Manche Wunden verlangen, dass man sie mit Vorsicht berührt. Donald Trump berührte am Samstag die tiefste Wunde der irischen Insel im Vorbeigehen, zwischen einem Turnier auf seinem eigenen Golfplatz und dem nächsten Termin. Eine Wiedervereinigung Irlands wäre eine coole Sache, sagte er, später wäre sie fantastisch. Über eine Frage, für die Iren und Briten mit dem Leben bezahlt haben, sprach der Präsident im Ton eines Mannes, der einen gelungenen Abschlag lobt.
Bei seinem Treffen mit dem irischen Premierminister Micheál Martin in Dublin gab er die Richtung vor. Er wolle keine Probleme verursachen, sagte Trump, doch er sähe die Republik und das zum Vereinigten Königreich gehörende Nordirland gern vereint. Es werde irgendwann geschehen, dann könne es genauso gut jetzt geschehen. Das Vereinigte Königreich, fügte er hinzu, werde dazu natürlich auch etwas zu sagen haben.

Beim nächsten Termin, vor Wirtschaftsvertretern aus beiden Ländern in der Residenz des US-Botschafters, klang es schon anders. Auf die Frage der Wiedervereinigung gebe es keine gute Antwort, räumte er ein. Zwischen der coolen Sache am Vormittag und der fehlenden Antwort am Nachmittag lag nur ein weiterer Programmpunkt. Die Leichtigkeit dieser Sätze steht gegen ein Jahrhundert. Vor rund 100 Jahren wurde Irland ein selbstverwalteter Staat mit katholischer Mehrheit, während die sechs nordirischen Grafschaften mit ihrer protestantisch geprägten Tradition beim Vereinigten Königreich blieben. Dort standen sich zwei Gruppen gegenüber, die Nationalisten, überwiegend katholisch, die zum übrigen Irland wollten, und die Unionisten, mehrheitlich protestantisch, die britisch bleiben wollten.
Aus diesem Gegensatz erwuchs der Nordirlandkonflikt, in dem paramilitärische Gruppen beider Seiten und britische Soldaten kämpften. Das Karfreitagsabkommen von 1998 beendete die Gewalt weitgehend, und die Vereinigten Staaten hatten an seinem Zustandekommen einen wichtigen Anteil. Die Zukunft Nordirlands ließ das Abkommen offen. Eine Abstimmung über die Vereinigung sieht es erst dann vor, wenn eine Mehrheit dafür wahrscheinlich erscheint. Der britische Premierminister Andy Burnham hatte am Mittwoch genau diese Schwelle benannt. Eine Volksabstimmung komme erst infrage, wenn die öffentliche Meinung sich so weit gewandelt habe, dass die Forderung danach berücksichtigt werden müsse. Nach Trumps Auftritt verwies sein Büro noch einmal auf diesen Satz.

Frühere Bewohner des Weißen Hauses wussten um dieses Gewicht. Joe Biden, mit starken Bindungen an Irland, hielt sich zurück, wie seine Vorgänger. Zurückhaltung erschien ihnen als Preis dafür, dass Washington in der Sache überhaupt gehört wird. Trump kehrte den Preis um und machte aus der heikelsten Frage der Insel einen Nebensatz. Die Härte des Auftritts lag im Ton. Eine Teilung, die Jahrzehnte Tote forderte, mit dem Wort cool zu bedenken, heißt die Geschichte an der Elle des Turnierwochenendes zu messen. Die Toten des Nordirlandkonflikts und die mühsame Ordnung von 1998 schrumpfen in dieser Sprache zu einer Sache, die man ebenso gut jetzt erledigen könnte wie irgendwann.
Der Zeitpunkt fügt dem Ton eine Absicht hinzu. Seine Bemerkung lässt sich, zusammen mit seinen jüngsten Worten zu den Falklandinseln, als Seitenhieb gegen London lesen. Großbritannien hatte sich geweigert, sich in den amerikanisch-israelischen Krieg gegen Iran hineinziehen zu lassen, was Trump verärgert hatte. Wo ein Verbündeter nicht spurt, wird ihm die eigene Landkarte zur Verhandlungsmasse. Auch die Falklandinseln brachte er erneut ins Spiel, jenes britische Überseegebiet mit rund 3.500 Einwohnern, das Argentinien Las Malvinas nennt und rund 480 Kilometer vor seiner Küste liegt. Der argentinische Präsident Javier Milei, ein Verbündeter Trumps, hat den Anspruch seines Landes zuletzt bekräftigt. Washington könne seine neutrale Haltung überdenken, hatte Trump zuvor erklärt. Ob Großbritannien die Inseln heute noch einmal zurückerobern könnte wie 1982, bezweifelte er. Er werde wohl in diese mögliche Katastrophe hineingezogen, sagte er, und werde sie dann wahrscheinlich regeln können.

