Heute in den Kurznachrichten: Die CIA legt nach 25 Jahren offen, wie viele Warnungen vor 9/11 bereits auf dem Tisch lagen – bis hin zu Flugzeugentführungen und einem möglichen Angriff mit einer Maschine auf eine US-Stadt.
Dazu ein europaweiter Handel mit gefälschten Pferdepässen, Trumps Regierung stoppt bereits finanzierte Arbeiten in Nationalparks, russische Hacker lassen Claude beim Diebstahl ukrainischer Drohnentechnik mitarbeiten – und in Irland bringt ausgerechnet eine 2 Millimeter kleine Schnecke Trumps nächsten Ballsaal ins Wanken.
CIA-Akten zeigen, wie viele Warnzeichen vor 9/11 längst auf dem Tisch lagen

25 Jahre nach den Anschlägen vom 11. September hat die CIA Dutzende bislang geheime Präsidenten-Briefings freigegeben. Sie zeigen, wie intensiv amerikanische Geheimdienste Osama bin Laden und al-Qaida schon Jahre vor den Anschlägen beobachteten. Bereits im Juli 1998 hielten Analysten einen Angriff bin Ladens in den Vereinigten Staaten für plausibel. Zwei Monate später stand in einem Briefing, Washington sei ein bevorzugtes Ziel und al-Qaida könne ein mit Sprengstoff beladenes Flugzeug in eine amerikanische Stadt steuern. Im Dezember desselben Jahres berichteten die Dienste über mögliche Flugzeugentführungen. Verschwörer hätten bei einem Probelauf an einem nicht genannten New Yorker Flughafen Sicherheitskontrollen umgangen, Mitglieder von bin Ladens Netzwerk hätten zudem Training für Entführungen erhalten.

Auch andere Warnzeichen lagen längst vor. Die Geheimdienste verfolgten bin Ladens Versuche, Material für sogenannte schmutzige Bomben zu beschaffen, und berichteten 1999 über Experimente mit Sprengstoff und radioaktivem Material. Anfang 2001 wurde Präsident George W. Bush über Versuche informiert, mit einfachen Mitteln biologische Kampfstoffe herzustellen und einzusetzen. Einen Monat vor den Anschlägen hielten die Dienste fest, bin Laden sei weiterhin entschlossen, Terroranschläge in den USA durchzuführen. Gleichzeitig registrierten sie verdächtige Aktivitäten, die zu Vorbereitungen für Flugzeugentführungen oder andere Anschläge passten, darunter die Beobachtung von Bundesgebäuden in New York. Das FBI führte zu diesem Zeitpunkt rund 70 umfassende Ermittlungen mit Bezug zu bin Laden.
Die jetzt freigegebenen Unterlagen beweisen nicht, dass Washington den konkreten Plan für den 11. September kannte. Sie zeigen aber, wie viele einzelne Teile bereits vorhanden waren: Angriffe auf amerikanischem Boden, Flugzeugentführungen, ein mögliches Flugzeug als Waffe, Aktivitäten in New York und ein Terrornetzwerk, das Operationen über Jahre vorbereitete. Ein Bericht vom 12. September 2001 hielt schließlich fest, die Anschläge seien seit zwei Jahren geplant gewesen und auch das US-Kapitol sei als Ziel vorgesehen gewesen. Nach 9/11 stellte die Untersuchungskommission schwere Probleme beim Informationsaustausch zwischen CIA, FBI und anderen Behörden fest. Genau darin liegt die beklemmende Aussage dieser Akten: Die Warnungen fehlten nicht. Sie lagen an verschiedenen Stellen des amerikanischen Sicherheitsapparats – und wurden vor dem 11. September nicht zu dem Bild zusammengesetzt, das danach für jeden sichtbar war.
Gefälschte Pferdepässe, kopierte Mikrochips und der Weg zum Schlachthof

Mehr als 1.000 Pferde stehen im Mittelpunkt einer europaweiten Betrugsermittlung, bei der Tiere mit gefälschten Pässen und manipulierten Mikrochips neue Identitäten bekommen haben sollen. Ermittler in Belgien, Frankreich, Irland und den Niederlanden durchsuchten innerhalb von 2 Tagen 24 Orte. Eine erhebliche Zahl von Pferden wurde beschlagnahmt, dazu 100.000 Euro Bargeld. In Belgien nahmen die Behörden mindestens 2 Menschen fest. Ausgangspunkt war ein Hinweis auf Unregelmäßigkeiten im internationalen Pferdehandel. Im Zentrum der Ermittlungen steht nach Angaben der belgischen Bundespolizei ein Pferdehändler aus Ostflandern. Von dort soll ein Netzwerk bis nach Irland und auf das europäische Festland gereicht haben.
