Notizen zu einem Wochenende, an dem ein Präsident beschloss, die Welt sei eine Bühne und er ihr einziger erwähnenswerter Darsteller

Es gibt Wochenenden, die im Rückblick wie ein etwas zu lang geratener Monolog wirken, und dieses gehörte zweifelsfrei dazu. Binnen weniger Stunden ließ sich Donald Trump über einen Krieg im Nahen Osten vernehmen, über einen Footballspieler der New York Giants, über eine Schar Musiker, die ihm soeben abhandengekommen war, über einen Ballsaal, der im Weißen Haus entstehen soll, über eine Kampfarena auf dem Südrasen ebendieses Hauses sowie über die durchaus ernst gemeinte Frage, ob nicht er selbst die geeignetste Hauptattraktion für den 250. Geburtstag der Vereinigten Staaten wäre. Dass er obendrein erwähnte, größere Menschenmengen anzuziehen als Elvis Presley, fügte sich in dieses Programm beinahe organisch ein.

Donald Trump verspottet Frankreich gern, ob beim Militär oder im Handel, doch wenn es um Inszenierung geht, greift er genau dort zu. Nach der Militärparade, die er sich 2017 in Paris bei Emmanuel Macron abgeschaut hatte und später in Washington nachstellen ließ, folgt nun der nächste Schritt: ein Triumphbogen in den USA, größer als alles, was Europa zu bieten hat. Genauer gesagt größer als der Arc de Triomphe.

Lara Trump:
„Sie waren konsequent bereit, die schwierigen Dinge zu tun – die Dinge, von denen Ihre Vorgänger gesagt haben, dass sie getan werden müssten, für die sie aber nicht den Mut hatten.“

Donald Trump:
„Wir haben nur ein sehr kleines Zeitfenster. Wenn man dieses Spiel spielen will, dann würde jemand bis nach den Zwischenwahlen warten und erst in der Stunde danach den Iran angreifen, weil der Iran keine Atomwaffe haben darf. Aber dann könnte sich das möglicherweise schon bis in die nächste Wahl hineinziehen – egal ob Zwischenwahlen oder nicht. Deshalb hat man nur ein sehr kurzes Zeitfenster, um überhaupt irgendetwas zu tun, das mit Krieg zu tun hat. Aber ich sehe dieses Zeitfenster nicht so. Ich muss das tun, was richtig ist.“

(Anmerkung der redaktion: Wenn die Fragen bereits die zentrale Botschaft des Interviewten übernimmt und seine Vorgänger gleichzeitig als mutlos darstellt, wirkt das weniger wie ein kritisches Interview als wie eine vorbereitete Vorlage für Zustimmung. Dass ein Familienmitglied diese Rolle übernimmt, ist das als ein politischer Witz zu bezeichnen)

Jede dieser Episoden wäre, für sich allein betrachtet, keine Randerscheinung des Augenblicks, die man nach zwei Tagen wieder vergessen hätte. In ihrer Summe jedoch ergeben sie ein Sittengemälde von erstaunlicher Genauigkeit darüber, wie der Präsident seine zweite Amtszeit auffasst — nämlich als ein Gesamtkunstwerk, in dem Staatsgeschäft, Familie, Unterhaltung, Gefolgschaft und die unermüdliche Pflege der eigenen Erscheinung längst nicht mehr auseinanderzuhalten sind. Wo die Antike noch zwischen dem Menschen und der Maske unterschied, die er auf der Bühne trug — persona hieß sie, die Maske —, ist diese Unterscheidung hier auf erfrischende Weise verschwunden. Es gibt keine Maske mehr. Es gibt nur noch das Gesicht, das sich für die Maske hält.

Trump spielt hier mit seinem Wortwitz der Unterklasse. Im Englischen wird „dumb“ (dumm) tatsächlich mit dem Buchstaben „b“ geschrieben, obwohl das „b“ am Ende nicht ausgesprochen wird. Der Satz ist deshalb keine inhaltliche Aussage, sondern eher ein flacher Sprachwitz beziehungsweise ein Wortspiel über die englische Rechtschreibung.

