Drei Vorgänge, und zusammen ergeben sie ein Bild davon, was aus diesem Land geworden ist. Ein Ring aus 321 Diamanten, der im Weißen Haus verschwindet. Ein konservativer Jurist, der nach 18 Jahren hinwirft und von einem Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit spricht. Soldaten, verwundet in Trumps Krieg, die ihre eigene Behandlung zusammensuchen mussten. Durch alle drei zieht dieselbe Gleichgültigkeit ihre Spur, von ganz oben bis ganz unten.
Im Juni nahm Donald Trump ein Geschenk an, einen 18-karätigen Goldring, besetzt mit 321 Diamanten und 75 Edelsteinen, Schätzwert knapp 30.000 Dollar. Seither ist er verschwunden. Die Senatoren Elizabeth Warren und Richard Blumenthal verlangen Auskunft, wo er geblieben ist. Sie schrieben an das Büro für Präsidialgeschenke und an die General Services Administration, auch der Archivar der Vereinigten Staaten bekam den Brief. Bis heute, so die beiden, sei kein öffentlicher Bericht bekannt, der verrate, wo der Ring liege. Ein Geschenk im Wert eines Kleinwagens, spurlos.

Übergeben hatte ihn das Antwerp World Diamond Centre, der Verband des Antwerpener Diamantenhandels, an den US-Botschafter in Belgien, Bill White. Wenige Wochen später nahm das Weiße Haus europäische Diamanten von den Zöllen aus. Auf die Frage, ob das Geschenk eine Bestechung gewesen sei, hieß es, der Ring sei dem amerikanischen Volk zugedacht gewesen, nicht dem Präsidenten, und mit den Zöllen habe er nichts zu tun. Im August bestritt der Verband jeden Zusammenhang zwischen Zollbefreiung und Ring ausdrücklich. Im Juli ließ das Weiße Haus wissen, Trump sei der Ring gar nicht überreicht worden. Nach Bundesrecht wird ein Geschenk an die Regierung registriert und weitergereicht, ein Geschenk an den Präsidenten persönlich darf er behalten. Zwischen diesen beiden Sätzen ist der Ring verschwunden, und mit ihm die Antwort auf die Frage, ob hier ein Zollnachlass gegen Diamanten getauscht wurde. Trump kennt solche Gaben, zuletzt den Luxusjet aus Katar. Vielleicht liegt der Ring in einem Winkel des Weißen Hauses, vielleicht auf einem seiner Anwesen. Niemand, der es wüsste, sagt es.

John Murdock war ein führender konservativer Jurist im US-Innenministerium, 18 Jahre im Dienst, nach eigenem Bekunden ein konservativer Christ. Jetzt ist er gegangen, und sein Rücktrittsschreiben liest sich wie eine Anklage. „Wir bewegen uns in die falsche Richtung“, schrieb er. Schnell voranzugehen und dabei Dinge zu zerschlagen sei keine Lösung. „Die Zone mit Scheiße zu fluten, ist eine Strategie, um ein beschissenes Land zu produzieren.“
Was ihn umtreibt, reicht weit über sein Ministerium hinaus. Er zählte auf, wovor ihm der Mund offen stehen blieb: „Maskierte Bundesbeamte, das Fallenlassen afghanischer Verbündeter, Begnadigungen und Zahlungen für Randalierer und ihre Unterstützer, die schnelle Zerschlagung von USAID, unser Militär, das wahrscheinlich Kriegsverbrechen begeht, und dazu ein Präsident, der Tote herabwürdigt und sich selbst als Jesus sieht.“ Im eigenen Haus erlebte er, wie Matt Giacona, kommissarischer Leiter der Behörde für Meeresenergie, von „höchsten Umweltstandards“ sprach, kurz nachdem ein großes Öl- und Gasgeschäft im Golf von Mexiko durchgedrückt worden war, unter Umgehung des Artenschutzrechts. Giacona habe ungestraft gelogen. „Ich habe erlebt, wie sich meine Vorgesetzten verhielten, wie ich es nie erwartet hätte“, schrieb Murdock.

