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Suchen Sie Schutz: Auch der Himmel hat genug von Trumps Staatsmesse

VonRainer Hofmann

Juni 29, 2026

Es gibt Veranstaltungen, die scheitern, weil ihre Zeit noch nicht gekommen ist. Und es gibt Veranstaltungen, die scheitern, weil alles gegen sie ist – das Wetter, die Zuschauer, das Eis, die Musik, der Strom und die Logik. Trumps Great American State Fair auf der National Mall gehört zur zweiten Kategorie, und sie scheitert mit einer Konsequenz, die man fast bewundern müsste, wenn sie nicht mit Steuergeld bezahlt würde.

Am Sonntag, dem 28. Juni, musste die Veranstaltung zum zweiten Mal innerhalb von drei Tagen wegen schlechten Wetters unterbrochen werden. Freedom250, die vom Trump-Umfeld gegründete Organisation hinter dem Spektakel, verkündete auf ihren Plattformen: „Aufgrund schlechten Wetters in der Region wird die Freedom 250 Great American State Fair und die FIFA Weltmeisterschaft 2026 Fan Zone vorübergehend verschoben, und die Besucher werden gebeten, Schutz zu suchen.“ Der Himmel hat gesprochen. Er bat die Besucher, sich zu verdrücken. Damit war er ehrlicher als jeder Redner auf der Bühne.

Bereits am Freitag hatte dasselbe Wetter die Veranstaltung gegen 17 Uhr beendet und dabei Vanilla Ice um seinen Auftritt gebracht. Vanilla Ice – der Mann, dessen Karriere selbst in den neunziger Jahren ein Ablaufdatum hatte – konnte nicht auftreten. Das ist, wenn man so will, eine Form poetischer Gerechtigkeit.

Wegen schwerer Unwetter musste die Great American State Fair kurzfristig unterbrochen und verschoben werden. Ausgerechnet die Trump-Veranstaltung, die als großes Schaufenster der Feierlichkeiten zum 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten gedacht war, endete vorzeitig mit der Aufforderung, das Gelände über die nächstgelegenen Ausgänge zu verlassen.

Dabei hatte die Messe schon vor dem Regen einen bemerkenswerten Leidensweg hinter sich. Seit Trump sie am Mittwoch mit einer MAGA-Kundgebung eröffnet hatte, reihte sich eine Demütigung an die nächste. Niedrige Besucherzahlen, ein fragwürdiges Unterhaltungsprogramm, Essenspreise, die einem das Gefühl gaben, nicht Amerika zu feiern, sondern es zu finanzieren, die den Begriff „Staatsmesse für das Volk“ zur Satire machten, und ein Stromausfall, der das gesamte Eis zum Schmelzen brachte. Eine Veranstaltung, die Amerika zu seinem 250. Geburtstag feiern sollte, schaffte es nicht, die Kühlkette aufrechtzuerhalten. Trump behauptete, 45.000 Menschen seien zu seiner Rede am Mittwoch auf die National Mall gekommen. Videos, die kurz vor seinem Auftritt aufgenommen wurden – darunter eine CNN-Liveschalte, die zwanzig Minuten vor Beginn der Rede erhebliche leere Flächen hinter dem Reporter zeigte – malten ein anderes Bild. Der Abgang begann, noch bevor Trump fertig war. Wer einen Präsidenten zwingt, öffentlich um Zuschauer zu betteln – „Euer Lieblingspräsident wird sprechen, also erscheint bitte“ – und dann trotzdem früh geht, trifft eine Aussage, ohne einen Satz zu sagen.

Die Sprecherin von Freedom250, Rachel Reisner, reagierte auf die Berichterstattung über den Regenstopp mit einer Gegendarstellung, die in ihrer Kühnheit beeindruckt. Die Medien hätten Zeit gefunden, über eine Regenpause zu berichten, dabei aber „die eigentliche Geschichte“ verpasst: dass Bundesstaaten von Texas bis New York gemeinsam auf der National Mall Stände aufgebaut hätten. „Rote Bundesstaaten, blaue Bundesstaaten und alles dazwischen, die sich zusammenfinden vor dem 250. Jahrestag unserer Nation – und irgendwie ist das nicht die Geschichte.“ Die Frage, warum denn Stände aufgebaut wurden, während gleichzeitig die Messe wegen Regen evakuiert werden musste und niemand da war, um die Stände zu besuchen, ließ Reisner offen.

Hinter der operativen Peinlichkeit liegt ein größeres Problem, und es ist nicht meteorologischer Natur. Freedom250 – die Organisation, die Trump selbst im vergangenen Jahr gründete, um die Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag zu steuern – steht unter dem Vorwurf, Millionen an Steuergeldern umgeleitet zu haben, die ursprünglich für America250 bestimmt waren. America250 ist die überparteiliche nationale Organisation, die der Kongress 2016 eingesetzt hatte, um genau diese Feierlichkeiten zu koordinieren. Freedom250 wurde zehn Jahre später gegründet, vom Trump-Umfeld, und übernahm faktisch die Steuerung – mitsamt den Mitteln.

Unsere Recherchen dazu sind noch nicht komplett abgeschlossen

Das ist das Muster: Eine vom Kongress eingerichtete, überparteiliche Struktur wird durch eine präsidenten-nahe Parallelorganisation verdrängt, die dann das Geld verwaltet, die Programmentscheidungen trifft und am Ende die Pressemitteilungen herausgibt, die erklären, warum der Regen eigentlich eine Erfolgsstory ist. Amerika250 existiert noch. Freedom250 regiert. Das ist in seiner Struktur dasselbe, was Trump mit dem Justizministerium, mit der Wahl-Infrastruktur und mit dem Reflecting Pool getan hat: die Unabhängigkeit der Institution durch die Loyalität zur Person ersetzen.

Einfach nur noch ein Witz

Was bleibt, ist die Bühne auf der National Mall, die Fähre zu einer leeren Messe, das schmelzende Eis und der Auftrag an alle Besucher, Schutz zu suchen – eine Botschaft, die, wenn man sie ernst nimmt, weit über das Wetter hinausgeht. Albert Camus hat den Sisyphos als Menschen beschrieben, der immer wieder denselben Stein den Berg hinaufrollt, und ihm dabei Glück zugesprochen – weil das Absurde mit Bewusstsein zu leben sei. Was Freedom250 da auf der National Mall veranstaltet, ist das Gegenteil: das Absurde ohne Bewusstsein, der Stein, der immer wieder bergab rollt, und die Pressesprecherin, die erklärt, das sei eigentlich die eigentliche Geschichte.

Am Zaun vor dem Reflecting Pool hängt eine Scherz-Stellenanzeige: Bademeister gesucht, Nationalgarde, Sommerjob, sofort. 1-800-GO-GUARD. Trump hat das Becken mit Soldaten und Überwachungstürmen gesichert, weil seine eigene Farbe absäuft – jetzt fehlt nur noch jemand, der die toten Enten rauszieht. Das Monument dahinter hat in 150 Jahren mehr überlebt als diesen Clown. Es wartet.

Am 4. Juli plant Trump eine weitere Veranstaltung auf der Mall, direkt am Lincoln Memorial Reflecting Pool, dessen Farbe noch immer abblättert. „Euer Lieblingspräsident wird sprechen“, hat er versprochen. Man darf gespannt sein, wie das Wetter entscheidet.

Vanilla Ice wartet noch immer auf seinen Auftritt.

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