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Vegas, Baby! Trumps Rede in Las Vegas: Er behauptet, nichts davon ist wahr

VonTEAM KAIZEN BLOG

6. August 2026

Las Vegas, (KB) – Es ist ein Casino, das Red Rock Resort in Las Vegas, und schon das ist die passende Kulisse. Noch ehe der Präsident ans Rednerpult tritt, spricht der republikanische Gouverneur Joe Lombardo und erinnert an einen Toten, den Beamten Austin Abdelnabi vom Las Vegas Metropolitan Police Department. Der 30-Jährige, ein Veteran der Marineinfanterie, wurde am Dienstag im Dienst getötet, als er einem Mann nachging, der vor einem Geschäft mit einer Waffe herumfuchtelte. Aus dem Publikum buht jemand laut, und Lombardo muss eigens klarstellen, dass hier niemand den toten Polizisten auspfeife. So beginnt der Abend, mit einem Buhruf, der ins Leere zielt und trotzdem etwas trifft. Trump wird den Gefallenen später zum Helden erklären und der Polizei danken, und zwischen diesem Buhruf und jenem Segen spannt sich alles, was an diesem Abend noch folgt.

Dann kommt der Präsident, und das Erste, was ihm zu Nevada einfällt, ist Kanada. Kanada sei widerwärtig, sagt er, wirklich widerwärtig, er liebe die Menschen dort, aber widerwärtig seien sie. Gemeint ist der Handelskrieg, den seine Zölle ausgelöst haben. Dass ausgerechnet Las Vegas darunter leidet, dessen Wirtschaft am Tourismus hängt, verschweigt er. Die Besucher aus Kanada, dem größten ausländischen Markt Nevadas, bleiben seit seinen Zöllen und Beschimpfungen aus, das sagt die Stadtspitze. Der Gastgeber beleidigt die Gäste und wundert sich, warum sie nicht mehr kommen.

Ladies and Gentlemen: Der Präsident der Vereinigten Staaten: „Trump: Kanada ist gemein. Das sind sie. Sie sind gemein.“

An diesem Abend haben sich die Worte von den Tatsachen gelöst. Das ist nicht dasselbe wie Lügen, denn wer lügt, nimmt die Wahrheit noch ernst genug, um sie zu verstecken. Hier redet einer, dem gleichgültig ist, ob das Gesagte stimmt, solange es im Saal wirkt. Die Sätze müssen nicht wahr sein, sie müssen nur klingen. Und wo niemand mehr fragt, was der Fall ist, wird das Reden selbst zur einzigen Wirklichkeit, die im Raum noch zählt. Eine Behauptung braucht in diesem Zustand keinen Beleg, sie braucht Applaus. Wer später nachrechnet, findet einen leeren Platz, wo der Beweis hätte stehen sollen.

Trump sagt, Melania sei eine sehr elegante Frau, und behauptet, ihr Film sei der erfolgreichste Film des Jahres. Faktencheck: Diese Aussage ist falsch. Melanias Dokumentarfilm erzielte zwar den erfolgreichsten Start eines Dokumentarfilms seit mehr als einem Jahrzehnt, war jedoch nie der erfolgreichste Film des Jahres und spielte weltweit gerade einmal 16,6 Millionen US-Dollar ein.

Kaum ausgesprochen, liefert er das Beispiel. Die amerikanischen Ausfuhren, sagt er, stünden in Flammen, im allerbesten Sinne, sie seien auf den höchsten Stand der Geschichte geschossen. Das Census Bureau und das Bureau of Economic Analysis hatten tags zuvor das Gegenteil mitgeteilt. Im Juni fielen die Ausfuhren um 0,9 Prozent auf 314,7 Milliarden Dollar, auch im Schnitt der letzten 3 Monate gingen sie zurück. Zwar liegen sie über das Jahr um 11,7 Prozent höher, doch das verdankt sich vor allem dem Gold und dem Öl, dazu anderen Energieträgern, deren Preise wegen des Kriegs im Iran gestiegen sind.

