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Die Frage, für die der Krieg geführt wurde, wartet auf die nächste Runde

VonTEAM KAIZEN BLOG

Juni 21, 2026

In einem Luxusresort über dem Vierwaldstättersee, das dem Staatsfonds Katars gehört, verhandeln Vance und Irans Gesandte über ein Abkommen, dessen schwierigsten Punkt, das iranische Atomprogramm, sie vertagt haben. Während sie sich treffen, streiten Washington und Teheran, ob die Straße von Hormus offen ist oder geschlossen, und in Libanon zählt man die Toten!

Am Sonntag trafen die amerikanische und die iranische Delegation am Bürgenstock ein, einem Berg über dem Vierwaldstättersee bei Luzern, um den vorläufigen Vertrag auszubauen, der den Krieg gegen den Iran beenden soll. Sie haben sechzig Tage, um die technischen Einzelheiten zu klären, und schon der Ort, an dem sie das tun, sagt etwas über die Sache. Das Resort gehört seit 2007 der Katara Hospitality, einem Hotelentwickler im Besitz des katarischen Staatsfonds, der es fast ein Jahrzehnt lang umbaute. Katar vermittelt zugleich in diesen Gesprächen. Die Schweiz, hieß es aus ihrem Außenministerium, biete einen diskreten und verlässlichen Rahmen für die Umsetzung des Memorandums zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran.

Vizepräsident JD Vance führt das amerikanische Team, dem die Sondergesandten Steve Witkoff und Jared Kushner angehören, der Schwiegersohn des Präsidenten, die bereits vorab die technischen Teile sichteten. Die iranische Seite führt Mohammad Bagher Ghalibaf, der Sprecher des Parlaments, dazu kommen Außenminister Abbas Araghchi, der Vizesekretär des nationalen Sicherheitsrats Ali Bagheri und der Sprecher des Ministeriums Esmail Baghaei, begleitet von Vertretern der Zentralbank und des Ölsektors. Als Vermittler reisten Pakistan an, mit Ministerpräsident Shehbaz Sharif und dem Armeechef Asim Munir, sowie Katar. Vance empfing Sharif, und sein Treffen begann, doch eine Frage eines Reporters, ob er Benjamin Netanyahu eine Botschaft zu den Operationen in Libanon mitzugeben habe, überging er.

Das Rahmenabkommen wurde vor einer Woche unterzeichnet, das Memorandum von Islamabad. Es erlaubt Teheran sogleich, sein Öl frei zu verkaufen, und öffnet ihm den Weg zu Milliarden eingefrorener Vermögen. Es sieht eine Waffenruhe von sechzig Tagen vor, in der die Vereinigten Staaten ihre Blockade iranischer Häfen aufgeben und der Iran die Schifffahrt frei durch die Straße von Hormus lässt, durch die ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Gases fährt. Es verlangt das Ende der Kämpfe in Libanon. Was es nicht regelt, ist gerade das, weswegen der Präsident den Krieg zu führen vorgab, das Atomprogramm. Diese Frage haben sie auf die nächste Runde geschoben. Schon am Samstag hatte der Iran das Abkommen zweimal erschüttert. Erbost über Israels fortgesetzte Angriffe in Libanon erklärte er die Straße von Hormus für geschlossen und ließ wissen, seine Unterhändler reisten zwar in die Schweiz, doch werde dort wohl wenig geschehen. Sein Hauptanliegen sei ein Ende des Krieges an allen Fronten. Das amerikanische Militär widersprach, der Verkehr fließe weiter, und das zentrale Kommando bestritt die Schließung mit dem Satz, der Iran beherrsche die Straße nicht. Vance sagte, in den letzten Tagen seien Millionen Barrel hindurchgefahren. Am Sonntagmorgen hatte die britische Seebehörde, die die Meerenge überwacht, ihre Auskunft seit dem Vortag nicht erneuert, als sie die südliche Route für befahrbar erklärte. Das Abkommen lässt Handelsschiffe sechzig Tage lang gebührenfrei passieren, schließt spätere Abgaben aber nicht aus, und Trump drohte am Samstag, selbst Zölle auf die Straße zu erheben, falls in sechzig Tagen keine Einigung stehe. Das Geld, schrieb er, sei für geleistete Dienste als Schutzengel der Länder des Nahen Ostens.

