„Wahnsinnig und gefährlich“: Kalifornien antwortet dem Präsidenten, der seine eigenen Städte dem Feind hinwirft

VonTEAM KAIZEN BLOG

7. Oktober 2026

Ein Präsident steht in der sicheren Provinz und verschenkt Millionen seiner Bürger. „Lasst sie Los Angeles auslöschen, lasst sie San Diego auslöschen. Das ist ein sehr kleiner Preis.“ So sprach Donald Trump am Montag in Grand Island, Nebraska, einem Staat, den er 2024 mit über 55 Prozent gewann. Die Preise des Iran-Kriegs, für Sprit und Dünger, nannte er künstlich und klein, ein Opfer für die Sicherheit der Welt. Der Sieg bestätige alles, was sie getan hätten, und enden werde das Ganze so oder so. Dazu legte er, beiläufig, Los Angeles und San Diego auf den Tisch. Diesmal kam die Antwort binnen Stunden, aus Kalifornien, und nicht nur von Demokraten.

Trump: „Mit dem Krieg ist das alles nur künstlich. Es ist ein bisschen teuer. Das ist ein kleiner Preis, den man zahlen muss … sollen sie Los Angeles auslöchen, sollen sie San Diego auslöschen. Das ist ein sehr kleiner Preis, den man zahlen muss.“

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Gouverneur Gavin Newsom nannte ihn „wahnsinnig und gefährlich“, und zur Abwechslung sitzt das Wort. Erst habe Trump die Nationalgarde und die Marineinfanterie nach Kalifornien geschickt, um es zu besetzen, nun lade er die Feinde des Landes ein, dieselben Städte auszulöschen. Newsom, sein schärfster Gegenspieler und möglicher Bewerber für 2028, hielt den Auftritt aus Nebraska neben die Reden, mit denen der Präsident zuvor Soldaten in amerikanische Straßen befohlen hatte. Gegen die eigenen Bürger schickt er die Armee, dem Gegner reicht er ihre Städte. Beides aus demselben Mund, binnen weniger Wochen. Neu ist die Gleichgültigkeit nicht, schon früher hat er die Teuerung abgetan und die Gefahr kleingeredet, der Iran könne amerikanischen Boden treffen.

Ein amerikanischer Präsident spricht davon, dass Los Angeles und San Diego „ausgeschaltet“ werden könnten. Wo zum Teufel ist der Kongress? Das ist gefährlich. Jetzt ist der Zeitpunkt, aufzustehen.

Das Vernichtende kam aus seinen eigenen Reihen. Jim Desmond, Republikaner in einem umkämpften Bezirk bei San Diego, mochte nicht mehr mit. Die erste Pflicht eines Oberbefehlshabers sei der Schutz der eigenen Leute. „Keine amerikanische Stadt ist entbehrlich, und keine amerikanische Familie sollte je als Kollateralschaden behandelt werden.“ Der Unabhängige Kevin Kiley, der mit den Republikanern stimmt, nannte die Worte dürr „nicht hilfreich“. Wenn die eigene Partei dem Präsidenten erklären muss, dass man Städte nicht verheizt, ist eine Grenze erreicht, die kein Wahlkampf mehr schönredet.

Jim Desmond, Republikaner

Das Weiße Haus bog sich die Sache zurecht. Kommunikationschef Steven Cheung schob alles auf eine Panik der Presse, Trump habe doch nur gemeint, ein atomar bewaffneter Iran hätte amerikanische Städte bedroht. Los Angeles‘ Bürgermeisterin Karen Bass ließ das nicht gelten. Sie sei nicht sicher, ob Cheung begreife, dass man sehr wohl höre, was der Präsident gesagt habe. Seine Verteidigung habe mit den Worten aus Trumps Mund nichts zu tun. Eine Aufnahme lässt sich nicht wegreden, so laut einer auch dazwischenruft.

San Diego und Los Angeles sind die größte und die zweitgrößte Stadt des Bundesstaats. In San Diego allein stehen mehr als 115.000 Soldaten im aktiven Dienst, dazu der größte Marinestützpunkt der Westküste. Dieselben Soldaten, die Trump vor laufenden Kameras grüßt, bot er an diesem Abend als Brennholz an. Die Abgeordnete Sara Jacobs, deren Wahlkreis dort liegt, schrieb, ihre Leute, „darunter viele Soldaten, Veteranen und ihre Familien“, seien kein hinnehmbarer Kollateralschaden in „Trumps dummem Krieg“.

Dass es Los Angeles und San Diego traf, war kein Versehen. Beide liegen in einem Staat, den Trump verachtet, beide werden von Demokraten regiert. So regiert er kein Land, er verwaltet eine Landkarte, nach Farben sortiert, die roten Bezirke schützenswert, die blauen entbehrlich. Das Beste lieferten seine eigenen Verteidiger. Cheung zählte stolz auf, der Iran habe „kein Atom, keine Marine, keine Luftwaffe und kein Geld“. Vor diesem Nichts also soll die Angst so groß sein, dass ganze Städte als Preis durchgehen. Er erfindet den Feind und schickt die Rechnung an die Tankstelle. Die Städte wirft er obendrauf. Das Leben von Fremden wiegt in seiner Rechnung nichts, solange es hinter der falschen Parteifarbe wohnt. In Kalifornien hatte am selben Tag die vorzeitige Stimmabgabe begonnen, dort, wo die Republikaner auf Zugewinne hoffen, bis zum Gouverneursamt, und wo Newsom den Zuschnitt der Wahlkreise im Vorjahr zu ihren Ungunsten geändert hatte, nachdem Trump Texas zum Gegenteil gedrängt hatte.

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