Krieg als Unterhaltungsprogramm, und niemand steht mehr auf – Trumps Kriegsspiele und die leere Straße

VonTEAM KAIZEN BLOG

Mai 26, 2026

Während Donald Trump in Washington erklärte, die Gespräche mit Iran würden gut verlaufen und die Verhandlungen bewegten sich in die richtige Richtung, schlugen im Süden Irans erneut Raketen ein. Eine Logik ist dahinter nicht mehr erkennbar. Das amerikanische Militär bestätigte Angriffe auf iranische Raketenstellungen sowie auf Boote, die nach Angaben des US-Zentralkommandos Minen im Bereich strategischer Wasserwege ausgebracht hätten. Offiziell wurden die Einsätze als Maßnahmen zur Selbstverteidigung bezeichnet. Die amerikanischen Streitkräfte hätten auf Bedrohungen für eigene Truppen reagiert und dabei trotz der bestehenden Waffenruhe Zurückhaltung geübt. Doch schon dieser Widerspruch zeigt, wie brüchig die Lage geworden ist. Während öffentlich von Gesprächen über Frieden gesprochen wird, laufen militärische Operationen weiter.

Nach Angaben amerikanischer Militärvertreter richteten sich die Angriffe unter anderem gegen Stellungen nahe Bandar Abbas. Die Hafenstadt besitzt für Iran eine besondere Bedeutung. Dort befindet sich nicht nur eine wichtige Basis der iranischen Marine, sondern auch einer der entscheidenden Punkte am Eingang zur Straße von Hormus. Genau dort verläuft eine der empfindlichsten Handelsrouten der Welt. Vor Beginn des Krieges lief etwa ein Fünftel des weltweiten Öl- und Gasverkehrs durch diese Meerenge. Noch immer besitzt Iran dort erheblichen Einfluss. Bereits seit Wochen sorgen die Folgen für Unsicherheit an Energiemärkten und im internationalen Handel.

Iranische Medien berichteten von Explosionen im Raum Bandar Abbas. Das Nachrichtenportal Tabnak meldete den Tod von vier Mitgliedern der Revolutionsgarden, die nach Darstellung der Berichte bei amerikanischen Angriffen auf Boote ums Leben gekommen seien. Eine offizielle Stellungnahme aus Teheran blieb zunächst aus. Gleichzeitig reiste der iranische Parlamentspräsident Mohammad Bagher Qalibaf nach Katar, wo über ein mögliches Ende des Krieges gesprochen wird. Katar spielt dabei eine besondere Rolle. Das Land besitzt enge Kontakte zu verschiedenen Seiten und verwaltet gleichzeitig Milliardenbeträge eingefrorener iranischer Vermögenswerte.

Die neuen Angriffe treffen einen ohnehin instabilen Waffenstillstand. Seit Wochen kommt es immer wieder zu kleineren Zwischenfällen. Doch der jetzige Vorfall fällt in einen besonders empfindlichen Moment. Donald Trump hatte erst kurz zuvor erklärt, die Vereinigten Staaten und Iran stünden möglicherweise kurz vor einer Vereinbarung. Gleichzeitig entstehen innerhalb seiner eigenen Partei Zweifel, ob ein solches Abkommen überhaupt tragfähig wäre.

Zusätzliche Fragen entstehen durch Einschätzungen amerikanischer Geheimdienste. Interne Analysen sollen zu dem Schluss gekommen sein, dass Iran trotz der amerikanisch-israelischen Angriffe einen großen Teil seiner militärischen Fähigkeiten erhalten konnte. Nach diesen Einschätzungen besitzt Iran weiterhin ungefähr siebzig Prozent seiner mobilen Raketenwerfer und einen ähnlichen Anteil seines Vorkriegsbestandes an Raketen. Besonders besorgniserregend erscheint nach Angaben mehrerer mit den Bewertungen vertrauter Personen ein anderer Punkt. Demnach habe Iran bei rund dreißig seiner dreiunddreißig Raketenstellungen entlang der Straße von Hormus erneut operative Fähigkeiten hergestellt.

