Es gibt Wochen, in denen ein Land seine Verfassung so präzise zusammenfasst, dass jeder Kommentar zu viel wäre. Diese ist eine davon. Am Mittwochmorgen stellte das Finanzministerium eine neue 1-Dollar-Goldmünze vor, auf der das Gesicht des amtierenden Präsidenten prangt. Finanzminister Scott Bessent teilte dazu mit, während Amerika 250 Jahre Unabhängigkeit begehe, werde die Münzprägeanstalt dieses Stück schlagen, um das fortdauernde Erbe der Freiheit zu ehren und ein bleibendes Zeichen des Patriotismus zu schaffen. Mit dem Antlitz des Präsidenten feiere die Münze die Stärke amerikanischer Werte und das Versprechen einer Nation, die sich der Bewahrung der Freiheit für alle verschrieben habe.
Für alle. Man merke sich dieses Wort, es wird gleich noch gebraucht.

Der Prägung steht lediglich das Gesetz im Weg, was in Washington seit einiger Zeit als überwindbare Kleinigkeit gilt. Abschnitt 5112 des 31. Titels des amerikanischen Bundesrechts bestimmt, dass keine Münze das Bildnis eines lebenden amtierenden oder ehemaligen Präsidenten tragen darf, und zwar bis mindestens 2 Jahre nach dessen Tod. Das Gesetz zur Neugestaltung von Sammlermünzen aus dem Jahr 2020 hält zusätzlich fest, dass lebende Personen auch auf der Rückseite nichts zu suchen haben. Die Regierung umgeht beides mit dem Argument, ebendieses Gesetz erlaube dem Präsidenten Gedenkmünzen zum 250. Jahrestag. Der Gesetzgeber verlangte im Grunde nur Geduld, doch Geduld gehört nicht zu den amerikanischen Werten, die hier gefeiert werden.
Der frühere republikanische Abgeordnete Thomas Massie fasste die Lage knapper zusammen, als es jeder Leitartikel könnte. Man sei nun im Endstadium angelangt, schrieb er: erst den Penny abschaffen, dann den Nickel stopfen, schließlich Gedenkmünzen aus Gold prägen, die sich ohnehin niemand leisten kann. Ihm täten jene leid, denen die üblichen Trickser demnächst wertlose Nachahmungen davon andrehen würden.
Erasmus von Rotterdam schrieb vor einem halben Jahrtausend in seiner Anleitung für den christlichen Fürsten, ein Herrscher erkenne man nicht an den Bildnissen, die er von sich anfertigen lasse, sondern am Zustand derer, über die er regiert. Wer sein Andenken in Metall suche, habe es in seinen Taten bereits aufgegeben. Man könnte diesen Gedanken für zeitgebunden halten, wäre da nicht die andere Nachricht dieser Woche.
Donald Trump erklärt gegenüber Fox News, die USA würden in der kommenden Woche die zivile Infrastruktur des Iran angreifen: „Wir werden alle ihre Kraftwerke ausschalten, wir werden alle ihre Brücken zerstören – es sei denn, sie kommen an den Verhandlungstisch und verhandeln.“
Am Dienstagabend erklärte der Präsident in einem Fernsehinterview auf die Frage, ob die jüngsten Angriffe auf den Iran ausgeweitet würden, man werde letztlich Energieziele treffen. Diese Woche gehe es sehr hart zur Sache, kommende Woche seien die Kraftwerke an der Reihe, danach die Brücken. Man werde sämtliche Kraftwerke ausschalten und sämtliche Brücken, sofern Teheran sich nicht an den Verhandlungstisch setze.
Das Völkerrecht kennt für derlei einen anderen Namen als Verhandlungstaktik. Das Zusatzprotokoll von 1977 zu den Genfer Abkommen schützt in Artikel 52 zivile Objekte vor Angriffen und Vergeltungsmaßnahmen, darunter jene, die für das Überleben der Zivilbevölkerung unentbehrlich sind, und Artikel 51 untersagt genau die unterschiedslosen Flächenangriffe, die der Präsident dort in Aussicht stellte. Eine Nation, die sich der Bewahrung der Freiheit für alle verschrieben hat, kündigt also an, mehr als 90 Millionen Menschen den Strom abzudrehen, weil deren Regierung nicht verhandeln will.
Neu ist daran nichts, was die Sache nicht besser macht. Schon früher drohte Trump, jene Kraftwerke auszuschalten, die den Strom und das Wasser erzeugen, und Dinge zu tun, die so schlimm wären, dass das Land sich buchstäblich nie wieder als Nation aufbauen könnte. Nach der Bombardierung einer Autobahnbrücke nahe Teheran im April ließ er wissen, es folge noch viel mehr. Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte den iranischen Truppen bereits im März zugesagt, man werde keinen Pardon geben. Und im selben April kündigte der Präsident den Untergang einer ganzen Zivilisation an, die noch in derselben Nacht sterben und niemals zurückgebracht werde.

So schließt sich der Kreis, und er passt exakt auf einen Münzrand. Auf der einen Seite das Gesicht eines Mannes, der Freiheit für alle verspricht. Auf der anderen Seite die Ankündigung, einem ganzen Volk das Licht auszuschalten, wenn es nicht folgt. Beides erschien binnen 24 Stunden, beides trägt dasselbe Siegel, und niemand im Finanzministerium scheint die Verbindung zu bemerken.
Vielleicht ist die Münze also gar keine Verletzung des Gesetzes, sondern die ehrlichste Prägung der amerikanischen Geschichte. Sie zeigt genau das, wofür dieses Land 250 Jahre nach seiner Unabhängigkeit steht, und sie zeigt es aus Gold, damit es niemand übersieht. Nur leisten wird sie sich, wie Massie richtig anmerkte, ohnehin kaum jemand. Die Brücken bekommen die Iraner umsonst.
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Ich kann diese Visage einfach nicht mehr sehen 🤮
Es ist doch immer wieder erstaunlich, mit welchen absurden Begründungen bestehende Gesetze umgangen werden.
Nirgendwo steht im Gesetz, dasses eine Ausnahme zum 250. Geburtstag der USA gibt.
Kein Passus aus dem sich das herleiten ließe.
Wer die USA, und nicht sich selber, feiern wollte, hätte eine Münze mit „250 years USA“ herausgebracht.
So ist es ein weiterer peinlicher Beweis für Trumps Narzismus und der Buckelei seiner Entourage.
Es werden genug MAGA diese Münze kaufen wollen.
Und wenn sie ihr Erspartes opfern oder gar einen Kredit aufnehmen.
Seine reichen Lobbyisten und Techfreunde müssen die Münze kaufen, sonst ist Trumps „Gunst“ weg.
Dem Iran hat er schon oft mit totaled Vernichtung bzw mit Angriffen auf die zivile Infrastruktur gedroht.
Umgesetzt hat er es nicht.
Er ist immer zurück gerudert.