Donald Trump hatte versichert, die Straße von Hormus sei wieder offen. Er hatte erklärt, der Iran kontrolliere die Meerenge nicht. Am Donnerstag, während Außenminister Marco Rubio in Bahrain mit den Golfstaaten über Sicherheitsgarantien verhandelte, beschoss Irans Revolutionsgarde ein Containerschiff, das durch die Straße von Hormus fuhr. Das Schiff heißt Ever Lovely, gehört dem taiwanischen Konzern Evergreen Marine, und wurde nach US-amerikanischen und iranischen Angaben von einer Drohne getroffen. Der Schaden betraf die Brücke. Verletzte gab es keine. Der Schiffsverkehr durch die Meerenge kam zum Stillstand.
Die Ever Lovely hatte die Route entlang der omanischen Küste genommen – jenen Korridor, den Oman als temporäre Alternative zur regulären Durchfahrt angeboten hatte, koordiniert mit der Internationalen Seeschifffahrtsorganisation. Genau das hatte Iran zuvor als inakzeptabel bezeichnet. In einer Erklärung der Revolutionsgarde, die vom iranischen Nachrichtendienst Tasnim verbreitet wurde, hieß es am frühen Donnerstagmorgen: „Diese Route ist inakzeptabel und äußerst gefährlich.“ Alle Schiffe seien verpflichtet, mit der Marine der Revolutionsgarde zu koordinieren. Wer sich nicht daran halte, müsse mit Konsequenzen rechnen. Stunden später wurde die Ever Lovely getroffen. Der Brent-Rohölpreis stieg nach dem Angriff um über zwei Prozent auf rund 75 Dollar pro Barrel. West Texas Intermediate, der US-Benchmark, kletterte ebenfalls um über zwei Prozent auf rund 72 Dollar. Die Internationale Seeschifffahrtsorganisation setzte ihren Plan aus, Seeleute von den hunderten im Persischen Golf festsitzenden Schiffen zu evakuieren. Maersk, der dänische Schifffahrtsgigant, hatte noch am Mittwoch zwei seiner festsitzenden Schiffe durch die Meerenge gebracht – nach Sicherheitseinschätzungen und in Absprache mit regionalen Sicherheitspartnern. Drei weitere Maersk-Schiffe sollen folgen.
Trump erklärt amerikanischen Landwirten, dass der Iran – den er gerade bombardiert hat – ihr neuer Traumkunde wird. Der Iran selbst hat dazu bislang keine Stellungnahme abgegeben, vermutlich weil er noch damit beschäftigt ist, Schiffe zu beschießen, die durch seine Meerenge fahren.
Trump zu Landwirten: „Wir bekommen einen neuen Markt, und der heißt das schöne Land Iran. Es ist ein wunderschöner Ort. Möchte jemand dorthin gehen? Dort gibt es große Probleme mit der Lebensmittelversorgung, und wir werden einen Teil ihres Geldes nehmen, es hier ausgeben und davon Weizen, Sojabohnen und Mais kaufen – und zwar eine Menge davon. Dieser Prozess wird schon bald beginnen. Das wird gewaltig.“
Der Angriff kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Verhandlungen zwischen den USA und dem Iran über die Verwaltung der Meerenge und das iranische Atomprogramm bereits an mehreren Punkten stecken. Das vorläufige Waffenstillstandsabkommen vom 14. Juni sieht freie Durchfahrt vor – legt aber nicht fest, wer die Kontrolle über den Schiffsverkehr hat. Diese Frage ist laut Jakob Larsen, dem Sicherheitschef des weltgrößten Schifffahrtsverbands BIMCO, „nicht ausreichend klar“ geregelt. Iran besteht darauf, dass die Koordination mit der Revolutionsgarde verpflichtend ist. Rubio sagte in Bahrain, internationale Wasserstraßen gehörten keinem Staat. „Das ist ein Grundprinzip der heutigen Welt, ohne das die Welt im totalen Chaos versinken würde.“ Wenige Stunden zuvor hatte Iran das Gegenteil praktisch demonstriert.
