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Trump vor der UN: „Ich habe Frieden geschaffen“, und droht Iran mit Vernichtung – iranische Delegation verlässt den Saal – die Melania-Lüge

VonTEAM KAIZEN BLOG

22. September 2026

New York City (KB) – Das Pult der Vereinten Nationen wurde gebaut, um Kriege zu beenden. Von diesem Pult drohte Donald Trump, ein Land auszulöschen. Er betrat das Gebäude, ohne dass Kameras ihn zeigten, wie er die Rolltreppe zum Saal hinauffuhr, ein Presseboykott, ausgelöst durch den Rauswurf eines großen Nachrichtensenders aus dem Pressepool des Weißen Hauses. Die Rolltreppe lief diesmal. Im Jahr zuvor war sie unter Trump und der First Lady Melania Trump stehen geblieben, und die Weltorganisation hatte vorgesorgt, dass sich das nicht wiederhole.

Als zweiter Redner trat er ans Pult, der Tradition folgend. Vor ihm hatte António Guterres zum letzten Mal als Generalsekretär gesprochen und gewarnt, die Bruchlinien der Welt würden immer tiefer, und die Vereinten Nationen müssten sich fragen lassen, wozu es sie noch brauche. „Die Welt braucht keine schwächeren Vereinten Nationen“, sagte er, „sie braucht eine, die stark genug ist, sich der Welt zu stellen, wie sie ist, und entschlossen genug, sie so zu gestalten, wie sie sein sollte.“ Sein Amt endet im Dezember, im Januar übernimmt ein Nachfolger. Sieben Bewerber ringen darum, ein Favorit ist nicht in Sicht. Ein Generalsekretär geht und mahnt, die Welt zu retten, während der Nächste am Pult sie sich unterwerfen will.

Trumps Manuskript, vom Weißen Haus verteilt, kündigte an, er werde den amerikanisch-israelischen Krieg gegen Iran als notwendig verteidigen, um dessen nukleare Fähigkeiten zu beseitigen. Im Entwurf stand der Satz: „Stellen Sie sich nur vor, ein derart verabscheuungswürdiges Regime wäre jemals in der Lage, unter dem Schutz eines nuklearen Schutzschildes groß angelegte Terroranschläge zu verüben.“ Was er dann sprach, ging weiter als das Papier. Das Manuskript rechtfertigte einen Krieg, die Rede drohte den nächsten an.

Eröffnet worden war die Versammlung inmitten zahlreicher Konflikte, während Klimakatastrophen und die Sorge um die künstliche Intelligenz die Runde beschäftigten. 71 Staatsoberhäupter und 45 Regierungschefs kamen, Hunderte Wagenkolonnen legten Midtown Manhattan lahm. Die Verbündeten, die die Folgen des Iran-Kriegs tragen, fragen inzwischen offen, ob auf Washington noch Verlass ist. Der Zweifel begleitet ihn in den Saal wie ein Schatten, den seine Superlative nicht vertreiben.

Um die Rede herum lief das wahre Geschäft. Trump traf an diesem Tag den britischen Premier Andy Burnham und Japans Regierungschefin Sanae Takaichi, später den Ukrainer Wolodymyr Selenskyj. Ein Sicherheitsabkommen über Grönland wollte er unterzeichnen, dazu mit den Golfstaaten zusammensitzen. Reden werden auch andere, Frankreichs Emmanuel Macron im letzten Amtsjahr und Jordaniens König Abdullah II., dazu der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan und der Emir von Katar. Xi Jinping fehlt, er reist am Donnerstag zu Trump nach Washington, und dieses Treffen dürfte die Reden von New York überstrahlen. Auch Narendra Modi aus Indien und Cyril Ramaphosa aus Südafrika bleiben fern.

Auf der Tagesordnung der Woche stehen der Klimawandel und die künstliche Intelligenz, dazu die Kriege in der Ukraine und im Nahen Osten. Vor Selenskyjs Auftritt am Mittwoch beraten Europas Außenminister über den Krieg und die Ernährungssicherheit. Ein kleineres Treffen zur Zweistaatenlösung richten Frankreich und Großbritannien aus, Kanada ist dabei, blasser als die große Konferenz des Vorjahres.

