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Die Arbeiter verlieren den Glauben an Trump

VonTEAM KAIZEN BLOG

Juni 14, 2026

Unter den weißen Wählern ohne Hochschulabschluss, dem Fundament seiner Koalition, bricht die Zustimmung zu Trumps Wirtschaftspolitik ein, ein Wandel, der die Wahl im Herbst entscheiden könnte. Wer in Deutschland die AfD aus eben diesem Bereich wählt, sollte hinsehen, ehe er denselben Weg geht!

Als Donald Trump das letzte Mal vor eine Zwischenwahl trat, im Jahr 2018, zogen die Republikaner im Kongress unter seiner Unbeliebtheit mit hinab und verloren mehr als drei Dutzend Sitze im Repräsentantenhaus. Doch der Boden riss damals nicht ganz weg, im Senat gewann die Partei sogar dazu, denn die weißen Wähler aus der Arbeiterschaft hielten ihm in Sachen Wirtschaft die Treue. Dieses tiefe Reservoir an Wohlwollen ist heute weitgehend verdunstet.

Zum ersten Mal zweifeln die Arbeiter mit weißer Haut ernsthaft an Trumps Wirtschaftspolitik. Eine Durchsicht vieler Umfragen zeigt einen ungewöhnlichen Wandel bei den weißen Wählern ohne Hochschulabschluss, zwischen seiner ersten Zwischenwahl und heute. Damals billigten sie seine Führung der Wirtschaft mit einem Abstand von dreißig Punkten und mehr. Heute lehnen sie sie ab, je nach Umfrage um vierzehn bis über dreißig Punkte. Die Zahlen stammen aus Umfragen von CNN, vom März 2017, vom November 2018, vom März 2025 und von den ersten Maitagen dieses Jahres.

Trumps Ansehen in Wirtschaftsfragen ist fast in jeder Gruppe gefallen. Doch der Einbruch ausgerechnet bei jener treuen Schicht, die seit einem Jahrzehnt das Fundament seiner Koalition bildet, könnte zu den folgenreichsten Entwicklungen des Jahres 2026 gehören, so übereinstimmend Strategen beider Parteien. Eine Mehrheit der weißen Wähler ohne Studienabschluss billigt seine Wirtschaftspolitik nicht mehr, und die Werte sind niedrig, bei Fox News 33 Prozent Zustimmung, bei CBS News 39, bei der Umfrage von NPR, PBS und Marist 40, bei CNN 43. Er hat den Glauben seiner treuesten Anhänger verloren, und das in der dringlichsten Frage des Jahres.

Seine Berater mühen sich, die Lage zu halten, und versuchen, die Maßnahmen aus dem Steuerpaket des Vorjahres zu verkaufen. Das Finanzministerium legte in diesem Monat einen Bericht vor, der aufzählt, wie die Arbeiter von dem Steuergesetz profitierten. Und in der vergangenen Woche meldete sich mit MAGA Inc. erstmals seit der Wahl 2024 Trumps mit 350 Millionen Dollar ausgestattetes Wahlkampfinstrument zu Wort. Das Thema war bezeichnend, es ging darum, wie gerade die Steuersenkungen der arbeitenden und der mittleren Schicht geholfen hätten.

2024 war Trump an die Macht zurückgekehrt mit dem Versprechen, die illegale Einwanderung zu stoppen und die Inflation zu bändigen, dazu die Wirtschaft in Schwung zu bringen. Sechsundsechzig Prozent der weißen Arbeiterstimmen holte er nach den Nachwahlbefragungen, genau den Anteil, den er schon bei seiner ersten Wahl 2016 bekommen hatte. Doch seit seinem zweiten Amtsantritt haben sein Zollkurs, die hartnäckig hohen Preise für Benzin und Lebensmittel, sein Augenmerk auf die Außenpolitik, zumal auf den Krieg im Iran, und die anhaltende Geldentwertung diese Zustimmung untergraben, obwohl die Zahl der Grenzübertritte stark gesunken ist. In San Francisco warb im April eine Tankstelle mit Preisen von über sieben Dollar für die Gallone, gut 1,85 Dollar je Liter. Der größte Druck kommt von den Lebenshaltungskosten, von den Preisen und den stehenden Löhnen, dazu der Angst, wann der nächste Schlag falle.

