Trump nennt eine Teuerung von 4,2 Prozent großartig, schiebt sie auf den Krieg gegen den Iran und rühmt sich einer geheimen Öloperation ohne jeden Beleg, während der Ölpreis am selben Tag steigt!
Gefragt nach dem neuen Bericht, wonach die Verbraucherpreise im Mai um 4,2 Prozent über dem Vorjahr lagen, so hoch wie seit April 2023 nicht mehr, fand Donald Trump am Mittwoch eine Haltung, die niemand erwartet hatte. Er nannte die Zahlen nicht eine Erfindung der Demokraten, wie früher, und er behauptete auch nicht, er drücke die Lebenshaltungskosten gerade herunter. Er sagte stattdessen, wisst ihr, was ich wirklich liebe, ich liebe die Inflation.
Es ist die Lösung eines Mannes, der ein Versprechen nicht halten kann. Im Wahlkampf 2024 hatte er geschworen, die Teuerung rasch zu bezwingen. Da sie nicht weicht, bleibt ihm, sie zu umarmen. Wer das Übel nicht aus der Welt schafft, erklärt es zur Tugend, und wer die Wirklichkeit nicht ändert, gesteht ihr seine Zuneigung. Der Einfall kam zur Unzeit. Vor den Zwischenwahlen im November nennen die Wähler die Wirtschaft ihre größte Sorge und geben Trump für sie schlechte Noten, und so brauchten die Demokraten nur Minuten, um den Satz durch die sozialen Netze zu treiben. Trump habe es wirklich gesagt, vor laufender Kamera, für ganz Amerika zu hören, schrieb der Anführer der Demokraten im Senat, Chuck Schumer, seine Verachtung für euch kenne keine Grenzen. Der Anführer im Repräsentantenhaus, Hakeem Jeffries, setzte hinzu, endlich habe sich etwas gefunden, das Trump so sehr liebe wie sich selbst.
Im Kongress wurde aus dem Satz eine Prüfung. Die Abgeordnete Emilia Sykes aus Ohio hielt sie dem Energieminister Chris Wright bei einer Anhörung hin und fragte schlicht, ob auch er die Inflation liebe. Wright wich aus, er liebe es, dem Iran die Fähigkeit zur Atomwaffe zu nehmen, und erst auf Drängen gab er zu, geringere Teuerung wäre ihm lieber. Nach Trumps Worten befragt, nannte er seinen Präsidenten einen unterhaltsamen Mann mit einem Hang zur Übertreibung, der gewaltige Führungsstärke gezeigt habe, was als Verteidigung schwerer wiegt denn als Tadel.
Die Erklärung, die Trump für die Preise bereithält, lautet nun, sie seien allein eine Folge des Krieges gegen den Iran, der die Energie verteuere, und kaum sei die Sache mit dem Iran beendet, werde alles wie ein Stein fallen. Die Erleichterung, versichert er, sei schon unterwegs, dank einer geheimen militärischen Unternehmung. Er kündige es heute zum ersten Mal an, sagte er, man hole seit dem vergangenen Monat Nacht für Nacht Millionen Barrel Öl heraus. In den sozialen Netzen wurde daraus, in Großbuchstaben, mehr als hundert Millionen Barrel, die ihren Weg durch die Straße von Hormus auf den freien Markt gefunden hätten, und mehr als zweihundert Handelsschiffe, die sie sicher durchquert hätten. Belege für diese Summe lagen nicht vor, und es blieb unklar, welche Rolle das amerikanische Militär dabei überhaupt gespielt hat.
Wer rechnet, dem schrumpft die Zahl. Durch die Straße von Hormus, durch die ein Fünftel des Öls der Welt verschifft wird und die der Krieg seit Ende Februar faktisch geschlossen hält, flossen vor dem Krieg im Schnitt zwanzig Millionen Barrel am Tag. Hundert Millionen, das ist die Menge von fünf gewöhnlichen Tagen, ausgegeben für die große Verkündigung, als wäre es ein Wunder. Diese Heimlichkeit, behauptete Trump weiter, habe den Preis unter neunzig Dollar je Barrel gedrückt, nachdem er Anfang April hundertzehn überschritten hatte. Der Markt hörte nicht zu. Am selben Mittwoch stiegen die amerikanischen Öl-Terminkontrakte um etwa vier Prozent und schlossen bei beinahe zweiundneunzig Dollar. Während der Präsident den fallenden Preis verkündete, kletterte er. Die Rede und die Ziffer gingen auseinander, und es war die Ziffer, die nicht log.
Das Weiße Haus suchte die Zahlen milder erscheinen zu lassen und verwies darauf, dass im Mai manches billiger geworden sei als im Monat zuvor, neue Fahrzeuge und verschreibungspflichtige Mittel, dazu die Kfz-Versicherung. Hält man die Teuerung aber gegen die Entwicklung der Stundenlöhne, bleibt ein trüber Befund, die Kaufkraft der Menschen ist gegenüber dem, was sie verdienen, gesunken. Der Sprecher Kush Desai ließ wissen, der Präsident habe stets gesagt, die Preise für Öl und Gas und mit ihnen die ganze Teuerung würden einbrechen, sobald die Sache mit dem Iran gelöst sei, und man werde die Menschen weiter dabei unterstützen, mehr von ihrem schwer verdienten Geld zu behalten. Die Finanzmärkte trauten dem Versprechen nicht, der Präsident senke die Preise, indem er Tanker durch die Meerenge bringe, zumal dieselbe Regierung Luftschläge gegen den Iran flog und Teheran auf Länder der Region zurückschoss. Es ist schwer, einen Markt mit der Aussicht auf billiges Öl zu beruhigen, während man das Land bombardiert, durch dessen Gewässer es fließen soll.
Bleibt die Liebe. Sie ist die letzte Zuflucht einer Macht, die an der Wirklichkeit nichts mehr ändern kann und darum die Wirklichkeit umdeutet. Man liebt, was man nicht bezwingt, und man verkündet, was man nicht belegen kann. Großartig nennt er, was den Menschen an der Kasse das Geld aus der Hand nimmt. Der Präsident hat eine Zahl, die gegen ihn spricht, in ein Bekenntnis verwandelt, und vielleicht ist das die ganze Kunst dieser Tage, dass aus einem Verlust eine Liebe wird, sobald man nur laut genug erklärt, man habe ihn gewollt.
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