Die Folgen reichen weit über militärische Fragen hinaus. Amerikanische Kriegsschiffe, darunter zwei Flugzeugträgergruppen und zahlreiche Begleitschiffe, befinden sich weiterhin im Golf von Oman und im Arabischen Meer. Nach Angaben eines ranghohen Militärvertreters seien iranische Flugabwehrsysteme zeitweise auf amerikanische Schiffe ausgerichtet worden. Gleichzeitig wächst innerhalb des amerikanischen Militärs offenbar eine weitere Sorge. Berichten zufolge werden Vorräte an weitreichenden Raketen und schwerer Munition zunehmend knapp. Gerade diese Waffen wären jedoch notwendig, um stark befestigte iranische Anlagen dauerhaft auszuschalten.

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Hinzu kommt eine politische Erweiterung des Konflikts. Donald Trump brachte erneut die sogenannten Abraham-Abkommen ins Gespräch und erklärte, Länder wie Saudi-Arabien, Katar oder Pakistan sollten sich daran beteiligen. Die während seiner ersten Amtszeit entstandenen Vereinbarungen dienten der diplomatischen Annäherung zwischen Israel und mehreren Staaten. Doch die Reaktionen darauf fallen zurückhaltend aus. Saudi-Arabien knüpft seit Jahren Bedingungen an eine mögliche Normalisierung der Beziehungen zu Israel. Pakistan erkennt Israel bis heute nicht diplomatisch an und hält weiterhin an einer palästinensischen Staatlichkeit fest.

Mojtaba Khamenei, der nach dem Tod seines Vaters die Führung Irans übernommen hatte, reagierte ebenfalls deutlich. Er erklärte, die Ereignisse des Krieges hätten gezeigt, dass amerikanische Militärstützpunkte im Nahen Osten nicht mehr sicher seien. Die Länder der Region würden künftig nicht länger als Schutzschild für amerikanische Einrichtungen dienen. Zwischen all diesen Aussagen entsteht eine Lage, die zunehmend schwer zu greifen ist. Auf der einen Seite sitzen Unterhändler in Katar und sprechen über mögliche Lösungen. Auf der anderen Seite starten Schiffe, Raketenstellungen werden angegriffen und neue Forderungen tauchen auf dem Tisch auf. In Washington wird über Frieden gesprochen. In Bandar Abbas sind Explosionen zu hören. Und genau darin liegt inzwischen die eigentliche Unsicherheit. Die Frage lautet nicht mehr nur, ob ein Abkommen zustande kommt. Die Frage lautet, ob alle Beteiligten überhaupt noch dieselbe Vorstellung davon haben, wie Frieden aussehen soll.

Es stellt sich die Frage, was das alles eigentlich soll. Ein Präsident, der ein Bildchen nach dem anderen ins Netz wirft, brennende iranische Boote, eine Bombe mit der Aufschrift, man danke für die Aufmerksamkeit, ein Vergleichsmeme über Obamas und seine eigene Iran-Politik, und der sich zwischen all diesen Explosionen ernsthaft als Friedensbringer aufführt. Als jemand, der mindestens einmal pro Woche den Friedensnobelpreis verdient hätte. Ich werde keine Kriege anfangen, ich werde Kriege beenden, sagt dieser Mann. Ich sei der erste Präsident seit Jahrzehnten, der keinen neuen Krieg begonnen habe. Ich sei der Präsident des Friedens. Es sind die Sätze eines Mannes, der die Welt in Unruhe hält und dabei das Wort Frieden so oft ausspricht, bis es im Mund zerfällt.

Das eigentlich Bedrückende ist aber nicht der Präsident. Es ist die Stille um ihn herum. Die meisten Länder antworten mit einem lauen Lüftchen, mit einem „ich bin dann einmal weg“, das sich für Diplomatie hält. Und so wird aus dem Wegschauen mit der Zeit ein Gewöhnen, und wer sich erst einmal an etwas gewöhnt hat, wehrt sich nicht mehr dagegen. Am Ende dieser Kette steht keine Regierung, sondern der gewöhnliche Bürger, irgendwo zwischen Teheran, Washington und einer europäischen Hauptstadt, der den Preis für eine Feigheit bezahlt, die er nicht zu verantworten hat. 2026 ist der Krieg offenbar ins Unterhaltungsprogramm aufgerückt, der machtbesessene Politiker zum geduldeten Alltag geworden, und wem das noch zu zahm ist, der wählt rechts oder schielt zumindest in diese Richtung. Es werden Kriege geführt, und die Straßen bleiben leer. Man lässt einen Mann gewähren, der allen Ernstes von sich behauptet, der Präsident des Friedens zu sein, und vielleicht ist genau diese leere Straße das ehrlichste Bild unserer Zeit.

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