Der Ausgangspunkt war, man ahnt es, ein Fernsehinterview. Schauplatz war Fox News, genauer die Sendung „My View with Lara Trump“, in der Lara Trump, vermählt mit Eric Trump und somit Schwiegertochter des Hauses, ihren Schwiegervater als Gast empfing. Eine glücklichere Konstellation für einen Mann, der ungern widersprochen wird, lässt sich kaum denken. Konfrontation blieb erwartungsgemäß aus. Nachfragen waren von jener Seltenheit, die man sonst nur aus Naturdokumentationen über bedrohte Arten kennt. Während die Gastgeberin nickte, sprach der Präsident über nahezu alles, was sein Gemüt gerade bewegte, und das Gemüt eines solchen Mannes bewegt vieles.

„Eric Trump ist ein wirklich guter Bauherr. Er hat das gewisse Gen. Dasselbe Gen, das auch ich habe. Ich habe es, und Eric hat es ebenfalls – und zwar wirklich.“

Eben dieser Umstand sorgte für Aufruhr. In den sozialen Netzwerken verbreiteten sich Ausschnitte des Gesprächs binnen weniger Stunden mit der Geschwindigkeit einer guten Nachricht in schlechten Zeiten. Ein Zuschauer befand, Trump rede minutenlang „wie ein Verrückter“, während Lara Trump danebensitze und zustimmend nicke. Ein anderer verglich das Ganze mit einem Aufziehauto, dem unterwegs das Lenkrad abhandengekommen sei — ein Bild von einer Präzision, die man dem Internet gar nicht zugetraut hätte. Besonders verbreitete sich der Kommentar von einem „vierzehnminütigen Tornado aus Beschwerden“, neben dem die Gastgeberin verharre wie eine jener nickenden Figuren, die früher auf den Armaturenbrettern der Autos saßen. Kein kritisches Einhaken, kein Widerwort, allein das fortwährende Einverständnis.

Trump präsentiert Lara Trump das Bild des Autopens und bezeichnet es als „eine Schande für unser Land“ – das wirkt beinahe surreal. Der Moment macht die Inszenierung und die fehlende Verantwortungsübernahme in seinem Umfeld sichtbar.

Der Hintergrund: Trump und seine Verbündeten werfen Joe Biden seit längerer Zeit vor, bei wichtigen Dokumenten oder Entscheidungen zu stark auf den sogenannten Autopen gesetzt zu haben – also ein Gerät, das Unterschriften automatisch nachbildet. Daraus leiten sie die politische Botschaft ab, Biden habe Entscheidungen nicht selbst genug kontrolliert oder sei nicht ausreichend präsent gewesen. Für diese Vorwürfe wurden allerdings keine Belege vorgelegt, dass Präsidentschaftsentscheidungen dadurch ungültig oder nicht vom Präsidenten autorisiert gewesen wären. Der Autopen selbst ist in Washington seit Jahrzehnten ein übliches Werkzeug und wurde auch unter früheren Präsidenten eingesetzt.

Manche gingen weiter und meinten, selbst der Schwiegertochter sei anzumerken gewesen, dass es um die gesundheitliche Verfassung ihres Schwiegervaters nicht mehr zum Besten stehe. Wieder andere beschrieben die Sendung als einen Familienpodcast, der versehentlich ins Fernsehen geraten sei — eine Diagnose, die der Wahrheit womöglich näher kommt, als ihren Urhebern lieb sein dürfte.

Doch während das Publikum noch über die Form des Gesprächs sann, lieferte der Hauptdarsteller eigenhändig die Schlagzeilen. Im Mittelpunkt stand zunächst sein Umgang mit einem kleinen organisatorischen Missgeschick rund um die Jubiläumsfeiern zum 250. Geburtstag der Nation. Vorgesehen war eine Konzertreihe im Rahmen der Great American State Fair auf der National Mall. Freedom 250, die Organisation hinter den Festlichkeiten, hatte mehrere bekannte Künstler angekündigt und auf ein patriotisches Fest gehofft, das Menschen aus dem ganzen Land herbeilocken sollte.

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Dann begannen die Absagen, und sie begannen mit einer gewissen Hartnäckigkeit. Young MC zog sich zurück. Die Commodores ebenfalls. Bret Michaels sagte ab. Morris Day and the Time schlossen sich an. Martina McBride erklärte öffentlich, sie sei ursprünglich von einer überparteilichen Veranstaltung ausgegangen — eine Annahme, die sich, wie sie später feststellen musste, als Irrtum erwies. Bret Michaels führte aus, man habe ihm anfangs eine Feier des Landes in Aussicht gestellt; inzwischen aber sei daraus etwas geworden, das deutlich spaltender ausfalle als jenes, wofür er einst seine Zusage gegeben hatte. Es ist eine eigentümliche Kunst, eine Geburtstagsfeier so zu gestalten, dass die Gäste reihenweise vor Beginn das Lokal verlassen.

