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17. August 2026 – Kurznachrichten

VonTEAM KAIZEN BLOG

17. August 2026

Trump bestraft Südkorea und kommt Kim Jong Un entgegen

Donald Trump hat das Pentagon angewiesen, die bereits geplanten gemeinsamen Militärübungen mit Südkorea deutlich zu verkleinern. Seine Begründung ist ungewöhnlich offen: Seoul habe sich geweigert, die USA bei der Entnuklearisierung Irans zu unterstützen, außerdem habe Nordkorea sich während seiner Amtszeit „nicht bedrohlich und respektvoll“ verhalten. Die Übungen seien teuer und gegenüber Pjöngjang unangemessen feindselig, schrieb Trump. Weil eine vollständige Absage wenige Tage vor Beginn nicht mehr möglich sei, habe er Kriegsminister Pete Hegseth angewiesen, den Umfang erheblich zu reduzieren. Betroffen ist das elftägige Sommermanöver Ulchi Freedom Shield, an dem allein auf südkoreanischer Seite rund 18.000 Soldaten teilnehmen sollten. Geplant waren gemeinsame Gefechtsszenarien, Übungen mit scharfer Munition, Präzisionsangriffe, Flussüberquerungen und die Verteilung vorab eingelagerter militärischer Ausrüstung.

Die Entscheidung fällt ausgerechnet wenige Tage nachdem Nordkorea seine von den Vereinten Nationen verbotenen Tests ballistischer Raketen wieder aufgenommen hat. Anfang August registrierten Südkorea, die USA und Japan erneut den Start einer Kurzstreckenrakete, die vor Nordkoreas Ostküste ins Meer stürzte. Noch im Mai hatte Hegseth Südkorea für höhere Verteidigungsausgaben und die Übernahme größerer Verantwortung für die Sicherheit auf der koreanischen Halbinsel ausdrücklich gelobt. Nun macht Trump die Militärkooperation auch davon abhängig, ob Seoul seine Iran-Politik unterstützt. Der demokratische Senator und frühere Marinepilot Mark Kelly nennt die Verkleinerung der Übungen kurzsichtig und einen Fehler. Nordkorea wiederum hatte die Manöver am Freitag als Vorbereitung auf einen Angriffskrieg bezeichnet und harte Gegenmaßnahmen angekündigt. Kim Jong Un baut seit dem Scheitern der Gespräche mit Trump 2019 sein Atom- und Raketenarsenal weiter aus. Trump sucht trotzdem erneut die Nähe zu ihm. Einen Tag vor seiner Entscheidung veröffentlichte er ein gemeinsames Foto mit Kim und schrieb, beide kämen hervorragend miteinander aus. Neu ist diese Linie nicht. Schon nach dem Treffen mit Kim 2018 in Singapur wollte Trump die gemeinsamen Übungen stoppen, nannte sie provokativ und verwies auf die Kosten. Acht Jahre später wiederholt sich die Geschichte, diesmal jedoch mit einer zusätzlichen Botschaft an einen langjährigen Verbündeten: Wer Trumps Krieg gegen Iran nicht unterstützt, muss damit rechnen, dass Washington selbst bei der gemeinsamen Verteidigung die Rechnung präsentiert.

