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MAGA: Es geht nicht um Arbeit, es geht um die Säuberung

VonTEAM KAIZEN BLOG

5. August 2026

Es brauchte nur einen Satz. Auf einer Tagung der überparteilichen Gouverneursvereinigung in Oklahoma redete Heimatschutzminister Markwayne Mullin am Samstag lange über die Mühen einer Einwanderungsreform, über Visa, die nur Saisonarbeit erlauben, während auf den Feldern längst das ganze Jahr geschuftet wird. Dann sagte er das Verbotene. Wolle man die Wirtschaft wachsen lassen, brauche es dauerhaftere Lösungen, und die Rede, Einwanderer nähmen den Amerikanern die Arbeit weg, treffe eben nicht auf jede Branche zu. Es bleibe „America First“, die eigene Wirtschaft, die eigene Heimat, doch man könne fremde Hände dort einsetzen, wo Stellen leer stehen. Man könne die Löcher stopfen.

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Keine 24 Stunden später verlangte Laura Loomer von Trump, Mullin auf der Stelle zu feuern, dieselbe rechtsextreme Aktivistin, die dem Präsidenten schon reihenweise hohe Beamte aus dem Amt geflüstert hat und im Weißen Haus als inoffizielle Scharfrichterin gefürchtet ist. Die Moderatorin Tomi Lahren warf ihm vor, er wolle die linken Medien streicheln. Die Netzprediger Steve Bannon und Jack Posobiec ließen wissen, MAGA wolle einen Nachfolger, der „die Abschiebungen an die erste Stelle“ setzt. Ein Kabinettsmitglied hatte eine Selbstverständlichkeit ausgesprochen, und die eigene Seite verlangte seinen Kopf. So sieht die Rangordnung aus, ein Minister der Republik gegen eine Einflüsterin ohne Amt und zwei Mikrofone, und niemand zweifelt, wer am längeren Hebel sitzt.

Markwayne Mullin

Verräterisch ist dieser Zorn, weil unter Mullin nichts weicher geworden ist. Die Zahl der eingesperrten Migranten steht auf einem neuen Höchststand, die Festnahmen sind sprunghaft gestiegen. Auch die Abschiebungen nehmen weiter zu. Es geht der Bewegung nicht um seine Bilanz, die ist hart genug. Es geht um den Satz selbst, um den bloßen Gedanken, dass Zuwanderung dem Land nützen könnte und dass die richtige Reform es sogar einlösen würde. Genau das darf nicht gedacht und erst recht nicht gesagt werden.

Dabei stolpert die Regierung immer wieder über dieselbe Wahrheit und würgt sie jedes Mal ab. Im Juni 2025 gab Trump selbst zu, seine Massenabschiebungen kosteten die Landwirtschaft und das Gastgewerbe gute, langjährige Kräfte, und versprach ihnen Ausnahmen. Es dauerte nur Stunden, bis Stephen Miller ihm das wieder ausredete, genauso wie die Meute jetzt Mullin zerlegt. Wer sie laut ausspricht, wird zum Ketzer, ob er Minister ist oder Präsident.

Steve Bannon

Der Grund reicht bis in die Grundüberzeugung der Bewegung. In ihrer Erzählung nehmen die Einwanderer den jungen Männern Amerikas die ehrliche, ernährende Arbeit und lassen sie in den abgehängten Weiten des Herzlands vergammeln. Der Fremde ist dort nicht ein Faktor unter vielen, er ist die Ursache allen Übels, angeblich eingefädelt von linken Eliten, ein Stein im sogenannten großen Austausch der eigenen Leute durch die „Dritte Welt“. Schaffe man ihn fort, so das Versprechen, strömten die jungen Amerikaner in die frei gewordenen Stellen, und die Familien blühten wieder auf.

Nur blüht nichts. Der Ökonom Paul Krugman hat es kühl belegt. Das Ende der Netto-Zuwanderung hat den Einheimischen keinen einzigen Stellenboom gebracht. Die erwerbsfähige Bevölkerung wächst kaum noch, und mit ihr stockt die Schaffung neuer Arbeit. Die Beschäftigungsquote der im Land Geborenen liegt heute niedriger als vor den Abschiebungen, nicht höher. Andere Untersuchungen kommen zum selben Schluss, die Abschiebewellen haben ganzen Landstrichen Arbeit genommen, ohne die Löhne der Alteingesessenen auch nur anzuheben. Mullins Zugeständnis war da noch zu vorsichtig, denn er hielt an der Mär fest, anderswo nähmen die Fremden sehr wohl Stellen weg, und gab allein für die Landwirtschaft zu, dass die Vertreibung schadet.

Wenn aber der wirtschaftliche Grund zerfällt und die Vertreibung dennoch weitergeht, tritt hervor, worum es wirklich geht. Eine sehr alte Mechanik wird sichtbar. Eine Gemeinschaft, die sich elend fühlt, sucht keinen Schuldigen, sie erschafft ihn, lädt ihre Not auf einen Fremden und stößt ihn aus, um sich für einen Atemzug einig und rein zu fühlen. Ob dieser Fremde die Not verursacht hat, zählt nicht, im Gegenteil, gerade seine Unschuld macht ihn brauchbar. Die Zahlen mögen widerlegen, was sie wollen, das Ritual braucht keine Zahlen, es braucht ein Opfer. Der Sündenbock ist nie schuldig, er ist nur greifbar, und das genügt.

Den letzten Stich setzte Mullin selbst, als er seinen Vorschlag als das wahre „America First“ ausgab. Vermutlich ahnt er nicht, wie gefährlich diese Ketzerei ist, denn sie spricht die eigentliche Linie der Bewegung offen aus. Die Abschiebungen müssen sein, auch wenn sie schaden. Wer sie nicht an die erste Stelle setzt, hat schon versagt, und das Ziel war nie ein wirtschaftliches. Es war immer die Reinigung des Landes von Menschen. Darin liegt zugleich die Schwäche. Trumps Abschiebungen stehen in den Umfragen tief im Minus, auch in den Staaten, die Wahlen entscheiden. Würden mehr Wähler begreifen, dass hier die Vertreibung um jeden Preis gewollt ist, auch um den einer ärmeren Wirtschaft, sie würden schaudern. Darum soll Mullin schweigen. Er hat sich nicht geirrt, er war nur zu ehrlich, und Ehrlichkeit ist in dieser Bewegung das Einzige, was man nicht verzeiht.

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2 Comments
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Paula Wuschitz
Paula Wuschitz
1 Tag vor

Ich kann nur auf den Zusammenbruch dieser Regierung warten oder eine völlig brutale rassistische Diktatur etabliert sich. Eines für die Menschen so dragisch wie das andere

Ela Gatto
16 Stunden vor

Ich gehe sogar noch weiter, als Du in Deinem Bericht schreibst.
Es ging nie nur um illegale Einwanderer oder Arbeiter mit begrenzten Visa.

Es geht um eine Säuberung für die white Supremacy.

Es häufen sich Fälle, in denen indigene Menschen verhaftet werden, in Detention Centern sitzen, wochenlang.
Sie sind amerikanische Staatsbürger…. aber eben keine Weißen.

Das steht als letzter Schritt hinter der „Säuberung“.
Wir hatten das 1933 in Deutschland.
Es kostetet Millionen Menschenleben.

Mir macht dieser offene faschistische Rassismus Angst.
Die Maske fällt immer mehr.
Manchmal glaube ich, dass hinter Trumps orangenen Kunstgesicht ein „wiedergeborener“ Hitler steckt.

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