Das John F. Kennedy Center for the Performing Arts steht wenige Wochen vor einem möglichen finanziellen Zusammenbruch. Aus einem 57 Seiten starken Paket für eine Sondersitzung des Kuratoriums am Dienstag geht hervor, dass die von Donald Trump eingesetzte Führung inzwischen mit Zahlungsunfähigkeit rechnet. Gehälter und gewöhnliche Wartungsverträge könnten innerhalb weniger Wochen nicht mehr bezahlt werden. Zwei Beschlüsse sollen über die Zukunft des Hauses entscheiden. Einer davon führt direkt zu Trump selbst: Sein Name soll sichtbar am Gebäude stehen, damit der Präsident Geld für dessen Rettung einwirbt.
Nach Darstellung der Verantwortlichen drohe ohne schnelle Hilfe ein „sicherer finanzieller Zusammenbruch“. Trump habe angeboten, die notwendigen Mittel zu beschaffen, während das Gebäude umfassend saniert werde. Seine Bereitschaft, die Aufsicht über das Vorhaben zu übernehmen und beim Einwerben von Geld voranzugehen, hänge laut den Unterlagen allerdings davon ab, dass seine Rolle öffentlich angemessen gewürdigt werde. Hilfe bekommt damit einen Preis, der sich in Buchstaben an einer Fassade messen lässt.

Dem Kuratorium liegen 10 Textvarianten für die Außenwand vor. Eine davon soll festhalten, Sanierung und Stiftungskapital seien von Präsident Donald J. Trump und dem Trump Kennedy Center Fund beaufsichtigt worden. Bereits im August hatte das Gremium einen ähnlichen Schriftzug gebilligt: „Restored and Renovated by President Donald J. Trump“. Ein Kulturhaus, das den Namen John F. Kennedys trägt, könnte seine Zahlungsfähigkeit damit an eine weitere Namensinschrift binden. Geld spricht viele Sprachen. In Washington bekommt es gerade Stein und Metall.
Juristisch ist das Gelände längst vermint. US-Bezirksrichter Christopher Cooper entschied im Mai, nur der Kongress dürfe das Kennedy Center umbenennen, und ordnete die Entfernung von Trumps Namen an. Über eine weitere Klage gegen die neue Fassadenlösung muss Cooper noch befinden. Seit Trump sich im vergangenen Jahr selbst zum Vorsitzenden machte und seine Leute einsetzte, begleiten Finanzprobleme und Führungswechsel das Haus. Mehrere Rechtsstreitigkeiten kamen hinzu.
Die wirtschaftliche Lage sieht deutlich schlechter aus als der Aufschwung, den die neue Führung lange öffentlich verkündet hatte. Interne Haushaltspläne und Prognosen zeigen, dass Kartenverkauf und Spenden nach der Anbringung von Trumps Namen im Dezember stark einbrachen. Im Mai rechneten die Verantwortlichen für das laufende Haushaltsjahr nur noch mit rund 124 Millionen Dollar Einnahmen, obwohl 220 Millionen vorgesehen waren. Selbst nach erheblichen Kürzungen blieb ein erwartetes Defizit von etwa 23 Millionen Dollar. Eine Sprecherin des Kennedy Centers habe die Probleme auf finanzielles Missmanagement der früheren Leitung zurückgeführt. Trumps Name habe zugleich neue Spender angezogen. Trump und seine Verbündeten stellten seine Führung wiederholt als entscheidend für die Rettung des Hauses dar.

Während über Namen gestritten wird, fällt im Gebäude inzwischen Material von der Decke. Bei einem schweren Unwetter am 4. September löste sich im Grand Foyer ein etwa 1,2 mal 1,5 Meter großes Stück Deckenputz und stürzte rund 18 Meter tief nahe dem Eingang zur Concert Hall zu Boden. Verletzt wurde niemand. Bei anschließenden Kontrollen seien mindestens 7 weitere Stellen mit sichtbaren Wasserschäden entdeckt worden.
Noch ernster fallen die Befunde an der Außenseite aus. Ingenieure untersuchten ungefähr die Hälfte der 278 Verkleidungselemente unter dem umlaufenden Dachüberstand. Bei 46 fanden sie schwere strukturelle Korrosion, bei 93 leichte bis mittlere Schäden. Nach Einschätzung der Fachleute müsse ungefähr 1 Drittel sofort ersetzt werden. Über öffentlichen Wegen hängen Deckenkonstruktionen mit einem Gewicht von etwa 1,13 Tonnen in rund 18 Metern Höhe. Architektur kann sehr plötzlich aufhören, bloß Kulisse zu sein.

Exekutivdirektor Matt Floca, den Trump im März eingesetzt hatte, habe dem Kuratorium mitgeteilt, das Hauptgebäude sei für eine weitere Nutzung nicht mehr sicher. Die Delta Consulting Group, die die Sanierungsplanung geprüft habe, komme zur gleichen Einschätzung. Jede Verzögerung erhöhe die Gefahr für Beschäftigte und Besucher. Vertreter des Kennedy Centers wollten sich zu den neuen Vorschlägen nicht äußern. Sprecherin Roma Daravi habe auf eine frühere Erklärung verwiesen, wonach der Deckeneinsturz die Dringlichkeit einer Schließung zeige, für die Trump seit Monaten werbe. Die Schäden seien Folge jahrzehntelanger Vernachlässigung und aufgeschobener Wartung unter früheren Leitungen.
Trump hatte bereits im Februar vorgeschlagen, das Kennedy Center für 2 Jahre zu schließen. Er habe argumentiert, ein leeres Haus lasse sich schneller sanieren. Das Kuratorium stimmte dem Plan im März zu. Richter Cooper stoppte die Schließung im Mai. Das Gremium habe seine Entscheidung auf unzureichende Informationen gestützt und die Folgen nicht angemessen geprüft, befand der Richter. Cooper erlaubte eine erneute Abstimmung nach gründlicherer Prüfung.
Am 13. August billigte das Kuratorium erneut eine 2-jährige Schließung im Rahmen einer Sanierung von rund 250 Millionen Dollar. Der Beschluss für Dienstag geht erheblich weiter. Das Hauptgebäude könnte unmittelbar geschlossen werden, möglicherweise noch am selben Tag. Eine Zustimmung gilt als wahrscheinlich. Nach Darstellung der Leitung könnten die Arbeiten während des normalen Betriebs nicht sicher stattfinden. Eingriffe in Tragwerk und Elektrik würden miteinander verbundene Gebäudeteile sowie öffentliche Bereiche erfassen. Die Gefahr ließe sich während laufender Veranstaltungen nicht ausreichend beherrschen.
Der neuere Gebäudeteil The Reach soll geöffnet bleiben. Aufführungen und andere Veranstaltungen könnten an andere Spielstätten verlegt werden. Das Kennedy Center würde also weiterarbeiten, während sein Hauptgebäude dunkel bleibt.
Dienstag entscheidet das Kuratorium damit über mehr als 250 Millionen Dollar Sanierungskosten. Ein nationales Kulturhaus steht vor der Aussicht, seine Türen sofort zu schließen und zugleich auf einen Präsidenten zu setzen, dessen öffentliche Würdigung nach den eigenen Unterlagen Teil der finanziellen Rettung geworden ist. Ausgerechnet während Kartenverkauf und Spendeneinnahmen unter seiner Führung eingebrochen sind, soll Trumps Name nun beim Geldsammeln helfen. Die Decke bröckelt, die Kasse leert sich. Über der Tür könnte bald ein weiterer Name stehen.
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