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250 Jahre nach dem König: Amerika feiert seine Unabhängigkeit unter einem Mann, der sich für unantastbar hält

VonTEAM KAIZEN BLOG

Juni 29, 2026

Amerika hat sich vor 250 Jahren von einem König befreit. Am Wochenende feierte es diesen Jahrestag auf der National Mall, wo das Gesicht des amtierenden Präsidenten von Bannern an Bundesgebäuden herabschaut und wo Donald Trump eine Veranstaltung abhielt, die er selbst als „Trump-Rallye“ bezeichnete. Die Ironie ist so dicht, dass sie kaum noch als Ironie durchgeht. Sie ist der Zustand.

Seit seiner Rückkehr ins Amt im Januar 2025 hat Trump seinen persönlichen Anwalt als Justizminister nominiert, das Justizministerium angewiesen, seine politischen Feinde zu verfolgen, US-Marines in Los Angeles eingesetzt, seinen Namen am Kennedy Center angebracht, eine private Klage über zehn Milliarden Dollar gegen den IRS eingereicht – aus Steuermitteln zu zahlen -, Kryptowährungen aufgelegt, die ihm nach konservativen Schätzungen allein in diesem Jahr 870 Millionen Dollar eingebracht haben, zu seinem achtzigsten Geburtstag einen UFC-Kampf auf dem Rasen des Weißen Hauses veranstaltet und wenige Tage später öffentlich gemacht, dass sein Justizministerium den demokratischen Gouverneur Gavin Newsom, der ihn öffentlich kritisiert hatte, untersucht.

Als der britische König Charles III. das Weiße Haus besuchte, postete der offizielle X-Account des Weißen Hauses ein Bild der beiden Männer mit der Bildunterschrift: „ZWEI KÖNIGE.“ Trump selbst schrieb zu Beginn seiner zweiten Amtszeit, nachdem er ein New Yorker Verkehrsprogramm per Dekret beendet hatte: „LANG LEBE DER KÖNIG.“ Es sind Posts, die man als Ironie lesen könnte. Es sind Posts, die zeigen, dass Trump den Vergleich nicht fürchtet – er nutzt ihn.

In einem „60 Minutes“-Interview sagte er: „Ich bin kein König.“ Wenige Monate zuvor hatte er der New York Times gesagt, die einzige Kontrolle über seine globale Macht sei „meine eigene Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich aufhalten kann.“ In seiner ersten Amtszeit hatte er auf einem Jugendgipfel erklärt, Artikel 2 der Verfassung gebe ihm „das Recht, zu tun, was ich will als Präsident.“ Der Satz sitzt. Er hat ihn nie widerrufen.

Der Vergleich mit einem König passt bei Trump anders als bei früheren Präsidenten – nicht nur wegen seiner Handlungen, sondern wegen seiner Vorstellung davon, wer er ist und was die Präsidentschaft bedeutet. „Wir feiern Gründungsprinzipien, und das war ein treibendes Thema – die Angst davor, wie zentralisierte Macht korrumpiert werden kann. Und hier sind wir wieder.“ Die finanzielle Verflechtung ist der monarchische Teil dieser Regierung: Man hat noch nie eine Person gesehen, die ein Geschäftsimperium dieser Größe und dieses Ausmaßes hat, das direkt von den Entscheidungen profitiert, die sie trifft.“

Der oberste Rechtsbeistand der Regierung vor dem Obersten Gerichtshof, D. John Sauer, hat in Verfahren erklärt, Gerichte könnten präsidentielle Handlungen nicht überprüfen: „Sobald der Präsident eine Entscheidung getroffen hat, gibt es an diesem Punkt keine Aufgabe mehr für das überprüfende Gericht.“ Sauer war zuvor Trumps persönlicher Anwalt in dem Verfahren, in dem ein Richter fragte, ob ein Präsident wegen der Anordnung der Ermordung eines politischen Rivalen angeklagt werden könne. Sauers damalige Antwort: ein qualifiziertes Ja. Heute ist er derjenige, der vor dem Obersten Gerichtshof die Grenzen präsidentieller Immunität verteidigt.

Der Oberste Gerichtshof hat Trump nicht in allem recht gegeben. Er ließ zu, dass die Bundesbank-Gouverneurin Lisa Cook trotz Trumps Entlassungsversuch im Amt bleibt, und wies seine globalen Zölle zurück, weil das Kongress-Vorrecht sei. Aber in der Mitte von Trumps erstem Wahlkampf hatte er bereits geurteilt, dass Präsidenten weitgehende Immunität vor Strafverfolgung genießen – eine Entscheidung, die mehrere Ermittlungen aus Trumps erster Amtszeit zum Stillstand brachte, einschließlich der über seine Versuche, das Wahlergebnis von 2020 umzustürzen.

