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Eine Mahlzeit am Tag: Trump versprach billigere Teller und liefert den teuersten Einkauf seit 50 Jahren

VonTEAM KAIZEN BLOG

27. Juli 2026

In Cleveland, einem Ort 45 Meilen nordöstlich von Houston, kocht Ada Torres für 5 Personen, und Fleisch kommt kaum noch auf den Tisch. 5 Pfund Hackfleisch kosten fast 20 Dollar, das kann sich die 60-Jährige nicht mehr leisten. 100 Dollar an Einkäufen seien heute nichts, sagt sie, vielleicht 7 Familienpackungen, wenn man ein gutes Angebot erwische. Statt der Marken Goya und Hunt’s greift sie zur billigen Hausmarke von Walmart, Huhn und Aufschnitt ersetzen das Rind, obwohl sie fürchtet, der viele Wurstaufschnitt schade der Gesundheit ihrer Enkel im Alter von 12, 15 und 16 Jahren. Die Lasagne mit Hackfleisch, die Rinderfajitas, das Steak mit Kochbananenchips fehlen ihnen. In der Regenzeit, wenn die Arbeit ihrer Tochter beim mobilen Autowaschdienst versiegt, reicht das Geld nur noch für 1 vollständige Mahlzeit am Tag. Zum Frühstück und zum Abendbrot gibt es Eier und namenlose Cornflakes.

Ada Torres

So sieht der stärkste Preissprung seit einem halben Jahrhundert aus, wenn er auf einem Küchentisch in Texas ankommt. Seit Anfang 2019 ist das Essen für zu Hause in den amerikanischen Städten um 33 Prozent teurer geworden, wie die amtlichen Zahlen belegen. In den 7,5 Jahren davor stiegen die Preise um ganze 6,4 Prozent. Die Gründe reichen weit zurück, die Pandemie zerriss die Lieferketten und trieb Arbeits- und Transportkosten hoch, Dürren, Wirbelstürme und die Vogelgrippe drückten die Erzeugung, und der russische Krieg in der Ukraine störte die Versorgung mit Öl und Dünger.

Doch was als Erbe der Krisen begann, ist längst zur Handschrift einer Regierung geworden, die das Gegenteil versprochen hatte. Das Preisniveau liegt heute höher als bei Trumps Amtsantritt, obwohl er sinkende Lebensmittelpreise zugesichert hatte. Und die Politik, die er seither betreibt, treibt die Kosten weiter, statt sie zu senken. Seine Zölle verteuern eingeführte Waren wie Kaffee, Tomaten und Schokolade. Der neue Krieg im Nahen Osten, in den er die Vereinigten Staaten geführt hat, beschleunigt die Nahrungsmittelteuerung in diesem Jahr aufs Neue. Und ausgerechnet jenen, die am wenigsten haben, hat seine Regierung im vergangenen Jahr die Voraussetzungen für die Lebensmittelhilfe SNAP verschärft. Im April waren noch 37 Millionen Menschen in dem Programm, ein Rückgang um 12 Prozent binnen eines Jahres.

Es gibt eine alte Wahrheit, an der sich jede Herrschaft am Ende messen lassen muss, und sie ist unbestechlicher als jede Umfrage. Vor der Freiheit und vor dem Recht steht der volle Teller, und keine Regierung überlebt auf Dauer den Zorn der Menschen, die an ihrem eigenen Tisch nicht mehr satt werden. Ein Präsident, der Wohlstand verheißt und der Armut den letzten Puffer entzieht, während die Preise klettern, wird an diesem Tisch gerichtet, nicht an seinen Reden.

Jack Chang mit seiner Mutter Lien Chang

In San Francisco führt der 33-jährige Friseur Jack Chang diesen Kampf Tag für Tag. Er hat 3 kleine Kinder und eine Partnerin ohne Arbeit, und was er an 5 oder 6 Tagen die Woche mit dem Haareschneiden verdient, reicht oft nicht, zumal er bisweilen auch seine Mutter mit versorgt. Die Miete für seinen Salon stieg um 10 Prozent, während ihm die Kundschaft wegbrach, weil sie ihre Stellen in der Technikbranche verlor, und ein gebrauchter Kleinbus belastet ihn nun mit einer monatlichen Rate. Jeden Monat schaue er auf die Kreditkarte und frage sich, wie er das bezahlen solle. Seine Partnerin Tina Chhous nimmt die Essensreste aus dem Kindergarten der 4-jährigen Tochter mit und bezieht Hilfe aus SNAP, ohne die sie nicht wüsste, was sie täte. Changs 77-jährige Mutter Lien erhält ebenfalls SNAP und sucht jede Woche 2 verschiedene Tafeln auf, deren Konserven, Eier und Gemüse sie mit der Familie teilt. Scheitern, sagt Chang, sei für ihn keine Option.

