt wurden, verschweigt es beharrlich, was daneben geschieht. In der Woche vor dem tödlichen Angriff auf Jordanien hatte der Iran nach Angaben mehrerer amerikanischer Vertreter dort bereits 3 weitere Male zugeschlagen. Diese Angriffe verletzten Dutzende Soldaten und beschädigten mehrere Hubschrauber. Das Pentagon erwähnte weder die Angriffe noch die Verwundeten noch die Schäden. In seinen Mitteilungen nach den eigenen Luftschlägen sprach das US-Regionalkommando stets nur von Vergeltung für iranische Angriffe auf Handelsschiffe in der Straße von Hormus, von den Toten auf den Basen kein Wort.

Mehr als 430 amerikanische Soldaten sind in diesem Konflikt bislang verwundet worden, so das US-Regionalkommando selbst. Doch auch diese Gesamtzahl hat das Pentagon in den vergangenen Wochen nicht mehr aktualisiert, nachdem es sie zu Beginn des Krieges noch regelmäßig gemeldet hatte. Warum, so fragte ein Militärvertreter, solle man dem Iran Angaben liefern, die ihm helfen könnten, seine Raketen und Drohnen genauer auf die Basen zu lenken, auf denen Tausende Amerikaner stationiert sind. Aus demselben Grund verkündet das Kommando auch nicht mehr, wie viele Ziele es täglich im Iran trifft. Die letzte große Unterrichtung zum Krieg fand Anfang Mai statt. Seither, nach beinahe 5 Monaten Krieg, dringt aus dem Ministerium wenig über die amerikanische Strategie. Auch über die eigenen Materialverluste schweigt das Pentagon, und so bleibt die einzige Quelle dazu ausgerechnet der Gegner. Teheran behauptet, es habe eine große Zahl amerikanischer Black-Hawk-Hubschrauber zerstört und Anlagen wie Flugzeughangars schwer beschädigt. Ob das stimmt, lässt sich nicht prüfen, doch dass niemand es widerlegt, ist selbst eine Auskunft. Wo die eigene Regierung schweigt, spricht die des Gegners, und der Bürger muss wählen, wem er weniger misstraut.

Hier liegt die eigentliche Verwundung, und sie betrifft nicht nur Soldaten. Immanuel Kant hat in seiner Schrift zum ewigen Frieden einen Grundsatz aufgestellt, an dem sich Regierungen prüfen lassen. Eine Handlung, deren Grundsatz sich nicht öffentlich bekennen lasse, ohne die eigene Absicht zu vereiteln, sei unrecht, denn was das Licht der Öffentlichkeit scheue, verrate damit, dass es das Recht auf seiner Seite nicht habe. Genau an dieser Stelle versagt das amtliche Schweigen. Ein Krieg, dessen Kosten die Regierung vor dem eigenen Volk verbirgt, entzieht sich dem Urteil derer, in deren Namen er geführt wird. Was nicht gezählt wird, lässt sich nicht abwägen, und was sich nicht abwägen lässt, entkommt der Verantwortung.
Das Verschweigen hat Vorgänger, an denen es sich messen lassen muss. Unter früheren Regierungen wartete das Pentagon mit Angaben zu Verwundeten gewöhnlich, bis die Familien verständigt waren, meldete die Zahlen dann aber. In der Amtszeit Bidens nannte es regelmäßig, wie viele Soldaten bei Angriffen iranisch gestützter Milizen auf Basen in Syrien und im Irak verletzt worden waren. Dass nun nicht einmal mehr eine Gesamtzahl genannt wird, ist keine Frage der Sicherheit allein, sondern eine Entscheidung darüber, wie viel ein Volk über seinen eigenen Krieg erfahren soll.
Trump zu den Toden von drei US-Soldaten bei den jüngsten iranischen Angriffen: „Es tut uns sehr leid. Aber Sie wissen ja, diese großartigen Menschen waren dort im Einsatz, damit der Iran keine Atomwaffe bekommt. Mal sehen, was passiert.“
Unterdessen läuft der Krieg in seine 9. Angriffsnacht in Folge. Das Regionalkommando meldete Schläge gegen iranische Kommandozentralen, gegen die Luftabwehr und die Küstenüberwachung, gegen Abschussstellen für Raketen und Drohnen. Rund um die nordwestliche Stadt Tabris, etwa 520 Kilometer von Teheran entfernt und mutmaßlich Standort unterirdischer Raketenbasen der Revolutionsgarde, tötete ein amerikanischer Angriff nach iranischen Angaben mindestens einen Menschen. Wir haben sie heute Nacht wieder sehr hart getroffen, sagte Präsident Trump, und man habe das zu Ehren der gefallenen Soldaten getan. Über deren Tod selbst fand er andere Worte. Man bedauere es sehr, doch diese großartigen Menschen seien dafür im Einsatz gewesen, dass der Iran keine Atomwaffe bekomme, man werde also sehen, was geschehe. Es ist der Tonfall eines Mannes, der ein Kondolenzschreiben mit einem Achselzucken beendet. Sein Verteidigungsminister Pete Hegseth erklärte mit Blick auf die 2 in Jordanien Gefallenen, ihr Verlust werde die amerikanische Entschlossenheit nur härten.