Trump: „Die Zölle haben uns reich gemacht.“ 🤣🤣🤣

Zum Öl hat er ohnehin eine eigene Beziehung. Seit Wochen verspricht er, der Preis werde fallen, sobald der Krieg im Iran vorbei sei, was bislang nicht eingetreten ist. In Las Vegas fügt er eine neue Kurswechsel hinzu. Der Preis habe sich zuletzt beruhigt, und man müsse ihn vielleicht wieder hochtreiben. Man wisse ja, was dann passiere, sagt er, aber man hoffe, es nicht zu müssen. Was er damit meint, erklärt er nicht. Derselbe Mann, dessen Ausfuhrwunder auf teurer Energie ruht, spielt laut mit dem Gedanken, sie noch teurer zu machen.

So schließt sich ein Kreis, den er selbst nicht benennt. Der Rekord bei den Ausfuhren stammt aus teurer Energie, teuer wurde die Energie durch den Krieg im Iran, und eben diesen Krieg verspricht er seit Wochen zu beenden, ohne dass es geschieht. Was er als Erfolg vorführt, hängt an einem Blutzoll, den er lieber verschweigt. Der Wohlstand, den er feiert, ist der Nutzen einer Katastrophe.

Dann der Ballsaal. Für ihn ließ er den Ostflügel des Weißen Hauses abreißen, zunächst wollte er ihn aus eigener Tasche und mit befreundeten Spendern bezahlen. Die Kosten liefen davon, die Senatsrepublikaner versuchten, 1 Milliarde Dollar für Sicherheit und militärische Ausbauten in das Vorhaben zu schleusen, was inzwischen feststeckt. In Las Vegas nennt er den Bau nun einen großen Militärkomplex, mit Dingen, über die er nicht einmal sprechen könne, samt Häfen für Drohnen. Kurz darauf sagt er, es werde trotzdem ein Ballsaal. Ein Bauwerk, das ein Ballsaal ist und zugleich ein Militärkomplex, um am Ende doch wieder ein Ballsaal zu sein, je nachdem, welcher Satz gerade gebraucht wird. Widersprechen sich die Sätze, stört das nur den, der zuhört und mitschreibt.

Trump über Menschen, die Elektroautos fahren: „Die haben eine Krankheit, wissen Sie, das ist eine Krankheit. Die werden völlig verrückt. Sie fahren und merken plötzlich, dass der Batteriestand sinkt, und dann kreisen ihre Gedanken nur noch darum …“

Auch mit dem Obersten Gericht rechnet er ab. Die von Republikanern ernannten Richter hielten nicht zusammen, klagt er. Die 3 liberalen Richterinnen und Richter wichen nie ab, das respektiere er, nur sei es schade, dass sie überhaupt dort säßen, ein paar von ihnen gehörten da einfach nicht hin. Am liebsten würde er sie feuern, sagt er. Dann schiebt er nach, er reagiere doch nur auf die Demokraten, die neue Richter wollten, um die 3 Konservativen auszugleichen, die er selbst ernannt hat. Richter am Obersten Gericht sind auf Lebenszeit berufen, gerade damit kein Präsident sie nach Belieben entfernen kann. Ein Präsident, der Richter feuern möchte, die kein Präsident feuern kann.

Trump über den Supreme Court: „Die republikanischen Richter halten nicht zusammen. Ich würde sie am liebsten feuern.“

Für den demokratischen Senatsbewerber in Michigan, Abdul El-Sayed, hat er ein anderes Etikett bereit, Kommunist. Verlieren werde der ohnehin, gegen den Republikaner Mike Rogers, einen früheren Kongressabgeordneten. Beim Thema Israel, El-Sayed will die amerikanische Militärhilfe beenden, greift er tiefer. El-Sayed liebe die Juden nicht, er hasse sie, mit einer Leidenschaft, die in seinem Herzen brenne, und dagegen könne er nichts tun. El-Sayed, der der erste muslimische Senator wäre, weist den Vorwurf des Antisemitismus zurück. Sein Einsatz für die Sicherheit von Juden, sagt er, sei derselbe wie der für die Sicherheit seiner eigenen Töchter. Der Präsident liest im Herzen eines Mannes, den er nie gesprochen hat. Über das Innenleben eines Fremden weiß er mit einer Sicherheit Bescheid, die ihm bei den eigenen Zahlen abgeht.

