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Palantir, ICE und das Milliardengeschäft mit der Deportation

VonTEAM KAIZEN BLOG

Juni 26, 2026

Es gibt eine Frage, die in der öffentlichen Debatte über Einwanderungsdurchsetzung selten gestellt wird: Wer verdient daran? Die Antwort ist nicht kompliziert, aber sie ist unbequem – weil sie zeigt, dass hinter dem, was als Sicherheitspolitik vermarktet wird, ein Industriekomplex steht, der ein genuines wirtschaftliches Interesse daran hat, dass möglichst viele Menschen abgeschoben werden.

Wochenlange Recherchen dokumentieren, was sich in den vergangenen Jahren im Verborgenen aufgebaut hat. Die Ergebnisse sind präzise und belastbar. Von 2024 auf 2025 haben sich die Vertragsvolumina des Heimatschutzministeriums DHS mit elf Überwachungstechnologieunternehmen auf über 310 Millionen Dollar verdoppelt. 2026 stiegen sie weiter auf 513 Millionen Dollar. Treiber dieser Entwicklung sind vor allem zwei Unternehmen: Palantir, das Datenanalyse- und Überwachungsunternehmen, sowie Anduril, ein Rüstungskonzern, der Grenztürme, Drohnen und KI-gestützte Überwachungssysteme liefert.

Palantir ist dabei keine periphere Zulieferfirma, es ist das Rückgrat der ICE-Datenüberwachung. Palantir wurde mit Kapital des CIA-nahen Risikokapitalfonds In-Q-Tel gegründet – eine Herkunft, die das Unternehmen nie verleugnet hat und nie verleugnen musste, weil sie in Washington als Qualitätsmerkmal gilt. Für ICE hat Palantir zwei Softwareplattformen entwickelt: ImmigrationOS und ELITE. Beide kartieren Stadtteile, verfolgen Einwanderer und identifizieren potenzielle Abschiebungsziele. Seit Beginn von Trumps zweiter Amtszeit hat Palantir über 1,8 Milliarden Dollar an Regierungsgeldern erhalten – darunter 81 Millionen Dollar von ICE im Jahr 2025, 97 Millionen im Jahr 2026, gefolgt von einer Kaufvereinbarung über eine Milliarde Dollar. Im Jahr 2025 zahlte Palantir trotz eines Umsatzes von 1,6 Milliarden Dollar keine Bundeseinkommensteuer.

Die Recherchen zeigen zehn Kategorien von Überwachungstechnologien auf, die DHS, ICE und der Grenzschutzbehörde CBP zur Verfügung stehen. Datenmakler wie LexisNexis verkaufen Daten über Millionen von Menschen an ICE, das diese nutzt, um Schutzregelungen sogenannter „Sanctuary Cities“ zu umgehen – also Städte, die lokale Behörden angewiesen haben, nicht aktiv an der Einwanderungsdurchsetzung mitzuwirken. Datenanalyseunternehmen wie Palantir sortieren und verknüpfen diese Informationen. Hinzu kommen Web-Scraping und Social-Media-Überwachung, Gesichtserkennung und biometrische Identifikation, Fahrzeug- und Fahrerdatenerfassung, Standortdaten aus Mobiltelefonen, und Drohnenüberwachung. Jede dieser Kategorien bedeutet Verträge, Umsätze, Gewinnmargen.

Links zu unseren Recherchen: https://kaizen-blog.org/trumps-netzwerke-auf-truth-social-und-einschuechterung-der-justiz-und-verbreitung-von-fake-news-2025/

https://kaizen-blog.org/die-architektur-der-kontrolle-wie-peter-thiels-datenmacht-und-das-politische-netzwerk-rockbridge-die-demokratie-untergraben/

Die Anwendung Mobile Fortify, die ICE- und CBP-Agenten nutzen, um Fotos von Festgenommenen zu machen und sie gegen eine KI-gestützte Datenbank abzugleichen, hat zuletzt Aufmerksamkeit auf sich gezogen – wegen ihrer hohen Fehlerquote und weil sie auch gegen rechtliche Beobachter von Festnahmen eingesetzt wurde. DHS hat eingeräumt, dass Mobile Fortify nur eines von über zehn KI-gestützten Gesichtserkennungstools ist, die die Behörde betreibt.

Die Rolle des Staates in diesem System ist mehr als nur bedenklich. Vieles deutet darauf hin, dass sich diese Form staatlich geförderter Überwachung international etabliert. DHS kauft Überwachungstechnologie nicht nur ein, wenn sie entwickelt ist. Es hilft dabei, sie zu entwickeln. Über einen milliardenschweren Forschungsinkubator finanziert das Ministerium Partnerschaften mit Unternehmen in frühen Entwicklungsphasen – und formt damit aktiv den Markt, aus dem es später einkauft. Der Staat ist nicht Auftraggeber. Er ist Mitentwickler, Risikokapitalgeber und Abnehmer in einem.

Auch in Europa beschränken sich Staaten längst nicht mehr darauf, Überwachungstechnologien einzukaufen. Über EU-Forschungsprogramme, Verteidigungsfonds und nationale Sicherheitsförderung finanzieren sie deren Entwicklung bereits in frühen Phasen und werden damit zugleich Mitentwickler, Innovationsförderer und spätere Abnehmer derselben Systeme.

