Welcome to The Kaizen Blog   Click to listen highlighted text! Welcome to The Kaizen Blog

Antifa auf die Terrorliste, Neonazis auf keine: Was Washington Europa gerade anbietet, ist Verfolgungswahn

VonTEAM KAIZEN BLOG

16. Juli 2026

Am Donnerstag saßen in Washington Vertreter aus mehr als 60 Ländern beisammen, überwiegend aus Europa und Lateinamerika, und hörten dem amerikanischen Außenminister zu, der ihnen die eigentliche Terrorgefahr dieser Jahre erläuterte. Marco Rubio sprach von einem alarmierenden Anstieg linker politischer Gewalt und von Kommunisten und Marxisten, deren Niederlage darüber entscheide, wie die Zukunft aussehe. Die Terrorabwehr habe hier bislang einen blinden Fleck gehabt, sagte er, und lud die Anwesenden ein, ihn gemeinsam zu schließen.

„In einem Zeitraum von 18 Monaten zwischen 1971 und 1972 registrierte das FBI rund 2.500 Bombenanschläge auf amerikanischem Boden – das entspricht fast fünf Anschlägen pro Tag. Der überwiegende Teil dieser Gewalt ging von linksextremen Gruppen aus. Diese Zahlen würden die meisten Amerikaner heute schockieren, weil ihnen eingeredet worden sei, dass es eine solche politische Gewalt entweder gar nicht gebe oder sie maßlos übertrieben werde. Doch sie existiert, und tatsächlich unterschätzen wir ihr Ausmaß.“

Amerika fällt 2026 in die 1960er Jahre zurück. Wer sich dagegenstellt, weiß, was das kostet. Journalisten arbeiten dort unter großer Gefahr, und Europa sieht zu, ohne zu begreifen, dass diese Arbeit längst auch Ihnen gilt.

Die Zahlen, auf die sich das stützt, stammen aus einer Untersuchung des vergangenen Jahres, und sie tragen die Sache nicht. Zum 4. Juli 2025, so heißt es dort, hätten linke Anschläge jene von rechts erstmals seit über 30 Jahren überstiegen. Zwischen 1994 und 2000 lag der Schnitt bei 0,6 linken Vorfällen im Jahr gegenüber 20,6 rechten. Von 2016 bis 2024 standen 4 gegen 22,7. Zum Stichtag im Sommer 2025 waren es 5 gegen 1. Der Anstieg erklärt sich aus einem Ausgangswert nahe null und aus dem gleichzeitigen Einbruch auf der rechten Seite, weshalb die Autoren selbst darauf hinweisen, dass rechter Terror jederzeit zurückkehren könne und beide Seiten des Spektrums Aufmerksamkeit verlangten.

„Was hier geschieht, ist kein Irrsinn. Irrsinn wüsste nicht, was er tut.“

Rubio warf den Anwesenden vor, in Machtpositionen habe man linke Gewalt zu lange durchgehen lassen, und wählte dafür einen Vergleich. Eine Bombe von Neonazis nenne man einen mörderischen Akt des Bösen, eine Bombe von Marxisten dagegen ein tragisches Übermaß an Idealismus. Über den ersten Teil dieses Satzes lässt sich nicht streiten, über den zweiten schon: Ein Sprengsatz bleibt ein Sprengsatz, gleich wer ihn legt, und wer ihn legt, gehört vor Gericht. Nur widerlegt Rubios eigenes Haus seine Behauptung. Im November setzte das Außenministerium 4 antifaschistische Gruppen in Europa auf die Liste ausländischer Terrororganisationen. Neonazi-Gruppen stehen dort nicht. Nachsicht mit der einen Seite gibt es also durchaus, nur nicht dort, wo Rubio sie vermutet.

„Sie sind heute hier, weil vor zwei Wochen eine 72-jährige Frau in ihrem eigenen Haus in Griechenland Verbrennungen an mehr als 80 Prozent ihres Körpers erlitt. Sie starb nach einem Brandanschlag mit einem Molotowcocktail, weil ihre Tochter es gewagt hatte, für ein politisches Amt zu kandidieren.“

„Linksextremer politischer Terrorismus ist keine neue Erfindung und kein Schlagwort konservativer Politiker. Über weite Teile der modernen Geschichte war er vielmehr die vorherrschende Form politischer Gewalt.“

„Sie sind heute hier, weil Berlin in diesem Winter den längsten Stromausfall seit dem Zweiten Weltkrieg erlebt hat. Ein Anschlag ließ Zehntausende Menschen bei eisiger Kälte ohne Strom zurück und kostete eine 83-jährige Frau das Leben.“