Der Betrug war so einfach wie brutal. Pferdepässe wurden gefälscht, Mikrochips offenbar kopiert oder verändert und damit genau das System ausgehebelt, das Herkunft und Gesundheitszustand eines Tieres nachvollziehbar machen soll. Sportpferde konnten plötzlich als Schlachttiere erscheinen. Alte Pferde wurden auf dem Papier jünger und damit teurer. Für ein Tier, das durch die falschen Unterlagen als praktisch wertlos eingestuft und anschließend für die Schlachtung bestimmt wurde, ließen sich noch etwa 1.000 bis 1.500 Euro erzielen. Besonders heikel ist der Weg irischer Sportpferde auf das europäische Festland. Viele hatten während ihrer Ausbildung Medikamente erhalten und hätten deshalb unter Umständen gar nicht in die Lebensmittelkette gelangen dürfen. Trotzdem endeten einige im Schlachthof.
Europol koordinierte die Aktion gemeinsam mit den beteiligten Polizeibehörden und Lebensmittelkontrolleuren. Die Ermittler prüfen weiter, wer an dem Handel beteiligt war und wie viele Pferde tatsächlich mit falschen Identitäten über Grenzen gebracht wurden. Europas Regeln für Transport und Schlachtung von Pferden sind streng, doch ein Pass schützt nur so lange, wie seine Angaben stimmen. Schon 2013 erschütterte ein großer Pferdefleischskandal mehrere europäische Länder, damals wurde Pferdefleisch in Fertiggerichten als teureres Rindfleisch verkauft. Diesmal beginnt der Betrug früher, beim Tier selbst. Ein Pferd bekommt einen anderen Namen, ein anderes Alter oder einen anderen Zweck und irgendwann steht nicht mehr die Frage im Raum, wem es gehört, sondern ob sein Fleisch überhaupt auf einem Teller hätte landen dürfen.
Trump-Regierung friert 25 Millionen Dollar für Nationalparks ein – selbst Brandschutz und Grabhügel bleiben liegen

Mehr als 130 bereits finanzierte Projekte in amerikanischen Nationalparks dürfen vorerst nicht beginnen. Das Innenministerium verweigerte im August die letzte Zustimmung für Vereinbarungen im Wert von mindestens 25 Millionen Dollar, obwohl das Geld längst über den Kongress oder bestehende Bundesprogramme bereitstand. Betroffen sind einige der bekanntesten Parks des Landes, darunter Yellowstone und Yosemite. Besonders hart trifft es den Joshua-Tree-Nationalpark in Kalifornien, wo mindestens 10 Vorhaben gestoppt wurden. Mindestens 16 Stellen sollten darüber finanziert werden. Vorgesehen war unter anderem Arbeit zur Vorbereitung auf Waldbrände. Andere Projekte sollten nach früheren Feuern zerstörte Flächen wiederherstellen. In historischen Gebäuden sollten Nagetiere entfernt werden, die das Hantavirus übertragen können. Die internen Unterlagen warnen ausdrücklich davor, dass Brände größer und ihre Bekämpfung teurer werden könnten, wenn die vorgesehenen Arbeiten ausbleiben. Genau dort wird nun gespart, während der National Park Service seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus bereits ungefähr 1 Viertel seiner Beschäftigten verloren hat.
Das Innenministerium begründet die Entscheidung mit Organisationen, die nach seiner Darstellung gegen die Interessen der amerikanischen Bevölkerung und gegen die Ziele der Regierung arbeiteten. Welche Organisation womit gegen welche Vorgabe verstoßen haben soll, erklärte das Ministerium nicht. Das Great Basin Institute verlor mehr als 70 geplante Vereinbarungen im Wert von mindestens 12,7 Millionen Dollar. Geschäftsführer Peter Woodruff sagt, seine Organisation sei darüber nicht einmal direkt informiert worden. Mitarbeiter der Parks hätten ihnen lediglich mitgeteilt, die Ablehnung hänge mit politischen Vorgaben und Anordnungen des Präsidenten zusammen. Woodruff weist zurück, dass das Institut gegen Bundesrecht oder Regierungsanweisungen arbeite. Das Innenministerium hatte bis Anfang August mehr als 700 andere Vereinbarungen genehmigt. Projekte unter 50.000 Dollar benötigen diese zusätzliche Zustimmung überhaupt nicht. Was mit den mindestens 25 Millionen Dollar geschieht, die nun nicht ausgegeben werden, bleibt offen. Elaine Leslie, frühere kommissarische Leiterin beim National Park Service und Wildbiologin, stellte deshalb die naheliegende Frage: Das Geld war für diese Arbeiten vorgesehen – wo ist es jetzt?
