Quer durch die Vereinigten Staaten stellt sich ein Bündnis aus Journalisten, Menschenrechtsorganisationen, Anwälten, diverse Kollektiven, Anarchisten, Gewerkschaftern, indigenen Nationen und enttäuschten Trump-Wählern gegen die Rechenzentren, die Wasser und Strom verschlingen und es Intelligenz nennen. Auch in Europa versucht man inzwischen, Kräfte zu bündeln und gemeinsame Strukturen aufzubauen. Doch der Fortschritt bleibt überschaubar – noch ziehen zu wenige mit. Recherchen zeigen immer mehr, dass KI rechtspopulistischen und extremen Akteuren zusätzlichen Auftrieb verleiht.
Zwischen viertausend und fünftausend Rechenzentren laufen in diesem Augenblick in den Vereinigten Staaten, sie ziehen Strom aus dem Netz, und die größten unter ihnen verbrauchen bis zu neunzehn Millionen Liter Wasser am Tag. Es genügt nicht. Mindestens dreitausend weitere sind im Bau oder geplant, und gegen sie hat sich, von einem Ende des Landes zum anderen, ein Widerstand erhoben, wie man ihn lange nicht gesehen hat. Er kommt aus Richtungen, die einander sonst nichts zu sagen haben. Indigene Gemeinschaften wehren sich gegen den nächsten Zugriff auf ihr Land und ihr Wasser. Auf dem Land gehen Weiße von Tür zu Tür, manche von ihnen haben Donald Trump gewählt, und sie sind außer sich über steigende Stromrechnungen und über das Wasser, das knapp wird. Gewerkschaften haben sich in Bewegung gesetzt, die Graduate Employees‘ Organization der University of Michigan zieht mit der Losung „KI ist nicht unvermeidlich“ in den Streit und sieht in der künstlichen Intelligenz eine düstere Macht, die erst durch diese Rechenzentren möglich wird. Am 13. Mai versammelten sich am Kapitol in Albany Umweltschützer und fortschrittliche Abgeordnete für ein Gesetz, das einen Aufnahmestopp für neue Rechenzentren im Staat New York verhängen soll. Es ist die vorderste Linie im Widerstand gegen jene Milliardäre der Hochtechnologie, die eine Welt errichten wollen, in der ihnen alle Macht gehört und alle anderen ihnen dienen.

Krystal Two Bulls, Organisatorin der Gruppe Honor the Earth und vom Volk der Oglala Lakota und der Northern Cheyenne, nennt das Geschehen einen techno-feudalen Kampf. Man sehe ein Imperium zerfallen, sagt sie, die Technik sei die letzte Grenze, und wer über die fortgeschrittenste generative KI verfüge, der habe in diesem Augenblick die Macht. Indigene führen den Widerstand an vielen Orten an, von Virginia und dem nördlichen Bundesstaat New York über Montana und die Dakotas bis nach Arizona und Oregon. Nach Angaben von Honor the Earth, einer landesweiten Organisation für indigene Souveränität, sind derzeit mindestens 106 Rechenzentren auf oder nahe indigenem Land geplant. Diese Rechenzentren sind das Material, das die großen Sprachmodelle erst möglich macht, jene Programme, die man gewöhnlich Intelligenz nennt. Sie sammeln Wissen und erzeugen daraus neue Wörter, indem sie ungeheure Mengen an Sprache verarbeiten und ordnen. So sehr sie inzwischen das Glaubhafte vom Unsinn zu trennen vermögen, sie arbeiten noch immer mit der Sprache und nicht mit dem Begriff. Sie ist nicht klug, schreibt der Autor des Berichts über diese Maschine, sie ist nur riesig. In diesem einen Satz liegt das ganze Missverständnis der Epoche, eine Größe, die man für Geist hält, weil sie alles verschlingt, was je gedacht worden ist, und nichts davon versteht.
