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Elf Tage Frieden: Wie Trump einen Waffenstillstand gegen die Wand fuhr – und es nicht merkte

VonTEAM KAIZEN BLOG

Juni 27, 2026

Am 25. Juni 2026, einem Donnerstag, stand Donald Trump vor seinem Mikrofon und sprach über Geschäftsmöglichkeiten für amerikanische Farmer. Der Iran, sagte er, werde ein neuer Markt sein. „Ein wunderschöner Ort.“ Man werde iranisches Geld nehmen, es in den USA ausgeben, und damit Weizen, Sojabohnen und Mais kaufen. „Eine Menge davon. Das wird gewaltig.“ An demselben Tag, zu einer Stunde, die Trump offenbar nicht kannte oder ignorierte, griff die iranische Revolutionsgarde das Containerschiff Ever Lovely in der Straße von Hormus an. Vier Drohnen. Eine traf das Oberdeck. Das Schiff war beschädigt, konnte aber weiterfahren. Der neue Traumhandelspartner hatte gerade einen Abschnitt der Haupthandelsroute gesperrt, über die der künftige Weizenhandel hätte laufen sollen.

Trump sagte am selben Tag außerdem: „Der Iran will unbedingt ein Abkommen mit uns schließen. Wahrscheinlich werden wir das tun. Ich denke, wir werden es tun. Die Straße von Hormus ist offen.“

Die Straße war in dem Moment nicht offen. Der internationale Schiffsverkehr brach nach dem Angriff auf die Ever Lovely ein. Von 73 Schiffen am Mittwoch auf 54 am Donnerstag, laut dem Datendienst Kpler. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation setzte ihre Evakuierungsoperation für hunderte festsitzende Schiffe im Persischen Golf aus. Mindestens zwei Tanker drehten um. Der Waffenstillstand, den Trump am 14. Juni als Erfolg gefeiert hatte, war elf Tage alt.

Am Freitag, dem 26. Juni, schlug das US-Militär zurück.

Sechs amerikanische Kampfjets – F-35s und F-16s – griffen vier iranische Ziele entlang der Straße von Hormus und auf der Insel Qeshm an. Ziele waren Raketen- und Drohnenlager sowie Küstenradaranlagen. Die Operation dauerte etwa 90 Minuten. US Central Command nannte es eine „kraftvolle Antwort“ auf den iranischen Angriff vom Vortag. Über das Ausmaß der Schäden war zunächst nichts bekannt. Trump hatte kurz zuvor im Oval Office auf die Frage, ob die USA antworten würden, gesagt: „Sie werden es herausfinden.“

Die Revolutionsgarde erklärte die amerikanischen Schläge zu einer Verletzung des Waffenstillstands und warnte, bei Wiederholung werde die iranische Antwort „umfangreicher“ ausfallen. Gleichzeitig behaupteten iranische Sicherheitskräfte, bereits auf amerikanische Militärpositionen in der Region reagiert zu haben. Das US-Militär bestätigte das nicht. Der konservative iranische Parlamentarier Ebrahim Azizi, Vorsitzender des nationalen Sicherheitsausschusses, nannte die US-Angriffe eine „rücksichtslose Verletzung des Waffenstillstands“ und sagte, sie zeigten, dass Trump „kein Bekenntnis zu den Prinzipien der Verhandlung“ habe. Azizi gilt als Hardliner und spricht nicht für die Regierung, aber er artikulierte eine Empfindlichkeit, die in Teheran breit geteilt wird.

Ebrahim Azizi

So einfach, wie Azizi es sich macht, ist die Geschichte allerdings nicht. Der Iran stellt sich hier als schuldloses Opfer einer amerikanischen Aggression dar, und das ist nachweislich falsch. Fakt ist: Zuerst erfolgte der iranische Drohnenangriff auf ein ziviles Handelsschiff, das eine gebührenfreie Route durch internationale Gewässer benutzte. Erst danach kam die amerikanische Antwort auf militärische Ziele. Man muss den Krieg, den Trump im Februar begonnen hat, in seiner gesamten Anlage für ungerechtfertigt halten, man muss die amerikanische Eskalationsbereitschaft kritisieren, und man kann fragen, ob sechs Kampfjets die angemessene Reaktion auf eine beschädigte Schiffsbrücke waren. All das ändert nichts an der Reihenfolge der Ereignisse. Azizis Darstellung, der Iran sei lediglich Empfänger amerikanischer Gewalt, ist in diesem Fall von der Realität so weit entfernt wie das Handelsschiff vom Hafen.

Vizepräsident JD Vance erklärte auf Social Media, die USA hätten den Waffenstillstand „eingehalten“, würden aber auf iranische Aggression antworten. „Wenn sie Meinungsverschiedenheiten darüber haben, wie das Memorandum of Understanding angewendet wird, können sie zum Telefon greifen. Aber Gewalt wird mit Gewalt beantwortet.“

Das Memorandum of Understanding, das am 17. Juni unterzeichnet worden war – elf Tage vor dem Angriff auf die Ever Lovely – ist das Dokument, das beide Seiten nun für sich in Anspruch nehmen. Es sieht freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus vor und legt einen sechzigtägigen Waffenstillstand fest. Was es nicht festlegt: wer die Meerenge kontrolliert, wessen Routen verbindlich sind, und was passiert, wenn beide Seiten dasselbe Dokument unterschiedlich lesen. Das iranische Außenministerium zitierte am Freitag einen Abschnitt des Abkommens, der Teheran erlaube, den Schiffsverkehr durch die Meerenge zu verwalten – eine Auslegung, die Washington bestreitet. Die USA erklären, internationale Wasserstraßen gehörten keiner Nation. Der Iran erklärt, die Meerenge liege in iranischen und omanischen Gewässern.