Zunehmend zeigt sich die enge Verbindung zwischen Technologieoligarchen und Regierung – und nennt Peter Thiel, Mitgründer von Palantir, und Elon Musk als Beispiele. Das ist keine Verschwörungstheorie. Es ist die strukturelle Beschreibung eines Systems, in dem private Kapitalinteressen und staatliche Durchsetzungsgewalt so eng verflochten sind, dass sie kaum noch voneinander zu trennen sind. Der Risikokapitalsektor, so zeigen die Recherchen, hat sich als „visionäre und richtungsgebende Kraft der Kriegsmaschinerie“ positioniert und behauptet, KI sei entscheidend für die nationale Sicherheit und Wirtschaft der USA.

Lesen Sie auch unseren Artikel: Recherchen decken auf: Töten per Algorithmus – das Pentagon baut die Maschine, die entscheidet, wer stirbt

Das Grundprinzip ist alt. Es knüpft an die Idee von Überwachung und Disziplin an, wonach moderne Macht nicht mehr durch das Spektakel der Gewalt operiert, sondern durch das Wissen über Körper und Bewegungen. Was ICE heute betreibt, ist die technologische Vollendung dieser Logik: ein System, das nicht mehr den einzelnen Agenten braucht, der eine Straße beobachtet, sondern Algorithmen, die Datenpunkte aus Handys, sozialen Netzwerken, Fahrzeugkennzeichen und biometrischen Datenbanken zu Deportationszielen zusammenfügt. Die Gewalt kommt nicht mehr sichtbar von außen. Sie kommt aus dem Datenstrom.

Was das politisch bedeutet, lässt sich an einem Beispiel festmachen. Sanctuary Cities – Städte, die ihre Polizei angewiesen haben, nicht bei der Einwanderungsdurchsetzung mitzuwirken – haben diesen Schutz explizit eingeführt, weil sie das Vertrauen zwischen Einwanderergemeinschaften und lokalen Behörden erhalten wollten. Menschen sollen einen Arzt aufsuchen können, ohne Angst vor Abschiebung. Sie sollen einen Einbruch melden können, ohne ihre eigene Verhaftung zu riskieren. Datenmakler wie LexisNexis ermöglichen es ICE, genau diese Schutzräume zu umgehen. Die politische Entscheidung einer Stadt, nicht zu kooperieren, wird durch den Datenkauf einer Bundesbehörde ausgehebelt. Demokratische Entscheidungen auf lokaler Ebene werden durch Technologieverträge auf Bundesebene unwirksam gemacht.

Das öffentliche Interesse und die Aufmerksamkeit für Razzien, Verhaftungen und Abschiebungen sind in den vergangenen Monaten stark angestiegen. Das ist verständlich – diese sind sichtbar und unmittelbar. Aber die Infrastruktur dahinter ist das, was die Skalierung ermöglicht. Ohne ImmigrationOS kein systematisches Kartieren von Stadtteilen. Ohne LexisNexis-Daten keine Umgehung von Sanctuary-City-Schutzregeln. Ohne Anduril-Drohnen keine flächendeckende Grenzüberwachung. Die Razzien sind das Ergebnis. Die Technologieunternehmen sind die Bedingung.

513 Millionen Dollar im Jahr 2026. Eine Milliarde Dollar Kaufvereinbarung für Palantir allein. Kein Bundessteueraufkommen von Palantir trotz 1,6 Milliarden Dollar Umsatz. Das ist kein Marktversagen. Das ist das System, das funktioniert – für diejenigen, für die es gebaut wurde.

Fortsetzung folgt …

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Ela Gatto
38 Minuten vor

Wer Euch, wie ich, schon lange folgt, kennt die beängstigenden Artikel über Palantir und Co.

Was Ihr in den letzten Monaten aufgedeckt habt, ist unfassbar.

Der gläserne Mensch.
Der feuchte Traum eines jeden Autokraten und Diktator.

Immer wissen, welche Menschen sich wo befinden.
Alles staatlich abgesegnet.
Rechtsstaatlich? Das eher nicht.

Wie kann es sein, dass die Daten von LexisNexis einfach an ICE „verkauft“ werden.
Daten, die selbst in den USA dem rudimentären Datenschutz unterliegen.

Schon schlimm genug, dass die Bundesbehörden Daten im Darknet kaufen um rechtliche Hürden zu umgehen.

Aber diese Verknüpfung von Daten ist nicht nur beängstigend.
Sie zeigt 1984 in Reinform.

Und leider setzt sich Palantir in Europa, UK und anderen Ländern durch.

Wenn das in dem Tempo weiter geht, hat die USA durch Palantir und Co Zugriff auf Daten von gut 1/3 der Weltbevölkerung.

Wissen und Daten, dass sie wahrscheinlich auch verkaufen.

Die totaled Überwachung.
Die Ebnung hin zur Diktatur der Techmilliardäre und anderen Milliardären (die dieser Linie Folgen)

Let’s start „The Hunger Games“ oder „The Handmaids Tale“ ….

Zuletzt bearbeitet am 37 Minuten vor von Ela Gatto
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