Mit der Welt begann er nicht. Zuerst pries er seine Wirtschaft und schalt die Vorgängerregierung. Dann rühmte er seine Einwanderungspolitik und die aus seiner Sicht niedrige Kriminalität im eigenen Land. Eine Wahlkampfrede im feierlichen Anzug. Das Publikum vor ihm hätte gern etwas anderes gehört, wie sich amerikanische Macht mit den Grundsätzen verträgt, zu denen sich das Land seit jeher bekennt. Es bekam eine Liste von Superlativen, die beneidete Wirtschaft und das stärkste Militär, darüber die Behauptung: „Vor zwei Jahren war unser Land tot, und jetzt sind wir das angesagteste Land der ganzen Welt.“ Vor einem Saal, in dem über Krieg und Frieden geredet werden sollte, hielt er eine Bilanz seiner selbst. Die Grundsätze, nach denen das Publikum fragte, kamen darin nicht vor.

„Während andere geredet haben, habe ich gehandelt“, sagte er, wie schon vor einem Jahr. Damals hatte er wahrheitswidrig behauptet, sieben Kriege beendet zu haben, und den Friedensnobelpreis für sich reklamiert. Seither hat er einen selbst gewählten Krieg gegen Iran begonnen, der den Nahen Osten und die Weltwirtschaft ins Wanken brachte. Vor der Versammlung sagte er trotzdem: „Ich habe Frieden geschaffen.“ Frieden nannte er, was ein Krieg ist, den er selbst entfacht hat. Die Anwesenden nannte er großartige Staats- und Regierungschefs, milder als im Jahr zuvor, als ihre Länder in seinen Worten noch vor die Hunde gingen. Die Freundlichkeit kostete nichts, die Drohung kam später.

Dann kam Iran. Der weltweit größte Unterstützer des Terrorismus, sagte er, der Tyrann des Nahen Ostens, dessen Zeit nun vorbei sei. Das Militär habe Irans Atomprogramm im Juni 2025 vollständig vernichtet. Wenige Sätze später baue Iran Raketen, die Europa erreichen könnten, und nutze sie als Deckung für den möglichen Sprung zur Bombe. Wie ein vollständig vernichtetes Programm noch Raketen baut, ließ er offen. Der Widerspruch stört ihn nicht, er nährt die nächste Drohung. Ein Programm, das zugleich zerstört und gefährlich ist, rechtfertigt beides, den Triumph und den nächsten Schlag. Während er über Iran sprach, fing die Kamera das ernste Gesicht eines iranischen Vertreters ein.

„Ich muss eine große Entscheidung treffen“, sagte er. Entweder eine Vereinbarung mit Iran, oder, seine Worte, „die Islamische Republik zu vernichten, und zwar schnell, damit sie niemals wieder die Gelegenheit bekommt, Menschen zu töten und Länder zu zerstören“. Die Auslöschung einer ganzen Nation, angekündigt vom Pult der Vereinten Nationen, trägt im Völkerrecht einen Namen, Kriegsverbrechen. Schon Anfang des Jahres hatte er im Netz gedroht, die iranische Zivilisation auszulöschen, und Juristen die Sorge eingetragen, er erwäge Taten, die Kriegsverbrechen gleichkämen. Der Saal, errichtet gegen die Geißel des Krieges, hörte einen Mann das Ende eines Volkes in Aussicht stellen, und die meisten blieben sitzen. Niemand stand auf, um dem Satz zu widersprechen. Gleich darauf wurde er leiser und rief die Mitglieder auf, sich an der wirtschaftlichen Abschnürung Irans zu beteiligen. Gelinge das, so versprach er, fielen die Ölpreise steil. Erst das Ende eines Volkes, dann der Preis des Öls, in einem Atemzug.

Große Teile der iranischen Delegation verließen die Versammlung.

In die Drohung mischte er den Wahlkampf. „Sie warten ab, wie ich bei den Zwischenwahlen abschneide“, sagte er über Teheran, das nach den amerikanischen Wahlen ein Abkommen schließen werde. Russland und die Ukraine steuerten auf eine Lösung zu, sie hätten genug, und auch der Iran-Konflikt ende, so oder so. Die Bemerkung über die Zwischenwahlen hatte ihren Zweck. Die Wähler sollten sich nicht wundern, wenn der Krieg weiterläuft, und sich davon nicht vom Gang zur Urne abhalten lassen. Der Krieg wurde zum Argument der Kampagne, das Sterben zu ihrer Fußnote.