Die Vergeltung des Iran traf jene Staaten, die amerikanische Truppen beherbergen. Über Bahrain, dem Sitz der 5. Flotte der amerikanischen Marine, heulten am Montagmorgen 2 Mal die Sirenen, Kuwait meldete, seine Luftabwehr feuere auf eine anfliegende iranische Salve. Seit dem Zusammenbruch des Waffenstillstands sind nach iranischen Angaben mindestens 50 Menschen im Iran getötet und 517 verwundet worden, unter ihnen 8 Tote bei einem Angriff auf eine Brücke am Freitag. Der Krieg trifft längst die zivile Versorgung, von der Millionen Menschen auf beiden Seiten abhängen.

Am Persischen Golf brennt derweil das Bild dieses Krieges in einem einzigen Schiff. Ein Frachter geriet früh am Montag etwa 8 Seemeilen vor der Küste Omans in Brand, nachdem ihn ein Geschoss getroffen hatte, auf jener Ausweichroute, die das amerikanische Militär den Schiffen empfohlen hatte, um Irans Kontrolle über die Straße von Hormus zu umgehen. Die Besatzung ging von Bord, das Schiff trieb noch Stunden später brennend im Wasser. Die Revolutionsgarde erklärte später, sie habe Tanker in der Straße ins Visier genommen, 2 Schiffe seien explodiert und zum Stillstand gezwungen worden, ohne die Angriffe direkt einzuräumen. So sieht die Herrschaft über eine Meerenge aus, durch die vor dem Krieg ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls floss.
Der Preis dieser Herrschaft steht an den Zapfsäulen. Die Sorte Brent stieg über 90 Dollar je Barrel, und der Durchschnittspreis für eine Gallone Benzin in den Vereinigten Staaten kletterte auf knapp 4 Dollar, um 34 Prozent höher als vor Kriegsbeginn. Es ist ein Wert, den die Amerikaner täglich an der Zapfsäule ablesen und der vor den Zwischenwahlen im Herbst auf den Geldbeuteln lastet. Der Krieg, der als Frage der nationalen Sicherheit begann, kehrt als Frage des Haushaltsgelds zu jenen zurück, die ihn bezahlen.
Und doch gibt es an diesem Montag ein leises Geräusch, das nicht nach Krieg klingt. Beide Seiten deuteten an, sie seien zu neuen Gesprächen bereit. Außenminister Marco Rubio sagte, öffne sich die Tür zur Diplomatie, werde man sie gern offen sehen, doch das Verhalten des Iran müsse sich ändern, damit sich das eigene ändere. Es müsse echt sein. Der Sprecher des iranischen Außenministeriums, Esmaeil Baghaei, räumte ein, man habe über Vermittler Vorschläge zur Entspannung erhalten, nannte aber keine Einzelheiten. Der frühere iranische Außenminister Mohammad Dschawad Sarif schrieb, Washington könne die iranische Regierung nicht beseitigen, nur ein neues Sicherheitsgefüge aus der Region und für die Region werde den Vereinigten Staaten erlauben, sich anderem zuzuwenden. Zugleich warnte er die eigene Führung, wer den Schiffsverkehr immer wieder bedrohe, könne einen großen Teil der Welt gegen sich aufbringen.
Die halbe Frist ist verstrichen, die der gescheiterte Waffenstillstand für die dauerhafte Beendigung des Krieges vorsah, samt der Frage nach dem iranischen Atomprogramm, 60 Tage, von denen 30 vertan sind. Statt einer Annäherung schickt das amerikanische Militär mehr Kampfflugzeuge in die Region, F-16 aus Deutschland und F-35 aus Großbritannien, dazu Tankflugzeuge, angeblich schon vor den jüngsten Toten geplant. Es ist die Sprache der Eskalation, gesprochen in dieselbe Stille hinein, in der die Tür zur Diplomatie sich einen Spalt öffnet.
So steht dieser Krieg an seinem Montag zwischen 2 Bewegungen, einer sichtbaren und einer verschwiegenen. Sichtbar sind die Flugzeuge, die brennenden Tanker, der Benzinpreis. Verschwiegen sind die Dutzenden Verwundeten der Vorwoche, die beschädigten Hubschrauber, die gestohlene Gesamtzahl derer, die für diesen Krieg mit ihrem Körper bezahlt haben. Ein Volk, das seine Toten benannt bekommt, aber seine Verwundeten nicht mehr gezählt, erfährt von seinem eigenen Krieg nur noch das, was die Regierung ihm zu erfahren gestattet. Kant nannte die Öffentlichkeit die Bedingung allen Rechts. An dieser Bedingung ist die Regierung gescheitert, ehe das erste Friedensgespräch überhaupt begonnen hat.
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Keine Empathie für die Gefallenen, noch weniger für die Verwundeten.😞
So behandelt Trump alle Militärangehörigen aus dem Irankrieg.
Erwähnt wird nur,was ihm politisch nutzt.
Keiner erwartet, dass due USA Strategien preis geben.
Aber Verwundete und Tote verdienen Aufmerksamkeit.
Sie sind nicht nur ein politisches Werkzeug.
Iranischen Angaben kann man leider auch nicht trauen.
Aber ohne Widerspruch ider Klarstellung aus den USA, sind das die einzigen Informationen.
Erinnert mich doch sehr an Putins „Soezialoperation“ gegen die Ukraine.
Informationen für das eigene Volk? Nur gefiltert und zensiert.
Putin macht es vor, Trump macht es nach.