Golfstaaten schleusen täglich Millionen Barrel Öl durch Hormus

Trotz Krieg, Angriffen auf Tanker und der Gefahr im Persischen Golf bringen Staaten der Region weiterhin gewaltige Mengen Öl durch die Straße von Hormus. Mehr als 4 Millionen Barrel am Tag werden nach Angaben aus dem Ölhandel auf Schiffen transportiert, deren Transponder abgeschaltet sind. Die Tanker fahren durch die Meerenge bis in den Golf von Oman, dort wird die Ladung auf andere Schiffe umgepumpt. Beteiligt sind Lieferungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, dem Irak, Katar und Kuwait. Vor Omans Küste lässt sich inzwischen sehen, welche Größenordnung dieser heimliche Verkehr erreicht hat. Rund 150 Schiffe liegen dort, im Januar waren es etwa 40. Viele warten auf Tanker, die Hormus ohne eingeschaltete Ortung passieren. Vor dem Krieg liefen täglich rund 20 Millionen Barrel Öl durch die Meerenge, etwa ein Fünftel der weltweiten Versorgung. US-Energieminister Chris Wright bezifferte den derzeitigen Durchfluss vergangene Woche noch auf rund 9 Millionen Barrel täglich, also fast die Hälfte des früheren Volumens. Dass der Ölpreis trotz des Krieges nicht auf die zeitweise befürchteten 150 Dollar je Barrel gestiegen ist, hängt auch mit diesen verdeckten Transporten zusammen. Hinzu kommen Pipelines, freigegebene Reserven und eine schwächere Nachfrage. Brent hielt sich deshalb bislang überwiegend zwischen 80 und 90 Dollar. Sicher ist dieser Handel allerdings keineswegs.

Der staatliche Ölkonzern Adnoc aus den Emiraten meldet seit Beginn des Konflikts Angriffe auf 23 seiner Schiffe beim Durchqueren der Straße von Hormus. Ein Seemann wurde getötet, 20 weitere verletzt. Im Ölhandel wird davon ausgegangen, dass es bei Handelsschiffen mehr Zwischenfälle gegeben hat, als offiziell bekannt wurde. Gleichzeitig wird auch die Ausweichroute über das Rote Meer gefährlicher. Saudi-Arabien reagiert bereits und zieht eigene Transportkapazitäten vor Oman zusammen. Dort liegen inzwischen 16 Supertanker der saudischen Reederei Bahri, drei weitere sind unterwegs. Zusammen könnten diese Schiffe rund 38 Millionen Barrel Öl aufnehmen. Während öffentlich über Blockaden, Angriffe und mögliche Engpässe gesprochen wird, läuft unter ausgeschalteten Transpondern weiterhin ein Ölverkehr von Millionen Barrel täglich. Genau dieser Verkehr verhindert bislang, dass der Krieg an den Tankstellen der Welt noch viel härter ankommt.

Kommentar: Der Journalist haftet, der Influencer kassiert

Eine Redaktion arbeitet unter Aufsicht und oftmals hohen Risiko. Sie ist an die journalistische Sorgfaltspflicht gebunden und muss die Rechte der Genannten wahren. Auf ein bloßes Provozierenwollen kann sie sich hinterher nicht hinausreden. Ein falsches Zitat oder ein Bild unter dem falschen Vorgang bringt Unterlassung und Schadensersatz ein. Dazu kommen die Rüge des Presserats und ein teurer Streit vor Gericht. Eine unbewiesene, rufschädigende Geschichte über eine namentlich genannte Person kann ein Haus die Existenz kosten. Diese Haftung gehört zum Beruf wie das Schreiben selbst.

Für den politischen Betrieb im Netz greifen dieselben rechtlichen Grenzen, nur oft erst dann, wenn ein Betroffener sie durchsetzt. Auf YouTube oder TikTok kann eine Behauptung Hunderttausende erreicht haben, bevor überhaupt jemand fragt, ob sie stimmt. Ein grelles Vorschaubild und ein Satz, den niemand gesagt hat, und die Sache läuft. Verlangt später jemand Belege, wird aus der Tatsache eine „Zuspitzung“, „Provokation“ oder bloß „meine Meinung“. Rechtlich kann auch das Folgen haben, praktisch aber oft erst, wenn der Betroffene selbst dagegen vorgeht. Bis dahin sitzt der falsche Eindruck beim Publikum längst.

Riskante Recherchen bringen so etwas zum Vorschein.