„Dem Sieger gehört die Beute“, sagte er und feierte seinen Militäreinsatz in Venezuela. Er sprach wenige Kilometer von dem Gefängnis entfernt, in dem Nicolás Maduro sitzt, seit die Vereinigten Staaten ihn im Januar griffen. Seither haben sie ihren Zugriff auf Venezuelas Öl ausgeweitet. Der Satz von der Beute bricht eine Regel, an die sich amerikanische Präsidenten über Generationen gehalten hatten, dass ihre Einsätze im Ausland nicht dem materiellen Gewinn dienten, am wenigsten dem fremden Öl. Was sie verschleiert hatten, sprach er offen aus, die Beute ist der Zweck. Eine Großmacht legt die Verkleidung ab. Die alte Heuchelei war wenigstens eine Verbeugung vor dem Anstand.

Auf seine Liste beigelegter Konflikte setzte er auch Gaza. Vor einem Jahr half er dort eine Waffenruhe aushandeln, die Freilassung israelischer Geiseln eingeschlossen. Israel hält große Teile des Gebiets besetzt und greift dort weiter an, die humanitäre Lage bleibt verheerend, und der Plan zur Entwaffnung der Hamas und zum Rückzug steht seit Monaten still. Den Frieden reklamierte er, während die Panzer blieben. Zu Grönland kündigte er zwei große Militärstützpunkte, wir bereichteten bereits gestern darüber, an. Erlaubt hätte ihm das ein Vertrag von 1951 jederzeit, warum die Vereinigten Staaten warteten, sagte er nicht. Im Kalten Krieg unterhielten sie dort zeitweise mehr als ein Dutzend. Was er als Gunst verkaufte, hätte er längst haben können.

Kuba versprach er das Ende des Regimes. „Der Kommunismus wird niemals nach Amerika kommen, aber die Freiheit wird nach Kuba kommen“, sagte er, und keinen Zufluchtsort für fremde Gegner werde man vor der eigenen Haustür dulden. Als er den Sturz der Regierung in Aussicht stellte, stand die kubanische Delegation auf und verließ den Saal. Ein leerer Block Stühle blieb, während er weiterredete.

Für die Finanznot der Vereinten Nationen erklärte er sich selbst verantwortlich. Ihren Haushalt habe er um rund 15 Prozent gekürzt, 4.000 Stellen habe das Haus deshalb streichen müssen. Das Geld der Vereinigten Staaten trägt die Weltorganisation wie kein anderes, seine Kürzungen trafen die humanitären Programme. Ausgetreten sind die Amerikaner zudem aus mehreren Gliederungen, der Weltgesundheitsorganisation und der UNESCO. Er brüstete sich damit, das Haus geschwächt zu haben, in dem er gerade stand, und die Rechnung dafür beglichen die Ärmsten. Ein Hausherr, der das eigene Dach abträgt und sich dafür lobt.

Bei der künstlichen Intelligenz lehnte er jeden globalistischen Plan zu ihrer Kontrolle ab. Sie solle künftig Superintelligenz heißen, und ob der Name sich durchsetze, nannte er selbst einen Test seiner Macht. Über den Namen einer Sache zu gebieten, heißt zu gebieten, wie über sie geredet wird. Die Warnungen führender Fachleute vor den Gefahren der Technik führte er auf dieselben Leute zurück, die den Russland-Schwindel verbreitet hätten. „Wir werden Superintelligenz nur fördern“, sagte er, „wir werden sie fördern und nicht einschränken.“ Ebenso stolz war er, die erste weltweite Abgabe auf den Ausstoß der Schifffahrt gestoppt zu haben. Gegen die Internationale Seeschifffahrtsorganisation habe er einschreiten müssen, sagte er, im Jahr zuvor hatten Handels- und Visadrohungen aus Washington nachgeholfen. Beschlossen, hätte erstmals eine ganze Branche für ihre Verschmutzung bezahlt. Die Regel, die alle verpflichtet hätte, nannte er teuer und schaffte sie ab.

Einmal klatschte der Saal. Trump würdigte die Bemühungen der First Lady Melania Trump, verschleppte ukrainische Kinder zu ihren Familien zurückzubringen, und dafür gab es Beifall. Zwischen zwei Drohungen, der Lüge ein Augenblick der Rührung, und die Runde spielte mit.

Unsere Recherchen zu den nach Russland verschleppten ukrainischen Kindern zeigen, wie mühsam ihre Rückführung ist und wie wenig die Betroffenen von politischen Selbstzuschreibungen haben. Die Kinder, wurden ohne Melania Trumps Beteiligung zurückgebracht. Ihr Verdienst war es nicht, auch wenn Trump ihn vor der UN-Vollversammlung seiner Frau zuschrieb.