Trump: „Der Iran will unbedingt ein Abkommen mit uns schließen. Wahrscheinlich werden wir das tun. Ich denke, wir werden es tun. Die Straße von Hormus ist offen.“
Kommentar: „Der Iran hat heute ein Handelsschiff in der Straße von Hormus angegriffen. Sie lachen Trump aus.“
Ein iranischer Beamter, der anonym blieb, erklärte, dass Omans Angebot eines alternativen Korridors Teheran verärgert habe, weil es Irans Kontrolle über die Meerenge untergrabe. Oman befinde sich in einer schwierigen Lage: Es arbeite mit Iran an einem gemeinsamen Verwaltungssystem für die Straße und stehe gleichzeitig unter amerikanischem Druck, jede Monetarisierung abzulehnen und die Durchfahrt freizuhalten. Oman könne ohne Iran keine Sicherheitsgarantien für Schiffe geben, sagte der Beamte. Und Iran werde eine Intervention durch Dritte nicht dulden. Iran will, „dass diese Navigationsordnung nach seinen eigenen Bedingungen funktioniert.“ Das ist keine neue Erkenntnis. Es ist der Kern des Problems, das Trumps Waffenstillstandsabkommen nicht gelöst, sondern aufgeschoben hat.

Rubio war auf einer dreitägigen Reise durch die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und Bahrain, um die Golfstaaten zu beruhigen. Das vorläufige Abkommen mit Iran adressiert weder Irans Raketen- und Drohnenprogramm – mit dem Teheran während des Krieges auch Länder angegriffen hat, die amerikanische Militärbasen beherbergen – noch die Frage der Hormus-Kontrolle. Rubio versicherte dem Golfkooperationsrat, die Interessen der Partner würden in allen Entscheidungen berücksichtigt. Das Abkommen dürfe „die Sicherheit, Stabilität oder den Wohlstand keines unserer Partner in der Golfregion untergraben.“ Die Golfstaaten haben die Friedensbemühungen grundsätzlich begrüßt, bleiben aber misstrauisch gegenüber einem Abkommen, das ihre zentralen Sicherheitsfragen offen lässt. Vor dem Krieg passierten täglich 130 oder mehr Schiffe die Straße von Hormus. Am Mittwoch, dem bisher verkehrsreichsten Tag seit dem 1. März, waren es 70 Schiffe, darunter 29 Tanker. Seit Mai hat das US-Militär mehr als 500 Schiffe und 250 Millionen Barrel Rohöl durch die Meerenge begleitet. Der Angriff auf die Ever Lovely zeigt, wie fragil dieses Arrangement ist.
Was sich in der Straße von Hormus abspielt, ist keine Verhandlung zwischen gleichberechtigten Parteien. Es ist ein Ringen um die Frage, wessen Regeln gelten. Trump hat mit dem Waffenstillstandsabkommen dem Iran einen Sitz am Tisch der Hormus-Verwaltung gegeben. Iran nutzt diesen Sitz, um zu zeigen, dass er ihn ernst nimmt – mit Drohungen, mit Mautforderungen, und nun mit einem Drohnenangriff auf ein Schiff, das eine Route benutzte, die Iran nicht genehmigt hatte. Rubios Satz, internationale Wasserstraßen gehörten keinem Staat, ist rechtlich korrekt. Er beschreibt nur nicht die Realität, die Irans Revolutionsgarde am Donnerstag hergestellt hat.
Der Krieg hat einen An-Aus-Schalter über die wichtigste Energiehandelsroute der Welt sichtbar gemacht. Trump hat ihn nicht demontiert. Er hat ihn in einen Verhandlungsgegenstand verwandelt. Die Ever Lovely zeigt, wessen Hand noch am Schalter liegt.
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Die Golfstaaten sind weder blind noch dumm.
Ob Rubio beruhigt und versichert oder nicht.
Die Realität steht vor der Tür und wer sieht und spürt es besser als die Golfstaaten.
Sie tun gut daran sich nicht mehr auf die USA zu verlassen. Nicht mit Trump, nicht mit MAGA.
Neue Bündnisse müssen geschmiedet werden.
Was ich nicht verstehe, Länder die so reich sind, haben sich nicht um ihre Verteidigungsfähigkeit gekümmert.
Es den USA überlassen.
Das viele Geld haben sie lieber in ihren dekadenten Luxus gesteckt. Jahrzehntelang.
Jetzt kommt die Quittung.
Der Iran (nicht die Bevölkerung) steht besser da, als vor Kriegsbeginn.
Dank Trump 🤬