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Nach dem Gasleck in Mississippi: kranke ICE-Inhaftierte ohne Arzt

VonTEAM KAIZEN BLOG

16. August 2026

Am Samstag, dem 8. August, entwich in einem Abschiebelager in Mississippi Gas, und die Männer, die es einatmeten, sollen bis heute keine klare Auskunft bekommen haben. Im Adams County Correctional Facility, das die Firma CoreCivic im Auftrag der US-Einwanderungsbehörde ICE betreibt, klagten Inhaftierte über Kopfschmerzen und weitere Beschwerden. Zuvor waren sie für Stunden hinaus in die Nachmittagshitze gebracht worden, weil drinnen etwas nicht stimmte. Als sie zurückkehrten, habe es weiter nach Gas gerochen, als sei überhaupt nichts geschehen.

Die US-amerikanische Ehefrau eines Inhaftierten, deren Name aus Sorge vor Vergeltungsmaßnahmen ungenannt bleibt, schilderte den Ablauf über Angehörige; ihr Mann sprach anonym, aus Sorge um die eigene Sicherheit. Die Männer seien stundenlang hinausgeführt worden, der Geruch habe drinnen angehalten, und einige hätten danach über eingeatmetes Gas geklagt. Woher das Leck kam und ob es je vollständig geschlossen wurde, habe man ihnen nie gesagt. Kaum etwas habe man ihnen gesagt, während die Zahl der Kranken stieg und die Ungewissheit blieb. Im Zentrum steht der Vorwurf, dass kranke Männer keine Behandlung erhielten. Die Männer, die nach dem eingeatmeten Gas über Kopfschmerzen klagten, seien mit den Beschwerden allein geblieben, während sich die Erkrankungen im Haus ausbreiteten. Eine Anstalt, die Menschen einschließt, schuldet ihnen die Sorge um ihren Körper; sie ist die einzige Stelle, die für sie noch einen Arzt rufen kann. Sie tat es nach dieser Schilderung nicht, und die Kranken warteten.

Die Hitze kam von einem Stromausfall, der am Montag, dem 10. August, begann. Bis Dienstag lief der Strom nur teilweise, für Beleuchtung und den nötigsten Betrieb; die Klimaanlage sprang erst am späten Mittwoch, dem 12. August, wieder an. 2 Tage lang blieb den Inhaftierten die Wahl zwischen engen Zellen in der Stauhitze und Stunden im Freien bei rund 38 Grad, ohne Schatten. Wo beides ausfiel, seien sie einfach in den Zellen eingeschlossen worden, ohne Gang zum Abendessen oder Frühstück.

Eine echte Wahl war das nicht. Draußen brannte die Sonne auf Männer ohne Dach über dem Kopf, drinnen stand die Luft in Räumen, die zu klein waren für die Menschen darin. Der Körper zahlt in solchen Stunden mit jedem Atemzug, und von außen sah niemand zu. Wer eingesperrt ist, verliert zuerst die Macht darüber, wohin er seinen eigenen Körper bringt. Selbst den Weg vom heißen Hof zurück in die Zelle bestimmten andere. Hitze in einem solchen Haus ist kein Zufall des Wetters. Eine Klimaanlage, die 2 Tage stillsteht, und eine Belegung über der Auslegung stehen für Entscheidungen, die lange vor jedem Sturm fallen. Zu wenig Personal für zu viele Menschen kommt hinzu. Der Ausfall traf auf einen Betrieb, der ohnehin am Rand seiner Möglichkeiten lief.

Mit der Hitze stiegen die Spannungen. In der personell unterbesetzten Anstalt nahmen Streit und Handgreiflichkeiten unter den Gefangenen zu, sodass die Quelle um sich selbst fürchtete. Die Krankheiten häuften sich, und die Belegung wurde enger statt lockerer. Inzwischen kämen drei Personen in eine Zelle, die für zwei Inhaftierte gebaut sei. Mehr Körper im Raum hießen mehr Wärme und weniger Luft für jeden Einzelnen. Zugleich sei versucht worden, die Nachricht im Haus zu halten. Während dieser Tage habe man den Inhaftierten die Tablets vorenthalten, damit sie ihre Angehörigen nicht erreichten. Wer den Eindruck erwecke, etwas zu organisieren, werde in Einzelhaft geschickt. So bleibt ein Notstand für die Außenwelt unsichtbar, solange keine Nachricht hinausdringt und die Leitung selbst darüber wacht, wer überhaupt sprechen darf.

CoreCivic wies die Schilderungen natürlich zurück und erklärte auf Anfrage, es seien falsche Angaben im Umlauf. Mehrere Inhaftierte hätten zwar geglaubt, etwas gerochen zu haben, das mit einem Erdgasleck zu tun haben könnte, doch kein Mitarbeiter habe dergleichen festgestellt, sagte Ryan Gustin, leitender Direktor für Öffentlichkeitsarbeit des Unternehmens. Aus übertriebener Vorsicht sei ein diensthabender Techniker gekommen, habe die Räume auf mögliche Lecks geprüft und nichts gefunden. Der Stromausfall gehe auf einen Sturm zurück, die Klimaanlagen seien nicht ausgefallen, und eine medizinische Behandlung sei zu keinem Zeitpunkt verweigert worden.

Über der Anstalt steht der Name einer Firma. ICE hat die Verwahrung von Menschen an CoreCivic vergeben, und wer dort erkrankt, ist auf das Wort desselben Unternehmens angewiesen, das für die Bedingungen geradesteht. Die Behörde bleibt zuständig und doch weit weg, während das Unternehmen die Zellen führt und zugleich die Auskunft darüber liefert, was in ihnen geschieht.

So stehen zwei Fassungen nebeneinander, die der schildernden Angehörigen und das ruhige Wort des Unternehmens. Der Geruch, den viele wahrnahmen, der Fall, von vielen dokumentiert, taucht in keinem Protokoll auf. Ein Körper meldet Gefahr, bevor eine Behörde sie bestätigt, und die Kopfschmerzen kamen ohne Erlaubnis. Zwischen dem, was Männer in einer Zelle riechen, und dem, was ein Prüfbericht festhält, öffnet sich der Raum, in dem Verantwortung verschwindet. Aktuell versuchen wir Ärzte in die Einrichtung zu bekommen und Anwälte sind ebenfalls tätig.

9 Prozent

Die Anstalt in Mississippi gehört zu den größten Abschiebelagern des Landes. Im März saßen dort auf rund 5,7 Hektar mehr als 2.000 Menschen ein, von denen nur 9 Prozent überhaupt eine Vorstrafe haben. Die übrigen füllten die Zellen ohne jede Vorstrafe, gehalten allein wegen ihres Aufenthaltsstatus. Die abgeschaltete Klimaanlage traf damit vor allem Menschen, gegen die nie ein Gericht entschieden hat, und die dennoch hinter Gittern schwitzten.

Die Zustände dort stehen nicht für sich allein. Mangelnde Hygiene und Krankheiten wurden auch andernorts dokumentiert, im Familienlager Dilley in Texas und in Delaney Hall in New Jersey, wo unlängst der 3. Inhaftierte starb. Aus einem einzelnen defekten Betrieb wird so eine Reihe, deren Opfer sich nicht mehr wegreden lassen. In Delaney Hall zählt man die Toten bereits, und jeder von ihnen stand für ein Haus, das Menschen verwahrte und ihre Not zugleich bestritt.

Fortsetzung folgt …

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