Molly Murphy, eine demokratische Demoskopin, die 2024 für die Kampagne der früheren Vizepräsidentin Kamala Harris arbeitete, nennt den Wandel auffallend. Nachdem er den Krieg im Iran begonnen habe, hätten in den Gesprächsrunden jene Arbeiter, die ihn gewählt hatten, keine Worte mehr gefunden, um diesen Schritt zu erklären, und sie spürten ihn über die Benzinpreise am eigenen Leib. In dem Jahrzehnt, in dem Trump nun zu ihrem Leben gehöre, fühle es sich an wie ein Wendepunkt, an dem sie damit rängen, dass er nicht der sei, für den sie ihn gehalten hätten.

Tim Spencer mit seiner Ehefrau

Tim Spencer aus Pella in Iowa, zweiundsiebzig Jahre alt, früher Werkzeug- und Formenbauer, hat Trump einst gewählt. Nun engt ihn der gestiegene Benzinpreis ein, und zusammen mit dem zusehends unsteten Auftreten des Präsidenten hat ihn das vom Anhänger zum Abtrünnigen gemacht. Seinen Chevy-Pickup zu füllen kostet ihn jetzt etwa 140 Dollar statt früher 90. In früheren Sommern zog er mit seiner Frau einen Wohnwagen zu Zeltplätzen quer durch den Mittleren Westen. Bei dem Benzinpreis heute, sagt er, sei es nur noch ein Wohnwagen für Iowa. Man muss dazu wissen, in Pella, Iowa, einer Stadt, in der Trump noch immer über 70 Prozent der Stimmen holte, zogen bereits im Oktober 2025 Menschen mit Pappkronen auf den Köpfen durch die Straßen und riefen: „No kings! No crowns!“ – keine Könige, keine Kronen, Pella, Iowa – einer Stadt, in der Trump fast wie ein König verehrt wird – wagten sich rund 150 Menschen auf die Straße, um „No Kings, No Crowns“ zu rufen. Die meisten waren ältere Frauen, manche über siebzig, die einst keine Kreditkarte ohne männliche Unterschrift besitzen durften und nun für ihre Enkelinnen demonstrieren.

Pella, Iowa

Viele hatten ihm jahrelang Glauben geschenkt, gerade in Geldfragen. In der ersten Amtszeit vertrauten sie dem Bild, das er von sich gezeichnet hatte, dem entschlossenen Geschäftsmann aus der Sendung The Apprentice, und sie erinnerten sich gern an die Wirtschaft unter seiner Aufsicht, als er 2024 erneut antrat. 2018 lagen die Verluste seiner Partei anderswo, vor allem bei den wohlhabenderen Frauen der Vorstädte. Am Vorabend jener Zwischenwahl stand seine wirtschaftliche Zustimmung unter den weißen Wählern ohne Abschluss noch bei sechsundsechzig Prozent, nach einer Erhebung von CNN. Das war einer der Gründe, warum die Republikaner zwar das Repräsentantenhaus verloren, im Senat aber vier demokratische Amtsinhaber aus ihren Sitzen warfen.

