Westliche Geheimdienste schätzen, dass der Iran während der Waffenruhe rund drei Viertel seines Raketenarsenals zurückgewonnen hat, teils mit russischen Raketen. Was Trump und sein Verteidigungsminister als Vernichtung feierten, war vielfach nur Schutt über verschlossenen Lagern. Wofür der Krieg geführt wurde, bleibt unerkennbar!
Seit zwischen dem Iran und den Vereinigten Staaten die Waffenruhe gilt, hat Teheran einen erheblichen Teil seines Raketenarsenals vermutlich wiederhergestellt. Westliche Geheimdienste, Experten und Journalisten schätzen, dass das Land inzwischen wieder über etwa drei Viertel seines Bestands aus der Zeit vor dem Krieg verfügt, und einen Teil davon, so heißt es, könnte das iranische Militär mit Raketen russischer Herstellung ersetzt haben, die im vergangenen Jahr gefertigt wurden.
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Welches Land diese Einschätzung liefert, bleibt offen. Ein Teil der Bestände, so zeigen Recherchen, sind mit großer Sicherheit russische Raketen, die im Lauf des vergangenen Jahres vom Band liefen, wie viele es genau sind, ist unklar. Im März, auf dem Höhepunkt des amerikanisch-israelischen Feldzugs gegen die iranische Raketenmacht, hatten die Dienste den verbliebenen Bestand noch auf rund 60 Prozent des Vorkriegsniveaus geschätzt. Der entscheidende Punkt aber ist ein anderer. Viele iranische ballistische Raketen und ihre Abschussvorrichtungen wurden nicht zerstört, sondern zugemauert, begraben unter Trümmern, die den Zugang zu den unterirdischen Lagern versperrten. Teheran nutzte die Waffenruhe, die am 7. April in Kraft trat und bis heute gilt, allem Anschein nach, um diese Lager wieder zu öffnen und die Vorräte neu zu verteilen.

Anfang Mai hat Teheran binnen eines einzigen Monats den Zugang zu etwa 90 Prozent seiner unterirdischen Lager und Startrampen im ganzen Land zurückgewonnen. Festzustellen bleibt auch, dass der Iran sein Arsenal zwar noch nicht vollständig auf den alten Stand gebracht habe, dass es ihm aber leichtfallen werde, in nächster Zeit noch mehr herzustellen. Die iranische Rüstungsproduktion ist auf Anlagen im ganzen Land verstreut, weshalb sie sich nur äußerst schwer ausschalten lässt.
Amerikanische Stellen und der Präsident Donald Trump persönlich hatten zuvor wieder und wieder behauptet, der Iran habe den größten Teil seiner Waffen verloren. Teheran habe keine Flotte und keine Verbindungen mehr, sagte Trump im März, dazu keine Luftwaffe, und seine Raketen seien in Stücke zerfallen. Kriegsminister Pete Hegseth erklärte Anfang April, die amerikanische Operation habe die iranische Armee für lange Jahre kampfunfähig gemacht.
Zwischen diesen Worten und der Einschätzung des unter anderem auch eigenen Nachrichtendienstes liegt der ganze Krieg. Was als Vernichtung gefeiert wurde, war vielfach nur Schutt über verschlossenen Toren, und die Waffenruhe, die den Frieden bringen sollte, wurde zur Zeit, in der man die Tore wieder freilegte. Während die Sieger die Trümmer zählten, grub der Gegner aus, was die Bomben nicht zerbrochen, sondern nur zugedeckt hatten, und aus Russland kam Nachschub auf die Regale. Eine Rüstung, die über ein ganzes Land verteilt ist, lässt sich nicht fortbomben, sie lässt sich nur behaupten. So bleibt am Ende die Frage, die dieser Krieg von Anfang an nicht beantworten konnte, wofür er geführt wurde. Wenn das, was er zerstören wollte, wieder zu drei Vierteln dasteht und die eigentliche Frage des Atomprogramms ungelöst weiterwandert, dann waren seine einzigen sicheren Erzeugnisse die Toten und der Schutt. Die Behauptung des Sieges war das Erste, was die Tatsachen widerlegten, und ein Sinn war auch danach nicht zu finden.
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