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Innerhalb des Kapitalismus entwickelt, bedroht diese künstliche Intelligenz die menschliche Zivilisation auf mehr als eine Weise. Unternehmen setzen sie ein, um menschliche Arbeit rasch zu ersetzen, am Fließband ebenso wie in den Büros. Viele, die an ihrer Entwicklung beteiligt sind, fürchten, sie könne eines Tages nicht nur Arbeit nehmen, sondern ganze Gesellschaften ins Wanken bringen und immer drückendere Regime der Überwachung ermöglichen, ja in den dunkelsten Vorstellungen das Überleben der Gattung selbst bedrohen. Schon jetzt, heißt es in dem Bericht, wähle die Technik militärische Ziele aus, und dies habe zum Tod iranischer Schulkinder und von Menschen in Gaza geführt. Two Bulls zieht die Linie selbst. Die generative KI werde benutzt, um Bürger zu überwachen und ihr Recht auf Privatheit zu verletzen, und dasselbe Werkzeug werde dann ins Militärische gewendet, man sehe die Verbindung zur Gewalt unmittelbar. Als indigene Völker ehre man die Erde, und eben darum gelte es, den Bau dieser Rechenzentren und die gesamte Infrastruktur der künstlichen Intelligenz abzuwehren. In den größeren Zusammenhang gestellt, treiben diese Bauten das Land weiter weg von einer Antwort auf die Klimakrise. Seit Jahrzehnten weiß man, dass das Verbrennen fossiler Energie das Klima zerstört, das menschliches Leben auf der Erde erst trägt. Es müsste aufhören, doch mit Trumps Rückkehr an die Macht und den Republikanern in beiden Kammern des Kongresses wird das Wenige, das erreicht war, rückgängig gemacht, und das in dem Augenblick, in dem die Kipppunkte näher rücken und der Zusammenbruch sich beschleunigt.
Im Westen des Bundesstaates New York wehrt sich die Tonawanda Seneca Nation seit zwanzig Jahren gegen die industrielle Erschließung eines Geländes, das den Namen Science, Technology and Advanced Manufacturing Park trägt. Die rund 506 Hektar liegen neben Big Woods, einem Naturraum von kultureller und praktischer Bedeutung für die Seneca und zugleich einem staatlich wie bundesweit anerkannten Schutzgebiet für wild lebende Tiere. Als von außen, aus einer weißen Siedlung in der Nähe, der Versuch unternommen wurde, hier ein Rechenzentrum anzusiedeln, bat der Rat der Häuptlinge der Seneca Grandell Hallett Logan, genannt Bird, den Sprachbeauftragten des Reservats, ihr Sprecher zu sein. Begonnen habe der Widerstand bei den Menschen seiner Gemeinschaft, sagt Logan, mit der Zeit aber sei eine Gruppe entstanden, die Allies of the Tonawanda Seneca Nation, in der sich Seneca und Nichtindigene aus dem übrigen Bundesstaat zusammenfanden.
Nach Angaben des Sierra Club verhindert eine Verschwiegenheitsvereinbarung, die das Genesee County Development Center unterzeichnet hat, dass die Gemeinschaft überhaupt erfährt, welchem Technologiekonzern das Rechenzentrum dienen soll. Bevor die Arbeiten beginnen können, muss der Planungsausschuss der nahen Ortschaft Alabama im Staat New York das Vorhaben billigen, und es muss eine staatliche Umweltprüfung durchlaufen, was mehrere Wege eröffnet, es aufzuhalten. Überdies erwägen seine Gegner eine Klage, die den Bau verzögern oder ganz verhindern könnte. Vieles in ihrer Botschaft, erklärt Logan, handle davon, dass ihre Bräuche und ihr Gebrauch des Landes durch die Umweltschäden bedroht seien, man sorge sich, der Lärm eines Rechenzentrums werde die Tiere in der Nähe vertreiben. Mancher unterstütze sie, sagt er, weil er sehe, wie der eigene Landkreis und der eigene Staat in einer Weise handelten, die ihre Bräuche fortgesetzt verletze, und weil er es vorzöge, dass seine Regierung daran nicht teilhabe.
In Michigan plant das Los Alamos National Laboratory, 1943 für das Manhattan-Projekt gegründet und maßgeblich an der Entwicklung der ersten Atombomben beteiligt, ein Rechenzentrum für 1,25 Milliarden Dollar, und zwar auf Land, das die University of Michigan mit Sitz in Ann Arbor in der Nähe, im Ypsilanti Township, erworben hat. Beschäftigte der Universität, von denen einige zuvor für die Sache Palästinas eingetreten waren und sich damit befasst hatten, wie die künstliche Intelligenz die Lehre verändert, haben nun den Kampf gegen das Rechenzentrum aufgenommen. Nathan Kim, Mitglied der Gewerkschaft der wissenschaftlichen Beschäftigten, der zuvor Werkstätten unter dem Titel einer „Arbeiterbefragung“ zur KI geleitet hatte, nennt den Widerstand in der umliegenden Bevölkerung anregend, weil er die gewerkschaftlich Organisierten des Campus mit den Anwohnern zusammenführe. Das habe sein Denken über Politik verändert, es sei eben nicht alles aussichtslos, vielmehr werde es immer Menschen geben, die sich wehrten. Viele seien zornig gewesen, sagt er, doch kaum einer habe sich von Anfang an als Anführer gesehen.