In dieser Amtszeit ist sein Ansehen in der Wirtschaft, der Frage, die Strategen beider Lager für die wichtigste des Jahres 2026 halten, noch tiefer gefallen als sein Ansehen überhaupt. Bei denselben Wählern lag die Ablehnung seiner Wirtschaftspolitik zuletzt bei 57 Prozent, gemessen von CNN, und allgemein billigen ihn 38 Prozent, während 58 Prozent ihn ablehnen. Wo die Umfragen tiefer nach der Inflation und den Lebenshaltungskosten fragen, wird das Bild für ihn noch düsterer. Unter den weißen Arbeitern billigten nur 36 Prozent, wie er mit den Lebenshaltungskosten umgeht, und nach Fox News fanden gar nur 25 Prozent seinen Umgang mit der Inflation gut. Viele wählten Trump 2024 gerade wegen dieser Versprechen. Trump habe von sinkenden Benzinpreisen geredet, doch die Preise sind gestiegen. Trump macht es sich mit seinen eigenen Worten nicht leichter, mit denen er die wirtschaftlichen Sorgen so vieler Menschen abtut. Ich liebe die Inflation, sagte er in der vergangenen Woche im Oval Office. Steigende Benzinpreise hatte er zuvor als Lappalie beiseitegewischt, und über den Zeitpunkt, zu dem er den Krieg im Iran herunterfuhr, sagte er, an die finanzielle Lage der Amerikaner denke er dabei nicht. Der letzte Satz läuft bereits in den Anzeigen der Demokraten, etwa in einer gegen den Abgeordneten Rob Bresnahan in Pennsylvania, die ihn in den ersten zwölf Sekunden dreimal aus drei Kamerawinkeln zeigt, unterbrochen nur von drei Wörtern auf dem Schirm, Benzin, Lebensmittel und Nebenkosten.

Die Demokraten sehen darin frühe Erfolge. Eva Kemp, Strategin bei der Gruppe American Bridge, sucht seit Jahren enttäuschte Trump-Anhänger für die Wahlwerbung, und das, sagt sie, sei leichter geworden. In den Gesprächsrunden klinge die Enttäuschung heftiger, und vor allem den Frauen sei die Geduld ausgegangen. In einer dieser Runden in Iowa gaben fast alle Frauen Trump die Note Vier oder Fünf, die weißen Männer benoteten ihn besser. Auch republikanische Strategen, die nur unter dem Schutz der Anonymität reden wollten, wir sprechen hier über Amerika, nicht Nordkorea, beobachten dasselbe Gefälle zwischen den Geschlechtern. John McLaughlin, ein republikanischer Demoskop, der seit Jahren für Trump arbeitet, warnt, die Arbeiter seien unzufrieden mit der Partei und könnten der Wahl fernbleiben, und auch unter den schwarzen und den hispanischen Arbeitern bröckele Trumps Gewinn von 2024. Am Ende, sagt er, halte ihm in der Wirtschaft nur noch eine Gruppe die Treue, die Republikaner selbst. Selbst eine nur lauere Wahlbeteiligung dieser Arbeiter, die 2024 mit mehr als zwei zu eins für ihn stimmten, könnte die Partei im November gefährden. Es sei entscheidend, sie an die Urnen zu bringen, täten sie es nicht, verliere man das Repräsentantenhaus und den Senat.

John McLaughlin, ein republikanischer Meinungsforscher

Gewonnen ist für die andere Seite damit nichts. Der Ruf der Demokraten ist bei den weißen Arbeitern tief beschädigt, und viele von ihnen sind noch lange nicht so weit, dass sie demokratisch wählen wollten. Alex Pfeiffer, ein Sprecher von MAGA Inc., hält dagegen, die Demokraten müssten ihre Bilanz bei der Einwanderung und ihren Widerstand gegen das Steuergesetz des Präsidenten verteidigen, sie müssten erklären, warum sie dafür gestimmt hätten, den Beschäftigten mit Trinkgeld und Überstunden mehr zu nehmen, dazu den Rentnern bei der Sozialversicherung.