Das Ministerium wies das zurück, die persönliche Unzufriedenheit eines Ehemaligen mache rechtmäßige Politik nicht zu einem Angriff auf die Rechtsstaatlichkeit, und seine scharfen Worte machten seine Meinung nicht richtig. Man stehe fest hinter der Arbeit, Trumps Agenda im Einklang mit dem Bundesrecht umzusetzen. Murdock ist nicht der Erste, der aus Protest geht, allein dieses Ministerium verlor nach Elon Musks DOGE-Feldzug im Vorjahr Tausende. Er gebe ein sicheres Gehalt auf, den Ruhestand obendrein, schrieb er, und halte das für den günstigeren Preis. „Ich werde meine Integrität bewahren. Zum Glück ist die Rechnung einfach.“
In den ersten Stunden von Trumps Feldzug gegen den Iran traf ein iranischer Schlag ein behelfsmäßiges Gefechtszentrum in Kuwait. Sechs amerikanische Soldaten starben, mehr als 30 wurden verletzt. Erst fehlten ihnen die Mittel zur Verteidigung, dann ließ ihr eigenes Land sie ein zweites Mal allein. Neun der Verwundeten berichten, das medizinische System des Militärs habe nach dem Angriff vom 1. März schlicht versagt.

Oberstleutnant Arturo Lincón, Veteran aus dem Irak und aus Afghanistan, trug schwere Splitterverletzungen davon, eine an der linken Wirbelarterie, mit der Gefahr eines Schlaganfalls. Für das Militärkrankenhaus Landstuhl in Deutschland galt das als nicht schwer genug. Man entließ ihn in die Kaserne und riet ihm, ambulante Termine zu machen. „Ich war im Grunde auf mich allein gestellt“, sagte er. Wochenlang behandelte man ihn danach in Walter Reed, Monate später kämpft er noch um die Leistungen für seine Verletzung. Major Stephen Ramsbottom wartete über vier Monate auf das Ergebnis einer MRT-Aufnahme, nachdem man ihm Splitter aus dem Kopf geholt hatte. „Ich musste mir für alles meinen eigenen Fall zusammenbauen“, sagte er.
Die am schwersten Verwundeten flog man binnen 2 Tagen aus, andere warteten. Eine Gruppe kam erst 10 Tage nach dem Angriff aus Kuwait, auf dem Boden einer Frachtmaschine festgeschnallt. Unter ihnen Rodney Bearman, Splitter in Gesicht und Beinen, der in Deutschland erfuhr, dass man ihn und die anderen nicht als im Kampf verwundet geführt hatte, ein Kodierungsfehler, der ihnen die Behandlung verwehrte. „Ein heiliges Vertrauen, von dem ich dachte, es könne niemals gebrochen werden, wurde gebrochen“, sagte er. Manche erfuhren erst zu Hause, dass sie Hirnverletzungen davongetragen hatten. Enttäuschend, aber nicht überraschend, sagte James Kelly, leitender Mediziner einer Stiftung für die unsichtbaren Wunden des Militärs, im Krieg geschehe das häufig.

Das System versagt nicht zufällig, es wurde so gebaut. Das Verteidigungsministerium hat seine großen Krankenhäuser im Nahen Osten geschlossen und schickt Soldaten nach einer leichten Hirnverletzung zurück in den Einsatz. Die Schwere des Schlags spielte es herunter, das Zentralkommando der Streitkräfte habe zunächst nur von 5 Schwerverletzten gesprochen. Verteidigungsminister Pete Hegseth bezeichnete den tödlichen Angriff am nächsten Tag als „nur eine Kleinigkeit“. und klagte später, die Berichte über die Toten sollten den Präsidenten schlecht aussehen lassen.
Dieselbe Hand liegt über allen dreien: Donald Trump. Oben verschwindet ein Ring aus Diamanten, und niemand will wissen, wohin. In der Mitte geht ein Jurist, weil er die Lüge nicht länger mitträgt. Unten schnallt man Verwundete auf einen Frachtboden und vergisst, sie überhaupt als verwundet zu führen. So sieht ein Land aus, dessen Regierung oben nimmt, was glänzt, und unten liegen lässt, was blutet.
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