Im ersten Jahr seiner Rückkehr ins Weiße Haus hat Donald Trump ein Vermögen eingenommen, das jede frühere Vorstellung übersteigt. Mindestens zwei Milliarden und zweihundert Millionen Dollar weist die verpflichtende Vermögenserklärung für das Jahr 2025 aus, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Rund eine Milliarde und vierhundert Millionen davon stammen aus den Kryptogeschäften der Familie, der Rest aus dem übrigen Besitz, den Immobilien zumal. Für das ganze Jahr 2024, ehe er ins Amt zurückkehrte, hatten seine Unternehmen wenigstens sechshundertzweiundzwanzig Millionen Dollar abgeworfen.
Der größte einzelne Zufluss kam, als eine dem Staat der Vereinigten Arabischen Emirate nahestehende Investmentfirma fast die Hälfte des wichtigsten Kryptounternehmens der Familie erwarb, World Liberty Financial. Mit diesem Kauf verschwamm die Linie zwischen der Außenpolitik eines Landes und dem Privatgeschäft seines Präsidenten. Im Januar 2025, wenige Tage vor der Amtseinführung, zahlte die Firma fünfhundert Millionen Dollar für einen Anteil von neunundvierzig Prozent. Bald darauf schloss dieselbe Regierung der Emirate mit der Regierung Trumps ein Geschäft über die Ausfuhr wertvoller Rechnerchips, die künstliche Intelligenz antreiben, gegen den Einwand einiger Beamter der nationalen Sicherheit. Die Erklärung nennt dieses Geschäft nicht beim Namen, führt aber ungenannte Anlagen an, die Trump mehr als zweihundert Millionen Dollar einbrachten.

Zusammen mit seinen drei Söhnen hat Trump World Liberty geschaffen, das eine digitale Währung namens WLFI verkauft. Im vergangenen Jahr bot das Unternehmen seine Münze Anlegern in aller Welt an, und von jedem Verkauf flossen fünfundsiebzig Prozent, nach Abzug gewisser Kosten, an eine Gesellschaft des Präsidenten. So war ihm sein Gewinn sicher, auch wenn der Wert der Münze fiele. Bemerkenswert ist das für einen Mann, der die Kryptowährungen einst als Zuflucht für Drogenhändler und Betrüger verhöhnt hatte, ehe er sie im Wahlkampf des Jahres 2024 umarmte.
Die zweite große Quelle war seine Spaßmünze, ein Scherzgeld unter dem Namen TRUMP, das er in den Tagen vor seiner Vereidigung zu verkaufen begann. Mehr als sechshundert Millionen Dollar hat es ihm eingetragen, dazu weitere Hunderte Millionen aus den eigenen Verkäufen von World Liberty. Der Kurs der Münze schoss kurz in die Höhe, dann stürzte er ab. Heute steht er bei einem Dollar und siebenundsechzig Cent, achtzig Prozent unter dem Stand des Vorjahres. Wer sie kaufte, hat verloren. Der, dessen Namen sie trägt, hat gewonnen.
Darin liegt der eigentliche Anstoß. Trump ist nicht nur einer der großen Betreiber des Kryptomarktes, er ist zugleich dessen oberster Gesetzgeber. Er handelt mit der Ware, deren Regeln er selbst bestimmt. Und es ist nicht das einzige solche Geschäft. Der Familienbetrieb, die Trump Organization, verleiht den Namen des Präsidenten an Bauten in Ländern, die für die amerikanische Außenpolitik von Belang sind, unter ihnen Saudi-Arabien und Katar. Das Weiße Haus ließ eine Anfrage zunächst unbeantwortet, doch Trump hat früher darauf verwiesen, dass ihn die Gesetze über Interessenkonflikte nicht bänden. Seine Sprecherin Anna Kelly erklärte, er handle allein zum Wohl der amerikanischen Öffentlichkeit, Interessenkonflikte gebe es nicht. Ob die Geschäfte Gewinn oder Verlust abwarfen, verschweigt die Erklärung, wie schon die früheren.
In der Wirtschaft gilt das Geld als geronnenes Vertrauen zwischen Menschen, ein Versprechen, das nur so lange gilt, wie man ihm glaubt. Eine Münze, die den Namen des Herrschers trägt, war seit jeher ein solches Versprechen, ein Zeichen dafür, dass hinter dem Metall eine Ordnung steht, die für seinen Wert einsteht. Hier ist das Verhältnis umgekehrt. Der Herrscher prägt ein Zeichen mit dem eigenen Namen, verkauft es dem Gläubigen und behält drei Viertel des Erlöses, gleichgültig, ob das Versprechen je eingelöst wird. Es ist das schwarze Gesetz des Kapitalmarktes in Reinform. Wer das Papier ausgibt und zugleich die Regeln setzt, trägt das Risiko nicht, er reicht es weiter. Das Vertrauen fließt in die eine Richtung, das Geld in die andere.
So zeigt diese Erklärung, was aus einem Amt wird, wenn der, der es führt, es nicht mehr von seinem Vermögen zu trennen vermag oder es nicht mehr will. Ein Land, das sich einst rühmte, keine Könige zu dulden, sieht seinem Präsidenten dabei zu, wie er die eigene Herrschaft in Scheidemünze verwandelt. Er hat kein Gesetz gegen sich, nur den alten Grundsatz, dass niemand zugleich Richter und Partei sein darf. Und selbst der scheint ihn nicht mehr zu binden.
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