Das Dokument zeigt interne Leistungs- und Vergütungsbeschreibungen für sogenannte Task-Force-Beamte im Umfeld der US-Einwanderungsbehörde ICE. Es geht konkret darum, dass diese Beamten für ihre Beteiligung an Maßnahmen zur Durchsetzung von Einwanderungsgesetzen bezahlt werden – inklusive Gehalt, Überstunden und Zusatzleistungen. Auffällig ist, dass die Zahlungen monatlich erfolgen und zusätzlich quartalsweise Prämien vorgesehen sind. Diese Prämien sind an bestimmte Vorgaben, Ziele und Leistungskennzahlen gebunden, die von ICE bzw. ERO festgelegt werden.

Das Dokument stammt aus unserem Artikel: Recherchen decken auf: Kopfgeldliste – Wie ICE lokale Polizei für Verhaftungen bezahlt, selbst bei Kindern

Das wirtschaftlich Widersinnige daran ist, dass gerade die Sorgfalt bestraft wird. Eine Redaktion verbringt Tage damit, Dokumente zu beschaffen und Aussagen gegenzuprüfen, während im selben Zeitraum ein halbes Dutzend Videos entsteht. Recherche kostet Zeit und Geld, der laute Auftritt kostet eine Vlogging-Kamera, Schnittprogramm, ein Mikrofon. Weil der Zorn besser klickt als ein sauber gesetzter Vorbehalt, verdient zuletzt jener mehr, der schneller und rücksichtsloser zugreift, belohnt von Monetarisierung von Aufmerksamkeit, Werbung und Spendenaufrufen. Die geprüfte Wahrheit tritt gegen eine Erfindung an, die in wenigen Minuten fertig ist. Die sorgfältigen Häuser werden dabei schlicht abgehängt.

Die Maschinerie dahinter kennt oftmals kein Interesse an der vollständigen Wahrheit. Das schadet besonders in der Aufklärung gegen „Rechtspopulismus und Rechtsextreme“. Auch die guten Projekte leiden darunter, weil auch ihnen Seriosität am Herzen liegt. Ein Vorschaubild, das Wut weckt, wird weitergereicht, ein nüchterner Vorbehalt bleibt liegen. So bevorzugt der Vertrieb der Aufmerksamkeit von selbst das Zugespitzte vor dem Geprüften, und der Anreiz zeigt Tag für Tag in die falsche Richtung. Der Vertrieb belohnt das Laute und übergeht das, was zum Nachdenken zwingt. Am gefährlichsten wird es, wo wirkliche Ereignisse nur noch Rohstoff sind. Ein echtes Foto wandert unter den falschen Vorgang. Aus einer Vermutung wird im Vorschaubild eine Gewissheit, aus einem unbelegten Satz eine erfundene Behauptung. Fällt die Darstellung später auseinander, war sie angeblich immer schon Provokation. Bis dahin hat das Publikum die Geschichte aufgenommen und weitergereicht. Ein einziger Umlauf genügt, die Richtigstellung durch Journalisten kommt Tage zu spät und erreicht kaum die halbe Reichweite.

Recherchen in ICE-Hafteinrichtungen: Die Hölle auf Erden – Das Abschiebecenter Krome in Miami

Wirksam wird das System vor allem durch die Nähe zum Publikum. Viele erzählen neben der Politik gleich ihr eigenes Leben mit, die Zuschauer kennen den Hund und den letzten Urlaub. Aus dieser Vertrautheit wächst eine Treue, die jeden Widerspruch persönlich nimmt und den Kritiker zum Feind erklärt. Verteidigt wird dann der Mensch, den man zu kennen glaubt, und die Frage nach der Wahrheit tritt zurück. Nähe schlägt Beleg, und die Zuneigung ersetzt die Prüfung. Ein Faktencheck dringt in diese geschlossene Loyalität kaum ein. Der Widersprechende gilt rasch als „Systemmedien“ oder als Teil einer erfundenen Verschwörung.

