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Und täglich grüßt das Murmeltier, Teil 2: erst der Frachter, dann die US-Raketen, dann die Vermittler

VonTEAM KAIZEN BLOG

12. Juli 2026

Am Samstag meldete das amerikanische Militär die dritte Angriffswelle binnen einer Woche gegen Iran. Auslöser war ein einziges Schiff. Die Revolutionsgarde habe, so das Regionalkommando, den unter zyprischer Flagge fahrenden Containerfrachter GFS Galaxy angegriffen, während er die Straße von Hormus durchqueren wollte. Ein ziviles Besatzungsmitglied werde vermisst, ein Feuer an Bord und schwere Schäden im Maschinenraum hätten die Fahrt gehemmt. Für diesen Schaden also, für einen brennenden Maschinenraum und einen vermissten Seemann, ließ Washington Raketen auf ein Land fallen, das es vor Monaten wegen seines Atomprogramms angegriffen hatte.

Und genau darin liegt der eigentliche Vorgang dieser Tage, den man leicht übersieht, weil die Schläge lauter sind als die Frage nach ihrem Sinn. Carl von Clausewitz hat den Krieg die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln genannt und hinzugefügt, er treibe von sich aus zum Äußersten, sofern der politische Zweck ihn nicht zügle. Verliert dieser Zweck sich aber, so bleibt vom Krieg nur noch seine Bewegung, die reine Gewalt, die sich an jedem Anlass entzündet, den der nächste Tag ihr liefert. Genau hier steht Iran und stehen die Vereinigten Staaten. Trumps erklärtes Kriegsziel, das Ende des iranischen Atomprogramms, spielt keine Rolle mehr. An seine Stelle ist eine Wasserstraße getreten.

Kurz vor der amerikanischen Meldung hatte die Revolutionsgarde die Straße von Hormus bis auf Weiteres für geschlossen erklärt und den Vereinigten Staaten vorgeworfen, sich in die Wasserstraße einzumischen. Man habe einen Warnschuss auf ein Schiff abgegeben, das eine nicht genehmigte Route habe nehmen wollen. Das Regionalkommando wiederum sprach von der dritten Runde und erklärte, Iran habe eine weitere Gelegenheit erhalten, sich an eine Absichtserklärung zu halten, nachdem es für frühere Angriffe zur Rechenschaft gezogen worden sei, und habe erneut versagt. Man verhänge nun einen hohen Preis und mindere Irans Fähigkeit, Seeleute und Handelsschiffe anzugreifen, die die Enge frei durchführen. So klingt die Sprache eines Apparats, der die Vokabel des Vertrags benutzt und die Handlung des Krieges vollzieht.

In den gut 3 Wochen seit dem ersten Friedensabkommen hat Teheran die Straße von Hormus zum entscheidenden Streitpunkt gemacht und weigert sich, den Schiffsverkehr ohne iranische Abstimmung passieren zu lassen. Unsere Recherchen ergaben, dass ranghohe amerikanische Vertreter erwarteten, Iran werde binnen Tagen öffentlich erklären, alle Kanäle der Meerenge seien offen und man schieße nicht mehr auf Schiffe. Washington verlangt eine solche Erklärung ausdrücklich. Zugleich hatten dieselben Vertreter die früheren Angriffe als Tat einer eigenmächtigen Einheit der Revolutionsgarde geschildert, was die Lage nicht beruhigt, sondern verschlimmert. Denn ein Staat, der nicht für seine eigenen Waffen einsteht, ist kein Verhandlungspartner, sondern ein Wettergebiet.

In der Woche zuvor hatte Trump seine Sprache verschärft. Er lasse die Gespräche mit Iran weiterlaufen, nenne sie aber nicht mehr Teil eines Waffenstillstands. In einer nächtlichen Botschaft erklärte er, 1.000 Raketen seien geladen und auf Iran gerichtet, sollte dessen Regierung versuchen, ihn zu ermorden; die Befehle seien erteilt, das Militär bereit, mindestens 1 Jahr lang ganz Iran zu vernichten. Am selben Tag sagte er, Iran habe um die Wiederaufnahme der Gespräche gebeten, man habe zugestimmt, und setzte doch in Großbuchstaben hinzu, der Waffenstillstand sei vorbei. Diplomatie und Vernichtungsdrohung im selben Atemzug, das ist die neue Ordnung, in der beides zugleich gilt und nichts mehr bindet.

Der Ursprung liegt im späten Februar, als amerikanische und israelische Schläge Irans obersten Führer, Ajatollah Ali Chamenei, töteten. Sein Sohn und Nachfolger, Mojtaba Chamenei, schwor am Samstag, die Verbrecher zu rächen, die den Führer und das Volk in den beiden vergangenen Kriegen ermordet hätten. Damit ist das letzte hinzugetreten, was einen Krieg unlöschbar macht, die Blutrache an der Spitze des Staates. Wo der eine 1.000 Raketen zählt und der andere Vergeltung schwört, ist für den Zweck, um dessentwillen alles begann, kein Platz mehr.

Am selben Samstag trafen sich die Außenminister Irans und Omans in Maskat zu Gesprächen über die Meerenge. Ein klares Ergebnis wurde nicht mitgeteilt; beide Seiten hätten vereinbart, die Gespräche auf fachlicher und politischer Ebene fortzusetzen, um im Einklang mit dem Völkerrecht zu den nötigen Übereinkünften zu gelangen. Es ist die vorsichtige Sprache der Vermittlung, die neben der lauten Sprache der Raketen kaum zu hören ist.

Clausewitz wusste, dass der Krieg ein Chamäleon ist, das seine Farbe wechselt, und dass er dann am gefährlichsten wird, wenn niemand mehr sagen kann, wofür er geführt wird. Ein Atomprogramm war der Anlass, eine Meerenge ist der Vorwand, ein brennender Frachter der jüngste Funke. Was diese drei verbindet, ist allein die Gewalt selbst, die keinen Zweck mehr braucht, weil sie zu ihrem eigenen geworden ist. Ein vermisster Seemann treibt irgendwo im Wasser von Hormus. Er ist die genaueste Bilanz dieses Krieges, der vergessen hat, warum er begann, und nur noch weiß, dass er nicht aufhören kann.

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