Lesen Sie dazu auch unsere Recherche von 07. Dezember 2025: Von Russland nach Trauma – Russlands Angriff auf die ukrainische Identität und Melanies Behauptung

Wolodymyr Selenskyjs Gesicht sprach Bände, als Trump seine Frau für ihr angebliches Engagement bei der Rückführung verschleppter ukrainischer Kinder lobte und der Saal Beifall spendete.

Zuletzt nahm er sich den Internationalen Strafgerichtshof vor. Ein Gericht, das die Mächtigen zur Rechenschaft ziehen soll, forderte er kurzerhand zur Selbstauflösung auf und nannte es eine außer Kontrolle geratene Institution. Seine Regierung hat es in diesem Jahr mit Sanktionen überzogen, gegen die Präsidentin und den Chefankläger, dazu gegen 9 Richter. Die einen sehen darin ein Tribunal, das sich Macht über souveräne Staaten anmaßt, die anderen ein Bollwerk jener regelgebundenen Ordnung, die seine Regierung untergräbt. Durch die ganze Rede zog derselbe Zug. Jede Fessel, die Macht binden könnte, nannte er ein Hindernis, das Gericht so gut wie die Regel der See, und versprach, sie zu sprengen. Anfang des Jahres hatte er in einem Gespräch gesagt, er brauche das Völkerrecht nicht. Die einzige Grenze seiner Macht sei „meine eigene Moral. Mein eigener Verstand. Das ist das Einzige, was mich aufhalten kann.“

Eine schlichte Lehre lief durch die Rede. Macht fragt nicht nach Erlaubnis, sie nimmt sich, was sie will. Wo ein Recht sie hemmt, weicht das Recht.

Das Haus, in dem er sprach, ruht auf der Idee, dass Macht sich einem Recht über ihr beugt. Der Mann am Pult kennt keine Grenze außer der eigenen. So einer verachtet die Vereinten Nationen und braucht doch ihr Publikum. Guterres hatte um Vereinte Nationen gebeten, stark genug, der Welt ins Gesicht zu sehen, wie sie ist. Geantwortet hat ihm ein Präsident, der ihr lieber allein gegenübertritt, eine Drohung im Mund, den Beifall des Saals im Rücken. Seinen eigenen Willen bot er an und nannte es Frieden.

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3 Comments
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Ela Gatto
34 Minuten vor

Trump trat in seiner Rede Alles mit Füßen.

Allianzen
Demokratien
Den Sinn der UN
Den Sinn des Internationalen Strafgerichtshofes
Er drohte mit Auslöschung eines ganzen Landes
Dazu betrieb er unverholen Wahlkampf

Und Alle im Saal blieben.
Keine äußerts Kritik, Keiner ging.
Man lies es ihm, wieder einmal, durchgehen.

Ich frage mich wirklich, wozu die UN überhaupt noch gut ist.
Die letzten Jahre wurde sie immer mehr zu einem zahnlosen Papiertiger.

Und Melania 🤬🤬🤬
Das war ein medienwirksamer Brief. Fraglich ib sie ihn selber geschrieben hat, oder ein PR-Mitarbeiter.
Melania interessiert sich nur für Melania.
Es gab noch nie eine First Lady, die so wenig präsent war, die keinen eigenen Job hat bzw die keine Organisationen aktiv leitet/unterstützt.
Und wenn sie mal in der Öffentlichkeit spricht, versteht sie Keiner.
Über 20 Jahre in den USA und solch mieses Englisch.
Aber Trump zieht über Migranten her, die nach 6 Monaten nicht gut englisch sprächen.

Alles in Allem war es ein typische Trump Show und keiner wagte Widerspruch.
Due Welt duckt sich mal wieder weg.
Traurig.

Rainer Hofmann
Administrator
27 Minuten vor
Antwort auf  Ela Gatto

…eine ganz bedenkliche Rede, deren inhalt eigentlich jeden betrifft

Paula Wuschitz
Paula Wuschitz
9 Minuten vor

Mich würden Kommentare von Ihnen zur Rede vom Präsidenten aus Brasilien Ignatio Lula da Silva interessieren. Dieser steht am 4.10 vor einer neuen Präsidentenwahl. Hat vor der UNO gesprochen.

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