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50 Millionen Dollar für eine Kupfermine, 40 Millionen Tonnen Bergbauabfälle: In Michigan brennt ein Feuer gegen die Zerstörung

VonTEAM KAIZEN BLOG

21. September 2026

Zwischen den alten Bäumen der Porcupine Mountains im Norden Michigans brennt seit August ein Feuer. Angehörige mehrerer indigener Gemeinschaften haben unweit des geplanten Kupferbergwerks Copperwood ein Lager errichtet. Sie nennen es Animikiiwadiswan, das Nest des Donnervogels. Anahkwet, auch Guy Reiter genannt, gehört zur Menominee-Nation. Gemeinsam mit Charlotte Loonsfoot von der Keweenaw Bay Indian Community organisiert er den Widerstand. Zum Auftakt vom 14. bis 16. August kamen 20 Menschen, am folgenden Wochenende waren es doppelt so viele. Sie übernachten auf dem Gelände des Ottawa National Forest, rund 32 Kilometer nördlich von Wakefield. Dort gibt es kaum Mobilfunkempfang. Dafür stehen sie unmittelbar neben jenem Gebiet, in dem eine Kupfersulfidmine entstehen soll. Ein Ort, den die Beteiligten seit Generationen als angestammtes Land verstehen, könnte nach Berechnungen der Projektgegner mit rund 40 Millionen Tonnen Bergbauabraum belastet werden.

Camp Animikiiwadiswan

Die geplante Mine liegt nahe dem Porcupine Mountains Wilderness State Park und dem Südufer des Oberen Sees. Die Region beherbergt den letzten unberührten Altwald dieser Gegend. In den umliegenden Feuchtgebieten befürchten die Gegner schwere Umweltschäden durch den Abraum, der auch Schwermetalle enthält. Die Keweenaw Bay Indian Community lehnt das Vorhaben entschieden ab. In einem Schreiben an das Parlament von Michigan verweist sie auf Schäden, die Highland Copper nach ihrer Darstellung bereits an Feuchtgebieten verursacht habe, und bezeichnet den Umgang des Unternehmens mit dem Bergbau als verantwortungslos. Hinter dem Projekt steht Copperwood Resources, die amerikanische Tochter des kanadischen Unternehmens Highland Copper. Der geplante Abbau ist bislang ein Vorhaben. Die befürchtete Belastung durch Millionen Tonnen Abraum beschreibt seine mögliche Folge, keinen bereits eingetretenen Schaden.

Für das Vorhaben sind 50 Millionen Dollar öffentliche Förderung vorgesehen. Das Geld soll als Zuschuss zur Vorbereitung des Standorts fließen. Am 25. August bewilligte der Verwaltungsrat des Michigan Strategic Fund die Mittel, obwohl Copperwood nach Darstellung der Kritiker jene Finanzierungsbedingungen weiterhin nicht erfüllt habe, die der Fonds bereits 2024 aufgestellt hatte. Eine Bewilligung durch das Landesparlament liegt ebenfalls nicht vor. Dessen Haushaltsausschuss im Senat hatte 2024 über die Förderung nicht abgestimmt; 2025 blieb eine Abstimmung bei 2 weiteren Vorlagen erneut aus. Senator Jeff Irwin bezeichnete die Entscheidung des Fonds als falsch und möglicherweise rechtswidrig. Cindy Warner, früher selbst Mitglied seines Verwaltungsrats, erklärte, Copperwood habe weder 2024 noch jetzt den erforderlichen Nachweis seiner finanziellen Tragfähigkeit erbracht. Während die Finanzierung des Unternehmens umstritten bleibt, hat der Fonds die Förderung bereits genehmigt.

Copperwood Mine

Auf Nachfrage verteidigte Danielle Emerson, Sprecherin der Michigan Economic Development Corporation, die Herkunft der Mittel. Die Behörde habe das Geld intern für andere Vorhaben eingeplant, diese seien letztlich aber nicht umgesetzt worden. Damit beantwortete sie die Frage, weshalb Geld verfügbar war. Die Einwände gegen die unerfüllten Finanzierungsbedingungen und die fehlende Zustimmung des Parlaments sind damit noch nicht ausgeräumt. Die Bürgerinitiative Protect the Porkies verlangt eine offizielle Untersuchung durch die Generalstaatsanwaltschaft und die zuständigen Haushaltsausschüsse. Am 15. September gab sie bekannt, beim Gericht im Ingham County ein Rechtsmittel gegen die Förderentscheidung eingelegt zu haben. Weitere rechtliche Schritte zur Finanzierung würden vorbereitet. Tom Grotewohl, Gründer der Initiative, bezeichnete das Vorgehen des Fonds als Staatsstreich. Seine Wortwahl ist drastisch. Gegenstand des Verfahrens bleibt die konkrete Frage, auf welcher Grundlage 50 Millionen Dollar freigegeben wurden.

