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Bei den Republikanern läuten die Alarmglocken, weil selbst viele Stammwähler ins Wanken geraten

VonTEAM KAIZEN BLOG

26. Juli 2026

In Harrison County im ländlichen Westen Iowas rechnet Lance Sulentic sein Motorrad durch. 300 bis 500 Dollar mehr im Monat kostet ihn das Fahren, seit die Benzinpreise gestiegen sind, und der 56-jährige Versicherungsvertreter nennt die 3 Präsidentschaftswahlen, bei denen er für Donald Trump stimmte, die 3 schlimmsten Fehler seines Lebens. Der Sprit sollte 2 Dollar kosten, die Lebensmittel billiger werden, die Energiepreise sich halbieren, 2 Schecks an die Bürger gehen, keine neuen Kriege sollten kommen, eine Mauer entstehen, 30 Millionen Menschen abgeschoben werden. Nichts davon sei geschehen, sagt er. Er werde die Wahl aussitzen oder demokratisch stimmen.

Sulentic ist kein Überläufer aus dem gegnerischen Lager, er gehört zum harten Stamm jener Wählerschaft, ohne die die Republikaner keine Wahl gewinnen, und Männer wie ihn sehen die eigenen Leute jetzt in Zahlen, die sie erschrecken. Eine Flut entmutigender Werte aus Umfragen, Haustürgesprächen und Fokusgruppen läuft ein, wenige Monate vor den Zwischenwahlen im November, in einem Jahr, das für die Partei ohnehin schwer würde, weil der Präsident schwach in den Umfragen steht und weil die Regierungspartei fast immer Sitze verliert.

Lance Sulentic

Das Alarmierende ist, wie tief die Enttäuschung reicht. Sie hat die treueste Schicht erfasst, jene Wähler, die in den vergangenen 4 Vorwahlen und Hauptwahlen ausnahmslos erschienen sind. Nach den Umfragewerten von Americans for Prosperity Action, einem konservativen Super-PAC aus dem Umfeld des Milliardärs Charles Koch, steht rund 1 von 5 dieser verlässlichen Stammwähler auf der Kippe. In Iowa, Ohio, North Carolina, Montana, New Hampshire und Michigan erwägen sie, zu Hause zu bleiben oder gleich demokratisch zu stimmen, getrieben von der Inflation und der Wirtschaft. Ein großer Brocken, sagt der Geschäftsführer der Gruppe, Nathan Nascimento, eine beängstigende Zahl. Und die 20 Prozent zählen nur die Verlässlichen. Die selteneren konservativen Wähler, die zwar für Trump erscheinen, andere Wahlen aber schwänzen, bleiben in dieser Zahl noch unberücksichtigt, sie sind das zweite, ältere Problem der Partei. Man habe, wie Nascimento es nennt, ein Problem mit der verlässlichen Basis, nicht allein mit den seltenen. Immerhin bewege das Gespräch an der Haustür die meisten wieder zurück zu den eigenen Kandidaten oder wenigstens weg von den demokratischen ins Unentschiedene.

Lance Sulentic gehörte zu Donald Trumps überzeugtesten Anhängern. Der Präsident prägte seinen Alltag – von der Kleidung bis zu den Dingen, mit denen er sich täglich umgab.

Der Demagoge lebt vom Versprechen, und je größer es ausfällt, desto williger wird ihm geglaubt, weil ein kühnes Wort mehr Trost spendet als ein vorsichtiges. Die Ernüchterung aber kommt nicht aus dem Kopf, sie kommt aus der Brieftasche. Kein Redner der Welt kann einen Preis an der Zapfsäule wegreden, und der leere Geldbeutel ist ein hartnäckigerer Lehrer als jede Opposition. Sulentic hat keine Überzeugung getauscht, ihm wird eine Rechnung präsentiert, Monat für Monat, und aus ihr zieht er den Schluss.