Das ist nicht neu, wenn eine ökologische Not eine Gemeinde trifft. Man denke an die Menschen, die in Flint in Michigan vergiftetes Trinkwasser bekamen, oder an jene, die im Viertel Love Canal bei Niagara Falls im Staat New York mit dem Giftmüll lebten. Auf Zorn und Angst folgt oft die Ernüchterung über den Umgang der Behörden. Bei den Rechenzentren, sagt Kim, gebe es einen angestauten Groll, einen Hass auf die großen Konzerne, für den die Anlagen zum Ablauf geworden seien. Es gehe um die Versorgungsnetze und das Brummen der Anlagen, um den Wasserverbrauch gewiss, vor allem aber darum, dass die großen Technologiekonzerne immer weiter entnommen hätten, ohne dafür je zur Rechenschaft gezogen zu werden.
Bemerkenswert an der Art, wie man sich in diesem Teil Michigans organisiert, ist die waagerechte Form, die aus dem antiautoritären Organisieren der globalisierungskritischen Bewegung um die Jahrtausendwende und der späteren Occupy-Bewegung stammt. Es sei nach Art eines Sprecherrats angelegt, sagt Samantha Stewart, die im Ypsilanti Township lebt und sich gegen das Rechenzentrum engagiert, es gebe unzählige Arbeitsgruppen, sie selbst kenne siebzehn, die sich regelmäßig träfen, und jede tue, was ihr sinnvoll erscheine. In einem solchen Modell entsenden die kleineren Gruppen Delegierte in einen Sprecherrat, der entscheidet. Es gebe große monatliche Treffen, zu denen alle zusammenkämen, stets mit Essen und mit Kinderbetreuung, niemand führe, jede Gruppe tue, was sie wolle. Was diese freie Versammlung zusammenhalte, seien wenige Übereinkünfte, dass man einander nicht öffentlich verurteile und dass man nicht mit der Polizei zusammenarbeite, wenn diese gegen einen aus den eigenen Reihen ermittle.
Ypsilanti sei eher von Arbeitern geprägt und habe eine sehr lebendige anarchistische Bewegung, sagt Kim, doch der Kampf gegen die Rechenzentren in ganz Michigan sei vielfältig. Einmal sei er zu einem Treffen nach Augusta gekommen, untergebracht in einer Scheune, die als Raum für die Übertragung der Footballspiele der Universität diente und über deren Tür „Glaube, Familie, Freiheit“ hing. Begegnungen mit Anhängern Trumps, sagt Kim, kämen recht häufig vor. Die Kampagne sei so einladend gewesen, fügt Stewart hinzu.

Die Menschen hassten die Rechenzentren aus den verschiedensten Gründen, sagt Stewart. Die ernsten Gefahren für die Gesundheit beunruhigten viele. Man sorge sich um höhere Rechnungen und um die Zerstörung des geliebten Parks. Viele seien gegen die Eskalation des Krieges und ängstigten sich davor, mit Laboren in Verbindung zu geraten, die für die Entwicklung von Atomwaffen bekannt seien, oder davor, wegen einer solchen Anlage selbst zum militärischen Ziel zu werden. Wenn sie an Türen klopfe, sagt sie, treffe sie auf zahllose Menschen mit Trump-Schildern im Vorgarten, die das Rechenzentrum zutiefst ablehnten. Die Republikaner täten sich schwer, weil ihnen meist die Erfahrung im Organisieren fehle und sie nicht recht wüssten, wie man gemeinsam etwas zustande bringe. Man sei eine vielrassische und in großen Teilen transgeschlechtliche Gruppe, sagt Stewart, man harmoniere nicht eben mit ihnen, doch jeder tue das Seine, und man stimme sich ab.