Realitätsverlust: Trump: „Die Wirtschaft ist mit großem Abstand die beste Wirtschaft, die wir je hatten. Die Umfragen sind gefälscht.“

Wenige Minuten nachdem Kanada widerwärtig war, preist er ein kanadisches Vorhaben. In Nordnevada entsteht mit Thacker Pass eine der größten Lithiumminen der Welt, betrieben von der Firma Lithium Americas aus Vancouver, gemeinsam mit General Motors. Im vergangenen Jahr stieg die amerikanische Regierung mit einem Minderheitsanteil bei der kanadischen Firma ein und übernahm zusätzlich 5 Prozent der Mine. Dem Publikum in Las Vegas, mehr als 500 Meilen entfernt am anderen Ende des Bundesstaats, verspricht er Arbeit dort. Den Staatsanteil erwähnt er nicht. Stattdessen warnt er kurz darauf vor den Gefahren des Kommunismus, kaum dass er beschrieben hat, wie der Staat sich in eine Mine einkauft. Der Kommunismus, vor dem er warnt, sieht seiner eigenen Industriepolitik zum Verwechseln ähnlich.

Gegen Ende zieht er einen alten Plan hervor, den er seit Monaten kaum erwähnt hat. Man werde den großen Gesundheitsplan verabschieden, sagt er, er heiße einfach der große Gesundheitsplan. Im Januar hatte er die Umrisse vorgestellt, sein Herzstück ist Geld, das direkt an die Bürger fließt, für Gesundheitssparkonten. Ein Plan, der seither vor allem aus seinem Namen besteht. Zur Ausstattung des Abends gehört Prominenz. Der frühere Boxweltmeister Mike Tyson sitzt neben Rick Harrison aus der Fernsehsendung Pawn Stars und neben Gouverneur Lombardo. Trump grüßt Tyson und lobt dessen Broadwaystück Mike Tyson: Undisputed Truth. Er habe viele Broadwaystücke gesehen, sagt er, und dieses sei großartig gewesen. Die unbestreitbare Wahrheit, ausgerechnet in diesem Saal.

Für den menschlichen Moment sorgt ein Paar aus Las Vegas, ein Polizist und eine Kellnerin aus dem Casino, mit ihren 2 sehr kleinen Kindern heraufgebeten, um die Steuererleichterungen auf Trinkgeld und Überstunden aus dem Gesetz des Vorjahres zu loben. Während Trump zur Seite tritt, wandert ihr Kleinkind auf die Kante des Podiums zu. Der Präsident läuft hin und fängt es ab, dann macht er einen Witz über seinen Vorgänger Joe Biden, den kaum jemand versteht. Selbst die Rettung eines Kindes endet mit einem Hieb gegen den Mann von gestern.

Am Rand steht der Gouverneur, der die Republikaner auffordert, vom Sofa aufzustehen und zur Wahl zu gehen. Im November tritt er gegen den demokratischen Generalstaatsanwalt Aaron Ford an, in einem der härtesten Rennen des Landes. Lombardo lobt seine Nähe zu Trump, dem ersten Republikaner, der Nevada bei einer Präsidentschaftswahl seit 20 Jahren gewann. Eine Entscheidung aus Washington habe die Solarbranche des Staates bedroht, er habe mit Trump telefoniert, und Trump habe es gerichtet. Ans Telefon sei er immer gegangen, sagt Lombardo. Er setzt auf einen Mann, dessen Sätze sich widersprechen, kaum dass sie ausgesprochen sind. Auf dem Wahlzettel steht im November auch die Ausweispflicht bei Wahlen, 2024 mit klarer Mehrheit angenommen, die noch ein zweites Ja braucht. Am Ende bleibt das Bild eines Casinos, in dem das Haus die Zahlen macht und die Tatsachen höflich gebeten werden, den Saal zu verlassen.

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