Die Umfragen bestätigen, was an den Türen zu hören ist. Nach einer Umfrage des Instituts Ipsos führen die Demokraten unter jenen, die absolut sicher wählen wollen, mit 10 Punkten, und schließt sich dieser Abstand nicht, könnte er zum entscheidenden Vorsprung werden, obwohl die Partei auf dem allgemeinen Stimmzettel nur mit 3 Punkten vorn liegt, 48 zu 45. Der republikanische Meinungsforscher Mitchell Brown von der Firma Cygnal formuliert es unbequem: Nicht die Demokraten schössen über ihren Erwartungswert hinaus, die Republikaner blieben darunter. So begeistert wie vor den Zwischenwahlen 2018, als sie das Repräsentantenhaus zurückeroberten, seien die Demokraten wieder, die eigene Seite bleibe weit hinter der Stimmung von damals zurück.

Lance Sulentic bewegte sich tief im evangelikal-konservativen Umfeld Iowas. Glaube und Politik gehörten für ihn eng zusammen. Fotos zeigen ihn immer wieder mit christlichen Symbolen, seiner Kirchengemeinde und zahlreichen Erinnerungsstücken rund um Donald Trump.

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Am schwersten wiegt, wer da abbröckelt. Als gefährdetste Gruppe benennt Brown die Männer unter 40, geplagt von Sorgen um Wirtschaft und Preise, ausgerechnet jene, die Trumps Sieg 2024 mittrugen und in denselben umkämpften Staaten den Ausschlag gaben, in denen jetzt wieder alles auf der Kippe steht. Es sind nicht die Zweifelnden am Rand, die gehen, es sind die, die ihn ins Amt gehoben haben.

Der Parteivorstand spricht davon unbeeindruckt in einer Sprache aus einer anderen Wirklichkeit. Man sei geeint, in der Offensive und mit dem größten Kriegsschatz der Parteigeschichte gewappnet, weil die Wähler entflammt seien und verstünden, was auf dem Spiel stehe, erklärt eine Sprecherin. Dass der Präsident zugleich mit einem beispiellosen Zuschnitt der Wahlkreise einen künstlichen Vorsprung zu sichern sucht, der die drohenden Verluste abfedern soll, ist das Eingeständnis hinter der Zuversicht. Wer entflammte Wähler hat, muss die Grenzen der Bezirke nicht neu ziehen.

Selbst im sicher geglaubten Iowa reicht der Riss inzwischen tief. Um das Gouverneursamt und einen Senatssitz sind offene Rennen entbrannt, die den Umfragen zufolge überraschend eng sind. Bei einem Rundgang durch Urbandale, einen Vorort der Hauptstadt Des Moines, trafen die Wahlkämpfer auf Bürger, die den Krieg im Iran und die hohe Inflation beklagten, und eine Handvoll kündigte an, im Herbst demokratisch zu wählen. In einem Land, das Trump zweimal mit Abstand gewann, ist schon das eine Nachricht.

Großer Applaus für Präsident Trump bei seinem Besuch im Restaurant Machine Shed in Urbandale (Iowa) am 27. Januar 2026. Heute wirken solche Bilder bereits wie Aufnahmen aus einer anderen Zeit. Die Stimmung im Land kippt zunehmend.

In Washington sucht die Partei die Schuld bei sich selbst, mit einigem Recht. Man müsse die Basis wieder entzünden, sagt Senator Ron Johnson aus Wisconsin, der erst 2028 wieder antreten muss und in seinem umkämpften Staat schon schwere Rennen gewann. Die Stammwähler, vermutet er, hielten die Abgeordneten für zu bequem. Das Save America Act, ein Gesetz für den Ausweiszwang bei der Wahl und den Staatsbürgerschaftsnachweis bei der Registrierung, ist an der eigenen Zerstrittenheit gescheitert, wofür der Präsident die Seinen abkanzelte, und gegen die Lebenshaltungskosten geschah seit dem Steuergesetz von 2025 wenig. Eine Sprecherin Trumps nennt das Wahlgesetz eine oberste Priorität und beteuert, die Regierung liefere weiter, senke Arzneipreise, hole Arbeitsplätze zurück, drücke die Benzinpreise. Es sind dieselben Preise, an denen Sulentic sein Urteil bemisst.