Die Folgen reichen weit über Verwaltungsakten hinaus. Im Effigy Mounds National Monument in Iowa sollten Bäume auf prähistorischen Grabhügeln entfernt werden, damit umstürzende Stämme die Anlagen nicht beschädigen. Mehr als 200 solcher Hügel liegen dort, viele dienten als Grabstätten indigener Menschen. Bei 61 vorgesehenen Baumfällungen stehen die Bäume direkt auf einem Hügel. Fallen sie unkontrolliert, könnten menschliche Überreste freigelegt werden. In Kalifornien wurde eine Zusammenarbeit mit der zoologischen Gesellschaft von San Francisco gestoppt, die junge San-Francisco-Strumpfbandnattern aufziehen und später auswildern sollte, damit die bedrohte Art in der Region nicht verschwindet. Im Denali-Nationalpark in Alaska sollte eine weitere Vereinbarung 3 Beschäftigte finanzieren, die täglich die Schlittenhunde versorgen. Die Ranger brauchen diese Hunde im Winter, um sich durch den Park zu bewegen und Besuchern zu helfen. All diese Vorhaben waren geplant, geprüft und finanziert. Jetzt reicht ein Vermerk des Innenministeriums: „Abgelehnt“. Die Regierung spricht von Prioritäten. Im Park bleibt währenddessen die Arbeit liegen.
Russische Hacker ließen Claude für sich arbeiten und stahlen Technik für ukrainische Militärdrohnen

Eine mit Russland verbundene Hackergruppe hat Claude für eine groß angelegte Spionagekampagne gegen die Ukraine eingesetzt. Nach Angaben von Anthropic passe die Gruppe zu Midnight Blizzard, die von den USA und Großbritannien mit dem russischen Auslandsgeheimdienst in Verbindung gebracht werde. Mehr als 20 Organisationen seien ins Visier geraten, darunter ukrainische Ministerien und Verteidigungsstellen. Auch Botschaften sowie Unternehmen aus der Rüstungsindustrie seien angegriffen worden. Einen erheblichen Teil der Arbeit ließen die Angreifer von Claude erledigen. Die Systeme suchten nach geeigneten Zielen, halfen beim Aufbau von Phishing-Seiten und führten Befehle in bereits geöffneten Netzen aus. Bei mehr als 2 Dutzend ukrainischen Behörden seien zudem Maildienste und Fernzugänge systematisch durchsucht worden.
Besonders hart traf es die ukrainische Drohnenindustrie. Die Hacker hätten die Postfächer von mindestens 2 Herstellern von Drohnenbauteilen vollständig kopiert und außerdem einen Produzenten militärischer Drohnen angegriffen. Dabei sei ein kompletter Entwicklungssatz für ein System zur Bilderkennung erbeutet worden. Anschließend hätten die Angreifer mehrere Tage damit verbracht, das Produkt Stück für Stück zu zerlegen. Sie rekonstruierten seine technische Struktur und untersuchten, welche Zulieferer dahinterstanden. Selbst Informationen über ein noch nicht vorgestelltes Produkt seien dabei abgeflossen. Besonders gesucht worden seien Programme zur Steuerung militärischer Drohnen sowie Technik für maschinelles Sehen. Claude half zugleich dabei, hunderte Gigabyte gestohlener Daten auszuwerten. Sobald Sicherheitsprogramme einen Schadcode erkannten, hätten KI-Agenten Teile davon selbst verändert und neu gebaut, bis die Erkennung wieder ausblieb.
