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Der Fluch aus dem Paket: das Geschäft mit mumifizierten Menschen

VonTEAM KAIZEN BLOG

12. August 2026

Es gibt Recherchen, die sind einfach skurril, und diese ist eine davon. Über soziale Netzwerke, Verkaufsseiten und Auktionen werden mumifizierte menschliche Köpfe, Hände, Beine und andere Körperteile offen gehandelt, manche mit Spuren von Pilzen und Mikroorganismen, und ein Teil davon reist mit der gewöhnlichen Post zu den Käufern, ohne jeden Hinweis auf die Gefahr. Eine Studie unter dem Titel „Der wahre Fluch der Mumie“ hat den Markt vermessen, und der wahre Fluch, so viel sei vorweggenommen, ist kein übernatürlicher.

Die Forscher Kirsty Squires, Dario Piombino-Mascali, Clara Urzì und Damien Huffer werteten für ihre im International Journal of Cultural Property erschienene Studie 128 Angebote und Auktionen aus, auf Plattformen von Meta, bei Internethändlern und in Versteigerungen. In 122 Fällen, 95,3 Prozent, handelte es sich um menschliche Überreste, in 6 Fällen um mumifizierte Tiere. Der Markt ist halb im Untergrund und häufig illegal; das Netz hat den grenzüberschreitenden Handel erleichtert, während die Verkäufer ihre Kundschaft so gut wie nie darüber aufklärten, wie sich giftige und mikrobiell belastete Überreste sicher lagern lassen. Ein Vorbehalt vorweg: Laboruntersuchungen gab es nicht, beurteilt wurde nach Fotos. Bewiesen ist damit nicht, dass ein bestimmtes Stück verseucht war; belegt ist etwas anderes, dass dieser Markt gefährliches biologisches Material ohne Vorsicht und meist außerhalb der Vorschriften bewegt.

Ein glücklicher Käufer aus England

Vollständige Mumien waren die Ausnahme, nur ein einziger ganzer Körper stand zum Verkauf. Häufiger boten die Händler Einzelteile an, 27 Mal Hände und Beine, 21 Mal ganze Köpfe. Zählt man vollständige und teilweise erhaltene Köpfe, Schädel mit Resten von Haut oder Haar und die traditionell vom Volk der Shuar gefertigten Schrumpfköpfe zusammen, so entfielen 66 der 128 Objekte auf diese Gruppe, 51,6 Prozent. Die Vorliebe für Köpfe hat eine düstere Herkunft. Vom 18. bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden die Köpfe indigener Menschen als Kuriositäten gesammelt und für rassistische Forschung missbraucht, und noch heute laufen solche Überreste als seltene Reliquien oder als Stammeskunst über den Tisch. Eine Herkunft nannten die Verkäufer bei rund 80 Prozent der Stücke, meist Ägypten, dann Südamerika, doch nachprüfbar war das selten; bei 26 Objekten, 20,3 Prozent, blieb sie gänzlich im Dunkeln.

An dieser Stelle geht es um mehr als Statistik. Ein Königsberger Philosoph lehrte, der Mensch dürfe niemals zur bloßen Sache herabsinken, er sei Zweck an sich und nie allein Mittel. Genau diese Grenze überschreitet ein Handel, der einen Toten zerlegt, mit einem Preisschild versieht und als Zierstück verschickt. Was hier als Reliquie oder Kunst angeboten wird, war einmal ein Gesicht, und die Würde, die ihm zukam, verjährt nicht mit dem Tod.

Die erste der beiden Gefahren steckt in den Stoffen der Einbalsamierung, die je nach Epoche stark schwankten. Am giftigsten waren die Mittel des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, unter ihnen Arsen, Quecksilber, Blei, Antimon, Kupfer und Zink. Arsen gilt als hochgiftig, es kann Haut und innere Organe schwer schädigen und das Krebsrisiko erhöhen, dazu neurologische Störungen auslösen. Quecksilber greift Gehirn und Nieren an, ebenso die Lunge, und Blei schädigt Nerven und Blutbildung, dazu Nieren und Fortpflanzung. Ältere Kulturen arbeiteten mit Bitumen, Zedernöl, Natron, Harzen, Myrrhe und Räucherwerk, meist harmloser, wobei Natron durch seine Lauge bei längerem Kontakt Verätzungen hervorrufen kann. Wer ein solches Stück kauft, weiß am Ende weder, woher es stammt, noch womit es behandelt wurde.

Alles wird verkauft

Die zweite Gefahr ist mikrobiologisch. Das Austrocknen macht einen Körper nicht keimfrei, Bakterien und Pilze überdauern im Gewebe, ebenso Hefen, und bei Feuchtigkeit und schlechter Lagerung können sie sich erneut vermehren. An 13 Angeboten erkannten die Wissenschaftler mögliche Spuren von Pilzbefall, helle und dunkle Flecken sowie watteartige Beläge; 8 davon standen sofort zum Verkauf, bei 6 von ihnen war die Zersetzung so weit fortgeschritten, dass der bloße Kontakt zur Gefahr werden könnte. Auch hier gilt der Vorbehalt, dass ein Foto weder Pilz noch Bakterium bestimmt und ein Teil der Besiedlung mit bloßem Auge unsichtbar bleibt. Besonders tückisch sind ruhende Sporen, die beim Auspacken oder Beschädigen in die Luft geraten. Frühere Untersuchungen fanden Pilze der Gattungen Aspergillus und Penicillium, dazu Stachybotrys, unter anderem in der Luft der Krypten der Krakauer Kirche St. Peter und Paul.

