Londons Geheimdienste schlagen Alarm – Europa bereitet sich längst auf einen größeren Konflikt mit Russland vor

VonRainer Hofmann

Mai 27, 2026

Die Warnungen aus den europäischen Geheimdiensten werden inzwischen immer direkter. Anne Keast-Butler, die Leiterin des britischen Abhördienstes GCHQ, wirft Russland vor, seinen verdeckten Krieg gegen Europa massiv auszuweiten. Während Wladimir Putin an der Front in der Ukraine weiter hohe Verluste erleide und militärisch kaum entscheidend vorankomme, greife Moskau verstärkt zu Sabotage, Cyberangriffen, Einschüchterung und geheimen Operationen gegen europäische Staaten. Keast-Butler spricht offen von immer dreisterem Verhalten russischer Dienste und warnt vor einer neuen Phase hybrider Angriffe gegen den Westen.

Die Rede der GCHQ-Chefin findet ausgerechnet in Bletchley Park statt – jenem historischen Ort, an dem britische Codeknacker im Zweiten Weltkrieg deutsche Funksprüche entschlüsselten. Der symbolische Rahmen ist kein Zufall. Denn in London wächst längst die Überzeugung, dass Europa sich nicht mehr in einer bloßen Sicherheitskrise befindet, sondern in einem dauerhaften Konflikt unterhalb der offenen Kriegsschwelle.

Nach britischen Angaben häufen sich die Vorfälle quer durch Europa. In Polen wurden Drohnen und Sprengsätze entlang von Bahnstrecken entdeckt. Über Schweden kam es zu Störungen von Flugnavigationssystemen. In Norwegen wurde ein Staudamm Ziel eines Hackerangriffs. Sicherheitsbehörden werfen Russland zudem vor, Brandsätze in Frachtflugzeuge eingeschleust haben zu wollen. Litauen meldete zuletzt die Festnahme mehrerer Verdächtiger, die im Auftrag des russischen Militärgeheimdienstes GRU Anschläge und Morde in Europa vorbereitet haben sollen.

Besonders bemerkenswert ist dabei die Wortwahl der britischen Dienste. Keast-Butler erklärte, Russland versuche gezielt, Angst zu erzeugen, die NATO zu spalten und westliche Gesellschaften gegeneinander aufzubringen. Gemeint sind damit nicht nur Hackerangriffe oder Sabotageakte, sondern auch koordinierte Desinformationskampagnen, Einflussoperationen und verdeckte Aktionen gegen kritische Infrastruktur.

Trotzdem sehen europäische Regierungen bislang keinen unmittelbaren Durchbruch russischer Strategie. Im Gegenteil. Viele NATO-Staaten erhöhen ihre Verteidigungsausgaben, bauen neue Sicherheitsabkommen auf und rücken militärisch enger zusammen. Großbritannien und Polen wollen deshalb jetzt einen neuen Verteidigungs- und Sicherheitsvertrag unterzeichnen. Polens Premierminister Donald Tusk reist dafür nach London. Der britische Premierminister Keir Starmer erklärte, die Vereinbarung sei der größte Schritt in den Sicherheitsbeziehungen beider Länder seit einer Generation.

Hinter den Warnungen steckt allerdings eine größere Sorge. Viele europäische Geheimdienstmitarbeiter glauben inzwischen, dass der Krieg gegen die Ukraine aus Sicht des Kremls nicht das Ende russischer Ambitionen markiert. In Sicherheitskreisen wächst die Befürchtung, Putin könne langfristig versuchen, den Druck auf andere Teile Europas weiter zu erhöhen. Russische Staatspropaganda greift dabei immer wieder historische Vergleiche mit Zar Peter dem Großen auf, der das russische Reich massiv ausweitete. Bereits im vergangenen Dezember hatte auch Blaise Metreweli vom britischen Auslandsgeheimdienst MI6 ähnliche Warnungen ausgesprochen. Russland teste den Westen ständig in einer „Grauzone“ knapp unterhalb eines offenen Krieges, erklärte Metreweli damals. Gemeint ist ein Zustand, in dem Sabotage, Cyberangriffe und verdeckte Operationen stattfinden, ohne dass offiziell ein Krieg erklärt wird.

Zusätzlich wächst in London die Sorge vor einer engeren strategischen Zusammenarbeit zwischen Russland und China. Keast-Butler bezeichnete China inzwischen offen als technologische und wissenschaftliche Supermacht mit hochentwickelten Cyber- und Geheimdienststrukturen. Besonders beunruhigend sei, dass beide Staaten ihre Zusammenarbeit seit Beginn des Ukrainekriegs deutlich vertieft hätten. Die Botschaft aus Großbritannien ist deshalb unmissverständlich. Europas Sicherheitsdienste rechnen längst nicht mehr nur mit einzelnen Hackerangriffen oder Spionagefällen. Sie bereiten sich auf eine dauerhafte Konfrontation vor, in der Stromnetze, Lieferketten, Verkehrswege, Kommunikationssysteme und digitale Infrastruktur zu den eigentlichen Frontlinien geworden sind.

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5 Stunden vor

Oh weh, ws da wohl noch was auf uns zukommt…

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