JD Vance stand in Georgia. Die Akins Ford Arena war zu mehr als drei Vierteln leer. Turning Point USA hatte sich verschätzt. So fing der Abend an.
Er sprach trotzdem. Über den Iran, über junge Wähler, über einen Mann, den es nicht mehr gibt. Charlie Kirk wurde im September bei einer Turning Point USA-Veranstaltung an einer Universität in Utah erschossen. Vance sagte, Kirk sei der Klebstoff gewesen – derjenige, der die Leute zusammenhalten konnte, die unbedingt Krieg wollten, und die, die es nie gewollt hätten.
Der extrem rechtskonservative Kirk hatte gewarnt, als Israel am 13. Juni 2025 mit der Operation Rising Lion allein den Iran angriff – Nuklearanlagen, Militärführung, Raketenprogramme. Er sagte, eine direkte US-Beteiligung könnte die MAGA-Bewegung spalten. Neun Tage später griffen die USA trotzdem ein und zerstörten mit Bunkerbrechern die Tiefanlagen Fordow, Natanz und Isfahan – Anlagen, die Israel nicht erreichen konnte. Kirk wurde im September erschossen. Seine Warnung hatte niemand mehr gehört, nicht weil er Ethik besass, sondern weil es um MAGA ging.
Vance räumte an diesem Abend etwas ein, das man selten so direkt hört. Viele junge Wähler liebten den Kurs im Nahen Osten nicht. Er verstehe das, sagte er. Aber er bat sie nicht umzudenken. Er bat sie, trotzdem dabei zu bleiben. Nicht desengagiert zu werden, weil man in einem Punkt nicht übereinstimme. So nehme man das Land zurück, sagte er. Es ist der Satz eines Mannes, der die Überzeugung nicht mehr einfordern kann – und der stattdessen um Anwesenheit bittet.
Dann kam der Eklat …
Etwa zehn Minuten nach Beginn rief jemand aus dem Publikum: Jesus Christus unterstützt keinen Genozid. Vance redete weiter. Minuten später eine andere Stimme: Ihr tötet Kinder. Ihr bombt Kinder. Gemeint war der Iran, wie wir nachgehakt haben. Die Halle war fast leer, aber die wenigen, die gekommen waren, hatten etwas zu sagen.
Vance redete weiter …
Dann sprach er über Verhandlungen. Über mehr als zwanzig Stunden, in denen er die amerikanische Delegation geführt hat. Trump wolle keinen kleinen Deal, sagte Vance. Er wolle den großen. Den Iran auf Atomwaffen verzichten lassen – und ihn dafür in die Weltwirtschaft einladen. Wirtschaftlicher Aufstieg als Gegenleistung. Das iranische Volk in eine Welt holen, in der es in Vance‘ gesamtem Leben noch nie war. Es klingt nach einem Versprechen. Es klingt auch nach einem Angebot, das bisher niemand angenommen hat.
Dann kam der Papst. Papst Leo hatte gesagt, Gott stehe nie auf der Seite derer, die das Schwert führen. Vance fragte: War Gott nicht bei den Amerikanern, die Frankreich befreit haben? War Gott nicht bei denen, die die Holocaust-Lager aufgemacht haben? Der Saal applaudierte. Die Frage, was das mit dem Iran zu tun hat, stellte niemand.
Vance sagte, die Einstellung der Ukraine-Hilfe gehöre zu den Dingen, auf die er am stolzesten sei. Er sagte es so, wie man etwas sagt, das man lange gedacht und nie bereut hat.
In Bradenton, Florida, äußert sich ein Wähler, John North, vor laufender Kamera zu dem Bild, das Trump als Jesus zeigt. Das sei eine Schande, sagt er. Er sei aufgewühlt. Wie egozentrisch könne man nur sein. Er schäme sich. John North hat Trump gewählt.
Vance redete. Die Halle war leer. So hörte der Abend auf.
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Herrlich, dass die Halle fast leer war und ein paar kritische Zwischenrufe laut wurden.
Aber auf der anderen Seite wurde bei kontroversen Themen applaudiert.
Leider vergessen MAGA schnell.
Was sie heute ärgert oder aufwühlt, ist im November vergessen.
Das Kreuz wird von MAGA wieder für die Republikaner gemacht.
Sekten-Gehirnwäsche funktioniert.
Erreichen kann man nur die Wähler die sich nicht fest MAGA zuordnen.