Beide lesen denselben Vertrag. Beide haben ihn unterschrieben. Und beide haben in den elf Tagen seither das Gegenteil des anderen getan.

Das Frühwarnsignal kam nicht ohne Ankündigung. Am Donnerstagmorgen, Stunden vor dem Angriff auf die Ever Lovely, hatte die Revolutionsgarde in einer Erklärung alle Schiffe gewarnt: Die Route entlang der omanischen Küste – jener Korridor, den Oman als gebührenfreie Alternative angeboten hatte und den die Ever Lovely benutzte – sei „inakzeptabel und äußerst gefährlich“. Alle Schiffe seien verpflichtet, mit der Marine der Revolutionsgarde zu koordinieren. Wer das nicht tue, müsse mit Konsequenzen rechnen. Stunden später wurde die Ever Lovely getroffen.

Oman befindet sich in einer Position, die zwischen absurd und tragisch schwankt. Es hatte den Korridor als Kompromiss angeboten – koordiniert mit der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation, gebührenfrei, entlang der eigenen Küste. Damit sollte ermöglicht werden, was der Waffenstillstand versprochen hatte: die Wiederöffnung der Meerenge. Iran hat diesen Korridor als Angriff auf seine Kontrolle über die Wasserstraße gewertet und mit dem Drohnenangriff auf ein Schiff geantwortet, das ihn benutzte. Oman hat keine Möglichkeit, Sicherheitsgarantien zu geben, ohne dass Iran mitspielt. Iran spielt nicht mit, es sei denn zu seinen Bedingungen.

Vor dem Krieg fuhren täglich 130 oder mehr Schiffe durch die Straße von Hormus. Am Mittwoch, dem bisher verkehrsreichsten Tag seit dem 1. März, waren es 73. Am Donnerstag nach dem Angriff 54. Das US-Militär hat seit Mai mehr als 500 Schiffe und 250 Millionen Barrel Rohöl durch die Meerenge eskortiert. Der Brent-Rohölpreis stieg nach dem Angriff auf die Ever Lovely um über zwei Prozent auf rund 75 Dollar pro Barrel, fiel dann am Freitag wieder auf Vorkriegsniveaus – bevor die US-Militärschläge bekannt wurden, die nach Börsenschluss kamen.

Was sich in der Straße von Hormus abspielt, ist nicht der Bruch eines Friedens. Es ist die Konsequenz eines Abkommens, das einen Krieg für beendet erklärt hat, ohne die Frage zu lösen, die ihn mitausgelöst hat: wessen Regeln in einer der wichtigsten Wasserstraßen der Welt gelten. Trump hat dem Iran durch das Abkommen einen Sitz am Tisch der Hormus-Verwaltung gegeben – und gleichzeitig erklärt, die Meerenge sei offen und gehöre keiner Nation. Iran hat diesen Sitz besetzt und ihn sofort genutzt, um das Gegenteil zu demonstrieren. Der Angriff auf die Ever Lovely war keine Eskalation im klassischen Sinne. Er war eine Machtbestimmung.

Bellum omnium contra omnes (Krieg aller gegen alle) – Im Studium des Menschenrechts, des Völkerrechts und des internationalen Strafrechts basiert die Formel des Naturzustandes auf einer einfachen Einsicht: Wo keine gemeinsam anerkannte Autorität herrscht, regiert das Recht des Stärkeren, und jeder Akteur wird zugleich Richter und Vollstrecker in eigener Sache. Genau das fehlt in der Straße von Hormus: eine gemeinsam anerkannte Autorität. Beide Seiten behaupten, das Abkommen einzuhalten. Beide Seiten behaupten, die andere habe es gebrochen. In diesem Zustand ist jede Handlung gleichzeitig Verteidigung und Eskalation, je nachdem, wessen Auslegung man folgt.

Trump hatte am Donnerstag amerikanische Landwirte eingeladen, sich den Iran als künftigen Absatzmarkt vorzustellen. „Das schöne Land Iran.“ Weizen, Sojabohnen, Mais. Am selben Tag wurden auf der Straße, über die dieser Handel hätte fließen sollen, amerikanische Schiffe von iranischen Drohnen attackiert. Am nächsten Tag flogen amerikanische F-35s über iranisches Territorium. Das Memorandum of Understanding, das elf Tage alt ist, liegt in Trümmern – oder ist es das? Vance sagt, die USA hätten es eingehalten. Iran sagt, die USA hätten es gebrochen. Beide sind sich einig, dass das andere Land das Problem ist.

Der Waffenstillstand ist nicht gescheitert. Er ist das, was er immer war: ein Dokument, das einen Krieg für beendet erklärt, ohne zu klären, wer gewonnen hat. In solchen Dokumenten liegt die Einladung zur nächsten Runde.

Die Landwirte warten noch auf die Bestellung aus Teheran. Sie werden warten.

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1 Kommentar
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Ela Gatto
17 Stunden vor

So ist das bei dem größten Dealmaker aller Zeiten.

Wenn die Gegenseite nicht durch Drohung und Erpressung einknickt, kommt die Eskalation.
Und gleichzeitig reset man sich die Situation schön.

Die Farmer glauben es.
Sie glaubten auch das es enormous Einnahmen durch China gäbe. Da warten sie auch noch.

Die Mullahs im Iran gaben gewonnen.
Sie stehen besser da, als vor ddm Krieg und nutzen es natürlich aus.
Wer hat es Ihnen ermöglicht? Trump mit seinem völjerrechtswidrigen Krieg und dem Memorandum.

„Unschuldig“ ist keine Seite.

Die Frage ist eigentlich, wer sitzt am längeren Hebel und wer hält länger durch.

Für die restluche Welt ist es ein Desaster.

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