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Trump wollte Kanada treffen – jetzt zahlen Republikaner in den Wahlstaaten mit

VonTEAM KAIZEN BLOG

13. September 2026

Donald Trumps Handelskrieg mit Kanadas Premierminister Mark Carney landet ausgerechnet dort, wo Republikaner 8 Wochen vor den Zwischenwahlen jeden Prozentpunkt brauchen. Nur rund 6 Prozent des jährlichen Warenverkehrs von 715 Milliarden Dollar sind unmittelbar betroffen, doch Prozentzahlen wohnen nicht in Fabrikhallen. In Michigan laufen Bauteile über die Grenze und wieder zurück. In Maine hängt ein Teil der Holzwirtschaft am Austausch mit Kanada. Republikanische Kandidaten wollten über niedrigere Einkommensteuern reden, über Anlagekonten für Kinder und Entlastungen für Unternehmen. Nun reden sie über Zölle. Whit Ayres, republikanischer Politikberater in Washington, erklärte, Trump sei auch gewählt worden, um die Inflation zu drücken und die Wirtschaft anzukurbeln. Alles, was in die andere Richtung wirke, helfe Republikanern im Wahljahr wenig. Brent Buchanan von Cygnal sagte, Kandidaten nahe der kanadischen Grenze könnten sich gezwungen sehen, offen Abstand zum Präsidenten zu nehmen. Trumps Zustimmungswerte seien gefallen, während die Benzinpreise infolge seines Iran-Krieges gestiegen seien. Susan Collins aus Maine nennt den Handelskrieg einen Fehler. Sie erklärte, sie habe bei kanadischem Streusalz und Zement Ausnahmen erreicht. Kanadische Gegenzölle auf Meeresfrüchte aus Maine seien ebenfalls verhindert worden.

Mike Rogers versucht in Michigan einen schmaleren Gang. Der Republikaner kämpft gegen Abdul El-Sayed um einen offenen Senatssitz und schrieb Ende August, Trump habe recht, Amerika an 1. Stelle zu setzen. Handel lasse sich jedoch nicht über einen Kamm scheren. Er wolle gemeinsam mit Trump ein faires Abkommen erreichen, das Michigans Landwirtschaft und Autoindustrie schütze. Derrick Van Orden aus Wisconsin hat diese Vorsicht abgelegt. Der republikanische Abgeordnete, dessen Wiederwahl als völlig offen gilt, erklärte beim Parteitag in Dallas, Kanada habe die amerikanische Milchwirtschaft lange benachteiligt. Für Farmer in Wisconsin seien diese Zeiten vorbei. Das Weiße Haus hält ebenfalls dagegen. Sprecher Kush Desai erklärte, Michigan und Iowa hätten besonders unter unfairen ausländischen Handelspraktiken gelitten, darunter solchen aus Kanada. Trump habe beide Staaten gewonnen, weil er amerikanische Arbeiter und Unternehmen an 1. Stelle stellen wolle. Kanada habe das beste Handelsangebot aller US-Partner zurückgewiesen. Von „America First“ werde der Präsident keinen Schritt abrücken.