Die Gruppe ging noch weiter. Mindestens 3 Anbieter von Hotel-WLAN seien gehackt worden, um den Datenverkehr von Gästen auf eigene Server umzuleiten. Interessant waren vor allem Menschen mit Verbindung zur Ukraine, darunter Regierungsmitarbeiter und Beschäftigte aus der Drohnenindustrie. Über gefälschte Aktualisierungen versuchten die Angreifer, Windows-Rechner und Mobilgeräte mit Android oder iOS zu infizieren. Auch WhatsApp-Konten seien übernommen und russische sowie ukrainische Chats heimlich kopiert worden. Mindestens 2 frühere hochrangige ukrainische Beamte gehörten zu den Betroffenen. Daneben fanden die Hacker Schwachstellen in Videoüberwachungssystemen und konnten auf laufende Kamerabilder zugreifen. In einem nordafrikanischen Staat drangen sie außerdem in eine staatliche Technologiebehörde ein und erbeuteten mehr als 300.000 Datensätze aus nationalen Ausweisen sowie Angaben zu mehr als 500.000 Unternehmen. Anthropic sperrte die zugeordneten Konten und gab die Erkenntnisse an Behörden weiter. Ein russischsprachiger Nutzer mit dem Namen JackPoterz taucht in den Ermittlungen als einer der Betreiber auf. Der Krieg um Drohnen wird damit längst auch in Postfächern und Hotelnetzen geführt.
Trumps irischer Ballsaal hängt an einer 2-Millimeter-Schnecke und Fledermäusen

Donald Trump möchte auf seinem Golfresort an Irlands Südwestküste einen „luxuriösen“ Ballsaal bauen. Ausgerechnet ein 2 Millimeter kleines Tier hält den Plan jetzt auf: die Schmale Windelschnecke Vertigo angustior, deren Lebensraum durch europäisches Naturschutzrecht geschützt ist. Die irische Planungsbehörde hat die Entscheidung über das Bauprojekt vertagt und verlangt zusätzliche Unterlagen, darunter eine hydrogeologische Untersuchung. Am 25. November soll endgültig entschieden werden. Der kleine Bewohner des Geländes kennt Trump dabei schon länger. Als er 2014 das damals insolvente Resort in Doonbeg kaufte, erklärte er noch, er wolle ein „Freund“ der Schnecke sein. Schon sein Plan für einen Küstenschutzdamm wurde später wegen möglicher Schäden an ihrem Lebensraum abgelehnt.
Tony Lowes von Friends of the Irish Environment sagt, die Population auf dem Gelände sei während Trumps Besitz deutlich geschrumpft. Früher habe dort die größte bekannte Population Irlands gelebt. Lowes führt den Rückgang unter anderem auf Entwässerungsarbeiten und die intensive Pflege der Rasenflächen zurück. Den neuen Ballsaal treibt inzwischen Trumps Sohn Eric voran und nennt ihn den „besten des Landes“. Widerstand kommt auch vom Architekten Liam Madden, der regelmäßig gegen problematische Bauvorhaben vorgeht. Er verweist zusätzlich auf die Hubschrauberlandeplätze des Resorts, für die nach seinen Angaben die nötigen Genehmigungen fehlten. Die Rotorblätter könnten Fledermäuse verletzen. Für einen Bau, der Reichtum zeigen soll, sind Schnecke und Fledermaus damit zu erstaunlich hartnäckigen Nachbarn geworden.
Im Dorf selbst ist die Stimmung geteilt. Gemeinderätin Rita McInerney hält den Ballsaal für wirtschaftlich wichtig, weil die Irish Open der Region voraussichtlich rund 10 Millionen Euro bringen werden. Die 18-jährige Michaela Neary sieht darin wenig Trost. Doonbeg hat 279 Einwohner, das Einkommen liegt weiterhin unter dem Landesdurchschnitt, und prunkvolle Räume ändern daran wenig. Trump wird am Samstag in Irland erwartet, zunächst zu diplomatischen Gesprächen in Dublin und später beim Golfturnier in Doonbeg. 69 Prozent der befragten Iren lehnen seinen Besuch ab. In Dublin und Doonbeg werden Proteste vorbereitet.
Der irische Ballsaal ist dabei nicht Trumps einziges Bauprojekt mit juristischem Gegenwind. In Washington hatte ein Bundesberufungsgremium bereits angeordnet, dass die oberirdischen Arbeiten an seinem geplanten Ballsaal am Weißen Haus gestoppt werden müssen. Begründung: Trump habe seine Befugnisse überschritten, als er den rund 400 Millionen Dollar teuren Anbau aus privaten Spenden vorantrieb. In Irland braucht es für den Moment keine große Verfassungsklage. Dort reichen 2 Millimeter Schnecke.
