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„Gott ruft: Das Kriegsministerium missioniert, während die Raketen ausgehen“

VonTEAM KAIZEN BLOG

7. August 2026

Ein Soldat, schwarz gegen einen dunklen Himmel, darüber zwei Wörter in Großbuchstaben: SEND ME. Am Samstag setzten zwei Konten des amerikanischen Verteidigungsministeriums dieses Bild ins Netz, ein weiteres zeigte einen Soldaten vor einem Flugzeugträger, über ihm ein Hubschrauber. Der oberste Sprecher des Hauses, Sean Parnell, stellte den Vers Jesaja 6,8 dazu. Das offizielle Konto des Ministeriums, das sich inzwischen Kriegsministerium nennt, verstärkte beide Botschaften. Es geschah in einer Woche, in der hohe Militärs hinter verschlossenen Türen warnten, der Krieg gegen den Iran überdehne die eigenen Kräfte und zehre die Raketenabwehr aus, sodass der Marine die Mittel fehlten, Israel weiter zu schützen.

Der Vers stammt aus dem Buch Jesaja, aus dem Alten Testament. Gott fragt, wen er senden solle, und der Prophet antwortet: Hier bin ich, sende mich. In vielen christlichen Kreisen gilt der Satz als Zusage an eine göttliche Berufung, gesprochen bei Missionstreffen und Ordinationen. Wer ihn zu Ende liest, erschrickt. Denn Gott schickt Jesaja aus, ein Gericht zu verkünden, an dessen Ende Städte ohne Bewohner stehen, Häuser ohne Menschen, ein Land, gänzlich verwüstet, ehe irgendwann eine Erneuerung kommt.

Das Verderben dieses Kapitels aber trifft nicht den fremden Feind, sondern das eigene Bundesvolk, wie der Religionshistoriker Jemar Tisby anmerkt. Die Nation, die sendet, ist gemeint. In der amerikanischen Frömmigkeit werde der Vers fast nur als Missionswort gebraucht, losgelöst von dem, was ihm folgt.

Was die beiden Beiträge sagen sollten, ließ das Ministerium offen. Ob Glaubensbekenntnis oder Werbung für den Glauben, ob eine Ansage an den Iran oder eine abgestimmte Linie, dazu habe man nichts mitzuteilen, erklärte ein Sprecher. Das Schweigen hat Vorgeschichte. Unter Minister Pete Hegseth streitet das Haus seit Monaten über den Platz der Religion. Im Frühjahr wurde bekannt, dass mehr als 100 Soldaten sich beschwert hatten, Vorgesetzte hätten den Krieg gegen den Iran einen Teil von Gottes Plan genannt und dazu ermuntert, ihn mit biblischem Blick zu sehen. Im selben Frühjahr rief die Berufung der christlichen Aktivistin Erika Kirk, der Witwe Charlie Kirks, in den Beirat der Luftwaffenakademie frühere Militärs und Verfassungsjuristen auf den Plan, die eine Ausbildung nach Weltanschauung fürchteten.

Tisby sieht darin ein größeres Vorhaben. Hegseth stehe unter dem Einfluss des Predigers Douglas Wilson und habe im Pentagon Gottesdienste eingeführt; das Ganze füge sich zu dem Versuch, eine enge Auslegung des Christentums in das Militär und den Staat zu tragen. Ein Vorbild gibt es. Unter George W. Bush zierte derselbe Vers, Jesaja 6,8, die Geheimdienstberichte, die man Verteidigungsminister Donald Rumsfeld im Irakkrieg vorlegte. Als das 2009 ans Licht kam, folgte ein öffentlicher Aufschrei, und die Regierung ruderte zurück. Diesmal, sagt Tisby, lehne sich die Regierung in die Sache hinein.

Neu ist die Ebene. Früher fielen einzelne Kommandeure oder Ernannte auf, nun tragen mehrere amtliche Konten denselben Vers, und das Ministerium erklärt nicht, warum. Verfassungswidrig ist das nicht ohne Weiteres. Der erste Verfassungszusatz verbietet dem Staat, eine Religion zu bevorzugen, doch alte Formeln wie In God We Trust oder das vor dem Obersten Gericht übliche Gott schütze dieses ehrenwerte Gericht sind erlaubt geblieben. Der Verstoß liege hier näher, sagt der Rechtsgelehrte Nelson Tebbe, weil nicht eine allgemeine Wendung falle, sondern eine bestimmte Bibelstelle, die auf Soldaten unmittelbarer wirke. Dass ein Gericht sie kippe, sei dennoch kaum zu erwarten, seit der Oberste Gerichtshof das Verbot solcher Bekenntnisse im eigenen Reden geschwächt habe.

Der Religionswissenschaftler Jonathan Ebel nennt es vor allem heikel, dass göttlicher Ruf und Kriegsdienst zu einer Sache werden. Das entwerte das Militär durch offen christliche Rhetorik und stoße nichtchristliche Soldaten vor den Kopf. Die schärfste Warnung kommt von Rachel VanLandingham, einst Militärrichterin der Luftwaffe. Solches Bibelschwingen unterstelle einen Religionskrieg gegen den Iran und bestätige damit die iranische Propaganda, wonach der Große Satan den Islam bekriege. So nennt Teheran die Vereinigten Staaten seit der Islamischen Revolution von 1979. Ehre und die Treue zum Recht trügen das amerikanische Militär, kein Vers des Alten Testaments.

Bleibt der Vers selbst, zu Ende gelesen. Er sendet den Propheten nicht gegen einen Feind, er sendet ihn zu einem Volk, dessen Städte am Ende leer stehen. Wer einen Krieg unter Gottes Auftrag stellt, nimmt ihm das Maß, das ihn erträglich hält. Zwei Mächte, die einander den Satan zurufen, haben dieses Maß schon verloren.

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