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Trumps Hofhistoriker ist ein Caddy: mächtiger als Attila, und der Friede kann warten

VonTEAM KAIZEN BLOG

19. Juni 2026

Auf dem nächtlichen Flug aus Frankreich, kaum hatte er in Versailles den Iran-Vertrag unterzeichnet, setzte der achtzigjährige Präsident fast zwanzig Botschaften in sechs Stunden ab, über Golfbälle und vergoldete Standbilder, einen Ballsaal und Attila den Hunnen. Schlaf war nicht darunter!

Ein Mann von achtzig Jahren, der dafür bekannt ist, in der Öffentlichkeit einzuschlafen, bestieg in Frankreich kurz vor zwei Uhr früh die Air Force One, um nach Hause zu fliegen. Die Stunden über dem Atlantik hätte er zum Schlafen nutzen können. Er nutzte sie, um zu posten. Fast zwanzig Botschaften in mehr als sechs Stunden, abgesetzt auf seiner eigenen Plattform Truth Social, von einem, der eben in Versailles den Vertrag unterzeichnet hatte, der den Krieg mit dem Iran beenden soll, jenes Memorandum aus vierzehn Punkten mit dreihundert Milliarden Dollar für den Wiederaufbau Irans und dem Versprechen, alle Sanktionen gegen Teheran fallen zu lassen, das über die Parteigrenzen hinweg als schlechtes Geschäft verdammt wurde. Man stellt sich vor, ein müder Mann ruhe. Dieser tat es nicht.

Er begann mit dem Lob für sich selbst, teilte einen Ausschnitt aus dem Fox-Programm von Jesse Watters, der ihm bescheinigte, er drehe in Paris eine Ehrenrunde nach dem Frieden. Dann jedoch, statt der Kritik von links wie rechts, der Golfball. Der Präsident pries eine Entscheidung, die es verbietet, die Flugweite der Bälle im Profisport zu begrenzen, einen alten Streit zwischen dem R&A und der United States Golf Association. Der Golfsport sei heiß wie eine Pistole, schrieb er, das Letzte, was man tun solle, sei den Leuten ohne jeden Grund zu sagen, sie dürften den Ball nicht mehr so weit schlagen wie früher. Ob je einer von etwas so Lächerlichem gehört habe. Der Friede rangierte unter dem Golfball.

Es folgte, was eine Nacht ohne Schlaf so hervorbringt. Weitere Ausschnitte aus dem Programm von Sean Hannity, Empfehlungen republikanischer Abgeordneter und des kolumbianischen Präsidentschaftsbewerbers Abelardo de la Espriella, dazu die Einzelheiten seines SAVE America Act, der das Wahlverfahren umkrempeln soll. Auch eine Liste aus neunundvierzig Punkten des konservativen Autors Michael Savage reichte er weiter, die ausmalte, was geschehen wäre, hätte Kamala Harris 2024 gewonnen, samt einem verpflichtenden Kopftuchtag und der Abschaltung von X, während man dessen Eigentümer Elon Musk beschuldigt hätte, Wahlen für die Russen zu fälschen.

Den Gipfel aber bildete ein anderer Beitrag. Der Präsident teilte die Worte eines gewissen Dave King, der ihn für gefährlicher hält als Hitler und Attila den Hunnen, sogar als Dschingis Khan, weil seine Reichweite größer sei. Er teilte es als Lob. Ein Mann, der es für ein Kompliment nimmt, über Attila gestellt zu werden, sagt mehr über sich, als jeder Gegner es könnte.