Der Schaden bleibt nicht bei der einzelnen Falschmeldung. Besonders für junge Leute verschwimmt die Grenze zwischen der Redaktion und dem politischen Kanal, beides erscheint unter demselben Etikett als „Nachrichten“ oder „Aufklärung“. Das unsaubere Bild einzelner überträgt das Publikum dann auf alle, die Nachrichten machen. Der ehrliche Name zählt dann so wenig wie der laute. So fällt die Verantwortungslosigkeit einzelner Lautsprecher auf einen ganzen Berufsstand zurück, auch auf jene, die ihre Arbeit sauber tun.

Wenn Empörung und laut so gut funktioniert, warum überzeugt sie offenbar die Falschen?

Und die böse Antwort lautet: Vielleicht ist ein beträchtlicher Teil dieser angeblichen „Aufklärung gegen rechts“ gar nicht besonders erfolgreich darin, Menschen von rechts wegzuholen. Erfolgreich ist sie vor allem darin, die eigene Anhängerschaft zu unterhalten, Empörung zu produzieren, Reichweite zu erzeugen und diese Reichweite zu monetarisieren.

Der investigative Journalist arbeitet mit der Haftung im Rücken, Haltung und dem „Angriff“ im richtigen Augenblick, sein digitaler Konkurrent oft nur mit dem Algorithmus. Der eine muss beweisen können, was er behauptet, der andere muss vor allem dafür sorgen, dass geklickt wird. Diese Schieflage kostet den Journalismus Reichweite und Geld. Sie kostet die Öffentlichkeit den gemeinsamen Boden aus geprüften Tatsachen, auf dem eine Debatte überhaupt noch stehen kann. Ohne diesen Boden zerfällt die Öffentlichkeit in Lager, die einander nichts mehr glauben. Das ist brandgefährlich. Investigativer Journalismus hat immer wieder Dinge ans Licht gebracht, die Regierungen, Konzerne oder Behörden lieber verborgen hätten, und damit Rücktritte, Ermittlungen und politische Konsequenzen ausgelöst. Seine Erfolge entstehen nicht aus Lautstärke, sondern aus Belegen, Dokumenten und der Arbeit, die am Ende auch vor Gericht Bestand haben muss, oder der Hilfe, die direkt den Opfern zu Gute kommt.

BBC will Trumps Familie unter Eid – doch der Secret Service steht im Weg

Donald Trumps 10-Milliarden-Dollar-Klage gegen die BBC zieht nun seine eigene Familie immer tiefer in das Verfahren. Der britische Sender will Ivanka Trump, Donald Trump Jr. und Jared Kushner befragen und Unterlagen von ihnen verlangen, weil sie nach Auffassung der BBC persönliches Wissen über zentrale Fragen des Rechtsstreits besitzen. Das Verfahren läuft vor dem US-Bundesgericht für den südlichen Bezirk Floridas in Miami unter dem Aktenzeichen 1:25-cv-25894-RKA. Zuständiger Bundesrichter ist Roy K. Altman, die Fragen zur Beweisaufnahme bearbeitet Bundesrichterin Enjoliqué A. Lett. Genau dort liegt inzwischen ein ungewöhnliches Problem: Die BBC bekommt ihre Vorladungen nicht zugestellt. Ivanka Trump und Kushner stehen unter dem Schutz des Secret Service, Donald Trump Jr. wird ebenfalls von Sicherheitspersonal abgeschirmt. Versuche, die Gerichtspapiere persönlich zu übergeben, liefen ins Leere.