Auch in der Regierung selbst soll Nervosität geherrscht haben. Ein hochrangiger Mitarbeiter beschrieb die Vorbereitung der Konzertreihe als Chaos; hinter den Kulissen sei bereits die Schuldfrage erörtert worden, namentlich, wer für Einladungen und Künstlerkommunikation verantwortlich zeichne. Aus dem Umfeld der Regierung hieß es, man habe sogar personelle Konsequenzen erwogen — was in diesen Kreisen ungefähr das ist, was anderswo ein Beileidsschreiben.

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Der Präsident reagierte nach einem Verfahren, das ihm eigen ist: Statt die abtrünnigen Künstler zurückzugewinnen, schlug er vor, sie zu ersetzen. Durch sich selbst. Auf Truth Social erklärte er die Musiker zu „hoch bezahlten, drittklassigen Künstlern“, deren Musik die Menschen langweile, die zu viel verdienten und dennoch unaufhörlich unzufrieden seien. Lieber wolle er sich, so der Wortlaut, von „Happy People, Smart People, Successful People, and People that know how to WIN“ umgeben sehen — von Menschen also, die das Gewinnen beherrschen, eine Eigenschaft, die in der vorliegenden Geburtstagsplanung bislang nicht überwältigend in Erscheinung getreten war.

Es folgte die bemerkenswerteste Passage des ganzen Wochenendes. Trump erklärte sich zur „Number One Attraction anywhere in the World“. Er ziehe „much larger audiences than Elvis in his prime“ an, und das, wie er hinzufügte, ohne überhaupt eine Gitarre zu benötigen. Überdies werde er von manchen als „Greatest President in History (THE GOAT)“ geführt. Sein Vorschlag lautete demgemäß, die Konzerte durch eine große „AMERICA IS BACK“-Kundgebung zu ersetzen, in deren Mittelpunkt naturgemäß er selbst stünde. Hier berührt der Vorgang fast schon das Metaphysische: Ein Mann verkündet, die größte Anziehungskraft des Erdballs zu besitzen, während ihm im selben Atemzug ein Musiker nach dem anderen absagt. Die Wirklichkeit und ihre Beschreibung haben sich getrennt und leben seither in verschiedenen Wohnungen.

Nicht jeder allerdings flüchtete. Vanilla Ice bekannte sich öffentlich zu seiner Teilnahme und stellte klar, Politik spiele für ihn keine Rolle, er spiele für die Fans; er würde, fügte er großzügig hinzu, ebenso für Wladimir Putin oder im Iran auftreten, denn Musik sei keine politische Angelegenheit. Eine Haltung von solch reiner Indifferenz hat fast etwas Erhabenes. Wie sich die übrigen angekündigten Namen entscheiden, bleibt offen: C+C Music Factory prüft noch, Flo Rida schweigt. Die kurioseste Volte aber gehört Milli Vanilli, jenem Duo, das einst seine Karriere dem Playback verdankte: Obgleich offiziell als Programmpunkt verkündet, erklärte Sänger Jodie Rocco, niemand habe die Band je gefragt, ob sie überhaupt auftreten wolle. So schließt sich, fast zu schön, der Kreis — ein Fest der Authentizität, eröffnet von einer Gruppe, die niemand eingeladen hat und die seinerzeit nicht einmal selbst sang.

Trump gibt Lara Trump eine Führung durch den Bau des Ballsaals: „Das ist ein riesiger Komplex, der sehr eng mit dem Militär verbunden ist.“

Während die Konzertreihe also Stück für Stück zerfiel, führte Trump seine Schwiegertochter über eine andere Baustelle, diesmal im buchstäblichen Sinn. Auf dem Gelände des Weißen Hauses entsteht ein neuer Ballsaal, veranschlagt mit rund 400 Millionen Dollar. Der Präsident bezeichnete das Vorhaben als Geschenk an Amerika, finanziert von ihm selbst, von Apple und weiteren Unternehmen und Spendern, und sprach davon mit der ungetrübten Freude eines Mannes, der sich ein Denkmal setzt und es zugleich für selbstlos hält. Künftige Präsidenten, sagte er, würden diesen Saal noch zweihundert Jahre nutzen, während ihm selbst nur noch wenige Monate des Genusses blieben — eine Bescheidenheitsformel, die in ihrer Größe an die Stifterinschriften mittelalterlicher Kirchen erinnert.