„Sie sind heute hier, weil einen Monat später ein 23-Jähriger in Lyon an schweren Hirnverletzungen starb, nachdem linksextreme Gewalttäter ihn auf offener Straße zu Tode geprügelt hatten.“

„Sie sind heute hier, weil Ihre politischen Führer auf offener Straße angegriffen, niedergestochen und erschossen werden, weil Ihre Unternehmen bombardiert, Ihre Eisenbahnstrecken sabotiert und Ihre Polizeibeamten zusammengeschlagen und verbrannt werden.“

„Dieses Böse ist real. Es wird immer schlimmer. Wir können es weder länger leugnen noch ignorieren. Es ist Zeit, es ein für alle Mal zu zerschlagen.“

Die einzelnen Fälle sind überwiegend real. Aus ihnen jedoch eine dominierende linksterroristische Bedrohung des Westens abzuleiten, geben die bisher bekannten Daten nicht her.

Selbst die aktuelle CSIS-Analyse, auf die sich Rubio stützt, schreibt ausdrücklich, dass linksextreme Anschläge (In denen auch die Weitergabe eines Kartons mit Fotos mit eingeht) zwar 2025 zahlenmäßig erstmals häufiger gewesen seien, ihre tödliche Wirkung aber weiterhin sehr gering sei. Im Zeitraum 2016–2025 kamen bei linksextremen Anschlägen 13 Menschen ums Leben, bei rechtsextremen 112 und bei jihadistischen 82

Zu bedenken bleibt, was da überhaupt gelistet wurde. Antifa ist keine Organisation mit Mitgliedern und Vorstand, sondern eine Haltung. Eine Haltung lässt sich nicht auf eine Terrorliste setzen. Also sucht man sich benennbare Gruppen und behandelt sie stellvertretend.

Carl Schmitt, der Kronjurist des Nationalsozialismus, hat beschrieben, wie so etwas funktioniert. Das Politische entstehe aus der Unterscheidung von Freund und Feind, souverän sei, wer über den Ausnahmezustand entscheide. Ein Angriff muss dafür nicht stattgefunden haben. Es reicht, dass jemand die Zuordnung vornimmt, und wer einmal auf der falschen Seite steht, bleibt dort, bis der Apparat mit ihm fertig ist. Schmitt schrieb das für ein Regime, das seine Gegner erst benannte und dann einsammelte.

Stephen Miller, der Architekt der Abschiebepolitik, trat nach Rubio ans Mikrofon und lieferte die paranoide Handlungsanweisung. Wenn die eigene Zivilisation das eigene Haus sei, müsse man sie mit derselben Leidenschaft und Gewalt verteidigen, als befinde sich ein feindlicher Eindringling darin, dort, wo die eigene Familie lebe. Dieses Maß an Hingabe und Dringlichkeit sei erforderlich. Gemeint sind Mitbürger, die zur Wahl stehen und gewählt werden.

„Der Linke wird im Grunde von Neid, Hass und Missgunst angetrieben. Der Linke blickt auf das, was schön ist, was gut ist und was natürlich ist, und wird von Neid und Hass erfüllt.“

Wer dazugehört, entscheidet eine Gleichsetzung, die keiner Prüfung standhält. Demokratischer Sozialismus, wie ihn die amerikanische Linke vertritt, zielt auf eine allgemeine Krankenversicherung, höhere Steuern für Vermögende und strengere Regeln für Konzerne. Unter Kommunismus verschwindet das Privateigentum weitgehend. Beides wird hier in einen Topf geworfen. Der Präsident erklärt den erstarkenden linken Flügel der Demokraten zu Kommunisten, die die traditionelle amerikanische Lebensweise vollständig zerstören und sogar Attentate verüben wollten. Vizepräsident JD Vance nennt den Kommunismus einen Umschwung, wie ihn die Vereinigten Staaten noch nicht erlebt hätten. Der Vorsitzende des Repräsentantenhauses, Mike Johnson, warnt vor radikalen Kandidaten, die sich selbst als Marxisten bezeichneten.

Kein europäischer Staat hat während der Veranstaltung öffentlich Rubio widersprochen.