Alex Pfeiffer und Trump Post vom 14. Juni 2026

Die Demokraten müssen diese Wähler gar nicht für sich gewinnen, es genügt, sie weniger deutlich zu verlieren. In der jüngsten Erhebung von NPR, PBS und Marist erklärten 44 Prozent der weißen Wähler ohne Abschluss, sie neigten eher dazu, demokratisch zu wählen, gegenüber kümmerlichen 30 Prozent am Vorabend von 2018. Damals führte der Weg der Demokraten zur Mehrheit durch die gebildeten und wohlhabenden Bezirke, vier Sitze gewannen sie allein in Orange County, dazu Sitze rund um Chicago, Minneapolis, New York, Atlanta und Washington. Man habe die Wahlkreise nur nach dem Bildungsgrad ordnen müssen, sagt Mike Smith, der das wichtigste Wahlkampfvehikel der Demokraten im Repräsentantenhaus führt, je weiter oben ein Kreis stand, desto eher wählte er demokratisch. Heute können sie auch dort antreten, wo sie das Feld lange brach liegen ließen, in Iowa, Texas, Ohio und Maine, denn der Senat, sagt Murphy, bestehe aus weißen Arbeiterstimmen. Trump habe die Partei der Country Clubs genommen und sie den Caddies gegeben, sagt McLaughlin, nur stehe er diesmal selbst nicht auf dem Wahlzettel. Der Veteran unter den republikanischen Meinungsforschern, Neil Newhouse, bringt es auf den Punkt, der Einzige, der diese Wähler begeistern könne, sei zugleich der Grund, warum sie eben nicht begeistert seien, und das sei Trump.

Von Berlin aus betrachtet, hat dies einen vertrauten Klang. Auch hierzulande zieht eine Partei ihre Kraft aus eben diesem Milieu, aus denselben Sorgen um Lohn und Preise und demselben Wunsch nach einem, der endlich für die kleinen Leute spricht. Die AfD lebt von diesem Vertrauen, und bei ihren Wählern ist es noch unversehrt, dort, wo es jenseits des Atlantiks gerade zerbricht. Es lohnt, genau hinzusehen, ehe man denselben Weg geht. Denn was die Amerikaner ein Jahrzehnt gekostet hat, die langsame Einsicht, dass der Mann nicht der war, für den sie ihn hielten, lässt sich hier vorhersehen, ohne dass man die Rechnung erst am eigenen Leib begleichen müsste. Wer so wählt, wählt nicht nur sich selbst ins Unheil, sondern das Land gleich mit.

Am Ende steht ein einfacher Satz über den Glauben. Er ist das Letzte, was ein Mensch aufgibt, und am schwersten gibt er zu, dass er ihn verloren hat. Das Versprechen eilt der Tat voraus und überdauert sie, und zwischen dem Wort und dem Preis an der Zapfsäule klafft jener Abstand, an dem sich jeder Glaube misst. Ich liebe die Inflation, sagt der, dem man die Inflation austreiben sollte, und erst an der Tankstelle, zu spät, lernt mancher, dass die Verachtung, die er für Stärke hielt, nie etwas anderes war als Verachtung.

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3 Comments
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Ela Gatto
5 Tage vor

Vielleicht reicht es schon, wenn die Trump Wähler vermehrt nicht wählen gehen.

Trump hat nicht gewonnen gehabt, weil ihn so Viele gewählt gaben, sondern, weil viele Demokraten nicht gewählt haben.

Das eingefleischte Republikaner demokratisch wählen, ist illusorisch.
Dazu liegen die Meinungen über Migration, LGBTQ oder Abtreibung zu weit auseinander.

Aber wenn sie aus Trotz nicht wählen, wäre das sehr hilfreich.
Aber, man muss bedenken, dass ihn immerhin noch 38% unterstützen.

Die AfD Wähler hier sind, dass muss man sagen, intellektuell nicht in der Lage den Zusammenhang USA und AfD zu sehen.

Man kann nur hoffen, dass die „Trotzwähler“ aufwachen und demokratisch wählen.
Keine AfD

Rainer Hofmann
Administrator
5 Tage vor
Antwort auf  Ela Gatto

…die zwischenwahlen dürfen zu einem donnerschlag führen …

Ela Gatto
2 Tage vor
Antwort auf  Rainer Hofmann

Das wäre so zu hoffen

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