Präsident Trump sagt, sein Ballsaal sei ein Geschenk an Amerika – von ihm selbst und von Unternehmen wie Apple – und dass er die sicherste Einrichtung in Amerika werden soll. Trump sagt, das Militär sei an dem Projekt beteiligt und auch der Secret Service. „Wir haben die Kapazität verdoppelt, weil sie mehr Platz brauchen.“

„Die Bezeichnung als vollständig privates Geschenk wird politisch angreifbar, sobald staatliche Ressourcen, Sicherheitsstrukturen oder öffentliche Folgekosten Bestandteil des Projekts werden. Dann zahlt nicht nur der Spender – sondern auch die Öffentlichkeit. Der Anteil der Steuergelder könnte sich auf bis zu 400 Millionen Dollar belaufen.

Besonders stolz zeigte er sich auf die vorgesehene Verwendung. Die nächste Amtseinführung solle in diesem Ballsaal stattfinden. Seine eigene Zeremonie im Kapitol sei ja schön gewesen, doch hätten dort lediglich 902 Menschen Platz gefunden; der neue Saal werde wesentlich geräumiger und sicherer ausfallen. Sowohl das Militär als auch der Secret Service seien, seinen Angaben zufolge, in die Planung eingebunden. Lara Trump verteidigte das Projekt mit der schönen Beobachtung, linke Kommentatoren erlebten angesichts des Ballsaals einen regelrechten Zusammenbruch, sie seien am „melting down“. Kritiker wiederum erinnern an die historische Bedeutung des Weißen Hauses und daran, dass tiefe Eingriffe in dieses Gebäude unweigerlich politische Debatten auslösen — ein Einwand, der das Bauwerk freilich für Geschmäcker, die das Permanente lieben, nur noch reizvoller macht.

Präsident Trump gibt Lara Trump eine Führung durch die UFC-Arena im Weißen Haus.

Trump über die geplante UFC-Arena am Weißen Haus:

„Er baut eine Arena und macht einen großartigen Job. Nagelneue Kräne und alles ist wunderschön, und alles kostet Geld, Geld, Geld.“ (Das Steuergelder dafür verwendet werden, verscheigt Herr Trump lieber: Anmerkung der Redaktion)

Der Ballsaal blieb nicht das einzige Exponat des Rundgangs. Trump zeigte seiner Schwiegertochter auch die Vorbereitungen für eine UFC-Veranstaltung auf dem Südrasen, wo zu seinem 80. Geburtstag eine Arena entstehen soll. Kräne und Baumaschinen prägen bereits das Bild. Der Präsident geriet ins Schwärmen: Jemand errichte dort eine Arena und mache seine Sache großartig, alles sei wunderschön, überall stünden Kräne, und überall, so seine wiederholte Formel, gehe es um „money, money, money“. Man möchte hinzufügen: Es gibt eine gewisse antike Logik darin, das eigene achtzigste Lebensjahr mit Faustkämpfen vor dem Amtssitz zu begehen. Die Cäsaren hätten genickt.

Trump über Giants-Quarterback Jaxson Dart: „Er ist ein junger Junge. Er hat enormes Potenzial. Wenn er gesund bleibt, wird er großartig werden. Ich habe die Mehrheit der Stimmen gewonnen.“

Parallel hierzu äußerte sich der Präsident ausgiebig über Football, insbesondere über Jaxson Dart, den Quarterback der New York Giants. Zunächst, gestand Trump, habe er den jungen Mann für ein männliches Model gehalten; Dart sei von ausnehmender Schönheit und habe ihm versichert: „I love you, sir.“ Es ist bezeichnend, dass die Bewunderung dieses Präsidenten für einen Sportler weniger dessen Wurfarm gilt als dessen Antlitz und dessen Ergebenheit. Dart selbst war zuvor in die Schlagzeilen geraten, nachdem er Trump bei einer Veranstaltung angekündigt hatte — ein Auftritt, der sogar in der eigenen Mannschaft Anstoß erregte. Sein Teamkollege Abdul Carter wandte öffentlich ein, wer die Giants vertrete, vertrete mehr als nur die eigene Person. Dart hielt dagegen und verwies auf seine Familie, in der man in den Streitkräften gedient habe; das Amt des Präsidenten verdiene Respekt, unabhängig von der politischen Gesinnung. Eine ehrenwerte Unterscheidung — sie setzt allerdings voraus, dass zwischen dem Amt und seinem gegenwärtigen Inhaber noch ein Spalt klafft, durch den der Respekt hindurchpasst.