Der Titel der Studie zielt auf die alten Erzählungen vom Fluch der Mumie, und für manchen rätselhaften Tod bieten die Forscher eine sehr irdische Erklärung an. Nach der Öffnung des Grabes des polnischen Königs Kasimir IV. in Krakau in den 1970er-Jahren starben 10 von 12 beteiligten Restauratoren, in Verbindung gebracht mit dem Einatmen von Aspergillus-Sporen. Auch Lord Carnarvon, der Geldgeber hinter der Entdeckung des Grabes von Tutanchamun, könnte an einer schweren Aspergillose gestorben sein; er starb 1923 und wurde zur Hauptfigur der Legende vom Fluch des Pharaos, wobei dies ausdrücklich eine Vermutung bleibt. Schon im 19. Jahrhundert klagte der Reisende Giovanni Belzoni über feinsten Staub in den Gräbern, der das Atmen erschwerte, und vielleicht, so die Studie, bestand ein Teil davon aus Sporen. Ein Automatismus ist das nicht, für Gesunde bleibt die Gefahr gering, ernst wird sie vor allem für Menschen mit schwachem Immunsystem.

In Museen gelten strenge Regeln, Handschuhe und Masken, dazu Schutzkleidung, auch gegen Pestizide, mit denen Sammlungen früher behandelt wurden. Auf dem privaten Markt fällt all das weg. Auf 22 Aufnahmen hielten Menschen mumifizierte Überreste mit bloßen Händen, von Schutzausrüstung war in den Anzeigen so gut wie nie die Rede. Entweder kennen die Verkäufer die Gefahr nicht, oder sie verschweigen sie, um zu verkaufen. Noch heikler wird es beim Versand. Ein amerikanischer Käufer zeigte stolz Überreste aus Großbritannien, und an den Aufklebern ließ sich ablesen, dass Royal Mail das Paket befördert hatte, obwohl der Versand menschlicher Überreste dort verboten ist. Untersagt ist er bei nahezu allen großen Diensten. Wer den wahren Inhalt verschweigt, umgeht die Regel; in einem Fall lief die Sendung unter einem Zollcode für Lehrmodelle, der mit 9023 begann, in anderen bot sich die Kategorie 9705 für anatomische Sammlerstücke an, um den Charakter der Fracht zu verschleiern.

Besonders erhellend war die Recherche der Beförderungsregeln der Zusteller selbst, die wir durchgeführt haben. Gut 20 Post- und Kurierdienste haben wir geprüft, und die meisten verbieten menschliche Überreste ausdrücklich, von Aramex über die Deutsche Post und DHL bis zu La Poste, Parcelforce und Couriers Please. Manche werden noch deutlicher, DPD und UPS nennen eigens Körperteile und Organe. Am weitesten geht der polnische Dienst InPost: In seinen Regeln für Polen nennt er ausdrücklich menschliche und tierische Organe sowie Gewebe, während in den allgemeinen Verbotslisten auch menschliche Leichname, Asche und Bestattungsüberreste aufgeführt werden; für bestimmte Versandwege nach Italien werden zusätzlich sogar menschliche und tierische Embryonen genannt.

Doch das Netz hat Maschen. Allied Express Australia untersagt menschliche Überreste nicht ausdrücklich und verbietet nur unbestimmte biologische Erzeugnisse, PostNL schließt bloß Gewebe und Blut aus, daneben Ausscheidungen, und die Schweizerische Post erwähnt allein Urnen. Canada Post befördert Überreste sogar, sofern man die strengen Auflagen für kontrollierte Güter beachtet. Andere erlauben nur die Asche und verbieten den Körper, so Poste Italiane und Royal Mail, ebenso der US-Postdienst, der als einziger Zusteller in den USA eingeäscherte Reste befördern darf. FedEx wiederum sperrt Überreste im Grundsatz, lässt aber dokumentiertes Gewebe lebender Patienten zu. Wer verkaufen will, sucht sich in diesem Flickenteppich die weichste Regel und schreibt zur Not etwas Harmloses auf den Zettel. Am Ende ist es weniger ein Verbot als eine Einladung an den, der es zu lesen versteht.

Damit trifft der Handel Menschen, die nichts davon ahnen. Der Käufer weiß, was er bestellt hat, der Lagerarbeiter und der Fahrer aber, auch der Zollbeamte, halten die Kiste für ein gewöhnliches Paket und tragen weder Maske noch Handschuhe. Verpackungen reißen, Sendungen werden vom Zoll geöffnet, und schon in der Vergangenheit wurden Postpakete mit verseuchten Überresten und Textilien sichergestellt. Die Forscher verlangen klarere Regeln der Postunternehmen und geschultes Personal, das gefährliche Sendungen erkennt.

Der größte Markt in der Stichprobe waren die USA, 34 von 62 zuordenbaren Angeboten, 54,8 Prozent, doch die Autoren warnen davor, daraus auf die Welt zu schließen; die Auswahl war nicht repräsentativ, ein Teil stammte aus dem Archiv eines Forschers, der den Handel seit 2014 verfolgt. Von den 128 untersuchten Objekten ließ sich bei 62 der Verkaufsstandort eindeutig zuordnen. Selbst die Spitzen der Jahre 2017 und 2018 sowie 2023 und 2024 beweisen kein weltweites Wachstum, zumal ein Teil des Geschäfts in geschlossene Gruppen und private Nachrichten abgewandert sein dürfte. Ihr Rat an alle, die auf solche Angebote stoßen, ist schlicht: Beweise sichern und die Plattformen wie die Behörden verständigen. Der eigentliche Schaden aber reicht über die Gesundheit hinaus, denn der Handel zerstört den wissenschaftlichen Zusammenhang der Funde und nährt den Schwarzmarkt für Kulturgüter, und er schreibt eine koloniale Praxis fort, die Tote zu exotischer Ware machte. Solange er weitergeht, heißt es am Ende der Studie, seien die Lebenden wie die Toten in Gefahr.

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