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Kindergartenkinder singen von Hoffnung, und Trump liefert sie seiner Meute aus

VonTEAM KAIZEN BLOG

12. Juli 2026

Künftige Terroristen, riefen sie, eine Schande seien die Mädchen mit Kopftuch, man solle alle Muslime abschieben und den Islam verbieten. So klang das Echo, nachdem der Präsident der Vereinigten Staaten in dieser Woche ein Video von 14 Sekunden geteilt hatte. Es zeigt somalisch-amerikanische Kindergartenkinder in blauen Talaren und Hüten bei ihrer Abschlussfeier an einer Schule in St. Paul in Minnesota. Sie singen ein fröhliches somalisches Schullied.

In seinem Nachrichtenstrom, zwischen Prahlereien über die Wirtschaft und geschmückten Wahrzeichen zum Nationalfeiertag, wäre es fast untergegangen. Doch er teilte es ein zweites Mal, versehen mit dem Kommentar eines anonymen rechten Kontos: Jedes Mädchen trage ein Kopftuch, im Kindergarten. Das ist der ganze Anlass. Kinder, die singen und ihren Familien zuwinken und aussehen wollen wie ihre Mütter. Ein Gemeindeorganisator aus St. Paul, Khalid Omar, nannte es eine überschrittene Grenze. Diese Kinder feierten nur, sie genössen den Tag; wer sie angreife, handle grausam und gefährlich und unmenschlich. James Zogby vom Arabisch-Amerikanischen Institut sagte, Trump sei ein bigotter Schläger, der sich Verwundbare aussuche, Frauen und Einwanderer; sich aber an Fünfjährigen zu vergreifen, das sei selbst für ihn zu niedrig.

Seit über 1 Jahr überzieht Trump Minnesotas somalische Gemeinschaft mit fremdenfeindlichen Tiraden. Er hat somalische Einwanderer als Abfall bezeichnet, der dorthin zurückgehen solle, woher er komme. Er hat ihre Kinder als Last für die Schulen dargestellt und die aus Somalia stammende Abgeordnete Ilhan Omar verhöhnt, deren Kopftuch er einen kleinen Turban nannte. Einen Sozialbetrugsfall, der sich in dieser Gemeinschaft ballte, nahm seine Regierung zum Anlass für eine Verschärfung der Einwanderungskontrollen, für die Drohung, Bundesmittel für die Kinderbetreuung zu streichen, und für Ermittlungen, von denen ein Gericht befand, sie sollten demokratische Amtsträger des Staates schikanieren und an ihnen Vergeltung üben.

Die Posts vom Montag erreichten seine fast 13 Millionen Anhänger, und was aus ihnen zurückkam, ist die eigentliche Anklage. Sie nannten die Kinder künftige Terroristen und die kopftuchtragenden Mädchen eine Schande. Sie forderten, alle Muslime abzuschieben und den Islam zu verbieten. Ein Konto mit über 1 Million Anhängern erklärte, Trump habe eine erschreckende Wahrheit enthüllt, Amerika werde erobert. So sieht die Ernte aus, die ein Präsident einfährt, wenn er auf ein Kind zeigt. Vereinigungen, die den wachsenden Hass auf Muslime verfolgen, sehen in den Posts einen Baustein jener Gewöhnung an herabsetzende Rede, die schon zu Gewalt geführt habe und zu weiterer führen könne.

Das Weiße Haus lehnte eine Stellungnahme zu den Posts ab und verteidigte stattdessen die früheren Sätze. Man habe recht, sagte die Sprecherin Abigail Jackson; Fremde, die ins Land kämen, es zu hassen erklärten, nichts beitrügen und sich der Gesellschaft verweigerten, gehörten nicht hierher, und daran sei nichts rassistisch. Der Justizminister des Staates, Keith Ellison, entgegnete, er sei längst nicht mehr überrascht, aber stets angewidert.

Es ist nicht das erste Mal. Schon im April des Vorjahres behauptete Trump, die Schulen Minnesotas brächen unter dem Gewicht der Flüchtlingskinder zusammen, besonders aus Somalia. Im November beklagte er eine schöne Gemeinschaft in Minneapolis, die verschwunden und nicht wiederzuerkennen sei; Kinder gingen zur Schule, die kein Wort Englisch sprächen, und die Lehrer weinten sich in den Schlaf. In diesem Jahr teilte er ein rassistisches Video, das die Obamas als Affen zeigte, und nahm es nach heftigem Widerspruch zurück, ohne sich zu entschuldigen; schuld sei ein Mitarbeiter gewesen. Diese Woche teilte er zudem ein verfälschtes Bild der Obamas an Bord der Präsidentenmaschine, beschmiert mit einem Kürzel der schwarzen Bürgerrechtsbewegung und arabischer Schrift.

