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Doktor Trump und die erfundene Krankheit – wenn ein Präsident sich selbst zum Heiler macht

VonTEAM KAIZEN BLOG

Juli 3, 2026

Es gibt einen Punkt, an dem Selbstinszenierung in etwas kippt, das schwerer zu benennen ist, und Donald Trump hat diesen Punkt am Donnerstag wieder einmal erreicht. Er teilte in den sozialen Medien ein mit künstlicher Intelligenz erzeugtes Video, in dem er sich selbst als Arzt darstellt, komplett mit Stethoskop um den Hals und dem Schriftzug Donald J. Trump, M.D. über der Brusttasche seines weißen Kittels. Der Patientenkreis dieses selbsternannten Mediziners besteht aus seinen prominentesten Kritikern, und die Krankheit, die er zu behandeln vorgibt, trägt den Namen Trump Derangement Syndrome, kurz TDS. Es ist keine reale Diagnose. Es ist ein Kampfbegriff, mit dem der Präsident und seine Anhänger jene belegen, die seine Politik entschieden ablehnen. Ein Mann macht aus dem Widerspruch gegen sich selbst eine Geisteskrankheit und ernennt sich im selben Atemzug zum einzigen Arzt, der sie heilen kann.

Im Video treten künstlich erzeugte Abbilder mehrerer Schauspieler auf, darunter Rosie O’Donnell, John Leguizamo, Whoopi Goldberg, Edward Norton, Robert De Niro und Julia Roberts. Sie alle eint eines. Sie sind bekannte Kritiker Trumps. Die gefälschte O’Donnell sagt, sie leide seit über einem Jahrzehnt und sehe nach den Ratschlägen von Doktor Trump erste Ergebnisse. Die künstliche Goldberg erklärt, sie habe sich für einen hoffnungslosen Fall gehalten, doch nach dem Behandlungsplan bemerke sie einen Unterschied. Das Abbild von De Niro berichtet, es habe nicht mehr essen und nicht mehr schlafen können, sei ständig wütend gewesen und habe alle um sich herum unglücklich gemacht. Die falsche Julia Roberts behauptet, sie sei in zwei Jahren um zwanzig Jahre gealtert und habe sich ernsthaft um ihre Zukunft gesorgt. Es sind erfundene Geständnisse, in fremde Münder gelegt, ohne Einwilligung, mit der kalten Präzision einer Technik, die keine Rücksicht mehr kennt.

Dann folgt der Auftritt des Heilers selbst. Er habe nicht gewusst, ob er einigen dieser Menschen überhaupt helfen könne, so verloren seien sie gewesen, sagt das KI-Abbild Trumps. Doch zum Glück sei er Doktor Trump und habe einen Behandlungsplan. Dieser Plan besteht aus drei Anweisungen. Man solle die Nachrichten abschalten, seine Gebete sprechen und Diät-Cola trinken, so wie er selbst. Dann werde man einen bemerkenswerten Unterschied im eigenen Leben feststellen. Ein Präsident, der die Lösung aller seelischen Nöte in einem Softdrink und im Abschalten unliebsamer Berichterstattung sieht, verrät dabei mehr über sich selbst, als ihm vermutlich bewusst ist. Wer Kritik für eine Krankheit hält, hält Zustimmung für Gesundheit, und das ist eine Vorstellung, die mit Demokratie nichts mehr zu tun hat.

Das Video reiht sich in eine ganze Sammlung solcher Auftritte ein. Im April hatte Trump ein KI-Bild geteilt, das ihn als Jesus darstellte, wie er die Kranken heilt, während im Himmel hinter ihm Feuerwerk, Adler und Kampfjets zu sehen waren. Nach Protesten aus den eigenen Reihen löschte er das Bild, bestand aber darauf, er habe darin lediglich einen Arzt gesehen. Auf dem Bild trug er kein Stethoskop und keinen Kittel, sondern ein langes weißes Gewand mit einem roten Schal über den Schultern, und aus seinen Handflächen strömte Licht. Im Februar hatte er ein KI-Video geteilt, das den früheren Präsidenten Barack Obama und die frühere First Lady Michelle Obama als Affen zeigte. Es ist eine Linie, die von der Selbstvergöttlichung bis zur Entmenschlichung anderer reicht, und beides entspringt derselben Quelle.

Besonders bitter wird dieser Umgang mit der erfundenen Krankheit, wenn man sich erinnert, wie weit Trump damit bereits gegangen ist. Nach dem Tod des Regisseurs Rob Reiner und seiner Frau Michele ließ sich der Präsident zu der Behauptung hinreißen, ihr Tod sei Berichten zufolge auf den Zorn zurückzuführen, den Reiner bei anderen durch sein unheilbares Leiden an eben jenem Trump Derangement Syndrome ausgelöst habe. Ein Mensch stirbt, und der mächtigste Mann des Landes macht daraus einen Beleg für eine Krankheit, die er selbst erfunden hat. An diesem Punkt endet die Satire und beginnt etwas, das man nur noch als Kälte bezeichnen kann.

Man kann über ein solches Video lachen, und vielleicht ist genau das die Absicht dahinter. Doch hinter dem Gelächter steht eine Methode, die älter ist als jede künstliche Intelligenz. Wer Andersdenkende zu Kranken erklärt, muss sich mit ihren Argumenten nicht mehr auseinandersetzen. Er muss sie nur behandeln, verwalten, bemitleiden. In autoritären Systemen hat diese Gleichsetzung von Widerspruch und Wahnsinn eine lange und dunkle Geschichte, denn wer politische Gegner für geistig gestört erklärt, nimmt ihnen zuerst die Stimme und dann die Würde. Dass dies heute in Form eines humorvoll gemeinten Werbespots geschieht, macht es nicht harmloser, sondern gefährlicher, weil es sich als Scherz tarnt.

Die Schauspieler, deren Abbilder hier missbraucht wurden, hat niemand gefragt. Reporter haben um Stellungnahme gebeten. Doch die eigentliche Frage richtet sich nicht an sie, sondern an ein Land, das sich daran gewöhnt hat, dass sein Präsident die Werkzeuge der Fälschung, der Lüge, des Betruges und Manipulation nutzt, um seine Kritiker vorzuführen. Vielleicht liegt darin die eigentliche Krankheit dieser Zeit. Nicht das erfundene Syndrom der anderen, sondern die reale Abstumpfung gegenüber einem Mann, der die Grenze zwischen Amt und Spott, zwischen Macht und Willkür längst nicht mehr erkennt. Doktor Trump verschreibt Diät-Cola und Gebete. Was das Land wirklich bräuchte, wäre die schlichte Fähigkeit, wieder zu erkennen, wann ein Scherz aufhört, ein Scherz zu sein.

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