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Ein Rennpferd namens Hitler, getarnt als Klimt

VonTEAM KAIZEN BLOG

26. September 2026

Am letzten Montag gewann auf der Rennbahn Horseshoe Indianapolis ein 2-jähriger Hengst sein erstes Rennen. Auf dem Programmzettel stand Austrian Painter, österreichischer Maler, ein Name nach Wien und Staffelei. Im Internet trägt er seit Langem eine zweite Bedeutung, und die führt weit weg von der Kunst.

Der Ausdruck spielt auf Hitlers gescheiterte Laufbahn vor der Leinwand an. Online dient er dazu, über ihn zu reden, ohne den Namen zu tippen, meist um die Filter der Moderation zu umgehen. Algosprache heißt der Trick. Aus demselben Fundus stammen unalive für das Töten und pew pew für die Schusswaffe. Zwei Tage nach dem Sieg bestätigte Shannon Luce, Kommunikationsverantwortliche des Jockey Club, das offizielle Vollblutregister untersuche den Namen. Eine förmliche Beschwerde sei eingegangen.

Shannon Luce

Scott Herbertson, Züchter und Besitzer des Hengstes, wies jede böse Absicht von sich. Der Name gelte dem österreichischen Künstler Gustav Klimt, schrieb er in den sozialen Netzwerken, und ändern werde er ihn nicht. Die Erklärung hätte getragen, stünde im selben Stall nicht ein zweites Pferd. Recherchen ergaben, Austrian Painter hat eine 1-jährige Vollschwester, sie heißt New Order. So nennt sich eine britische Rockband, und so nannte das nationalsozialistische Deutschland die geplante Neuordnung des besetzten Europas. An zwei solche Zufälle unter einem Dach mag man schwer glauben.

Recherchen gingen weiter

Es blieb aber nicht bei zwei Pferden. Herbertson hatte dem Jockey Club für denselben Hengst weitere Namen vorgelegt, darunter My Struggle und Braunau Star. My Struggle heißt auf Deutsch Mein Kampf, Hitlers Hetzschrift aus der Haft. Braunau Star weist nach Braunau am Inn, wo Hitler geboren wurde; gemeint sei, so Herbertson, der Geburtsort des Großvaters seiner Frau. Vor dieser Reihe verliert die Berufung auf Klimt und die Lieblingsband auch den letzten Halt.

Und immer mehr kommt ans Licht: Cole Alexander TV fragte am 4. Juni 2026: „Wem würdest du eher zutrauen, auf ein Kind aufzupassen?“ 18,2 % stimmten für „eine trans Person“, 81,8 % für „einen Nazi“. Scott Herbertson kommentierte darauf: „Nur 83 %? Ich schaue mich am Geldautomaten wegen eines Nazis jedenfalls auch nie über die Schulter um.“

Auch für die Schwester beanspruchte Herbertson die Unschuld. New Order sei seine Lieblingsband, schrieb er, und hängte ein „du Spinner“ an. Das Böse meldet sich selten unter seinem Namen. Es kommt als Kaffeehausmaler, als Lieblingsband, und hält für den Tag der Enttarnung eine harmlose Herkunft bereit. Das Register ließ sich nicht beirren. Es erklärte den Namen für unzulässig und ordnete die Umbenennung an. Austrian Painter heißt von nun an Merrylegs, muntere Beine.

In seiner Mitteilung teilte das Register mit, zu Wochenbeginn habe eine förmliche Beschwerde auf den beleidigenden Namen aufmerksam gemacht, und man habe sogleich geprüft. Der Registrar habe ihn nach Regel 6.F.9.d verworfen, die Namen untersage, welche etwa wegen Herkunft oder politischer Ausrichtung beleidigend oder bedrohlich wirkten. Solche Hinweise nehme man ernst. Zwei weitere Vorschriften umreißen, wo die Grenze verläuft. Die eine untersagt Namen, die als geschmacklos gelten oder eine ethnische Gruppe kränken könnten. Die andere greift bei Namen, die jemanden herabsetzen sollen. Das letzte Wort über jeden Antrag liegt beim Registrar.

Herbertson, 58 Jahre alt, gebürtiger Kalifornier mit Sitz in Texas, gründete 2014 seinen Rennstall. Große Titel fehlen ihm, doch nach der Renn-Datenbank Equibase stehen 164 Siege in 561 Starts zu Buche, bei Gewinnen von gut 2,5 Millionen Dollar. Nichts davon brachte ihm je diese Aufmerksamkeit.

Solche Eingriffe kennt das Register aus seiner Geschichte, oft ging es um rassistische Anspielungen. Im Januar 2021 kassierte es den Namen Grape Soda, ein Tag nach dem Debütsieg des Wallachs auf der Rennbahn Aqueduct. Der Trainer Eric Guillot hatte ihn gewählt, um sich über den schwarzen Fernsehanalysten Ken Rudulph lustig zu machen. Der neue Besitzer Lawrence Roman taufte das Tier in Respect for All um. Dass dem Register dieses Recht zusteht, bestätigte 2007 ein Gericht. Garrett Redmond hatte geklagt, nachdem sein Wunsch abgelehnt worden war, eine Stute aus Jefferson’s Secret, einer Tochter von Colonial Affair, Sally Hemings zu nennen. Das 6. Bundesberufungsgericht entschied, als private Vereinigung dürfe das Register jeden Namen zurückweisen.

Weil der Hengst schon gelaufen ist, müssen alter und neuer Name eine Weile nebeneinander stehen, bis drei Starts unter Merrylegs zusammenkommen. So verfuhr man 2019, als aus einem Pferd namens Noose nach 2 Starts Scabbard wurde, darunter ein 2. Platz im Saratoga Special der Gruppe 2.

Austrian Painter beim Sieg in Indianapolis

Herbertson zog den Hengst in Indiana auf. Die Mutter Galileta, eine Tochter von Amira’s Prince, war in höheren Klassen platziert. Im Juni 2021 kaufte er sie privat. Über ein Verkaufsrennen verlor er sie und holte sie im Februar 2022 über ein weiteres zurück. Ihre letzten 3 Starts im Sommer 2022 gewann sie auf der Rennbahn Belterra Park, ehe er sie in die Zucht nahm. 2023 deckte der in Indiana stationierte Hengst Sleepy Eyes Todd die Stute, im Jahr darauf kam Austrian Painter zur Welt.

Der Witz derer, die den alten Namen genossen, lebte vom Abstreiten. Das Register hat ihnen das Abstreiten genommen. Muntere Beine trägt nun ein Tier, dem niemand mehr etwas unterschieben kann, und das Zwinkern hinter dem früheren Namen steht ohne sein Publikum im Führring.

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