„Der Krieg ist vorbei – bis jemand wieder bombardieren lässt“

VonTEAM KAIZEN BLOG

Mai 6, 2026

Am Dienstag erklärte Marco Rubio noch öffentlich, der Krieg sei beendet. Wenige Stunden später drohte Donald Trump bereits wieder mit neuen Bombardierungen gegen Iran. Genau zwischen diesen beiden Aussagen bewegt sich inzwischen die gesamte Lage rund um die Straße von Hormus – ein Konflikt aus widersprüchlichen Botschaften, militärischem Druck und Verhandlungen, bei denen niemand mehr klar sagen kann, ob überhaupt noch jemand denselben Plan verfolgt.

Iran erklärte am Mittwoch, man prüfe derzeit einen amerikanischen Vorschlag zur Beendigung des Krieges. Außenministeriumssprecher Esmail Baghaei sagte, Teheran werde seine endgültige Antwort über Pakistan übermitteln, sobald die internen Beratungen abgeschlossen seien. Gleichzeitig kam aus dem iranischen Parlament fast die gegenteilige Botschaft. Ebrahim Rezaei, Sprecher des parlamentarischen Sicherheitsausschusses, bezeichnete den angeblichen amerikanischen Vorschlag als nichts weiter als „eine Liste amerikanischer Wünsche“. Die Vereinigten Staaten würden durch Krieg nicht erreichen, was sie in Verhandlungen nicht bekommen hätten. Iran sei bereit, erneut zu reagieren, falls Washington keine „notwendigen Zugeständnisse“ mache.

Wenige Stunden später hat Trump auf Truth Social erklärt, Iran müsse jetzt „geben, was vereinbart wurde“. Falls nicht, werde „das Bombardement beginnen“. Die nächsten Angriffe würden „auf einem viel höheren Niveau und mit deutlich größerer Intensität“ stattfinden. Gleichzeitig versprach Trump sichere Passage durch die Straße von Hormus, sobald Iran zustimme. Was genau Iran zustimmen soll, erklärte er nicht.

Donald Trump erklärte auf Truth Social, der Krieg könne beendet werden, falls Iran den bisherigen Vereinbarungen zustimme und die Straße von Hormus wieder vollständig geöffnet werde. Gleichzeitig drohte er mit neuen Bombardierungen „auf deutlich höherem Niveau und mit größerer Intensität“, sollte Teheran das Abkommen ablehnen.

Damit widersprach Trump offen seinem eigenen Außenminister. Rubio hatte noch am Dienstag erklärt, „Operation Epic Fury“ sei abgeschlossen. Die Vereinigten Staaten hätten ihre Ziele erreicht. Der Krieg sei vorbei. Am Mittwoch sprach Trump dann im Weißen Haus plötzlich nur noch von einem „kleinen Scharmützel“. Selbst innerhalb der Regierung scheint inzwischen niemand mehr dieselbe Beschreibung für denselben Krieg zu verwenden.

Während öffentlich über Diplomatie gesprochen wird, verschärft sich die militärische Lage weiter. Das US-Zentralkommando bestätigte am Mittwoch, dass ein amerikanischer Kampfjet einen iranisch gekennzeichneten Öltanker im Golf von Oman beschossen habe. Die Hasna habe wiederholte Warnungen ignoriert und versucht, die amerikanische Blockade zu durchbrechen. Ein F/A-18 Super Hornet von der USS Abraham Lincoln feuerte mehrere 20-Millimeter-Geschosse auf das Ruder des Schiffes. Laut US-Militär könne der Tanker seitdem nicht mehr nach Iran weiterfahren. Bereits zuvor hatte das US-Militär erklärt, seit Beginn der Blockade mehr als fünfzig Handelsschiffe gestoppt oder umgeleitet zu haben.