Es sei die Aufgabe der Linken, sagt Kim, das berechtigte Anliegen im Innersten der Überzeugungen jedes Trump-Wählers zu verstehen und dann zu erkennen, wie ihm mit einem Entwurf zu begegnen wäre, der die Gesellschaft umwälzt, in dem man füreinander sorgt und die Grundbedürfnisse aller deckt, und der für den Frieden einsteht.
Die Technologiebranche und die Industrie der fossilen Energie gehören zu den größten Teilen jener herrschenden Klasse, die Trump stützt und die Verwandlung der Vereinigten Staaten in einen offen autoritären Staat trägt. Doch in Teilen der Trump-Bewegung an der Basis tun sich Risse auf. Zuerst wandten sich Steve Bannon und andere Aktivisten der Bewegung mit rassistischer, einwandererfeindlicher Schärfe gegen den Wunsch der großen Technologiekonzerne, hochqualifizierten Arbeitskräften Visa zu gewähren. Anhänger der Bewegung äußerten zudem ihren Widerspruch gegen den amerikanisch-israelischen Krieg gegen den Iran und gegen die weitere amerikanische Politik, Israel finanziell und militärisch zu stützen, auch während dessen, was der Bericht den Völkermord an den Palästinensern und den Krieg gegen den Libanon nennt. Und nun stellen sich viele, die mehrfach für Trump gestimmt haben, gegen den Bau der heiligen Rechenzentren der Technologiebranche in ihren eigenen Gemeinden.

Wo indigene Menschen, gewerkschaftliche Organisatoren und die Linke auf diese enttäuschten Anhänger Trumps treffen, entsteht die Gelegenheit zu einem wechselseitigen Verstehen. Vielleicht weiten diese Begegnungen den Blick jener, die Trump folgen und anderen arbeitenden Menschen feindlich gegenüberstehen, auch denen, die erst kürzlich ins Land gekommen sind, um ein besseres Leben zu suchen. Das Weiten eines Blicks verlangt schwere Gespräche. Führt man sie im Wissen um die handfeste Not, die Menschen zu Trump treibt, so lässt sich der Raum dieser unfertigen Bündnisse nutzen, um den Zorn von den Sündenböcken fortzulenken, hin zu den Mächten, die das ökologische Verderben und die Ausbeutung vorantreiben und am Ende den Krieg.
Der Kampf gegen die Rechenzentren ist nur eine Front im Widerstand gegen den wachsenden Autoritarismus und den ökologischen Zusammenbruch, doch er reicht über die politischen Gräben hinweg und könnte eine größere Bewegung entzünden. Stewart hat dafür den langen Blick. Sie wolle, sagt sie, Vertrauen und Mut über eine breite Gruppe von Menschen hinweg aufbauen, damit man bereit sei für das Nächste, das zu erkämpfen sein werde.
Bleibt das Wort, mit dem alles anfing. Man nennt diese Maschine Intelligenz, doch sie versteht nichts von dem, was sie verschlingt. Sie braucht das Wasser der Flüsse und den Strom der Netze, und sie braucht das Land der Lebenden, und sie gibt dafür eine Größe zurück, die sich für Geist ausgibt. Wer über die mächtigste von ihnen verfüge, so hört man es, der besitze die Macht dieser Stunde. Vielleicht ist das die eigentliche Frage hinter all dem Lärm und dem Durst. Nicht ob die Maschine eines Tages denkt, sondern ob der Mensch noch nötig ist in einer Welt, die gebaut wird, damit einige wenige alles besitzen und der Rest ihnen dient. Dass sich gegen diese Welt gerade jene zusammenfinden, die einander fremd sind, ist das Einzige an dieser Geschichte, das Hoffnung trägt. Und während die einen die Maschine bekämpfen, haben andere längst begriffen, wozu sie taugt. Recherchen zeigen immer deutlicher, dass die künstliche Intelligenz rechtspopulistischen und extremen Akteuren zusätzlichen Auftrieb verleiht. Wer die Wahrheit ohnehin nicht achtet, dem ist ein Werkzeug, das jedes gewünschte Bild im selben Augenblick erzeugt, kein Hindernis, sondern ein Geschenk. Die Manipulation kostet nun nichts mehr, und die grelle Aufmachung ersetzt das Argument, lange bevor der Verstand auch nur gefragt wäre. So wendet sich dieselbe Technik ein zweites Mal gegen die Menschen, indem sie jenen die lautesten Mittel in die Hand legt, die am wenigsten zu verlieren haben, wenn am Ende nichts mehr wahr sein muss.