Die iranische Delegation unter Leitung des Chefverhandlungsführers Bagher Ghalibaf und Außenminister Seyed Abbas Araghchi traf sich während des ersten offiziellen Besuchs einer Delegation der Islamischen Republik Iran in der Schweiz mit dem Schweizer Außenminister Ignazio Cassis.

In Libanon hatte das israelische Militär am Samstag den Süden angegriffen, nachdem die Hisbollah über Nacht mehr als fünfzig Geschosse auf israelische Soldaten abgefeuert hatte. Die Hisbollah erklärte, sie halte die Waffenruhe, räumte aber ein, ihre Kämpfer hätten israelische Infanterie überfallen, die nachts auf einen Höhenzug etwa fünfundsiebzig Kilometer südlich von Beirut vorrücken wollte. Wenige Stunden nach der iranischen Erklärung zur Meerenge teilte Israel am späten Samstag mit, es habe von seiner politischen Führung neue Weisungen erhalten, das Feuer in Libanon einzustellen, und werde nur noch verteidigend in der Sicherheitszone vorgehen, einem Streifen im Süden, der etwa zehn Kilometer nördlich der israelischen Grenze reicht. Es behalte sich das Recht vor zu antworten, falls die Hisbollah die Ruhe breche. Weder Israel noch die Hisbollah haben den Vertrag zwischen Washington und Teheran unterzeichnet. Netanyahu hat geschworen, seine Truppen so lange in Libanon zu halten, bis jede Gefahr für Israel beseitigt sei, und die Hisbollah weigert sich, ihre Angriffe einzustellen, ehe Israel den Abzug zusagt. In den ersten Tagen nach dem Abkommen kamen in Libanon siebenundvierzig Menschen ums Leben, dazu vier israelische Soldaten.

Die iranische Verhandlungsdelegation mit der Kennung „Minab 168“ ist in der Schweiz eingetroffen – die Bezeichnung soll an die 168 in Minab getöteten Kinder erinnern und wurde sichtbar auf dem Flugzeug geführt.

Die schwierigste Frage, das Atomprogramm und der Vorrat an Uran, blieb der nächsten Runde überlassen, und sie zerfällt in mehrere Teile. Beim Anreichern fordert Washington, der Iran solle jede Anreicherung für mindestens zwanzig Jahre aussetzen, Teheran bot zehn. Trump deutete am 14. Juni an, er könne sich mit fünfzehn Jahren zufriedengeben, wollte aber nicht über die Presse verhandeln, und schlug vor, den Iran für immer auf niedrige Stufen zu beschränken. Vance sagte, man strebe ein vollständiges Verbot jeder Anreicherung über den Zeitraum hinweg an. Das Abkommen Obamas habe den Iranern das Anreichern erlaubt, dieses werde es nicht. Obamas Vertrag von 2015, den Trump in seiner ersten Amtszeit zerriss, begrenzte die Anreicherung auf 3,67 Prozent, genug für Forschung und Medizin, während eine Waffe in der Regel rund neunzig Prozent verlangt.

Beim Vorrat geht es um das, was der Iran seit Trumps Austritt aus dem Vertrag 2018 angehäuft hat, genug Material für mindestens zehn Bomben. Die Atombehörde der Vereinten Nationen ging im Juni 2025 davon aus, dass der Iran etwa vierhundertvierzig Kilogramm auf sechzig Prozent angereichertes Uran besaß, dazu rund elf Tonnen auf anderen Stufen. Im vergangenen Jahr trafen die Vereinigten Staaten drei wichtige Anlagen, darunter einen Komplex bei Isfahan, wo nach Angaben der Behörde das meiste Material lagerte, doch seit die Inspektoren ausgesperrt sind, ist sein Zustand ungewiss. Washington verlangt, der Iran solle den Vorrat ganz beseitigen, und bietet an, ihn mit der Atombehörde auf sichere Werte herunterzumischen. Eine andere Möglichkeit wäre, ihn außer Landes zu bringen, wie der Iran es unter dem Vertrag von 2015 mit achtundneunzig Prozent seines Bestands tat. Ob er den ganzen Vorrat aufgäbe, hat Teheran öffentlich nicht gesagt. Zugleich besteht Washington darauf, die Anlagen in Natanz und Fordo samt der Lagertunnel von Isfahan abzubauen, während der Iran sich sträubt, das hieße, das Recht auf Anreicherung aufzugeben, und mindestens eine Anlage müsse bleiben. Und die Inspektoren, die seit den Angriffen des vergangenen Jahres keinen Einblick mehr haben, sollen nach amerikanischem Wunsch jederzeit und an jedem Ort unangemeldet prüfen dürfen. Rafael Grossi, der Leiter der Behörde, sagte, beide Seiten wollten ihr eine Rolle bei der Überprüfung geben.