Auch Israel bereitete sich gleichzeitig auf eine weitere Eskalation vor. Benjamin Netanjahu berief am Mittwochabend das Sicherheitskabinett ein und kündigte ein Gespräch mit Trump an. Laut der israelischen Regierung verfolgen beide Länder weiterhin dasselbe Ziel: die vollständige Entfernung angereicherten Urans aus Iran. Netanjahu erklärte, Trump glaube, dieses Ziel könne „auf die eine oder andere Weise“ erreicht werden. Israels Sicherheitskräfte seien angewiesen worden, sich auf „jedes Szenario“ vorzubereiten. Fast zeitgleich griff Israel erstmals seit Inkrafttreten der Waffenruhe wieder die südlichen Vororte Beiruts an. Ziel des Luftschlags sei laut israelischer Armee ein Kommandeur der Radwan-Einheit der Hisbollah gewesen. Die Waffenruhe zwischen Israel und der Hisbollah existiert offiziell weiter, doch die Angriffe im Süden des Libanon reißen seit Wochen nicht vollständig ab. Der Angriff auf Beirut markiert trotzdem eine neue Eskalation.

In Iran bereitete die politische Führung die Bevölkerung gleichzeitig auf eine längere Krise vor. Parlamentspräsident Mohammad Bagher Ghalibaf erklärte in einer Audiobotschaft, die Menschen dürften neue militärische Angriffe nicht ausschließen. Die größere Gefahr sei nun wirtschaftlicher Druck. Iraner würden eher sterben als kapitulieren, sagte er. Gleichzeitig rief er dazu auf, Ressourcen zu sparen, Preissteigerungen offen anzusprechen und die Basij-Miliz bei der Stabilisierung des Landes zu unterstützen.

Teheran

Auch Europa versucht inzwischen hektisch, die Lage unter Kontrolle zu bringen. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron forderte am Mittwoch die sofortige und bedingungslose Öffnung der Straße von Hormus – noch bevor überhaupt ein Friedensabkommen erreicht wird. Paris und London arbeiten derzeit an einer internationalen Marineoperation zum Schutz ziviler Schiffe. Frankreich entsandte bereits den Flugzeugträger Charles de Gaulle ins Rote Meer. Die Mission soll Handelsrouten absichern und Minenräumungen vorbereiten, sobald die Sicherheitslage dies zulässt.

Doch genau dort liegt das Problem. Iran betrachtet die Kontrolle über die Straße von Hormus inzwischen als wichtigsten Hebel gegenüber den Vereinigten Staaten. Die Marine der Revolutionsgarden erklärte am Mittwoch offen, man werde auch künftig bestimmen, welche Schiffe die Wasserstraße passieren dürfen. Sichere Durchfahrt werde es erst geben, wenn die „amerikanische Bedrohung neutralisiert“ sei.

Die wirtschaftlichen Folgen sind längst weltweit spürbar. Die Ölpreise fielen am Mittwoch zunächst deutlich, weil Investoren auf Fortschritte hofften. Gleichzeitig schwanken die Märkte inzwischen beinahe stündlich zwischen Angst vor einem regionalen Flächenbrand und Hoffnungen auf eine Einigung. Selbst Frankreich und Großbritannien, die sich während der Kämpfe militärisch zurückhielten, drängen inzwischen offen auf eine schnelle Lösung, weil die anhaltende Blockade die Weltwirtschaft immer stärker belastet.

Besonders nervös reagierte die Schifffahrt nach einem weiteren Vorfall am Dienstag. Ein Containerschiff der französischen Reederei CMA CGM geriet während der Durchfahrt durch die Straße von Hormus in Brand. Mehrere Besatzungsmitglieder wurden verletzt. Gleichzeitig wächst in Europa die Sorge, dass der Konflikt endgültig außer Kontrolle geraten könnte, während Washington und Teheran gleichzeitig verhandeln und mit neuen Angriffen drohen.

Offiziell reden beide Seiten über Frieden. Parallel dazu werden Tanker beschossen, Kriegsschiffe verlegt, Flugzeugträger entsandt und neue Luftangriffe vorbereitet. Jeder erklärt öffentlich, man wolle Stabilität. Gleichzeitig baut jede Seite ihre militärische Position weiter aus. Der Krieg soll beendet sein, doch niemand verhält sich so, als glaube er selbst daran.

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Ela Gatto
17 Stunden vor

„…Am Dienstag erklärte Marco Rubio noch öffentlich, der Krieg sei beendet. Wenige Stunden später drohte Donald Trump bereits wieder mit neuen Bombardierungen gegen Iran….“

Genau dieses Hin und Her, dazu Trumps unberechenbarkeit prägen diesen Krieg.

Ankündigungen, die die genehmen Leute vorher kennen und sich die Taschen damit fallen.

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