Die BBC beantragte deshalb am Freitag, die Vorladungen ersatzweise per E-Mail und Einschreiben zustellen zu dürfen. Lett setzte Trumps Seite eine verkürzte Frist bis zum 21. August für die Antwort. Für die BBC sind die drei Familienmitglieder keineswegs Nebenfiguren. Ivanka Trump und Donald Trump Jr. waren am 6. Januar 2021 im Oval Office, während Trump noch an seiner Rede arbeitete. Donald Trump Jr. sprach außerdem direkt mit seinem Vater, nachdem die Gewalt am Kapitol begonnen hatte. Die BBC will damit Trumps eigene Behauptung prüfen, es sei falsch, ihm eine Anstiftung zur Gewalt zuzuschreiben. Genau darum dreht sich seine Klage. Trump wirft der BBC vor, für eine Dokumentation von 2024 zwei weit auseinanderliegende Teile seiner Rede zusammengeschnitten und dadurch absichtlich den Eindruck erzeugt zu haben, er habe seine Anhänger zum Angriff auf das Kapitol aufgerufen.

Die BBC hat sich für den irreführenden Schnitt entschuldigt, bestreitet aber, Trump verleumdet zu haben. Trump verlangt insgesamt 10 Milliarden Dollar, jeweils 5 Milliarden wegen Verleumdung und wegen angeblich unlauterer Geschäftspraktiken. Seine Anwälte sprechen nun von Belästigung der Familie und werfen der BBC vor, das Verfahren zur Ausforschung seines Umfelds zu missbrauchen. Der Sender hatte Trump zuvor gebeten, die Zustellung an seine Tochter und seinen Schwiegersohn anzunehmen oder den Secret Service anzuweisen, sie zu ermöglichen. Trump lehnte ab. Gleichzeitig hat der Rechtsstreit für ihn bereits eine unangenehme Richtung genommen. Bundesrichterin Lett hatte die Herausgabe umfangreicher Finanzunterlagen aus dem Donald J. Trump Revocable Trust angeordnet, nachdem Trump selbst wirtschaftlichen Schaden durch die BBC geltend gemacht hatte. Altman stoppte diese Anordnung vorerst, während Trump seine Klage änderte und den behaupteten Schaden stärker auf seine persönliche Reputation beschränkte. Der Prozess soll nach bisheriger Planung am 15. Februar 2027 beginnen und zwei Wochen dauern. Aus einer Klage, mit der Trump 10 Milliarden Dollar von der BBC fordert, ist damit längst ein Verfahren geworden, in dem der Sender wissen will, was seine Kinder und sein Schwiegersohn über den 6. Januar wissen – und sie unter Eid dazu befragen möchte.

Motoröl wird knapp – der Nahostkrieg trifft jetzt Werkstätten und Autofahrer

Der Krieg im Nahen Osten erreicht inzwischen selbst den Ölwechsel in der Werkstatt. Volkswagen, Stellantis und Toyota stellen ihre Motoröle um, weil hochwertige Grundöle der Gruppe III weltweit knapp werden. Europa und die USA haben einen großen Teil davon bislang aus dem Nahen Osten bezogen. In den ersten Kriegsmonaten konnten die Hersteller noch auf Lagerbestände zurückgreifen, doch diese Reserven gehen zur Neige.

Die Preise für Gruppe-III-Grundöle liegen inzwischen bei rund 4.000 Dollar je Tonne und damit fast dreimal so hoch wie vor dem Krieg. Ein wichtiger Grund ist der iranische Raketenangriff im März auf eine große Shell-Anlage zur Herstellung von Flüssigtreibstoff aus Gas in Katar. Die Schäden waren schwer, Reparaturen dauerten, andere Lieferanten aus der Region verkauften ihre verfügbaren Mengen für Europa und die USA ab und erklärten anschließend höhere Gewalt. Gabriella Twining von Argus Media warnt, dass die Auswahl an Alternativen immer kleiner werde. Selbst wenn die Straße von Hormus morgen wieder vollständig geöffnet wäre, würden neue Lieferungen Europa und die USA nach ihrer Einschätzung frühestens im Oktober erreichen. Die Autohersteller versuchen deshalb, andere Lieferanten zu finden und neue Mischungen für Schmierstoffe freizugeben. Das ist nicht mit einem einfachen Austausch getan, weil jedes neue Öl die technischen Vorgaben der Hersteller erfüllen muss. Stellantis hat bereits veränderte Rezepturen getestet und nach eigenen Angaben Produkte gefunden, die den Branchenstandards entsprechen.