Irans Präsident Masoud Pezeshkian erklärte am Sonntag auf einer Konferenz in Teheran, das Land werde von seinem Recht auf Anreicherung niemals abrücken, und die Vereinigten Staaten würden das am Ende hinnehmen müssen. Die Gespräche seien zugleich ein guter Weg, die wirtschaftliche Lage zu lösen, eine Aussicht auf Jahre mit Teuerungsraten über fünfzig oder sechzig Prozent sei für ihn nicht hinnehmbar. Ob sich all das in sechzig Tagen klären lässt, bezweifelt Darya Dolzikova vom Royal United Services Institute in London. Zuerst müssten beide Seiten überhaupt feststellen, was der Iran heute besitze, eine aufwendige Arbeit. Sie wolle nicht sagen, es sei unmöglich, doch die Fragen seien sehr verwickelt und sechzig Tage wenig Zeit. Die Frist lässt sich im Einvernehmen verlängern, und Trump nannte sie in dieser Woche keine harte Grenze.

Vances Auftritt steht unter besonderer Beobachtung, da er offen über eine Bewerbung um die Präsidentschaft 2028 nachdenkt. Aus den eigenen Reihen kommt scharfe Kritik, und gerade die Hardliner der Republikaner vergleichen den Vertrag mit jenem Abkommen Obamas, von dem Trump und seine Partei stets behaupteten, es habe das iranische Programm nicht beendet. An den Märkten fielen die Ölterminkurse nach der Ankündigung vor einer Woche um fast acht Prozent, und am Sonntagabend, zur Eröffnung des Handels, werden sie den Gesprächen genau folgen. Die Regierung bemüht sich, den Märkten zu versichern, der Krieg sei für die Ölpreise nur eine kurze Störung gewesen, während Amerikaner über gestiegene Benzinpreise vor der Reisezeit des Sommers klagen.

Der Ort, an dem das verhandelt wird, hat seine eigene Sprache. Der Bürgenstock empfängt seit fast hundertfünfzig Jahren die Reichsten und Mächtigsten. Das Grand Hotel öffnete 1873, gebaut von den Schweizer Unternehmern Franz Josef Bucher und Josef Durrer, die den Gipfelgrat ebneten und einen Rückzugsort mit Blick auf See und Alpen errichteten, erreichbar über eine Standseilbahn und einen Pfad in der Klippe. Heute liegen dort ein Spa, ein Golfplatz, Tennisplätze, ein Museum, ein Infinity-Pool über dem See und Restaurants, darunter eines für persische Küche, auf annähernd sechzig Hektar Wald. Audrey Hepburn heiratete 1954 in der Bergkapelle, sie und Sophia Loren hielten dort Wohnsitze, und 1964 diente das Haus dem James-Bond-Film Goldfinger. Hierher kamen Jimmy Carter, die indischen Regierungschefs Jawaharlal Nehru und Indira Gandhi, die israelischen Ministerpräsidenten David Ben-Gurion und Golda Meir, dazu Konrad Adenauer. 2024 fand hier auch die Konferenz statt, die Russlands Krieg gegen die Ukraine beenden sollte, mit rund tausend Teilnehmern und siebenundfünfzig Staatsoberhäuptern, das größte diplomatische Treffen der Schweizer Geschichte.

Es ist eine eigene Ordnung der Welt, in der ein Krieg um die Atomwaffe in einem Wellnesshotel mit persischem Restaurant verhandelt wird, das einem Golfstaat gehört, der zugleich vermittelt. Zwischen dem Berg und der Meerenge liegt der ganze Abstand dieser Tage. Auf dem Berg sagt man verlässlich und diskret, in der Meerenge sagt der eine offen und der andere geschlossen, und niemand weiß, welches der beiden Worte über dem Wasser gilt. Die einzige Frage, für die der Krieg angeblich geführt wurde, ob der Iran die Bombe je bauen kann, ist die einzige, die sie an diesem Sonntag nicht stellen. Sie haben sie vertagt, wie man das Schwerste vertagt, und sind hinauf in die Höhe gefahren, wo die Luft dünn ist und die Aussicht weit, während unten siebenundvierzig Menschen und vier Soldaten schon nicht mehr zählen können, wie lange eine Waffenruhe hält.

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