Schließlich geriet sogar die Statur des Präsidenten erneut zum Gegenstand öffentlicher Erörterung. In einem Werbespot für die Sendung stand Lara Trump neben ihrem Schwiegervater und wirkte beinahe ebenso groß wie er, obgleich Trump offiziell mit 1,90 Metern verzeichnet ist. Die Debatte breitete sich rasch aus. Lara Trump misst selbst knapp 1,80 Meter und trägt nicht selten hohe Absätze; gleichwohl nahmen viele Beobachter das Bild zum Anlass, die amtlichen Maße zu bezweifeln. Ähnliches hatte sich bereits bei Aufnahmen mit Prinz William zugetragen, auf denen der britische Thronfolger trotz gleicher offizieller Größe sichtbar überragte. Hinzu kommen ältere Belege: Eine früher veröffentlichte Kopie des Führerscheins nannte 1,88 Meter, spätere Gesundheitsberichte hingegen 1,90. Man hat es, kurz gesagt, mit einem Mann zu tun, dessen Höhe ebenso elastisch ist wie sein Verhältnis zu Elvis Presley.

Daran knüpfen sich die altbekannten Fragen nach seinem Alter. Trump ist der älteste Präsident, der je gewählt wurde. Die Regierung versichert in schöner Regelmäßigkeit, er befinde sich in ausgezeichneter geistiger wie körperlicher Verfassung; Kritiker verweisen auf eben jenes Alter, auf die öffentlich gewordene chronische venöse Insuffizienz und auf weitere gesundheitliche Veränderungen der letzten Jahre. Es ist die ewige Spannung zwischen dem Bild, das ein Mann von sich entwirft, und dem Körper, der dieses Bild zu tragen hat — eine Spannung, die so alt ist wie die Eitelkeit selbst und die kein Ballsaal der Welt aufzuheben vermag.

All dies, man halte es sich vor Augen, ereignete sich innerhalb weniger Tage. Ein Präsident spricht mit seiner Schwiegertochter über einen Krieg, über Football, über Musiker auf der Flucht, über einen Ballsaal für die kommenden zwei Jahrhunderte, über Faustkämpfe auf dem Rasen seines Amtssitzes und über seine angebliche Überlegenheit gegenüber Elvis. Das Publikum derweil rätselt, ob es soeben ein politisches Interview verfolgt hat oder eine häusliche Aufführung.

Und dann war noch das:

Und dieser Mann soll tatsächlich laut medizinischen Check-up gesund sein?

Man dachte, dieser Mann habe die Skala des Absurden längst gesprengt – und doch findet er unter jedem Keller noch einen weiteren Keller. Diesmal hat er sich so gründlich selbst übertroffen, dass man fast von einer olympischen Disziplin sprechen möchte. Der Wahnsinn ist bei Herrn Trump gewissermaßen die Grundausstattung, das Basismodell. An diesem Wochenende aber legte er eine Sonderedition drauf.

Vielleicht liegt genau hier die eigentliche Geschichte, und sie ist philosophischer Natur. Seit der Antike kennt das Abendland die Vorstellung vom Welttheater, vom theatrum mundi, auf dem jeder Mensch eine ihm zugeteilte Rolle spielt, ehe er abtritt. Das Tröstliche an diesem Bild war stets der Gedanke, dass hinter den Rollen noch eine Bühne stand, ein fester Grund, ein Draußen. Was wir an diesem Wochenende beobachten durften, ist die Auflösung ebendieses Draußen. Die Bühne steht nicht mehr vor dem Weißen Haus; das Weiße Haus ist zur Bühne geworden, mitsamt Ballsaal, Arena, Familie und Quarterback. Und der Mann, der sich darauf bewegt, hat aufgehört, eine Rolle zu spielen, weil er die letzte Trennung aufgegeben hat, die das Spiel vom Ernst, das Bild vom Abbild noch unterschied. Narziss, so erzählt es der Mythos, ging zugrunde, weil er sein Spiegelbild für einen anderen hielt. Hier hat einer den Spiegel kurzerhand zum Regierungsprogramm erklärt — und das Erstaunlichste daran ist, wie viele bereit sind, ihm beim Hineinschauen noch zuzunicken.

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