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Eine Nacht ohne Bomben ist noch kein Frieden: Warum die Tür aus dem Iran-Krieg so schwer zu finden ist

VonTEAM KAIZEN BLOG

26. Juli 2026

Der Iran hatte eine ruhige Nacht. In diesen 4 Worten eines Sprechers des iranischen Gesundheitsministeriums liegt die ganze Zerbrechlichkeit dieses Augenblicks, denn eine ruhige Nacht ist im fünften Kriegsmonat schon eine Nachricht. Nach fast 2 Wochen, in denen amerikanische Kampfflugzeuge Nacht für Nacht Ziele im Iran trafen, blieb der Himmel erstmals still. Das Zentralkommando bestätigte keine neuen Angriffe und äußerte sich auf Anfrage nicht. Zugleich schoben sich diplomatische Bemühungen nach vorn, die eine Rückkehr zum offenen Krieg verhindern sollen. Am kommenden Dienstag erreicht der Konflikt, der am 28. Februar begann, die Marke von 5 Monaten.

Ob dies ein Wendepunkt ist oder nur das Luftholen zwischen 2 Schlägen, weiß niemand zu sagen, am wenigsten der Präsident, der beides zugleich behauptet. Man sei geladen und entsichert, sagte Donald Trump am Freitag, während man zugleich ernsthaft verhandle. Die Sorge, dass die kriegsbedingt steigenden Benzinpreise seiner Partei bei den Kongresswahlen im November schaden könnten, wischte er beiseite. Es ist die Haltung eines Mannes, der die Tür offen hält und die Faust zugleich, in der Hoffnung, der Gegner werde sie für ihn deuten.

„Wir können das auf eine deutlich höhere Stufe bringen, wenn wir wollen. Wir sind darauf vorbereitet. Wir sind geladen, entsichert und bereit loszulegen.“

Einer, der die Lage nüchtern liest, ist Michael Singh, einst Nahost-Direktor im Sicherheitsrat unter George W. Bush und heute an einem Washingtoner Institut für Nahostpolitik. Werde aus der Pause eine über mehrere Tage, sagte er, sei das bedeutsam; ob es sich um eine operative Atempause handle oder um Raum für Diplomatie hinter den Kulissen, lasse sich schwer sagen. Israel, das den Krieg am 28. Februar an der Seite der Vereinigten Staaten begonnen hatte, ist an den neuen Angriffen auffällig unbeteiligt geblieben, und gerade dieses Fernbleiben deutet Singh als mögliches Zeichen an Teheran, dass Washington den Konflikt begrenzen wolle. Am kommenden Dienstag aber empfängt Trump den israelischen Regierungschef Netanjahu, zum ersten Mal seit jenem Februar, wenige Wochen vor Kriegsbeginn.

Hier zeigt sich die bittere Mechanik eines jeden Krieges. Die Oberhand behält, wer bereit ist, einen Schritt weiter zu gehen, weshalb das Aussteigen jenem zufällt, der als Erster schwächer wirken muss. Genau darin liegt der Grund, warum Kriege sich leichter beginnen als beenden lassen. Eine Feuerpause ist noch lange kein Friede, sie ist nur der schmale Raum, in dem beide Seiten prüfen, ob der andere zuerst blinzelt.

Denn wie schnell die Tür wieder zufällt, hat der Juni gezeigt. Auf ein Zwischenabkommen und eine kurze Waffenruhe folgte der Kampf um die Straße von Hormus, durch die normalerweise 20 Prozent des Welthandels an Öl fließen, und mit ihm der Rückfall an den Rand eines Flächenbrands. Schrittweise weiteten die Amerikaner ihre Ziele aus, von der Marine und den Küstenverteidigungen bei Bandar Abbas über Brücken und Straßen bis tief ins Landesinnere und an den Rand Teherans. Nach dem Befund der Ermittler wurden allein um Bandar Abbas 6 Brücken und ein Tunnel beschädigt, Sendetürme zerstört, die Verbindung zu vorgelagerten Inseln zeitweise gekappt.

So heftig wie zu Beginn ist diese Welle nicht. In den ersten 100 Stunden des Krieges hatten die Vereinigten Staaten und Israel Hunderte militärische Ziele getroffen und die Führung des Landes ausgeschaltet, darunter den Obersten Führer Ali Chamenei. Das Gesundheitsministerium in Teheran zählt seit Kriegsbeginn 3.434 Tote, 55 davon in der jüngsten Eskalation. Die Angriffe legten Verkehr und Kommunikation zeitweise lahm und beschädigten die Wasserversorgung. Ein Angriff auf eine Entsalzungsanlage in Jask soll die Pumpstationen zerstört und die Versorgung von 10.000 Anwohnern getroffen haben; er folgte auf einen iranischen Schlag gegen amerikanische Stützpunkte in Jordanien, bei dem 3 Soldaten starben. An einem Grenzübergang zum Irak, wo sich Pilger versammelt hatten, kamen 2 Menschen ums Leben. Für jeden iranischen Angriff auf die Meerenge, so Trumps Drohung, werde ein Kraftwerk oder eine Brücke fallen.

Über der Meerenge im Süden hat sich ein zweiter Krieg gelagert. Die mit Iran verbündeten Huthi feuerten Raketen und Drohnen auf Saudi-Arabien und nahmen Anlagen von Aramco, dem weltgrößten Ölunternehmen, in Yanbu und Dschidschan ins Visier, als Antwort auf saudische Angriffe auf die Hafenstadt Hodeida. Sie drohen, die Meerenge Bab al-Mandab für saudische Schiffe zu sperren, durch die 12 Prozent des Welthandels laufen. Und aus einer dritten Richtung meldete Teheran einen ukrainischen Angriff auf ein iranisches Handelsschiff im Kaspischen Meer, 1 Toter, 1 Verletzter; Kiew sprach von starken Ergebnissen gegen Schiffe, die dem iranischen Militärnachschub dienten.

Die Bilanz, die über diesem Ringen um eine Ausfahrt steht, ist längst regional. Mehr als 7.000 Menschen sind gestorben, über 3.400 im Iran, 18 amerikanische Soldaten, 24 Zivilisten in Israel, und im Libanon, wo die Hisbollah 2 Tage nach Kriegsbeginn auf Israel schoss, mehr als 4.000. Eine ruhige Nacht wiegt gegen diese Zahl wenig. Sie ist der erste Buchstabe eines Satzes, den beide Seiten noch nicht zu Ende zu sprechen wagen, und niemand weiß, ob am Ende ein Punkt steht oder wieder ein Ausrufezeichen aus Feuer.

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1 Kommentar
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Ela Gatto
20 Stunden vor

Solange ein demented Präsident, ein iranfeindlicher Israeli und die iranischen Hardliner bestimmen, sehe ich keinen echten Frieden.

Eine Feuerpause hier und da.
Dann wieder Drohungen und Angriffe.

Hegseth liebt den Krueg.
Trump hält sich für den Dealmaker der gesamten Welt.
Netanyahu will an der Macht bleiben, da ihm juristisches Ungemach droht.
Die Mullah wollen ihre Macht und Kontrolle nicht aufgeben.

Und in der Zwischenzeit sterben Menschen, leidet die Wrltwirtschaft und mit ihr die Weltbevölkerung.

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