Volkswagen hat seine Versorgung vorerst gesichert, sucht aber zusätzliche Quellen. Toyota meldet ebenfalls neue Lieferanten. In Japan bekommen Autofahrer die Folgen schon zu spüren. Seit Juni kam es bei einigen Suzuki-Händlern zu Verzögerungen beim normalen Ölwechsel. Ein Taxiunternehmen in Osaka berichtet, dass sich seine Kosten für Grundöle verdoppelt haben und die Fahrpreise deshalb erhöht werden mussten. Entwarnung gibt es trotzdem nicht. Der Markt bleibt empfindlich, weil neue Probleme im Schiffsverkehr oder weitere Ausfälle von Raffinerien die Versorgung schnell erneut verschärfen können. Dann wird aus dem Krieg im Nahen Osten ganz konkret eine höhere Rechnung in der Werkstatt, und selbst ein gewöhnlicher Ölwechsel kann länger dauern und deutlich teurer werden.

Russland schwärzt Papst Franziskus – Aussagen über LGBT-Menschen aus Autobiografie entfernt

In Russland ist selbst die Autobiografie von Papst Franziskus nicht vor der Zensur sicher. In der russischen Ausgabe seines Buches „Hoffnung“, erschienen bei Alpina Publisher, wurden mehrere Passagen über homosexuelle und transgeschlechtliche Menschen entfernt. Auf veröffentlichten Fotos sind Seiten zu sehen, auf denen ganze Textstellen mit Flächen abgedeckt wurden. Dieselben Kürzungen finden sich auch in der elektronischen Ausgabe. Die Theologin Natallia Vasilevich verglich die russische Fassung mit dem Original und stellte fest, welche Aussagen verschwunden sind. Gestrichen wurden unter anderem Franziskus‘ Worte, dass die Kirche auch homosexuellen und transgeschlechtlichen Menschen offenstehe.

Ebenfalls entfernt wurde seine Aussage, dass transgeschlechtliche Menschen getauft werden und Taufpaten sein können. Nicht mehr zu lesen ist außerdem der Satz, Homosexualität sei „kein Verbrechen, sondern eine menschliche Realität“. Aus der russischen Ausgabe verschwand auch der Hinweis auf die vatikanische Erklärung Fiducia supplicans, die unter bestimmten Bedingungen Segnungen von Menschen in gleichgeschlechtlichen Beziehungen erlaubt. Die Eingriffe passen zur russischen Gesetzgebung der vergangenen Jahre. Seit 2022 gilt ein vollständiges Verbot der sogenannten „Propaganda nichttraditioneller sexueller Beziehungen“. Auf dieser Grundlage nahmen Buchhandlungen und Onlinehändler bereits Hunderte Titel mit LGBT-Inhalten aus dem Verkauf. Hinzu kommt die Entscheidung des Obersten Gerichts, ein angebliches „Internationales LGBT-Movement“ als extremistisch einzustufen, obwohl eine solche Organisation in dieser Form gar nicht existiert. Damit wurde praktisch ein Instrument geschaffen, mit dem LGBT-Themen weit über einzelne Gruppen hinaus verfolgt werden können. Seit Beginn des Krieges hat sich der Druck auf den russischen Buchmarkt nochmals verschärft. Mindestens 600 Bücher sollen aus Zensurgründen aus dem Verkauf verschwunden sein.

Mehr als 50 Schriftsteller wurden als „ausländische Agenten“ eingestuft. Gegen Verlage und Buchhändler laufen Verwaltungs- und Strafverfahren. Nun wird selbst ein Papst nachträglich an russische Vorgaben angepasst. Seine Worte bleiben im Original bestehen, doch für russische Leser wird daraus eine Ausgabe, in der genau jene Sätze fehlen, die der staatlichen Politik widersprechen.

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