Der Wirtschaftswissenschaftler Scott Beaulier kennt die Obere Halbinsel Michigans aus seiner Kindheit. Heute leitet er die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät der Universität Wyoming. In einer Analyse vom 28. August kritisierte er die geplante Förderung grundsätzlich. Sie sei der falsche Weg, wirtschaftliche Entwicklung in dieser Region zu betreiben. Die Economic Development Responsibility Alliance of Michigan arbeitet dagegen an einem anderen Entwicklungsmodell, das Landwirtschaft mit einer dauerhaft nutzbaren, gemischten Bebauung verbinden soll. Ihre Gründerin Marjorie Steele fuhr mehr als 8 Stunden aus Grand Rapids, um das Widerstandslager am Eröffnungswochenende zu besuchen. Sie berichtete von einem ununterbrochenen Austausch zwischen Menschen, die sich zuvor kaum begegnet waren. Steele interessiert besonders, wie Fördergelder vergeben werden. Die Michigan Economic Development Corporation soll auch über Steuervergünstigungen für Rechenzentren mit künstlicher Intelligenz entscheiden, die Gouverneurin Gretchen Whitmer im April 2025 in Kraft gesetzt hatte. Eine umstrittene Entscheidung über die Kupfermine wirft damit Fragen auf, die weit über den Bergbau hinausreichen.

Camp Animikiiwadiswan

Kupfer wird am Oberen See seit Jahrtausenden genutzt. Archäologische Funde belegen, dass Angehörige der Anishinaabe dort bereits vor mehr als 8.000 Jahren Kupfer gewannen und Werkzeuge daraus herstellten. Um etwa 1500 vor Christus verwendeten sie wieder vermehrt Stein. Nach archäologischer Einschätzung bot das besonders reine, unverarbeitete Kupfer gegenüber Stein kaum Vorteile bei der Haltbarkeit, während die Herstellung von Steinwerkzeugen weniger Zeit beanspruchte. Anahkwet erinnert daran, dass seine Gemeinschaft das Gebiet durchgehend genutzt habe. Die industrielle Förderung begann 1845 mit der Cliff Mine bei Eagle River und endete 1997 mit der Schließung der White Pine Mine im Ontonagon County. Zwischen diesen Daten liegen wirtschaftlicher Aufschwung und schwere Arbeitskämpfe. Beim Streik der Bergarbeiter von 1913 bis 1914 kam es zu gewaltsamer Unterdrückung. An die Tragödie in der Italian Hall am Weihnachtsabend 1913 erinnert heute eine Gedenkstätte. Dort war eine Feier für Familien streikender Bergleute in eine Katastrophe gemündet.

Auch die Umwelt trägt die Geschichte des industriellen Abbaus weiter. Auf dem Grund des rund 31 Kilometer langen Torch Lake liegen etwa 200 Millionen Tonnen Bergbauabfälle. Der See wurde zum staatlich erfassten Sanierungsgebiet für schwere Umweltbelastungen. Abby Newman ist 23 Jahre alt und fährt jedes Wochenende zweieinhalb Stunden zum Lager. Ihre Familie lebte über Generationen vom Bergbau. Sie kenne dessen wirtschaftliche Bedeutung ebenso wie die Schäden, die geblieben seien. Aus dem Torch Lake gefangener Fisch solle nach ihrer Darstellung trotz einer Einstufung des Verzehrs als grundsätzlich sicher höchstens einmal im Jahr gegessen werden. Newman engagiert sich bei den Keweenaw Socialists, beschreibt die Gespräche im Lager jedoch als offen. Über die Nutzung des Landes zu entscheiden, sei für sie zwangsläufig eine politische Frage.

Lake Superior

Der frühere Kupferbergbau arbeitete nach Angaben der Gegner mit Erzen, die bis zu 95 Prozent reines Kupfer enthielten. Für das Copperwood-Vorhaben wird ein Kupfergehalt von lediglich 1,45 Prozent genannt. Der weitaus größere Anteil des abgebauten Gesteins bliebe als Abraum zurück. Während alte Förderanlagen heute Besucher anziehen und Souvenirläden an die Bergbauzeit erinnern, wollen Loonsfoot und Anahkwet wissen, wer für die möglichen Folgen eines neuen Abbaus einstehen würde. Im Lager leben Angehörige der Lac Vieux Desert Band und der Bad River Band gemeinsam mit weiteren Unterstützern. Loonsfoot beschreibt die Wochenenden als Gelegenheit, mit den Pflanzen und Tieren des Gebiets in Berührung zu kommen. Anahkwet erzählt von den Stachelschweinen, deren langsame Bewegungen in einer überlieferten Erklärung seiner Gemeinschaft mit ihrer Bereitschaft verbunden würden, hungernden Menschen Nahrung zu geben. Er fragt, wie Menschen ein Land verschmutzen könnten, von dem sie so viel erhalten hätten.

Das Lager soll bis zum 4. Oktober bestehen. Zum Abschluss ist eine Zeremonie mit dem traditionellen Schellenkleidertanz geplant, den Loonsfoot als heilenden Tanz für Menschen und das Land beschreibt. Bis dahin werden die Beteiligten weiter an den Wochenenden beim Feuer zusammenkommen. Unterdessen läuft das gerichtliche Verfahren gegen die Förderentscheidung. Über die geplanten 50 Millionen Dollar wird in Michigan also noch gestritten. Die 40 Millionen Tonnen Bergbauabfälle, vor denen die Menschen im Wald warnen, würden sich dagegen auch nach einer politischen Entscheidung nicht einfach wieder einsammeln lassen.

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