Es gibt Selbstauskünfte, die kein Gegner erfinden könnte. Der Präsident der Vereinigten Staaten liefert sie selbst, aus seinem verifizierten Konto, in einer Serie von Bildern, die man für die Parodie eines Feindes hielte, wären sie nicht von ihm. Und es ist kein Ausrutscher, sondern kommt Woche für Woche aufs Neue aus dem höchsten Amt. Sieben davon genügen für eine Frage, die man einem Staatsoberhaupt nur ungern stellt, ob der Mann, dem die größte Streitmacht der Erde untersteht, die Wirklichkeit noch von seinen Märchenstunden unterscheidet.
Auf 16 Uhr steht die Uhr, als er die Geschichte rettet. Nur für seinen eigenen Kopf schlägt zu dieser Stunde keine Rettung.
Auf dem ersten hängt er als Kinoheld im wehenden roten Umhang über einem Abgrund und zieht George Washington zu sich empor, während hinter ihm ein Zeitwirbel mit einer Uhr aufreißt und ein Kampfhubschrauber feuert. Trump x Washington, ein Zeitreise-Epos, verspricht das Plakat, präsentiert von Patriot Pictures. Die Vergangenheit sei im Begriff gewesen, sich zu ändern, die Geschichte, gerettet zu werden. Der Gründervater rutscht ab, der amtierende Präsident hält ihn, und man ahnt, wer hier wen aus dem Geschichtsbuch zu heben glaubt.

Wer sich zum Retter der Geschichte ausruft und den Gründervater an die Hand nimmt, hat die Grenze überschritten, an der Eitelkeit in etwas anderes umschlägt. Die alten Erzählungen kannten dafür ein Wort und eine Strafe, den Übermut des Sterblichen, der sich zum Gott erklärt, und den Sturz, der ihm folgt. Diese Bilder sind der Übermut, in Pixel gegossen. Dass jemand sie erdacht hat, ist nicht das Beunruhigende. Beunruhigend ist, dass der Erdenker das Land regiert.
Die übrigen 6 buchstabieren denselben Rausch. Auf einem steht er mit John F. Kennedy vor dem Weißen Haus, eine Begegnung, die es nie geben konnte, weil der eine erschossen wurde, als der andere ein Kind war. Auf einem anderen lenkt er unter einer Mütze mit der Aufschrift FAFO einen Zerstörer durch eine Meerenge, gefolgt von einer ganzen Flotte, als sei der Krieg ein Ausflug. Auf dem dritten thront eine überlebensgroße Kaffeetasse mit der Aufschrift Trump 2028, umringt von Hunderten Menschen in giftgrünen Jacken, die mit aufgerissenen Mündern zu ihr emporschreien, gemeint als Huldigung, wirkend wie eine Warnung.

Am deutlichsten aber wird die Verfassung dieses Mannes dort, wo aus dem Tagtraum echtes Feuer wird. Goodbye, Engine Room, textet er über einen brennenden Tanker unter iranischer Flagge, als wäre die Zerstörung eines Schiffes ein Kalauer. Guardian of the World nennt er sich auf einem weiteren, wo er als Riese hinter einem Tarnkappenbomber mit der Aufschrift U.S.A. aufragt, links und rechts von ihm zwei brennende Landschaften, beide beschriftet mit Iran. Während seine Marine vor Hormus wirkliche Tanker lahmlegt und wirkliche Menschen sterben, feiert der Oberbefehlshaber die Bilder davon wie Filmplakate. Der Krieg ist für ihn kein Zustand, den man beendet, er ist ein Genre, in dem er die Hauptrolle beansprucht.
Dazwischen, fast beiläufig, ein Porträt, auf dem er eine Zigarre raucht, unter einer roten Kappe mit der Aufschrift Trump 2028, dieselbe Zahl wie auf der Tasse. Es ist die eigentliche Pointe der ganzen Serie, denn die Verfassung des Landes erlaubt keine dritte Amtszeit. Was diese Bilder inszenieren, ist also nicht bloß Eitelkeit, es ist der öffentlich zur Schau gestellte Traum, an einer Grundregel der Republik vorbeizuregieren. Der Mann plant eine Zukunft, die ihm das Gesetz verwehrt, und er bewirbt sie auf Tassen und Mützen, als ginge es um ein Firmenprodukt.

Nun ließe sich einwenden, es seien nur Bilder, das Spielzeug eines Mannes, der die sozialen Netzwerke liebt. Doch dass ein Präsident sie wöchentlich verschicken kann, ohne dass es ihn etwas kostet, sagt über die Politik und die Wähler so viel wie über ihn. Es verlangt eine Anhängerschaft, die den Größenwahn als Unterhaltung nimmt, und einen Betrieb, der sich an die Zumutung so gewöhnt hat, dass er sie kaum noch meldet. Die schreienden Gesichter rund um die Tasse sind insofern ehrlicher, als ihr Erfinder es wollte. Doch wer ein Amt trägt, trägt auch die Bilder, die er daraus verschickt, und diese zeigen keine Politik, sie zeigen einen Zustand. Sie zeigen einen Menschen, der sich als Zeitreisenden, als Erlöser und als Wächter der Welt imaginiert und zwischen Rolle und Realität keinen Unterschied mehr zu machen scheint. Bei einem Privatmann wäre das eine Marotte. Bei dem Mann, der über Flotten und Bomber gebietet, ist es eine Gefahr.

Wieder ein ganz normaler Tag des Präsidenten der Vereinigten Staaten. 🤡
Die Gefahr ist nicht das schlechte Bild, sie liegt darin, dass Bild und Befehl aus derselben Hand kommen. Wer den brennenden iranischen Tanker als Scherz verschickt und zugleich die echten Schiffe versenken lässt, hat die Trennung zwischen dem Spottbild und der Rakete verloren, auf die es ankommt. Ein Staatsoberhaupt, das seine eigene Allmacht für real hält, wird früher oder später versuchen, sie zu beweisen, und der Schauplatz dafür ist kein Kinosaal, es ist die Welt.
Am Ende bleibt die Frage, die diese 7 Bilder aufzwingen und die keine Redaktion mehr für unhöflich halten darf. Sie lautet nicht, ob dem Präsidenten seine Selbstinszenierung gelingt. Sie lautet, ob ein Mann, der sich für den Wächter der Welt hält, noch der geeignete ist, sie nicht in Brand zu setzen, oder längst in ärztliche Obhut gehört.
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