In Dublin traf er auf ein Gegenüber, das ihn kennt. Die Präsidentin Catherine Connolly hatte sich bei seinem Besuch 2019 noch den Demonstranten angeschlossen und ihn früher einen Tyrannen genannt. Als weitgehend repräsentatives Staatsoberhaupt empfing sie ihn nun, ohne ihre Überzeugung abzulegen. Sie habe ihm die feste Haltung der irischen Bevölkerung vermittelt, erklärte sie danach, dass die Normalisierung von Krieg und Völkermord niemals hinzunehmen sei. Ihre Geschenke sprachen deutlicher als jedes Kommuniqué. Connolly überreichte ihm eine Sammlung des verstorbenen Dichters Michael Longley, in der das Sonett „Ceasefire“ steht, ein Gedicht über den Waffenstillstand. Auf die Frage nach dem Treffen ließ Trump zuerst seine Protokollchefin Monica Crowley antworten, ehe er es sehr nett nannte. Man habe über viele Dinge gesprochen, schnell.

Draußen trug die Stadt die andere Antwort. Die Polizei sperrte Teile des 700 Hektar großen Phoenix Parks ab, wo die Residenzen von Präsidentin Connolly und Premierminister Martin liegen, dazu die des US-Botschafters Edward Walsh. Zu einer Kundgebung im Zentrum kamen Tausende, viele mit irischen oder palästinensischen Fahnen, und riefen, Trump sei hier nicht willkommen. Er hatte Dublin da bereits verlassen und war auf dem Weg zu seinem Platz in Doonbeg an der Atlantikküste.
Paula B. war mit einer Gruppe des Dublin Rape Crisis Centre gekommen, aus Widerspruch gegen Trumps Haltung zu Frauen, dazu zu Flüchtlingen und Migranten. Von seiner Unterstützung für die Einheit ließ sie sich nicht rühren, so viele Anhänger dieses Ziel in Irland auch habe. Über die irische Einheit wisse sie in ihrem kleinen Finger vermutlich mehr als er, sagte sie. Kim M., im vergangenen Jahr aus Florida nach Dublin gezogen, sagte, sie sei mitgezogen, um Trump und seiner Politik zu entkommen. Schön wäre, wenn Regierungen ihm einfach sagten, er solle zu Hause bleiben.

Warum er überhaupt kam, beantwortet der Ort. Der Präsident stand auf seinem eigenen Platz, beim Irish Open, an der Seite seines Sohnes Eric, der tags zuvor die Familie verteidigt hatte. Man möge in Morrissey’s Tavern in Doonbeg einen echten Iren fragen, was die Trumps für das Land getan und hier investiert hätten, hatte Eric gesagt. Der Golfplatz sei der größte Arbeitgeber der Gegend.
So verschwimmt das Amt mit dem Geschäft. Trump verbringt die meisten Wochenenden auf seinen Plätzen in Florida und New Jersey, einen weiteren unterhält er in Virginia. Seine Auftritte bei großen Turnieren nützen dem Familienunternehmen, das an ihrer Ausrichtung mitverdient. Im vergangenen Jahr spielte er 5 Tage in Turnberry und eröffnete einen weiteren Platz in Aberdeenshire. Zum Ryder Cup im kommenden Jahr werde er zurückkehren, versprach er, auf jeden Fall. Die Grenze der Insel bleibt derweil dort, wo sie 1998 mühsam befriedet wurde, gleichgültig, wie leicht sie sich zwischen 2 Löchern verschieben ließe.
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