Das teuerste Sumpfloch Floridas macht die Tore dicht. Die Trump-Regierung versucht im Stillen, jenes Lager im Everglades dichtzumachen, das Kristi Noem noch vor wenigen Monaten als Vorbild für ein landesweites Netz an Abschiebeknästen gefeiert hatte. Offizieller Grund – zu teuer. Die Ironie hätte man sich nicht ausdenken können, denn ausgerechnet jene Frau, die das Ding einst als „Kostensparmaßnahme“ verkaufte, schaut jetzt aus der Distanz zu, wie ihr Denkmal an der eigenen Rechnung erstickt.

Eine Million Dollar pro Tag. So viel verschlingt das erste staatlich betriebene Abschiebelager der Vereinigten Staaten, ein Lieblingsprojekt von Floridas Gouverneur Ron DeSantis. Hochgerechnet aufs Jahr landet man bei rund 450 Millionen Dollar, und Florida wartet bis heute auf die zugesagte Erstattung aus Washington. Die Bundesgelder kommen schleppend, wenn überhaupt. Im April saßen knapp 1400 Menschen in dem Lager, zwei Drittel davon ohne jede strafrechtliche Verurteilung. Eingesperrt, weil sie eingesperrt werden konnten.
Noem, mittlerweile 54, wurde im März aus ihrem Amt als Heimatschutzministerin entfernt, nachdem eine von ihr angeschobene Werbekampagne die Steuerzahler mehrere Hundert Millionen Dollar gekostet hatte.

Vorher allerdings hatte sie zusammen mit Trump und DeSantis im vergangenen Sommer durch die Anlage stolziert, als wäre es eine Modellbau-Ausstellung. Trump pries den Laden, ermutigte andere Bundesstaaten zur Nachahmung und erzählte landauf, landab, dass die Kosten pro Bett deutlich geringer ausfielen als bei den alten Verträgen des Heimatschutzministeriums. Heute weiß man – das Gegenteil ist der Fall.

Unsere Recherchen, die später Bestandteil des Gerichtsverfahren waren, zeichneten ein anderes Bild als die offizielle Sparrhetorik. Da lag eine Beschaffungsdatei vor, intern zwischen Behörden und Auftragnehmern hin- und hergereicht, ausgestellt am 10. Juli 2025 von Floridas Notfallbehörde DEM, Empfänger Critical Response Strategies LLC, am Ende der Tabelle stand eine Zahl, die in keiner Pressemitteilung auftauchte – 78.525.978 Dollar. Anschrift der Anlage 54575 Tamiami Trail, Ochopee, mitten in den Everglades. Was da aufgelistet wurde, waren über 60 Positionen, in Summe mehr als 180.000 Arbeitsstunden, jede Rolle einzeln durchgerechnet bis auf den Cent.
Wer den Vertrag las, stolperte über die Stundensätze. Ein leitender ICE-Vollzugsbeamter, intern als CO Captain bezeichnet, kassierte in Überstunden 78 Dollar die Stunde, was sich am Ende auf 5.690.880 Dollar summierte. Ein Intake Supervisor landete bei knapp einer Million. Wer Dienstausweise verwaltete, bekam 57 Dollar die Stunde, also mehr, als manche Krankenpflegerin in Florida nach zehn Berufsjahren verdient. Für eine Rolle namens Plans Review, was auch immer sich dahinter verbarg, waren 1.480.000 Dollar für 1.000 Stunden eingeplant, das sind 185 Dollar die Stunde. Corrections Officer in Überstunden, 2.288 Stunden zu 63 Dollar, machten 14.414.400 Dollar.
Siehe auch einige unserer Recherche: Ein Ort namens Ochopee – Wie Alligator Alcatraz Millionen verschlingt, Menschen quält und dafür sehr gut belohnt und bezahlt
Das Sumpflager des Grauens – Wie Trumps „Alligator Alcatraz“ zur humanitären Katastrophe wurde
Recherchen zeigen: Die Hölle hat einen Namen – Trump
Camp 57, Mustang-Republik, Alligator Alcatraz und der Kreuzzug der Abschreckung
Selbstverzehrung im Ausnahmezustand – Amerika verliert seine letzte Scham
Zum Vergleich – Lehrer und Sozialarbeiter in Florida verdienten zwischen 20 und 28 Dollar die Stunde, häufig weniger. Sie unterrichteten Kinder, kümmerten sich um zerbrochene Familien, hielten den Laden zusammen. In Ochopee dagegen wurde sortiert, eingebucht und bewacht, zu Sätzen, bei denen jeder Hinweis auf knappe Kassen wie ein schlechter Witz klang.