Den Gipfel dieser Nacht aber verdient ein eigener Blick. Der Präsident teilte einen Aufsatz, den er mit den Worten Präsidentenhistoriker Dave King, klingt gut für mich überschrieb, und dieser Aufsatz unternimmt nichts Geringeres, als ihn zum mächtigsten Menschen zu krönen, der je auf diesem Planeten gewandelt sei. Alexander, die Cäsaren, Dschingis Khan und Attila, Tamburlaine und Napoleon, sogar Hitler, Mao und Stalin werden darin als bloße Provinzgrößen abgetan, Schlächter kleiner Dörfer, Terroristen eher nach Art der Taliban als Männer wirklicher Macht, denen allein die globale Reichweite fehlte, über die der Präsident gebiete. William der Eroberer, der nur ein einziges Land bezwang und es nicht einmal bis Schottland oder Irland brachte, sei daneben ein Spatz, wo der Präsident der amerikanische Adler sei. Man könnte das für die übliche Schmeichelei halten, gäbe es nicht die kleine Tatsache, die jeder Satire den Rang abläuft. Dieser Präsidentenhistoriker ist nach Recherchen, weder der bekannte Historiker David King noch überhaupt ein anerkannter Kenner der Präsidenten, sondern ein wohlhabender Geschäftsmann aus Südafrika, langjähriger Vertrauter und früherer Caddy des Golfers Gary Player. So schließt sich der Kreis einer einzigen Nacht. Der Mann, der über Golfbälle wacht wie ein Staatsmann über Grenzen, bezieht seine Weltgeschichte von dem, der einst einem Golfer die Schläger trug. Wer sich über Attila stellen lässt, sollte wenigstens darauf achten, von wem. Der Adler, so stellt sich heraus, lässt sich von einem Caddy vermessen.

Die Nacht ging weiter. Eine Schwärmerei von zweihundertsechsundzwanzig Wörtern über die von Amerika geführte Technik. Dazu warb er für ein Buch des Fox-Manns Tyrus und reichte Lob weiter, das angeblich von einer freigelassenen amerikanischen Geisel stammte. Dann verteidigte er sein Lieblingswerk, den Ballsaal des Weißen Hauses, der sich prächtig mache, im Zeitplan und unter dem Budget, Wort für Wort dieselbe Botschaft, die er schon am 4. Juni veröffentlicht hatte, samt dem Lob für den DronePort, den er für unverzichtbar für die nationale Sicherheit erklärte.

Wohin eine solche Nacht strebt, zeigte ihr Ende. Sie schloss im Gold. Der Präsident teilte Bilder von Valor, dem Standbild an der Arlington Memorial Bridge in Washington, das von seinem großartigen Innenministerium fast vollständig neu vergoldet worden sei. Erst als die Maschine gegen 3.21 Uhr östlicher Zeit auf dem Stützpunkt Joint Base Andrews aufsetzte, schwieg er. Im Weißen Haus, gegen halb fünf, nahm er den Faden wieder auf. Es ist nicht das erste Mal. Eine Auswertung fand für den April nur fünf Tage, an denen er eine ganze Nacht hätte schlafen können.

So sieht der Schlaf der Macht aus. Der Mann, der bei Tag die Augen zufallen lässt, kann sie bei Nacht nicht schließen, denn er muss gesehen werden. Er muss vergolden und weiterreichen, was ihn lobt. Das Gold ist das Mittel dessen, der eine Sache nicht genau betrachtet wissen will, und vielleicht erklärt das die ganze Nacht. Ein Standbild wird neu vergoldet und ein Vertrag in Gold gewickelt, von einer Eitelkeit, die nicht ruhen darf. Der Friede kann warten und der Golfball auch. Am längsten aber, so scheint es, wartet der Schlaf.

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Anja Blum
Anja Blum
1 Monat vor

Wer schläft, stirbt!
Die Ur-Angst des D. Trump.

Rainer Hofmann
Administrator
1 Monat vor
Antwort auf  Anja Blum

…. ist was dran

Anne Ohle
Anne Ohle
1 Monat vor

In der Geriatrie würde man bei einer Kombination aus ausgeprägter Tagesmüdigkeit, nächtlicher Unruhe und nachlassender Kohärenz in der Sprache eine neurologische Abklärung empfehlen, um organische Ursachen – wie eine beginnende Demenz, vaskuläre Veränderungen (kleine Durchblutungsstörungen im Gehirn) oder Stoffwechselstörungen – auszuschließen oder zu behandeln.

Ela Gatto
1 Monat vor

Er hatte mächtigen Nachholbedarf, da er letztes Wochenende so eingebunden war, dass er nichts posten konnte.

Wahrscheinlich wirkte jetzt noch das Dope nach, was man ihm verpasst hat, damit er die Tage durchsteht.

Nun steht wieder ein Wochenende bevor.
Wir können auf die nächsten Absurditäten gespannt sein.

Birgit Ohström
Birgit Ohström
1 Monat vor

Wenn ich deal höre/lese, könnte ich 🤮🤮🤮

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