Es gibt Vorwürfe, die man widerlegt, und solche, die man übertönt, und an der Wahl zwischen beidem erkennt man den Angeklagten. Am Montagnachmittag, dem 27. Juli, bei einer Kundgebung auf dem Testgelände von General Motors in Milford in Michigan, pries Präsident Trump gerade den Segen seiner Zölle auf ausländische Autohersteller, als aus der Menge ein Ruf immer wiederkehrte. Beschützer von Kinderschändern, rief einer, wieder und wieder, so lange, bis er die Aufmerksamkeit des Präsidenten hatte. Andere im Publikum versuchten, ihn zu übertönen, und als er verstummte, jubelte die Menge und stimmte einen Sprechchor an, USA, USA.
Die Antwort des Präsidenten bestand nicht aus einem Wort der Zurückweisung, sondern aus einem Etikett. Er sei ein Kommunist, rief Trump lachend und deutete in die Menge. Danke, er sei ein Kommunist, man trete jetzt also gegen Kommunisten an, das sei verrückt. Auffällig ist, was er nicht sagt. Auf den schwersten denkbaren Vorwurf, den Schutz eines Kinderschänders, fällt kein Nein, kein Dementi, nichts als der Griff nach dem ältesten Feindbild, das die amerikanische Rechte kennt.
Von dort aus verlor sich der Präsident in einer Tirade gegen die Kommunisten. Sie wollten den Menschen die Häuser nehmen, sagte er, Dinge tun, die sich zuvor niemand ausgedacht habe, das Geld nehmen, die Steuern auf 80 Prozent treiben. Er habe an diesem Morgen gelesen, sie wollten auch die Polizei abschaffen, keine Polizei mehr, keine Gefängnisse, und dann fragte er spöttisch in die Menge, ob nicht jeder diese Idee großartig finde. Es ist die Kunst, aus einem einzelnen Zwischenruf ein ganzes Schreckgespenst zu formen, und je größer das Gespenst wird, desto kleiner erscheint die Frage, die es verdrängen soll.
Hier liegt der wunde Punkt bloß, den keine Tirade zudeckt. Ein Vorwurf wird von dem beantwortet, der es kann, und umgangen von dem, der es nicht kann. Das Wort Kommunist ist die Falltür, durch die die Frage verschwinden soll, und gerade weil sie so hastig geöffnet wird, verrät sie, dass unter ihr keine Antwort liegt. Wer auf eine bestimmte Anschuldigung mit einem allgemeinen Feind erwidert, hat die Anschuldigung im selben Atemzug bestätigt.
Dass es sich nicht um einen einzelnen Störer handelt, macht die Sache schwerer. Im Januar hatte ein Arbeiter in einem Werk von Ford in Dearborn dem Präsidenten bei einem Rundgang dasselbe zugerufen, Beschützer von Kinderschändern, woraufhin Trump ein Schimpfwort formte und ihm den Mittelfinger zeigte; der Mann wurde später suspendiert. Im vergangenen Monat rief ein Protestierender in einem Lastwagenwerk im pennsylvanischen Macungie wiederholt das Wort Pädophiler und hob dem Präsidenten 2 Mittelfinger entgegen. Es ist ein Ruf, der ihm nun an jedem Ort folgt, an dem er auftritt.
Wie viele dieser Rufer wirklich Kommunisten sind, lässt sich leicht beantworten, nämlich vermutlich keiner. Denn der Umgang des Präsidenten mit den Akten des Falls Jeffrey Epstein ist gerade unter seinen eigenen Anhängern zutiefst unpopulär geworden, und so könnten es ebenso enttäuschte Getreue seiner eigenen Bewegung gewesen sein, die ihm da entgegenriefen. Das Feindbild, das er beschwört, entstammt womöglich denselben Reihen, die ihn einst trugen.
Genau darin liegt die Ironie des Vorgangs. Ein Präsident, der jede Kritik zu einem Angriff der Kommunisten erklärt, kann den Feind nicht mehr von den eigenen Leuten unterscheiden, und er will es auch nicht, weil das Etikett bequemer ist als die Wahrheit. Er verwandelt den Zweifel der Enttäuschten in die Verschwörung eines Gegners, den es in dieser Form gar nicht gibt, und je öfter er das tut, desto durchsichtiger wird das Verfahren.
Am Ende bleibt ein Bild von großer Klarheit. Ein Mann steht am Rednerpult, spricht über Zölle und Autos, und aus der Menge dringt ein einziges Wort zu ihm durch, das er mit keinem Argument, keiner Empörung und keinem Sprechchor aus der Welt schafft. Er kann die Menge übertönen lassen, er kann den Rufer einen Kommunisten nennen, er kann den Mittelfinger zeigen. Nur eines kann er nicht, den Vorwurf beantworten. Und solange er das nicht kann, wird ihn dieser Ruf durch den Rest seines öffentlichen Lebens begleiten, an jedem Werkstor und in jeder Halle, ein einzelnes Wort, das am Ende lauter nachhallt als alle Zölle der Welt.
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Hoffentlich geht es dem Zwischenrufer gut und erbehält seinen Job!
Traurig, dass in dieser Menge nur ein Einziger Mut hatte.
Die Anderen sogar versucht hatten ihn zum Schweigen zu bringen.
Man fragt sich unwillkürlich, ob Trump immer genau einen Störer braucht um sich an seinen Feindbildern abzuarbeiten.
Der Rest muss ein MAGA harder Kern sein.
GM hat erst vor kurzem in einem Werk, was nicht weit von Trumps Auftritt liegt, rund 1000 Mitarbeiter entlassen.
Ob die Trumps Politik mit den Zöllen auch so „fantastic“ finden.
Und über die Epstein Files redet kaum noch Einer.
Trumps „flood the Zone with shit“ und irren Aktionen funktionieren. 🤬
…wir werden es verfolgen, denn andere die das gemacht hatten, bekamen große probleme