Wer die Heuchelei sucht, findet sie in der Ordnung dieser Regierung selbst. Trump hat den Kampf gegen religiöse Voreingenommenheit, gegen die an Christen und Juden, zu einem Grundpfeiler seiner zweiten Amtszeit erklärt. Diese Woche zeigt, dass der Schutz nur für ausgewählte Gruppen gilt. Die Senatorin Zaynab Mohamed, die jüngste je in den Senat Minnesotas gewählte Frau und dessen erstes muslimisches Mitglied, sagte, sie glaube nicht, dass Trump das Video geteilt hätte, wenn es eine andere Religion zeigte. Man stelle sich Kinder mit Kippa vor; alle wären empört, mit Recht, denn diese Kinder seien so amerikanisch wie jedes andere, so amerikanisch wie das Kind in Schuluniform an einer katholischen Schule.

Was solche Worte anrichten, lässt sich messen. Eine Erhebung ergab, dass 63 Prozent der Muslime im Land Diskriminierung erfahren und dass 47 Prozent der muslimischen Eltern mit Schulkindern berichten, ihr Kind sei im vergangenen Jahr wegen seines Glaubens gehänselt worden, etwa doppelt so oft wie im Durchschnitt. Fast die Hälfte dieser Familien sagt, der Peiniger sei ein Erwachsener gewesen. So tief sei die Schwelle dessen gesunken, was man über Muslime sagen dürfe, sagte die Forschungsleiterin des Instituts, Saher Selod; man warte noch immer darauf, dass alle begriffen, wie entwürdigend das sei. Ein Imam, Yussuf Abdulle, der über drei Dutzend islamische Zentren betreut, erzählte, nach dem Wort vom Abfall hätten seine kleinen Kinder ihn gefragt: Vater, sind wir in Ordnung? Was haben wir ihm getan? Hasst er uns? Inzwischen kenne er die Antwort. Es gebe keine Gnade für sie in dessen Herzen. An jenem Tag aber, fügte er hinzu, hätten die Kinder die Hoffnung eingefangen, an der die Gemeinschaft in diesem Land noch festhalte. Und er sprach den Satz, an dem sich alles entscheidet: Was solle einen glücklich machen, wenn nicht eine Kindergartenfeier? Wen das wütend mache, in dem sei kein Glück mehr übrig.

Die AfD betreibt in Deutschland dasselbe Geschäft mit derselben Kälte, sie zerrt Kopftuch und Kindername ins Rampenlicht und nennt Menschen, die hier geboren sind, ein Volk, das ausgetauscht werde. Es ist die Feigheit als Programm, die sich am Schwächsten stark fühlt und das eigene Ressentiment für Heimatliebe ausgibt.

Fjodor Dostojewski hat seinem Ivan Karamasow einen Gedanken in den Mund gelegt, an dem jede Macht sich prüfen lassen muss. Wenn das Gebäude einer Zukunft nur zu errichten sei um den Preis der Träne eines einzigen gequälten Kindes, dann gebe er die Eintrittskarte zu diesem Gebäude zurück. Kein Zweck, kein Volk, keine Nation wiegt das Leid eines Kindes auf. Man sollte meinen, diese Wahrheit sei so alt und so fest, dass niemand sie mehr anzutasten wagt.

Bleibt das Lied, das diese Kinder sangen, während ein Mann in Washington es zum Alarm erklärte. Es heißt „Ich bin ein Schüler“ und spricht von Stolz, von Bildung und von der Pflicht gegenüber den Eltern:

Ich bin ein Schüler, ich bin ein Schüler. Ich bin die Blume, die Hoffnung dieser Nation. Ich strebe, ich strebe, ich gehe zur Schule, damit ich die Schuld begleiche, die ich meinem Vater und meiner Mutter schulde. Mit aller Mühe, die ich aufbringe, o Allah, hilf mir. Amen, Amen. O Allah, steh mir bei. Amen, Amen. Ich bin ein Schüler, ich bin ein Schüler, ich bin das Licht der Morgenröte. Ich laufe, ich laufe, ich gehe zu den Prüfungen, damit ich Wissen erlange und meinem Land nütze. Mit aller Mühe, die ich aufbringe, o Allah, hilf mir. Amen, Amen. O Allah, steh mir bei. Amen, Amen.

Das ist es, was den Präsidenten erzürnte. Ein Kind, das seinem Land nützen will. Dostojewski gäbe die Eintrittskarte zurück.

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