Dass der Ton in den vergangenen Monaten schärfer wurde, hat einen Anlass, den man an Namen festmachen kann. Der demokratische Sozialist Zohran Mamdani wurde Bürgermeister von New York, und mehrere seiner Schüler gewannen im vergangenen Monat die dortigen Vorwahlen gegen Amtsinhaber. Seither behandelt Washington Wahlergebnisse als Sicherheitslage. Rubios eigene Herkunft gibt die Grundmelodie vor. Seine Eltern verließen Kuba und kamen im Mai 1956 nach Miami, wenige Jahre bevor Fidel Castro in Havanna an die Macht gelangte. Ebenjene Regierung, sagte der frühere Senator aus Florida am Donnerstag, habe mit ihrem weitverzweigten Geheimdienst- und Ideologienetz geholfen, die extreme Linke im eigenen Land und in der gesamten Hemisphäre aufzubauen. Aus der Biografie einer Familie wird eine Erklärung der Welt, in der jeder amerikanische Bürger, der eine Krankenversicherung für alle fordert, an einem Faden aus Havanna hängt.

Wie ernst es dieser Regierung ist, sagte der Finanzminister. Man habe über Jahrzehnte die ausgefeiltesten Werkzeuge der Welt zur finanziellen Terrorbekämpfung entwickelt, erklärte Scott Bessent den Gästen, und mobilisiere nun einige derselben Werkzeuge, die man gegen Terroristen im Ausland eingesetzt habe, um dieser aufkommenden Bedrohung hier zuhause zu begegnen. Er sagte es in einem Nebensatz, und in diesem Nebensatz steckt der ganze Vorgang. Ein Instrumentarium, das für Bombenleger gebaut wurde, richtet sich auf die innenpolitische Opposition, 4 Monate vor einer Wahl, bei der genau diese Opposition antritt.

Bleibt die Frage, was die 60 Delegationen dort eigentlich taten. Sie wurden nicht unterrichtet, sie wurden geworben. Washington bietet ein Verfahren zum Export an, bei dem die politische Zuordnung einer Tat darüber mitentscheidet, ob sie Terror heißt und ob die Konten der Beteiligten gesperrt werden. In Europa hat man Erfahrung damit, wohin es führt, wenn ein Staat den inneren Feind zuerst benennt und die Verfahren danach anpasst. Wer heute in Berlin, Paris oder Rom über dieses Angebot nachdenkt, sollte sich die Zahlen ansehen, mit denen es begründet wird. Es sind 5 Fälle. Und ein Land, das 5 Fälle zum Anlass nimmt, 60 Regierungen zusammenzurufen, sucht keine Täter.

Unabhängiger Journalismus · Kaizen Blog

Wir sind dort,
wo es wehtut

Wir sitzen nicht im Warmen und schreiben über die Welt – und wir hören auch nicht beim Schreiben auf. Unsere Hilfe ist dort, wo sie gebraucht wird. Wir sind ein kleines Team. Keine Investoren, keine Millionäre, keine große Redaktion im Hintergrund. Was wir haben, sind Herz, Wille und der Anspruch, Dinge aufzudecken, über die andere oft hinwegsehen. Wenn Sie möchten, dass diese Arbeit weiter möglich bleibt, unterstützen Sie den Kaizen Blog.

Unsere Arbeit lebt von denen, die hinschauen – und dafür einstehen, dass das möglich bleibt.

Updates – Kaizen Kurznachrichten

Alle aktuellen ausgesuchten Tagesmeldungen findet ihr in den Kaizen Kurznachrichten.

Zu den Kaizen Kurznachrichten In English
Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
1 Kommentar
Älteste
Neueste Meistbewertet
Ela Gatto
7 Stunden vor

Und das laute Schweigen der anderen Staatsooberhäupter steht über Allem.

Häppchen Essen, dümmlich grinsen, vielleicht seine eigenen feuchten Träume erleben…. aber kein Kritik, keine Widerworte.

Wie Du schon schreibst: Antifa ist eine Haltung und keine Organisation.
All die Veteranen aus dem 2. Weltkrieg, die gegen das faschistische Deutschland gekämpft haben, sind Antifa!
Das bedeutet, der Gros aller Veteranen in Arlington ist Antifa.
Wird man sie posthum unehrenhaft entlassen? Ihnen Auszeichnungen aberkennen?

Kuba hat mit seinem Netz den linken Extremismus in der gesamten Hemisphere aufgebaut.
Das ist ja mal ein Knaller 🤣
Rubio, Geschichte und Geografie sind nicht Deine Stärke.

Die wenigsten US-Amerikaner kennen den Unterschied zwischen Sozialismus, Kommunismus, Marxismus.
Es sind alles „Leftits“, gefährliche Irre, die die Demokratie abschaffen und das Land zerstören wollen.

Die einzige Gefahr ist die faschistoide Regierung der USA.
Und all die Helfer in den USA und die Schwigenden in der restlichen Welt.

1
0
Deine Meinung würde uns sehr interessieren. Bitte kommentiere.x
Click to listen highlighted text!