Auf dem Boden dieser Rechtslage gedeiht, was in Mississippi nun Gesetz wird. Ab diesem Mittwoch ist der Staatsapparat von Mississippi gesetzlich ermächtigt, eine Liste aller Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus im Bundesstaat zu erstellen – mit Namen, Adressen, Herkunftsland, Alter und strafrechtlicher Vorgeschichte. Die Behörde darf „alle vernünftigen rechtmäßigen Ermittlungsmittel“ einsetzen, um diese Datenbank aufzubauen. Die Weitergabe an ICE ist weder vorgeschrieben noch verboten. Das Gesetz soll zwei Jahre lang aktiv betrieben werden – eine fortlaufende Erfassung, keine Einmalbefragung.

Efrén Olivares vom National Immigration Law Center nennt das, was er sieht, unumwunden: „Es ist beunruhigend, weil es auf unheimliche Weise an andere Länder erinnert, die Listen bestimmter Personengruppen erstellt haben.“ Der Vergleich liegt nahe und wird von Olivares bewusst nicht ausgesprochen, weil er nicht ausgesprochen werden muss. Listen von Menschen nach Herkunft und Status – in welchem historischen Kontext das zuletzt eine Rolle gespielt hat, weiß jeder.

Die republikanische Senatorin Angela Hill, die das Gesetz eingebracht hat, nennt es „gesunden Menschenverstand“. Man müsse das Ausmaß des Problems verstehen, um es zu lösen. Das ist ein Argument, das bei näherer Betrachtung mehr Fragen aufwirft als es beantwortet: Was ist das Problem? Olivares weist darauf hin, dass der Aufenthaltsstatus einer Person sich innerhalb von Wochen ändern kann – jemand kann heute undokumentiert sein und morgen einen Status haben und nächsten Monat wieder keinen. Eine Datenbank, die diesen Zustand fortlaufend erfasst, ist entweder permanent falsch oder permanent überwacht. Beides ist beunruhigend.

Mississippi hat, gemessen an seiner Bevölkerung, einen der kleinsten Anteile von Menschen ohne legalen Aufenthaltsstatus in den USA – weniger als 28.000 Menschen, weniger als ein Prozent der Bevölkerung. Das macht deutlich, dass dieses Gesetz nicht auf ein drückendes praktisches Problem reagiert. Es reagiert auf ein politisches Signal. Das Signal lautet: Ihr seid sichtbar. Ihr seid erfasst. Ihr seid erreichbar. Lydia Grizzell von der ACLU Mississippi benennt die Konsequenz: Ein solches Gesetz zerstört das Vertrauen zwischen Einwandergemeinschaften und der Polizei. Wer weiß, dass ein Kontakt mit Behörden zur Meldung führen kann, ruft nicht die Polizei, wenn er Opfer eines Verbrechens wird. Das erhöht die Unsicherheit, nicht die Sicherheit. Es ist ein Gesetz, das vorgibt, Ordnung herzustellen, und tatsächlich Angst installiert.

Der Widerstand nimmt unterdessen eine Gestalt an, die historisch aufgeladen ist. Die wichtigste Oppositionsbewegung dieser Amtszeit hat sich das Motto „No Kings“ gegeben. Ezra Levin von der Gruppe Indivisible sagt, sie hätten dieses Schlagwort im Hinblick auf 2026 und das 250-Jahr-Jubiläum gewählt: „Es sieht aus wie dieselbe Art von Tyrannei, gegen die wir vor 250 Jahren rebellierten – die Art der Herrschaft über Amerikaner durch eine Geheimpolizei, die Menschen auf den Straßen tötet.“ Er verweist auf die tödlichen Schüsse auf zwei Demonstranten durch Bundesbeamte in diesem Jahr.

Amerika hat sich 1776 von einem Mann befreit, der dachte, er habe das Recht zu tun, was er wolle. 250 Jahre später steht ein Mann im Weißen Haus, der gesagt hat, Artikel 2 der Verfassung gebe ihm genau das. Sein Bild hängt an Bundesgebäuden. Ein Staat erstellt Listen nach Herkunft. Gerichte werden als Hindernis behandelt. Und auf der National Mall feiert Amerika seinen Unabhängigkeitstag – mit einem Mann auf der Bühne, der sich selbst „euren Lieblingspräsidenten“ nennt und darum bittet, dass mehr Menschen kommen.

George III. musste nie darum bitten.

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