Eröffnet wurde das Lager hastig am 3. Juli, auf einer aufgegebenen Landebahn mitten im Sumpf, mit riesigen Zelten und Käfigen für jeweils 35 bis 38 Insassen. Schon im August stoppte Bundesrichterin Kathleen Williams den Betrieb wegen fehlender Umweltprüfungen. Florida hatte das Ding einfach hingestellt und gehofft, dass keiner genau hinschaut.

Lesen Sie auch unseren Artikel: Das Ende von Alligator Alcatraz – Ein Gerichtsurteil als Fanal für Rechtsstaat und Umweltschutz
Es kam schlimmer. Im Dezember veröffentlichte Amnesty International einen Bericht über das, was die Insassen „die Box“ nennen. Ein zwei mal zwei Fuß großer Käfig, in dem Menschen an Händen und Füßen am Boden festgekettet werden, unter der Sonne Floridas, weder sitzen noch sich bewegen können. Die CIA hatte eine vergleichbare Foltermethode in ihren schwarzen Verhörzentren nach dem 11. September verwendet, unter anderem an Abu Zubaydah, dem am längsten festgehaltenen Häftling im sogenannten Krieg gegen den Terror und dem ersten Mann, den die Behörde mit Wasser folterte. Ein Kubaner, der elf Tage in dem Lager saß, sagte gegenüber Amnesty International, es sei eine Kopie von Guantánamo, die Bedingungen seien menschenunwürdig. Amnesty selbst sprach offen von Folter.
Klagen häufen sich. Vorwürfe von Übergriffen, Begrapschungen, unhaltbaren Zuständen. Menschenrechtsgruppen sind längst nicht die einzigen Kritiker, auch innerhalb des Apparats wächst das Unbehagen, sonst würde man jetzt nicht versuchen, das Ganze leise abzuwickeln.
Und genau das ist der eigentliche Punkt. Nicht die Berichte über Folter haben das Lager gekippt, nicht die Klagen, nicht die Bilder von gefesselten Männern in Käfigen. Was Alligator Alcatraz erledigt hat, ist die Quittung am Monatsende. Eine Million pro Tag. So viel kostet es, eine Show aufrechtzuerhalten, in der ein Gouverneur, eine Ministerin und ein Präsident durch ein Sumpfgelände marschieren und so tun, als hätten sie eine Lösung gefunden. Hatten sie nie. Sie hatten ein Bühnenbild, finanziert auf Pump, betrieben auf dem Rücken von 1400 Menschen, von denen die meisten nichts verbrochen hatten außer dem, irgendwann mal die falsche Grenze überquert zu haben.
Noem ist weg, das Lager folgt ihr nach. Bleibt die Frage, wer die Rechnung bezahlt – und wer den Menschen in der Box das halbe Jahr zurückgibt.
Updates – Kaizen Kurznachrichten
Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.
Zu den Kaizen Kurznachrichten In English







Diese Regierung und ihre Mitläufer bereichern sich auf Kosten der arbeitenden Bevölkerung. Mal sehen, wie lange diese das mitmachen.
…leider, aber, alles wird aufgedeckt, ohne wenn und aber, einschüchtern läuft nicht
Ich bewundere euren Biss. Man hat aber immer noch das Gefühl, dass viele die Augen verschließen, oder meinen, selbst zu profitieren.
Den Menschen muss man nicht nur ein halbes Jahr zurückgeben. Ihnen muss man ein Leben zurückgeben. Es ist nicht anzunehmen, dass sie jemals wenigstens finanziell entschädigt werden, psychisch kann dieser Schaden nicht wieder gutgemacht werden.