Die Grenze erzählt allerdings seit Jahrzehnten eine andere Geschichte als ein Wahlkampfslogan. Unternehmen haben ihre Lieferketten auf beiden Seiten aufgebaut, Provinzen und Bundesstaaten tauschen Rohstoffe gegen verarbeitete Ware. Michigan handelt eng mit Ontario. Holzunternehmen aus Maine arbeiten über die Grenze hinweg. Iowa verkauft Landmaschinen nach Kanada. Im Juli kündigte Trump 50 Prozent Zoll auf bestimmte kanadische Waren an. Seine Regierung stellte den Schritt als Antwort auf Kanadas Reaktion auf die „Liberation Day“-Zölle vom April 2025 dar. Nachdem die Verhandlungen scheiterten, traten die 50 Prozent Ende August in Kraft. Alkohol wurde erfasst, ebenso Milchprodukte. Kanada antwortete am 8. September mit neuen Zöllen auf Aluminium und Milchprodukte. Hinzu kamen Landmaschinen und Kunststoffe. Papierprodukte sowie Haushaltsgeräte standen ebenfalls auf der Liste. Noch am selben Abend kündigte Trump an, ab 29. September bestimmte kanadische Alkoholprodukte und Motorräder nicht mehr ins Land zu lassen. Melasse und weitere Waren sollen folgen. Stephen Brown von Capital Economics schrieb, volkswirtschaftlich dürfte dieses Verbot wenig bewegen. Die jüngsten Maßnahmen zielten nach seiner Einschätzung vor allem darauf, Kanada wirtschaftlich weh zu tun. Damit steige das Risiko, dass ausgerechnet das USMCA zerfällt, jenes Handelsabkommen, das Trump während seiner 1. Amtszeit selbst ausgehandelt hatte.

Kanadas Antwort trifft politische Geografie ziemlich präzise. 2025 gingen mehr als 25 Prozent aller Ausfuhren aus Maine und Michigan nach Kanada. Dasselbe galt für Ohio und Iowa. Wisconsin sowie Pennsylvania lagen ebenfalls über dieser Marke. Maine und Alaska gehören zugleich zu den großen Importeuren kanadischer Waren. Iowa und Michigan ebenfalls. In Michigan und Maine stehen hochumkämpfte Senatswahlen an. Ohio und Iowa folgen mit ebenso engen Rennen, auch Alaska ist umkämpft. Texas kommt im Handel mit Kanada auf mehr als 69 Milliarden Dollar jährlich, auch wenn dies gemessen am gesamten Außenhandel des Bundesstaates nur einen kleinen Anteil ausmacht. Dort läuft ebenfalls ein enges Senatsrennen. Mehrere dieser Staaten wählen gleichzeitig Abgeordnete oder Gouverneure. Michigan allein setzte im vergangenen Jahr mehr als 66 Milliarden Dollar mit Kanada um. Kanadische Zölle auf amerikanischen Stahl und Aluminium erhöhen dort die Kosten. Kleine Fahrzeugteile werden ebenfalls teurer. Glenn Stevens von MichAuto erklärte, die Autoindustrie habe den Punkt der Erschöpfung bereits vor etwa 1 Monat erreicht. Nach Pandemieproblemen und jahrelangen politischen Kurswechseln bei Elektrofahrzeugen liegt auf den Werkbänken nun noch ein Handelskrieg.

Maine entging bei Hummern einem schweren Schlag, weil Kanada Meeresfrüchte aus seiner ersten Zollliste nahm. Sperrholz und Papier trifft es weiterhin. Patrick Woodcock von der Maine State Chamber of Commerce erklärte, Unternehmen begrüßten grundsätzlich jeden Versuch, bessere Handelsabkommen auszuhandeln. Die Wirtschaft mit Kanada sei allerdings über Generationen zusammengewachsen. Bei manchen Branchen werde keine Seite als Gewinner hervorgehen. In Iowa treffen die Zölle auf Landmaschinen Hersteller sowie Verarbeiter. Sunghun Lim von der Iowa State University erklärte, wichtige Ausfuhren wie Sojabohnen und Schweinefleisch seien bisher verschont geblieben. Auch Mais sei ausgenommen. Christopher Pudenz vom Iowa Farm Bureau warnte dennoch, ein Zusammenbruch des USMCA könne ein Abkommen zerstören, von dem Iowas Landwirtschaft stark profitiert habe. John Truscott von Truscott Rossman, früher Sprecher des republikanischen Gouverneurs John Engler, sagte, der chaotische Handelskrieg zwinge Kandidaten zu einer Frage, die sie im Wahlkampf kaum auf dem Tisch erwartet hätten. Genau dort liegt sie jetzt, zwischen Fabrikrechnungen und Stimmzetteln.

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