Lien Chang

Auch dort, wo das Meer die Preise bestimmt, schlägt die Politik durch. Auf Hawaii, das fast alles über Frachtschiffe aus Tausenden Meilen Entfernung bezieht, sind auch die Kosten für den Transport zwischen den Inseln in die Höhe geschossen, angetrieben von den Treibstoffpreisen des Iran-Konflikts und der Schieflage jenes Unternehmens, das den Verkehr zwischen den Inseln nahezu allein beherrscht. Ein Pfund auf Maui gewachsener Erdbeeren und Blaubeeren kostete 2024 noch 7,99 Dollar, inzwischen sind es 11, während kalifornische oder mexikanische Ware bei Costco für 5 Dollar zu haben ist. Ein Eiskaffee und eine Tüte Litschis kommen in Honolulu auf 30 Dollar, die Gallone Milch bei einer örtlichen Kette auf 9. Die für ihren Poke bekannte Kette Foodland, an ihrem zentralen Standort in Honolulu bei Touristen beliebt, gilt vielen Einheimischen als nicht mehr bezahlbar, die stattdessen zu Target oder der hawaiianischen Kette Times Supermarket wechseln. Selbst der Rindereintopf nach Inselart wird zum Luxus, seit das Bratenstück von unter 8 auf rund 10 Dollar das Pfund kletterte, sofern nicht gerade ein Freitagsangebot bei Safeway für 5 Dollar lockt.

Am schärfsten steht das Rindfleisch für den Kontrollverlust, ausgerechnet in dem Land, das der größte Rinderzüchter ist. Ein Pfund Hackfleisch erreichte im Juni 6,82 Dollar, 79 Prozent mehr als Anfang 2019, getrieben von einem schrumpfenden Rinderbestand, der Dürre im Westen und den Kosten für Futter und Kraftstoff. Die Nachfrage danach sinkt, weil sich immer mehr Familien wie die von Torres das Fleisch schlicht abgewöhnen.

Die Zahlen für das Ganze widersprechen dem Gefühl nicht, sie erklären es. Zwar sind die durchschnittlichen Wochenlöhne der Vollzeitbeschäftigten seit 2019 einen Deut schneller gestiegen als die Lebensmittelkosten. Doch die Erinnerung der Verbraucher an die Preise sei geschärft wie kaum eine andere, sagt der Ökonom Jared Bernstein, einst Vorsitzender des wirtschaftlichen Beraterstabs unter Präsident Biden. Vor der Pandemie seien die Löhne weit rascher gewachsen als die Preise im Supermarkt, und wenn der Lohn die Kassenzettel heute nur noch knapp übertreffe, fühlten sich die Menschen zermürbt, weil auch Miete und Strom kräftig gestiegen seien. Man brauche Lebensmittel zum Leben, sagt er, und ein Mittelwert wie der Medianlohn zeige nicht, was ein Haushalt an weiteren Preissprüngen noch verkrafte. Im Schnitt gaben die Amerikaner 2024 rund 12,9 Prozent ihres Einkommens vor Steuern für das Essen daheim und auswärts aus. Beim einkommensschwächsten Fünftel der Haushalte aber waren es 33 Prozent.

Wie ungleich die Last verteilt ist, zeigt sich auch nach Regionen. In St. Louis lag das Essen für zu Hause im Juni nur 2 Prozent über dem Vorjahr, in San Francisco waren es 6 Prozent. Der Einkauf ist zur Strategie geworden, zu einem eigenen Spielbuch, mit dem die Verbraucher den Druck zu meistern versuchten. Wer eine feste Summe je Woche im Kopf habe, etwa 250 Dollar, teile seine Wege auf, sobald ein Laden zu teuer werde, und verliere ihn am Ende ganz. Wer nach Boston fährt, plant die Woche zu Hause per App nach Sonderangeboten, kauft Steak nur mit Rabatt und baut die Mahlzeiten um das, was gerade billig ist, ein 3-Tage-Angebot für Huhn wird zu Hühnchen mit Gemüse und Reis. Die Markenartikel werden oft ganz gestrichen, an Hausmarken wollen sich die wenigsten gewöhnen, sie schmecken einfach nicht.

Der Blick über den Atlantik nimmt der amerikanischen Lage nichts von ihrer Schärfe, er ordnet sie nur ein. Auch im Euroraum sind die Lebensmittel seit 2019 um rund 34 Prozent teurer geworden, fast genau wie in den Vereinigten Staaten, worauf die Europäische Zentralbank schon 2025 hinwies. Langfristig unterscheiden sich beide Seiten also erstaunlich wenig. Der Unterschied liegt in der Gegenwart. Während für die USA das Landwirtschaftsministerium erneut steigende Preise erwartet, ist die allgemeine Teuerung im Euroraum im Juni 2026 auf 2,8 Prozent gefallen, und die Nahrungsmittelinflation liegt nur noch bei etwa 1,6 Prozent. Deutschland bewegt sich im europäischen Mittel, die Preise bleiben hoch, steigen aber weit langsamer als jenseits des Ozeans.

Der eigentliche Unterschied jedoch ist nicht das Preisschild, es ist das Netz darunter. Wo in Europa ein Sozialstaat den Sturz abfedert, berichten in Amerika die Familien, dass sie das Fleisch streichen, mehrere Läden abfahren, Coupons sammeln, zur Tafel gehen oder eben nur noch eine volle Mahlzeit am Tag bezahlen können, und ausgerechnet in diesem Moment wurde ihnen die staatliche Hilfe beschnitten. Der Präsident hat einen billigeren Teller versprochen. Geliefert hat er den teuersten Einkauf seit 50 Jahren und die Schere, die ihn den Ärmsten aus der Hand nimmt.

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