Manche drängen den Präsidenten, seine Reichweite und den 400 Millionen Dollar schweren Kriegsschatz von MAGA Inc. für die trägeren Wähler einzusetzen, denn steht Trump selbst auf dem Stimmzettel, mobilisiert er ungleich besser als für andere. Senator Kevin Cramer aus North Dakota erzählt, er habe Trump vergangene Woche im Oval Office gesagt, er sei der Schlüssel zur Mobilisierung. Die Wähler kämen schon, habe Trump erwidert, wenn man nur das Save America Act verabschiede. Der eine schiebt es auf den anderen, und das Weiße Haus setzt seine Hoffnung auf einen Parteitag im September in Texas, der die Stimmung anheizen soll.

Thom Tillis

Am freimütigsten redet, wer aufhört. Senator Thom Tillis aus North Carolina, der auf eine erneute Kandidatur verzichtet, glaubt zwar, die klassische Basis werde am Ende erscheinen, fürchtet aber, der Ruf der Partei sei bei den Gemäßigten durch Wirtschaft und Inflation beschädigt, und der Iran-Krieg werde zur zusätzlichen Last. Ob Trump jene Anhängerschaft, die nur ihm gehört, auch für andere an die Urnen bewege, sei die eigentliche Frage. In Harrison County ist die Antwort schon zu haben. Dort sitzt ein Mann über seiner Monatsabrechnung und kommt zu dem Ergebnis, dass ihn ein Versprechen 300 bis 500 Dollar kostet.

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2 Comments
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Ela Gatto
1 Tag vor

Nur 1 von 5 Stammwählern steht auf cer Kippe.
Das ist nicht viel und würde nicht die Mehrheit kosten.
Schon gar nicht, wenn die Stimme im fast komplett roten Bezirk fehlt.

Durch die Wahlkreise, doe panic neu zugeschnitten werden, und das Electorial Colleg mit seinen Wahlmännern zählt ohnehin nicht jede Stimme.
Sondern wer die Mehrheit der Wahlmänner erreicht.

Letztlich werden fast alle Republikaner wieder republikanisch wählen.
Weil man das immer so gemacht hat und viel zu bequem ist sich mit dem Wahlprogramm und der Heritage Foundation zu beschäftigen.

Wer wie Sulentic 4 Mal Trump gewählt hat ist dumm.
Alles war ok, bis die eigene Brieftasche schmerzt. Traurig, dass alles andere nicht zählt.
Sogar als negativ bewertet wird, dass keine 30 Millionen abgeschoben wurden 😞

So Jemand wird NIE demokratisch wählen.
Im günstigsten Fall geht er nicht wählen.

Die Demokraten müssen mobilisieren.
Sich auf die Unzufriedenheit der Republikaner zu verlassen wäre naiv.

Vielleicht gibt es kurz vor den Wahlen ja auch wieder ein Attentat?
Irgendwas fällt dem demented Siziopathen schon ein.

Oder er schickt seine 6. Januar Armee der Begnadigten los, falls das Wahlergebnis ihm nicht gefällt.
Vielleicht auch schon vorher?

Rainer Hofmann
Administrator
14 Minuten vor
Antwort auf  Ela Gatto

… einer von fünf sind 20% und wir reden hier von hardliner zzgl die ,oderaten wähler wo auch geschätzt 20% auf der kippe stehen, das ist viel – trump gewann die letzte wahl mit 1% vorsprung, dass würde locker reichen berechnet man die aktuell 10% dazu

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